ETS-T50 Axe Silent Edition im Test: Enermax' großer, leiser und günstiger Tower-Kühler 2/2

Thomas Böhm 67 Kommentare

Testsystem und Methodik

Für den Test des ETS-T50 Axe Silent Edition wird die AM4-Plattform für Kühlertests genutzt. Dabei kommt ein AMD Ryzen 7 1700X (Test) zum Einsatz, der im geräumigen Thermaltake Suppressor F51 untergebracht wird. Messungen werden sowohl mit Basistakt als auch bei übertaktetem Prozessor durchgeführt. Alle Details zu dem Testsystem und der Methodik hält der Artikel „So testet ComputerBase CPU-Luftkühler“ bereit.

Messergebnisse

Um verschiedene CPU-Kühler sinnvoll miteinander vergleichen zu können, werden die Konkurrenten nicht bei gleicher Drehzahl, sondern in Relation zum Schalldruckpegel dargestellt. Diese Variante berücksichtigt eine unterschiedliche Anzahl an Lüftern ebenso wie verschiedene Lüfterformate. Im Diagramm wird die Temperaturdifferenz zwischen CPU- und Raumtemperatur auf der Y-Achse gezeigt, während auf der X-Achse der zugehörige Schalldruckpegel des jeweiligen Kühlers aufgetragen wird.

Ein Kühler ist umso leistungsstärker, je weiter unten sich seine Kurve im Diagramm befindet, und umso leiser, je weiter links die Kurve verläuft. Temperaturdifferenzen werden in Kelvin angegeben. Zum Übertragen auf den heimischen PC kann der entsprechende Wert einfach auf die Raumtemperatur in °C addiert werden, um die Prozessortemperatur in °C zu erhalten. Die Farbkodierung im Diagramm zeigt die Kühlerklasse: Kompaktwasserkühlungen sind in Blau, Doppelturm-Luftkühler in Schwarz, größere Tower-Kühler in Orange, mittlere Tower-Kühler in Grün und Topblow-Kühler in Grau dargestellt. Das neue Testmuster ist in Rot abgebildet. Per Klick auf eine Linie im Diagramm wird der entsprechende Legenden-Eintrag hervorgehoben und via Klick auf einen Legenden-Eintrag die zugehörige Linie ein- oder ausgeblendet.

Der Enermax ETS-T50 Axe Silent Edition ordnet sich dort ein, wo er aufgrund seines Formates erwartet wird: Besser als die 30-Euro-Klasse an Tower-Kühlern (Test), die allesamt mit 120-mm-Lüfter ausgestattet sind, aber schlechter als Kompaktwasserkühlungen mit wenigstens einem 240-mm-Radiator. Er befindet sich im direkten Konkurrenzkampf mit Tower-Kühlern wie Scythe Mugen 5 (Test), Thermalright HR-02 Macho Rev. B (Test) und be quiet! Dark Rock 4 (Test).

Dieses Niveau hält der Kühler sowohl im Basistakt als auch bei übertakteter CPU bei. Der ETS-T50 Axe Silent Edition bietet also eine gelungene Kühlleistung zu einem mit 35 Euro überaus fairen Preis. Er bringt dafür aber eine Eigenheit mit, die er sich mit dem Alpenföhn Brocken 3 (Test) teilt: Durch die stark begrenzte maximale Lüfterdrehzahl fehlt ihm im Vergleich zur Konkurrenz die Leistungsreserve, die sich andere Kühler über eine höhere Lautstärke noch zusätzlich erkaufen können. Mit einer Lüfterdrehzahl von gut 1.000 U/min und einem Schalldruckpegel von 34,0 dB(A) erreicht der ETS-T50 Axe Silent Edition bereits sein Maximum.

