Galaxy S10e, S10 und S10+ im Test: Samsungs teures Smartphone-Trio nähert sich der Perfektion 3/7

Nicolas La Rocco 441 Kommentare

Neue Triple- und Dual-Kamera

Aus zwei mach drei lautet Samsungs Devise nicht nur bei der Anzahl der mit dem Galaxy S10 angebotenen Smartphones, sondern auch bei den rückseitig verbauten Kameras – zumindest beim Galaxy S10 und S10+. Das Galaxy S10e ist wie bisher mit zwei Kameras ausgestattet, wobei auch hier eines der beiden Objektive neu ist.

Rein von den technischen Daten hat sich beim Wechsel vom Galaxy S9 zum Galaxy S10 nicht viel in Sachen Kamera verändert. Die Hauptkamera arbeitet weiterhin mit 12 Megapixeln (1,4 µm Kantenlänge pro Pixel) auf einem 1/2,55 Zoll großen Sensor, der einen Autofokus per Phasenvergleich über jeden der 12 Millionen Pixel durchführen kann. Deshalb wird ein solches System gerne auch „Dual Pixel“ genannt. Die Hauptkamera arbeitet wie zuvor mit einer Brennweite von 26 mm Kleinbild-Äquivalent und wird von einem optischen Bildstabilisator unterstützt. Die Blende ist erneut variabel und arbeitet mit f/1.5 oder f/2.4, wobei das System automatisch zwischen beiden Modi wählt, sofern nicht im manuellen Pro-Modus fotografiert wird. Ein leichtes Klicken der Blende beim Einschalten der Kamera oder beim manuellen Wechsel begleitet das filigrane bewegliche Bauteil.

Das Galaxy S10+, dessen Hauptkamera identisch mit der des Galaxy S10 und S10e ist, schießt wie der Vorgänger Bilder mit kräftigen Farben, scharfen Konturen und guter Dynamik, die vor allem aufgrund des zuverlässigen Auto-HDR gut zur Geltung kommt. Wie üblich für Samsung sind die Bilder allesamt einen Tick heller als etwa bei den aktuellen Pixel-Smartphones von Google, die deshalb einen etwas härteren Kontrast aufweisen. Deshalb wirken die Aufnahmen mit dem Galaxy S10+ manchmal etwas flacher beziehungsweise feine Strukturen werden weniger dramatisch in Szene gesetzt. Das ist zum Beispiel häufig dann der Fall, wenn viele harte Kanten aufeinandertreffen, etwa bei Backsteinen oder anderen gleichmäßig gemusterten Oberflächen.

Samsung Galaxy S10+ – Kamera

Dennoch sehen die meisten Aufnahmen auf Anhieb prächtig aus, ohne dass mit Filtern oder Apps von Drittanbietern gearbeitet werden muss. Seit dem letzten Firmware-Update fällt zudem die Schärfe im Randbereich besser aus, nachdem zuvor vereinzelt Pixelmatsch zu sehen war (Bild 16). Gerade bei Lebensmitteln schießt das Galaxy S10+ schöne Fotos, die zum Teilen der Aufnahmen auf Facebook und Co. einladen.

Galaxy S10+ und iPhone Xs Max im Vergleich

Samsung Galaxy S10+ und Apple iPhone Xs Max im Direktvergleich

Im Direktvergleich einiger Aufnahmen mit der Kamera des Apple iPhone Xs Max (Test) verdeutlicht sich die unterschiedliche Charakteristik beider Systeme. Samsungs Aufnahmen wirken stets eine Spur heller und bietet einen weniger dramatischen Kontrast. Außerdem bildet das Galaxy S10+ Farben intensiver ab, wie es zum Beispiel bei Bild 8 anhand des knallroten Rollers gut zu sehen ist. Bei den Innenaufnahmen bei schummriger Beleuchtung gefällt das Galaxy S10+ mit einer stimmungsvollen Abbildung, die nicht ganz so neutral und damit auch etwas langweilig wie die Apple-Fotos wirkt.

Starke Helligkeitsunterschied, wie etwa bei Aufnahme 12 im Bus, meistert das Galaxy S10+ gut hinsichtlich der Abbildung beider Extreme. Dafür kommt es im Randbereich allerdings wieder zum angesprochenen Pixelmatsch, während das iPhone Xs Max die Strukturen etwa im Polster des Sitzes besser erhält. Dafür ist bei Apple kaum noch zu erkennen, was vor der Windschutzscheibe des Busses passiert. Ein weiteres Beispiel für Samsungs guten Dynamikumfang ist Aufnahme 15 bei Nacht, bei der im Schaufenster mehr Details erkennbar sind.

