Oculus Quest im Test: Fazit

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David Pertzborn 199 Kommentare

Mit der Quest liefert Oculus ein hardwareseitig sehr gut funktionierendes VR-Headset, das ganz nebenbei eine neue Kategorie unter den VR-Headsets aufmacht. Bis dato waren die Systeme entweder Zubehör für PC oder Konsole (Oculus Rift, HTC Vive, Windows Mixed Reality oder PSVR), für den reinen Medienkonsum (z.B. Oculus Go) oder in erster Linie für den Businessbereich gedacht (HTC Vive Focus Plus). Die Oculus Quest nennt der Hersteller selbst hingegen sein erstes „All-in-One-Gaming-Headset“ und dahinter steckt quasi die erste VR-Konsole mit Fokus auf Spieler.

Oculus Quest und Rift im Vergleich
Oculus Quest und Rift im Vergleich

Diese Lücke im Virtual-Reality-Markt zu besetzen könnte für Facebook genau der Schritt sein, der VR in den nächsten Jahren dann doch auf den Massenmarkt hilft und VR profitabel macht. Ob diese Wette aufgeht, hängt wie bei Konsolen (und insbesondere wie generell bei VR) aber erneut stark davon ab, ob Oculus genug Partner finden kann, die sich auf die neue Plattform einlassen und genug qualitativ hochwertige Inhalte produzieren. Mit dem Konsolen-Ansatz einer für alle gleichen Hardwarebasis nimmt Facebook allerdings eine bisher störende Variable, den PC der Anwender, aus der Gleichung.

Die Hardware setzt zwar nicht auf das neueste SoC, ist in Bezug auf die anderen wesentlichen Aspekte eines VR-Headsets aber überwiegend positiv zu bewerten. Insbesondere die Darstellungsqualität und das Tracking können überzeugen. Mit Einschränkung gilt dies auch für die Ergonomie des Headsets, wenn es auch eher für Menschen mit großen Köpfen ausgelegt ist. Dafür gibt es im Test keine Einschränkungen bei der Brillennutzung und die an den Pupillenabstand anpassbaren Linsen sind eine deutliche Verbesserung gegenüber denen der Oculus Rift. Erneut überzeugen können auch die Controller, wobei mit Valves Index-Controllern demnächst starke Konkurrenz bereitsteht.

Das positive Fazit der von Oculus eingeführten Neuerung wird allerdings dadurch getrübt, dass eigentlich schon gelöste Probleme wie die Audiowiedergabe und der Streulichteinfall verschlechtert wurden. Ob der SoC ausreicht, müssen hingegen die Entwickler zeigen. Spielkonsolen haben vorgemacht, dass grafisch opulente Titel auch auf alter Hardware möglich sind, weil die einheitliche Basis enorme Optimierungen erlaubt.

Oculus Quest
Oculus Quest

Etwas weniger gut als die Hardware wusste im Test die Software zu gefallen. Von Kleinigkeiten wie fehlenden Einstellungsmöglichkeiten bis hin zu potentiellen Sicherheitsbedenken und fehlenden Medienapps liefert Oculus hier keinen einwandfreien Einstand ab. Das Softwareangebot selbst ist im Großen und Ganzen für den Auftakt als „okay“ zu bezeichnen. Wer bis jetzt noch keine oder wenig Erfahrung mit VR gemacht hat, der hat mit der Oculus Quest 2019 einen besseren Einstieg, als ihn die Oculus Rift 2016 bot. Wer hingegen schon seit drei Jahren auf dem PC in der virtuellen Realität unterwegs ist, sollte über die Oculus Quest nur nachdenken, wenn häufig der Nutzungsort gewechselt werden muss, oder der Wunsch nach einer einfachen All-In-One-Lösung besteht, die keine Bastelei erfordert, denn viele Titel sind nicht neu.

Einen ständig aktualisierten Überblick über alle für das Jahr 2019 angekündigten neuen VR-Headsets liefert der Artikel Virtual Reality: Diese VR-Headsets erscheinen im Jahr 2019. Ein Ausführlicher Test zu Oculus Quest wird schon in Kürze folgen.

ComputerBase hat Informationen, die Oculus Quest sowie Zugang zu ersten Apps von Facebook unter NDA erhalten. Die einzige Vorgabe war der frühstmögliche Veröffentlichungszeitpunkt.

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