ViewSonic XG240R im Test: RGB-Gaming-Monitor leuchtet synchron mit der Peripherie

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Frank Hüber 94 Kommentare

Helligkeit und Farbraum

Der ViewSonic XG240R erreicht mit maximal 322 cd/m² in der Bildmitte nicht ganz die vom Hersteller angegebenen 350 cd/m². Diese maximale Helligkeit wird auch nur im Farbprofil „Native“ erreicht, sRGB fällt mit lediglich rund 120 cd/m² deutlich dunkler und zu dunkel aus. Die Helligkeitsverteilung ist nicht ganz gleichmäßig. Nicht nur, dass die untere linke Bildecke mit 258 cd/m² am dunkelsten ausfällt, auch im oberen Bereich ist die linke Bildhälfte dunkler als die rechte. Dies ist bei weißem Bildinhalt in Kombination mit den TN-typisch eingeschränkten Blickwinkeln sichtbar. Der XG2530 und der 27GK750F schneiden hier etwas besser ab. Nicht überzeugen kann beim XG240R zudem der Blickwinkel von unten, der im Vergleich noch deutlicher abfällt als von oben oder den Seiten. TN-typisch ist eine frontale Sicht auf das Display wichtig.

Schwarzwert okay, Kontrast zu niedrig

Der Schwarzwert des XG240R liegt bei maximaler Display-Helligkeit bei durchschnittlich 0,32 cd/m², wobei die hellste Stelle rechts oben 0,371 cd/m² hell leuchtet und die dunkelste Stelle links unten mit 0,275 cd/m². Auch wenn der Schwarzwert niedriger ausfallen könnte, ist dieser noch als gut zu bewerten. Der resultierende Kontrast von rund 895:1 liegt hingegen wieder leicht unter den ViewSonic-Spezifikationen von 1.000:1. Deutliche Lichthöfe oder ein Backlight-Bleeding sind im Alltag nicht zu erkennen.

Bei minimaler Helligkeit leuchtet der XG240R bei der Darstellung von Weiß allerdings mit mindestens 60,5 cd/m² (linke untere Ecke) und maximal mit 74,7 cd/m² (Display-Mitte). Keine sehr guten Werte, allerdings vergleichbar mit dem XG2530 und deutlich besser als der zu helle LG 27GK750F. Die Inhomogenität und ihre Intensität sind dabei auf das gesamte Display betrachtet identisch zur Wiedergabe mit maximaler Helligkeit.

Auch bei der Farbtreue zeigt sich das TN-Panel

ComputerBase testet die Farbwiedergabe des XG240R mit Calman ColorMatch, das die dargestellte Farbe des Monitors mit der vom Programm angezeigten Farbe vergleicht. Interessant an dieser Stelle sind insbesondere der durchschnittliche und der maximale Delta-E-Wert und das Delta-E-2000-Diagramm, da diese angeben, wie stark die Farbwiedergabe von dem ausgewählten Farbstandard abweicht. Eine Abweichung von 1 dE ist für das menschliche Auge so gut wie nicht sichtbar. Ein kalibriertes Display sollte so eingestellt sein, dass die durchschnittliche Abweichung unter 3 dE und das maximale dE unter 5 liegt. Eine Abweichung über 3 dE wird als sichtbar für das menschliche Auge aufgefasst. Unkalibrierte Monitore liegen normalerweise weit darüber. Das Delta-E-2000-Diagramm zeigt die Abweichung für jeden gemessenen Farbwert an.

Im dargestellten CIE-1976-Chart des ViewSonic XG240R ist zu sehen, welche Farbpunkte wie stark vom angestrebten Farbwert abweichen. Bei einem optimal eingestellten Display sollten alle Punkte innerhalb der Quadrate liegen.

Mit einer durchschnittlichen Farbabweichung von 7 dE und einer maximalen Abweichung von 14,1 dE schneidet der XG240R schlechter ab als der XG2530 und 27GK750F, die sich dieser Messung bereits im Test unterziehen mussten. Die Abweichungen zwischen dem Modus „sRGB“ und „Native“ sind dabei so gering, dass Nutzer problemlos auch den helleren Modus „Native“ wählen können, da der XG240R unabhängig davon kein Monitor für die Bildbearbeitung ist. Die Farbabweichungen des XG240R sind allerdings im direkten Vergleich so groß, dass man ihm im Multi-Monitor-Setup keinen IPS- oder VA-Monitor zur Seite stellen sollte, ohne sich dessen sehr bewusst zu sein. Wie immer gilt: Vergleichen macht unglücklich.