Teleobjektiv und Ultraweitwinkel

Nachdem zuvor nur das Galaxy S9+ mit einem Teleobjektiv ausgestattet war, nicht aber das normale Galaxy S9, ist dieses nun bei Galaxy S10 und S10+ zu finden. Auch hier übernimmt Samsung die technischen Daten des Galaxy S9+, indem erneut ein 1/3,6 Zoll großer Sensor mit 12 Megapixeln (1,0 µm Kantenlänge pro Pixel) mit Autofokus und optischem Bildstabilisator zum Einsatz kommt. Das Objektiv arbeitet mit fixer Blende f/2.4 und entspricht einem Kleinbild-Äquivalent von 52 mm.

Die dritte Kamera ist hingegen neu und beim Galaxy S10 und S10+ zu finden, während sie beim Galaxy S10e anstelle des Teleobjektivs verbaut ist. Die neue 16-Megapixel-Kamera ist mit einem Ultraweitwinkelobjektiv bestückt, das mit f/2.2 arbeitet und 12 mm Kleinbild-Äquivalent entspricht. In der nachfolgenden Galerie sind Beispiele dafür zu sehen, wie Aufnahmen mit dem Ultraweitwinkel aussehen und was damit möglich. Die Kamera fängt einfach viel mehr ein als die normale Hauptkamera, sodass sich zum Beispiel große Gebäude ohne Veränderung des Standpunktes ablichten lassen.

Samsung Galaxy S10+ – Ultraweitwinkel/Standard/Zoom

Dual-Frontkamera

Auf der Vorderseite ist ebenfalls neue Hardware verbaut, denn die Frontkamera löst nun mit 10 statt 8 Megapixeln und nimmt Videos in UHD- statt WQHD-Auflösung auf. Neu ist zudem die von f/1.7 auf f/1.9 verringerte Blende, die die Kamera etwas weniger lichtempfindlich macht. Zu beachten ist außerdem, dass Samsung weiterhin einer der wenigen Smartphone-Hersteller ist, der die Frontkamera mit einem Autofokus ausstattet.

Bei der Beispielaufnahme ohne Beauty-Filter zeigt sich erneut Samsungs etwas stärkere Aufhellung des Bildes, die ein wenig die im Gesicht sichtbaren Schatten reduziert.

Samsung Galaxy S10+ – Frontkamera

Nur das Galaxy S10+ kommt mit einer zweiten Frontkamera, die mit 8 Megapixeln und f/2.2-Blende arbeitet. Diese wird für die Tiefenberechnung verwendet, um den Bokeh-Effekt auch bei Selfies aktivieren zu können. Aufnahme 2 zeigt hier gut, dass eine klare Trennung von Vordergrund und Hintergrund etwa bei den Haaren stattfindet. Erst hinter dem Kopf ab der Kapuze der Jacke beginnt die Unschärfe. Die Intensität des Effekts lässt sich während der Aufnahme und auch noch im Nachhinein festlegen.

Etwas verwirrend ist die bei allen drei Galaxy S10 im Sucher angebotene Funktion, bei Selfies rauszuzoomen, selbst wenn nur eine Kamera verbaut ist. In der Praxis führen alle drei Galaxy S10 standardmäßig einen leichten Zuschnitt beziehungsweise Zoom durch, um für das Selfie mehr vom eigenen Gesicht und weniger vom Hintergrund einzufangen. Auf den Bildern 3 (Standard) und 4 (ohne Zoom) ist der Unterschied beider Modi erkennbar. Das Herauszoomen eignet sich vor allem für Groufies aka „Selfies“ mit mehreren Personen.

HDR10+ und neue Videostabilisierung

Passend zum neuen Display mit Unterstützung für HDR10+ nimmt die Kamera nun wahlweise Videos in HDR10+ auf. Das Feature ist ab Werk deaktiviert, lässt sich allerdings schnell über die Kamera-Einstellungen aktivieren. Sobald dies der Fall ist, hat der Anwender auch nicht mehr die Auswahlmöglichkeit zwischen H.264 und HEVC, sondern der neuere Codec wird vorgeschrieben.

Videoaufnahmen sind wie beim Galaxy S9 in Ultra HD mit bis zu 60 FPS möglich, wobei in diesem Modus und auch bei Full HD mit 60 FPS die Videostabilisierung nicht mehr zugeschaltet werden kann. Gerade für die Galaxy-S10-Generation hat Samsung eine neue Stabilisierung eingeführt, die selbst actionreiche Szenen zuverlässig stabilisiert. ComputerBase konnte sich deren Arbeitsweise bereits im Rahmen des ersten Hands-Ons ansehen, als Samsung Videoaufnahmen während des Springens auf einem Trampolin durchführte und vergleichsweise ruhige Aufnahmen das Ergebnis waren.

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