Die Interpretation ist Geschmackssache

Dabei ist es eine Frage der persönlichen Präferenz, ob ein Lüfter mit großem Drehzahlintervall bevorzugt wird, dessen tatsächliche Lautstärke (und damit Kühlleistung) vom Anwender gezielt festgelegt wird, oder einem Ventilator mit sehr niedriger Maximaldrehzahl der Vorzug gegeben wird. Letzterer wird niemals zu laut und kann damit selbst Kunden, die unter keinen Umständen einen Blick ins Bios wagen möchten, mit einem leisen Betrieb in allen Lebenslagen überzeugen. Auf der anderen Seite geht damit die Möglichkeit verloren, dem Kühler bei Bedarf noch etwas mehr zu entlocken. Wer Ambitionen für Übertaktungsrekorde hegt, ist mit einem solchen Kühler schlecht beraten.

Dass der Enermax ETS-T50 Axe theoretisch mehr leisten kann, steht außer Frage: Mit einem Noctua NF-A12x25 als Referenzlüfter agiert er weiterhin auf Augenhöhe mit seinen Konkurrenten, auch wenn es sich „nur“ um einen 120-mm-Lüfter anstelle des 140-mm-Serienventilators handelt. Durch die Möglichkeit eines höheren Luftdurchsatzes steigt die maximale Kühlleistung an; gleichzeitig wird der Kühler aber logischerweise lauter.

Fazit

Der Enermax ETS-T50 Axe Silent Edition soll möglichst viele Käuferschichten gleichzeitig ansprechen: Wer Wert auf die Optik legt, der soll ebenso adressiert werden wie Käufer, die eine möglichst leise Kühlung schätzen. Durch das große Lüfterformat soll außerdem eine hohe Kühlleistung gewährleistet werden und der Lüfter mit seinem eingeschränkten Drehzahlintervall Freunde leiser PC-Hardware zufriedenstellen. Dieses Paket will Enermax zum Kampfpreis von 35 Euro zudem für Sparfüchse attraktiv gestalten: Für Konkurrenten wie den Thermalright HR-02 Macho oder den Scythe Mugen 5 werden über 40 Euro fällig.

Enermax ETS-T50 Axe Silent Edition
Enermax ETS-T50 Axe Silent Edition

So viele Ansprüche benötigen Kompromisse, die auch Enermax eingehen muss. Von der niedrigen maximalen Drehzahl des Lüfters werden Hobby-Übertakter abgeschreckt, die nicht nur im Alltag einen leisen PC wollen, sondern auch an der Taktschraube drehen und dafür eine höhere Lautstärke in Kauf nehmen. Aufgrund des niedrigen Kaufpreises müssen sich Nutzer des ETS-T50 Axe Silent Edition außerdem mit Laufgeräuschen des Ventilators arrangieren können. Die sind zwar nicht aufdringlich, stehen einem explizit als „Silent“ angepriesenen CPU-Kühler aber dennoch nicht gut zu Gesicht.

Enermax schafft also keine eierlegende Wollmilchsau, bietet aber einen soliden und gut verarbeiteten CPU-Kühler an, der durch seine matt-schwarze Optik zu gefallen weiß und für den durchschnittlichen Anwender mehr als genug Kühlleistung bietet. Wer diese Attribute sucht und einen leisen, wenn auch nicht lautlosen PC möchte, ist beim ETS-T50 Axe Silent Edition gut aufgehoben.

Enermax ETS-T50 Axe (Silent Edition)
Produktgruppe Prozessorkühler, 12.03.2019
  • Kühlleistung
    +
  • Qualität Kühlkörper
    +
  • Qualität Lüfter
    O
  • Montage
    +
  • Ausstattung
    O
  • Geringe maximale Lautstärke
  • Gut verarbeiteter Kühlkörper
  • Niedriger Kaufpreis
  • Lüfter wird Silent-Anspruch nicht ganz gerecht

ComputerBase hat den Enermax ETS-T50 Axe Silent Edition vom Hersteller zum Testen erhalten. Eine Einflussnahme des Herstellers auf den Testbericht fand nicht statt, eine Verpflichtung zur Veröffentlichung bestand nicht. Es gab kein NDA.

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