XPS 13 (9380) im Test: Dell macht ein sehr gutes Notebook noch besser

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Nicolas La Rocco 134 Kommentare

Webcam ohne Froschperspektive

Im Deckel des Notebooks finden sich gleich zwei große Neuerungen des XPS 13 9380: die neue Webcam und das matte Display. Dells sogenanntes InfinityEdge-Display hatte es dem Hersteller seit Jahren nicht möglich gemacht, die Webcam an einer anderen Position als unterhalb des Displays in der Nähe des Scharniers zu positionieren. Bis zum 9370 war die Kamera unten links im Deckel verbaut, seit dem letzten Jahr dann nach rechts verrückt unterhalb des Dell-Logos und mit Windows-Hello-Unterstützung.

Beim XPS 13 9380 sitzt die Webcam erstmals oberhalb des Displays und verzichtet damit auf die Froschperspektive. In Skype-Gesprächen lässt sich dem Anwender jetzt nicht länger in die Nasenlöcher blicken und auch die Finger erscheinen nicht mehr bei Benutzung der Tastatur im Sichtfeld. Auf gerade einmal 2,25 mm kommt die Kamera, sodass im Rahmen oberhalb des Displays nicht viel mehr als ein kleiner schwarzer Punkt erkennbar ist. Beim getesteten weißen Modell ist der Punkt prominent sichtbar, beim schwarzen Modell hingegen kaum mit bloßem Auge erkennbar.

Den größten Qualitätssprung macht die Kamera hinsichtlich des Blickwinkels, die Bildqualität selbst liegt mit 0,9 Megapixeln und 720p-HD-Auflösung auf unterdurchschnittlichem Niveau, das bei Tageslicht oder guter Ausleuchtung des Büros aber völlig ausreichend für gelegentliche Videotelefonate ist. Rein auf die Bildqualität bezogen, sind kaum Unterschiede zum XPS 13 9360 der Redaktion festzustellen.

Das Full-HD-Display ist wieder matt

Wenige Millimeter unterhalb der Webcam fängt der Bildschirm des XPS 13 an. Dell musste für die neue Webcam nicht das InfinityEdge-Design des Displays opfern und bietet beim 9380 wieder an drei von vier Seiten schmale Ränder. Links und rechts vom Display sind es 4 mm, oben 7 mm und unten, wo das Dell-Logo sitzt, 18 mm.

ComputerBase hat von Dell für den Test ein XPS 13 mit Full-HD-Display ohne Touch-Unterstützung erhalten, das beim 9380 wieder matt ausgeführt ist. Mit dem 9370 hatte Dell die wenig beliebte Veränderung eingeführt, das Full-HD-Display ohne Touch und das Ultra-HD-Display mit Touch jeweils mit einer Glasscheibe abzudecken. Was beim Touch-Bildschirm noch Sinn ergab, führte beim Non-Touch-Modell zu teils störenden Reflexionen, mit denen das 9360 ohne Touch nicht zu kämpfen hatte. Das Plus an Brillanz, das durch das glänzende Glas entsteht, wurde dadurch mehr als egalisiert.

Das von Dell verbaute IPS-Panel ist blickwinkelstabil und übertrifft mit durchschnittlich 406 cd/m² knapp die Werksangabe von 400 cd/m². Die Ausleuchtung des Panels ist gut bis sehr gut, schwächelt aber im unteren rechten Bereich etwas. Dell nutzt mit CABC („Content Adaptive Brightness Control“) wieder eine Funktion, um die Helligkeit dynamisch an den Inhalt anzupassen. Zugriff auf die Funktionen erhalten Anwender über das UEFI. Beim Kontrast gibt es mit 1.586:1 fast eine Punktladung, denn Dell wirbt hier mit 1.500:1.

Ausleuchtung des FHD-Display im Dell XPS 13 (9380)
Ausleuchtung des FHD-Display im Dell XPS 13 (9380)

Dell liefert das XPS 13 mit 150 Prozent Skalierung unter Windows 10 aus, was für eine vergleichsweise große Darstellung sorgt, gleichzeitig aber angenehm für die Augen ist. Im Alltag sind allerdings auch 125 Prozent noch groß genug und bieten mehr Arbeitsfläche. Die Redaktion hat das Gerät hingegen ohne Skalierung und mit nativer Auflösung verwendet. Wer mehr Pixel benötigt, kann zur 4K-Variante greifen, die statt 1.920 × 1.080 dann 3.840 × 2.160 Pixel und Touch bietet. Hier ist dann allerdings wieder die Glasscheibe verbaut, sodass der Bildschirm anfälliger für Reflexionen ist.