Display- und Input-Lag (Beta)

Die eingeführten Messungen zum Display- und Input-Lag befinden sich weiterhin im Betastadium und ComputerBase bittet sie auch als solche zu verstehen, da beide Messmethoden Vor- und Nachteile haben. Darüber hinaus wirken sich viele Faktoren bei den Display-Einstellungen auf das Ergebnis aus, die es noch näher zu analysieren gilt. Bei den Messungen wird immer die schnellste Display-Einstellung („Response Time“ oder „Overdrive“) im OSD gewählt, sofern in den Diagrammen nicht anders angegeben.

Display-Lag

Beim Display-Lag wird die reine Verzögerung durch die Bildverarbeitung und Ausgabe des Displays betrachtet. Sie ist vom Input-Lag, also der Verzögerung, bis eine Eingabe auf dem Bildschirm wahrnehmbar umgesetzt wird, zu unterscheiden. Den Display-Lag misst ComputerBase dabei mit der sogenannten CRT-Methode, bei der ein analoger CRT alias Röhrenmonitor als Basis und Referenzwert dient und anhand eines präzisen Millisekundenzählers auf dem CRT und LCD die Ausgabe durch zahlreiche Fotos mit sehr kurzer Verschlusszeit verglichen wird. In der Praxis muss einschränkend gesagt werden, dass auch diese Messungen nur als Näherungswerte betrachtet werden sollten, die nicht immer den tatsächlichen Wert darstellen müssen. Aufgrund immer gleicher Testbedingungen ermöglichen sie aber einen guten Vergleich verschiedener getesteter Monitore untereinander, weshalb einige bereits getestete und zukünftig im Test vertretene Displays als Vergleich dienen.

Display-Lag
Angaben in Millisekunden
    • Samsung S24F356FH
      0,00
    • ViewSonic VX3258-2KC (Standard/Low Input Lag an)
      0,50
    • ViewSonic VX3258-2KC (Ultra Fast/Low Input Lag an)
      0,50
    • ViewSonic XG240R (Standard)
      0,72
    • Asus ROG Strix XG35VQ (OverDrive 5)
      1,01
    • Asus ROG Strix XG35VQ (OverDrive 0)
      1,90
    • LG 32GK850F
      1,91
    • ViewSonic XG3240C
      2,05
    • BenQ EX3203R
      2,05
    • Dell U3219Q (schnell)
      9,16
    • Dell U3219Q (normal)
      12,22
    • ViewSonic VX3258-2KC (Standard/Low Input Lag aus)
      17,00
    • ViewSonic XG2530
      17,24
    • ViewSonic VX3211-4K
      19,95
    • Dell U4919DW (normal)
      20,75
    • ViewSonic XG3220
      21,10
    • Eizo EV3285 (Standard)
      29,46

Der XG240R erlaubt über das OSD die Konfiguration des Overdrives in den Stufen „Standard“, „Fast“, „Faster“, „Ultra Fast“ und „Fastest“. Beim Display-Lag kommt der Monitor von ViewSonic auf sehr schnelle 0,72 ms. Auf „Fastest“ ist je nach Bildinhalt ein minimales Ghosting zu erkennen, die beste Einstellung ist – subjektiv – mit „Fast“ getroffen, da die Auswirkungen auf die Reaktionszeit ohnehin minimal sind und die Bildqualität nicht leidet.

Input-Lag

Den Input-Lag misst ComputerBase hingegen mit Hilfe einer umgebauten Maus, an deren Schalter eine LED gelötet wurde, um die Verzögerung zwischen Knopfdruck und wahrnehmbarer Umsetzung auf dem Display optisch analysieren zu können. Diese Messung ist ebenfalls nicht als absoluter Wert zu betrachten, da der Input-Lag von den eingesetzten Komponenten des PCs abhängig ist und die Auswertung ebenso Toleranzen beinhaltet. Auch in diesem Fall ist das Ziel somit, vielmehr einen Vergleich unter getesteten Monitoren zu ermöglichen, als einen allgemein gültigen absoluten Wert zu ermitteln. Displays mit nur sehr geringem Unterschied sollten aufgrund der nicht zu verhindernden Messtoleranzen als ebenbürtig angesehen werden. Während die Monitore beim Display-Lag methodenbedingt alle mit 60 Hz, aber deaktiviertem V-Sync betrieben werden müssen, kommt bei der Messung des Input-Lags die maximale Bildwiederholfrequenz des Bildschirms bei deaktiviertem V-Sync zum Einsatz.

