Shadow by Blade im Test: Latenz, Bildqualität und Leistung

 2/3
Christopher Lewerenz et al. 198 Kommentare

Auch wenn Shadow auch Kreativschaffenden ein attraktives Angebot machen kann, setzt der Service seinen Fokus auf die Spielergemeinschaft. Und die muss Shadow vor allem bei der Latenz und der Bildqualität sowie der Leistung in AAA-Titeln und deren Auswahl überzeugen.

Die Latenz ist niedrig

Während Bildqualität und die Leistung des genutzten Systems leichter überwindbare Hürden sind, ist die Latenz eines der größten Probleme beim Cloud-Gaming. Shadow schlägt sich allerdings sehr passabel in diesem Bereich und zeigt vor allem bei Shootern, dass es funktioniert.

Während des Tests war ein Ping von 22 ms zum Server von Shadow im Schnitt Standard. In Einzelspieler-Titeln muss der im Vergleich zur Berechnung auf dem PC vollständig angerechnet werden. In Multiplayer-Titeln ist das aber nicht der Fall. Der Grund: Der Großteil der Multiplayer-Spiele hat die Server für Europa ebenfalls in Amsterdam, weshalb der eigene Ping im Spiel meistens bei 1 bis 2 ms liegt – wird das Spiel auf dem eigenen Rechner berechnet, ist es genau anders herum. Im Ergebnis ist die Latenz zum Server des Spiels in Summe gar nicht schlechter, das Spielgefühl aber dennoch potentiell ein anderes: Denn die Eingaben, die gemacht werden, werden erst zu Shadow und anschließend zum Server des Spiels weitergeleitet – die Latenz betrifft also die Eingaben („Input-Lag“). Ob das spürbar ist, kommt auf Spiel und Spieler an.

Während in Strategiespielen die Latenz aufgrund des langsamen Spieltempos kaum spürbar ist, ist sie in schnelleren Spielen wie Forza Horizon 4 oder Call of Duty: Black Ops IV auffällig. Nichtsdestoweniger störte sie beim Spielen im Test schon zu Anfang kaum und fiel irgendwann nicht mehr auf. Am Ende muss jeder Nutzer diesen Aspekt allerdings selbst beurteilen und kann das auch: Der erste Monat kostet bei Shadow zwar auch schon den regulären Abo-Preis, ein dauerhaftes Vertragsverhältnis kommt aber noch nicht zustande.

Die Qualität hängt stark von der Leitung ab

Die Bildqualität hängt auch bei Shadow stark mit der zur Verfügung stehenden Internetverbindung ab, denn der Dienst skaliert deutlich mit der Bandbreite. Aber auch das Spiel macht einen Unterschied.

Wenn der Zugriff auf eine starke und stabile Verbindung gegeben ist, überzeugt das gezeigte Bild in der Regel. Jedoch schwächelt der Service bei Spielen, die viele Details zeigen, dann fällt der Verlust durch Komprimierung stärker ins Gewicht. Ferner gilt: Je mehr Bewegung auf dem Bild zu sehen ist, desto stärker, nimmt die Qualität ab und mehr Bildfragmente erscheinen. Im normalen Windows-Betrieb fällt hingegen kaum ein Unterschied zum eigenen PC auf. Dennoch ist die Qualität im Allgemeinen gut und kann mit dem Angebot von GeForce Now gleichziehen.

Besonders positiv fällt dabei auf: Shadow schlägt sich sehr gut mit niedrigen Übertragungsraten am PC. Die Bildqualität nimmt nur wenig ab und gewährleistet weiterhin einen angenehmen Betrieb. Der für niedrige Bandbreiten empfohlene H.265-Modus sorgt für kaum spürbare Veränderungen am Bild, sichert jedoch ein stabileres Resultat. Das Auftauchen von Bildfragmenten ist trotzdem nicht zu vermeiden.

Schnelle GPU, nicht so schnelle CPU

Die Nvidia Quadro P5000 wird beim Spielen durchweg als eine GTX 1080 erkannt und zeigt dementsprechende Leistung. Der verbaute Intel Xeon ist hingegen nicht immer die optimale Wahl.

In Metro Exodus wird dies besonders klar, denn im Untergrundbereich, der die GPU stärker belastet, ist ein flüssiges Erlebnis mit über 60 FPS möglich. Wird die Szene jedoch gewechselt und der Außenbereich betreten, fallen der CPU immer mehr Aufgaben zu. In dieser Szene limitiert der verbaute Intel Xeon das System, das deutlich unter die 60-FPS-Marke fällt.

Dies ist durchweg auch in anderen AAA-Spielen der Fall, die stark die CPU belasten. Hier müssen gezielt die Einstellungen an das gewünschte Erlebnis angepasst werden. Von 60 FPS in Full HD bei vollen Details in allen Titeln können Spieler damit nicht ausgehen. Werden höhere Auflösungen gefahren, bremst dann die GPU und der Fire-Strike-Extrem-Test im 3DMark zeigt: GeForce Now ist bei der GPU-Leistung überlegen.

Fire Strike Ultra
Angaben in Punkten
    • i7-6700K @4,6 GHz, GTX 1070,
      4.605,0
    • Shadow
      4.822,0
    • GeForce Now
      5.680,0

Massenspeicher und Internetanbindung

Bei den standardmäßig verbauten 250 GB Speicher handelt es sich laut Aussagen von Blade zwar um eine SSD, ganz so einfach ist das jedoch nicht. Im Test konnte festgestellt werden, dass hier eine Art Virtualisierung zum Einsatz kommt, die teilweise auf die Leistung drückt. In CrystalDiskMark zeigt sich dies vor allem bei der Schreibgeschwindigkeit, die teils etwas höher, teils aber auch etwas niedriger als bei einer klassischen HDD ist. Die im Alltag oft wichtigere Leseleistung liegt hingegen auf einem Niveau mit typischen SATA-SSDs. Vermutlich kommt hier eine Art Caching-Lösung zum Einsatz. Interessanterweise fällt die teils niedrige Schreibleistung oft nur deshalb auf, weil die Internetanbindung des Cloud-Computers so hoch ist und in gewissem Maße von der Festplatte ausgebremst wird.

Im direkten Vergleich mit einem typischen Heimrechner samt 100-Mbit/s-Anbindung und normaler SATA-SSD überwiegt jedoch der Vorteil der schnellen Internetverbindung. Die komplette Neuinstallation inklusive Download von Devil May Cry (9,6 GB Größe) geht auf dem Cloud-Rechner fast viermal so schnell vonstatten und benötigt statt knapp 20 Minuten nur rund 5 Minuten.

Auf der nächsten Seite: Erfahrungen, Probleme und Fazit