Whiskey Lake statt Kaby Lake Refresh

Unter der Haube des XPS 13 werkeln mit der Modellnummer 9380 ausschließlich Prozessoren aus Intels Whiskey-Lake-Familie, die in der 15-Watt-Klasse für Notebooks als Nachfolger von Kaby Lake Refresh fungieren. Ein weiter verbesserter 14-nm-Prozess (14++) erlaubt bei gleicher TDP von 15 Watt höhere Turbofrequenzen. Beim Core i7-8565U des Testmodells bedeutet dies bis zu 4,6 GHz statt der vormals bis zu 4,0 GHz des Core i7-8550U aus dem 9370. In der Praxis kann das neue XPS 13 diese auf dem Papier höhere Leistung aber nicht immer abrufen und das liegt primär an Dells neuer Auslegung der Leistungsprofile im „Power Manager“, die nun etwas weniger Leistung erlauben als im Vorjahr beim 9370, da der Hersteller sich für einen etwas leiseren Betrieb entschieden hat.

Überraschende Benchmarks

Der Hersteller liefert das XPS 13 mit einem eigenen Energieprofil aus, das in den Windows-Einstellungen „Dell“ heißt und ab Werk statt des Ausbalanciert-Profils von Microsoft aktiviert ist. Das Dell-Profil wiederum lässt sich über den „Power Manager“ beeinflussen, einer App des Unternehmens, die zum Beispiel auch Einblick in die Gesundheit des Akkus erlaubt. Hier sind vier Leistungs- respektive Kühlungsprofile hinterlegt, von denen standardmäßig das Profil „Optimiert“ aktiviert ist. Sofern nicht anders gekennzeichnet, sind alle Benchmarks mit diesem Profil durchgeführt worden.

Das Optimiert-Profil soll eine optimale Balance zwischen Leistung, Kühlung und damit auch Lautstärke bieten. Das bedeutet, dass Dell den Lüfter mit diesem Profil zum Beispiel nicht bis aufs Maximum aufdrehen lässt, aber hoch genug, um noch vergleichsweise viel Leistung von der CPU abrufen zu können. Dass das in der Praxis gut funktioniert, zeigen gute Ergebnisse etwa im Geekbench, Cinebench Single-Core, PCMark, Kraken, WebXPRT und 3DMark. Hier liegt das 9380 jeweils vor dem 9370.

Was während der Benchmarks allerdings auffiel, ist der im Vergleich zum 9370 insgesamt leisere Betrieb. Dell scheint das schon im letzten Jahr standardmäßig aktivierte Optimiert-Profil ein wenig mehr in Richtung Lautstärke optimiert zu haben, was sofortigen Einfluss auf die Kühlung und Leistung hat. Denn in den Tests wie Cinebench Multi-Core, Pov-Ray, Handbrake und X265 HD Benchmark schneidet das alte 9370 besser ab, obwohl es mit einer auf dem Papier schwächeren CPU ausgestattet ist. Da diese aber mit höheren Lüfterdrehzahlen gekühlt wurde, konnte teils mehr Leistung abgerufen werden, was die zunächst überraschenden Werte des 9380 erklärt.

XPS 13 unter Dauerlast

Dass Dell das neue XPS 13 9380 anders abgestimmt hat, untermauern die Benchmarks bei Dauerlast, die ComputerBase anhand von zehn Durchläufen im Cinebench R15 Multi-Core durchführt. Das 9370 steigt hier mit 715 Punkten ein, bevor es gleich im zweiten Durchgang zum Einbruch auf 613 Punkte kommt, die dann allerdings mit leichten Abweichungen zwischen 611 und 625 Punkten konstant gehalten werden. Dieser Prozess war allerdings mit einer entsprechenden Geräuschkulisse verbunden.

Anders das 9380: Das Notebook steigt mit 658 Punkten in den Test ein und hält diesen Wert abgesehen von 12 Punkten Abweichung bis inklusive des fünften Durchgangs. Die Leistung fällt zunächst schlechter als beim 9370 aus, dann aber für vier Durchläufe besser. Zum Beginn der Messung gönnt sich der Core i7-8565U für wenige Sekunden bis zu 50 Watt, bevor sich der Wert bis inklusive des fünften Durchgangs bei 29 Watt einpendelt.