Input-Lag
Angaben in Millisekunden
    • BenQ EX3203R
      38,54
    • ViewSonic XG3240C
      38,88
    • LG 32GK850F
      39,16
    • Asus ROG Strix XG35VQ (OverDrive 5)
      39,58
    • ViewSonic VX3258-2KC (Ultra Fast/Low Input Lag an)
      39,58
    • Samsung S24F356FH
      41,17
    • ViewSonic XG240R (Fastest)
      41,20
    • ViewSonic XG240R (Standard)
      41,60
    • Dell U4919DW (schnell)
      41,67
    • ViewSonic XG2530
      43,75
    • ViewSonic VX3258-2KC (Standard/Low Input Lag an)
      43,75
    • ViewSonic VX3211-4K
      44,79
    • Dell U4919DW (normal)
      44,79
    • Dell U3219Q (schnell)
      46,67
    • ViewSonic VX3258-2KC (Standard/Low Input Lag aus)
      50,00
    • Eizo EV3285 (Standard)
      60,42
    • ViewSonic XG3220
      66,70
    • Eizo EV3285 (Enhanced)
      77,50

Beim Input-Lag bestätigt sich ebenfalls die schnelle Verarbeitung des XG240R, auch wenn der Monitor hier nicht zum Spitzenfeld zählt. Die Unterschiede sind jedoch gering und der XG240R bleibt auch bei diesem Test eine Option für Spieler.

Fazit

ViewSonic will mit dem XG240R die Bedürfnisse von Spielern befriedigen und sieht diese in einem schnellen TN-Panel mit einer Bildwiederholrate von 144 Hz und einer RGB-LED-Beleuchtung im Monitor. Dies soll zu einem konkurrenzfähigen Preis geschehen, der derzeit bei rund 280 Euro liegt.

Doch die Konkurrenz in diesem Bereich ist groß, Asus, Acer, LG, Dell und BenQ bieten gleich mehrere Modelle mit gleicher Größe, Auflösung und 144 Hz zu einem nochmals niedrigeren Preis an. ViewSonic muss mit dem XG240R demnach überzeugen, um die Konkurrenz auszubooten.

Bei der Geschwindigkeit des Displays muss ViewSonic die Mitbewerber nicht fürchten. Auch das OSD ist sehr gut gelungen, trotz der Tastenbedienung. Die Farbtreue und die Blickwinkel des TN-Panels überzeugen jedoch nicht, diese Einschränkungen muss man bei der Technologie aber zwingend in Kauf nehmen. Auch die Homogenität der Hintergrundbeleuchtung könnte besser ausfallen.

RGB-Beleuchtung als Alleinstellungsmerkmal? Ja und nein!

Bezieht man die RGB-Beleuchtung mit in die Bewertung und den Vergleich ein, bleibt bei den Full-HD-Monitoren mit 24 Zoll und mindestens 144 Hz nur noch der Asus ROG Swift PG248Q im Preisvergleich übrig, der diese Spezifikationen und eine Beleuchtung ebenfalls bietet. Mit fast 400 Euro ist er, auch aufgrund der G-Sync- anstelle der FreeSync-Unterstützung, jedoch deutlich teurer.

Ist der ViewSonic XG240R also doch konkurrenzlos zu seinem Preis? In der Praxis nicht, denn auch wenn die RGB-LED-Hintergrundbeleuchtung selbst gut funktioniert und zudem einwandfrei mit Razer Chroma, womit sie im Test synchronisiert wurde, zusammenarbeitet, ist der ausschließlich nach hinten gerichtete Effekt für den Nutzer im Alltag zu wenig wahrnehmbar. „Elite RGB“ würde deutlich von einer stärkeren Ausrichtung nach unten und zu den Seiten profitieren, denn die Technik selbst ist sehr gut. Dabei liegt es nicht nur an einer zu geringen Helligkeit, dass der Wow-Effekt ausbleibt, sondern vor allem auch daran, dass die LED-Streifen zu weit nach innen gerichtet sind, um eine frontal sichtbare Wirkung zu entfalten. Ohne dass das Zimmer vollständig verdunkelt wird, ist der Effekt selbst bei einer direkt dahinter liegenden Wand nur schwach zu sehen. Bei normaler Zimmerhelligkeit sieht man den Effekt gar nicht. Nur für Spieler, die aufgrund ihrer RGB-Beleuchtung in der Dunkelheit spielen, ist die Beleuchtung somit ein nettes Extra.

Als reiner Gaming-Monitor zu einem akzeptablen Preis überzeugt der ViewSonic XG240R aufgrund seiner sehr schnellen Reaktionszeit, der geringen Latenz und der variablen Bildwiederholfrequenz von 144 Hz und kann selbst enthusiastischen Spielern empfohlen werden. Ob 24 Zoll und Full HD aber überhaupt eine sinnvolle Wahl sind, muss jeder selbst entscheiden.

ComputerBase hat den XG240R leihweise von ViewSonic zum Testen erhalten. Eine Einflussnahme des Herstellers auf den Testbericht fand nicht statt, eine Verpflichtung zur Veröffentlichung bestand nicht. Es gab kein NDA.

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