Ab dem sechsten Durchgang vollzieht dann aber auch das 9380 einen Knick und es werden nur noch 546 Punkte im Cinebench erreicht. Weil das Package an der 100-Grad-Marke kratzt, muss der Takt von 3,1 GHz auf 2,3 GHz reduziert werden, der Verbrauch sinkt auf 15 Watt. Nachdem der Prozessor ausreichend gekühlt wurde, sind im achten Durchgang wieder 613 Punkte möglich, was dem Leistungsniveau des 9370 entspricht. Danach geht das Notebook erneut auf Talfahrt, bevor im letzten Durchgang schließlich noch einmal sehr gute 632 Punkte erzielt werden.

Welche Werte mit dem alternativen Profil „Ultra-Leistung“ erreicht werden können, das ausschließlich auf Leistung abzielt und die Lüfter bis zum Anschlag drehen lässt, zeigt die rote Linie im Diagramm. Hier steigt das 9380 mit 697 Punkten ein, gefolgt von 681 und 674 Punkten, bevor der erste Einbruch erfolgt, der nur noch 573 Punkte und damit weniger als beim Optimiert-Profil zur Folge hat. Darauf folgt ein Auf und Ab, das mal bessere und mal schlechtere Werte als mit dem Standardprofil ermöglicht. Das liegt daran, dass das Notebook selbst im Ultra-Leistung-Profil eine CPU-Package-Temperatur von 100 Grad Celsius erreicht, wonach die Leistung gedrosselt werden muss.

Die grüne Linie im Diagramm ist schließlich das Ruhig-Profil, mit dem die Lüfter nur noch ein etwas lauteres Säuseln von sich geben, was aber umso mehr die Leistung drosselt. Mehr als 557 Punkte sind mit diesem Profil nicht möglich, im schlimmsten Fall sind es nur noch 483 Punkte. Darüber hinaus bietet Dell ein Profil namens „Kühlen“ an, bei dem nur die Temperatur im Fokus steht. Die Lüfter drehen hier maximal auf, während parallel dazu die Leistung eingebremst wird. Dieser Modus kann in besonders heißen Umgebungen sinnvoll sein, dürfte im Alltag aber keine besonders große Rolle spielen.

Unterm Strich ist der ab Werk eingestellte Optimiert-Modus die beste Wahl, da hier zwar nicht die allerhöchste Leistung, aber eine dauerhaft hohe Leistung abgerufen werden kann und die Lüfter parallel dazu zwar ein deutlich hörbares, aber nicht störendes Rauschen von sich geben. Ohnehin ist dies immer nur unter Volllast der Fall, während zum Beispiel beim Surfen im Netz häufig die Lüfter gar nicht anspringen müssen.

SSD von SK Hynix und schneller Cardreader

Abgesehen vom günstigsten XPS 13 mit 128-GB-SSD, die nur mit PCIe x2 angebunden ist, werden alle 9380 mit PCIe-NVMe-SSDs samt x4-Anbindung ausgeliefert. Im Falle des Testgerätes handelt es sich um eine 256 GB große SK Hynix PC401 im Format M.2 2280, die nach Lösen der acht Gehäuseschrauben (Torx) im Boden durch den Anwender gegen ein anderes Modell getauscht werden kann. Die SSD ist neben dem Akku das einzige ohne viel Aufwand noch durch den Anwender selbst austauschbare Bauteil im XPS 13.

SK Hynix bewirbt die SSD mit sequentiellen Übertragungsraten von 2.500 MB/s lesend und 770 MB/s schreibend, was im Test auch erreicht wird. Die letztes Jahr im 9370 verbaute Toshiba-SSD KXG50ZNV512G lieferte beim Lesen bessere Werte, konnte aber nicht so schnell schreiben. Generell dürften mit den größeren von Dell angebotenen SSDs bessere Werte erreicht werden. Bestellen lassen sich je nach Modell bis zu 2 TB.

Welche SSDs Dell verbaut, zeigen die Treiber im Support-Bereich des Herstellers. Demnach kommen die SSDs neben SK Hynix auch von Intel, LiteOn und Toshiba.

Seit dem letzten Jahr verbaut Dell keinen vollwertigen Cardreader mehr im XPS 13, sondern lediglich einen microSD-Slot, für den vor allem Fotografen keine Verwendung haben, sofern sie nicht mit Adaptern arbeiten wollen. Erfreulich ist aber immerhin, dass Dell nach wie vor einen sehr schnellen Cardreader verbaut, der im Test beim Lesen rund 230 MB/s erreicht und beim Schreiben rund 80 MB/s erlaubt.

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