Corsair VS450 im Test: Technik im Detail analysiert

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Nico Schleippmann 33 Kommentare

Nach dem Lösen der Schrauben und dem Öffnen des Netzteils fällt der Blick auf die Elektronik. Wie immer gilt: Nicht nachmachen – Lebensgefahr!

Genauso wie be quiet! mit dem System Power 9 setzt Corsair für den Refresh der Einstiegsserie VS auf HEC als Auftragsfertiger. Gegenüber den System Power 9 ab 400 W Ausgangsleistung sind in den VS-Netzteilen keine DC-DC-Abwärtswandler für die Minor-Rails vorhanden. Stattdessen werden die 5- und die 12-Volt-Schiene gruppenreguliert.

Technische Daten VS450 (2018)
Primärseite
EMV-Filter 2 X-, 4 Y-Kondensatoren, 2 CM-Drosseln, Ferrit
Sicherungen Feinsicherung, MOV
Brückengleichrichter 1 ?
Aktive PFC 2 MOSFETs (Great Power GPT13N50D), 1 Diode (NXP BYC8X-600)
Einschaltstrombegrenzer NTC
Zwischenkreiskondensator Teapo (LH-Serie) 270 µF, 400 V, 85 °C
Standby-IC Power Integrations TNY289
Konvertertopologie Double-Forward
Schalter 2 Great Power GPT13N50D
Sekundärseite
Gleichrichter +12 V 2 SBRs (PFC PFR30L60CT)
Gleichrichter Minor-Rails je 1 SBR SBRs (PFC PFR30L45CT)
Filterkondensatoren +12 V 3 Teapo 2.200 µF (SC-Serie)
Filterkondensatoren 5 V 2 Teapo 2.200 µF (SC-Serie)
Filterkondensatoren 3,3 V 2 Teapo 2.200 µF (SC-Serie)
Filterkondensatoren 5 VSB 2 Teapo 2.200 µF (SC-Serie)
Supervisor-IC Weltrend WT7527V
Lüfter
Modellbezeichnung Yate Loon D12SH-12
Technische Daten 120 mm, Sleeve-Gleitlager, x UPM

Große Ähnlichkeiten zu bekannten Abwandlungen von be quiet!, Cooler Master und Cougar gibt es auch in der Schaltungstopologie und der Bauteilebestückung. Great Power zählt hier als beliebtester Zulieferer für MOSFETs, Teapo für Elkos und PFC für die Schottky-Gleichrichterdioden.

Die Eingangsfilterung, bestehend aus Kondensatoren und Spulen, soll die Konformität zu EMV-Normen sicherstellen, die Grenzwerte für hochfrequente Störströme in das Niederspannungsnetz festlegen. Mit einer Feinsicherung und einem MOV als passivem Überspannungsschutz schützt sich das Netzteil zudem gegen Störungen aus dem Energieversorgungsnetz.

Die aktiven Bauelemente der aktiven PFC sind sehr großzügig ausgelegt, weil gleich zwei MOSFETs eingesetzt werden, die durch Parallelschalten nur noch den halben Leitwiderstand aufweisen. Der pulsierende Eingangsstrom wird in einem Elko zwischengespeichert, der mit 85 °C eine niedrigere als die gewöhnlichen 105 °C aufweist Bezüglich der Lebensdauer des Netzteils stellt dieser keine kritische Komponente dar, insbesondere wenn das Netzteil mit einer Eingangsspannung von 230 V betrieben wird. Gegen hohe Einschaltströme, die die Haussicherung auslösen könnten, schützt ein NTC-Widerstand.

Der Hauptwandler besteht aus einem „Double Forward“, der die knapp 400 V Gleichspannung auf 12 und 5 V hinabsetzt. 3,3 V werden außerdem von der 5-Volt-Wicklung des Transformators generiert, indem der Sättigungseffekt einer separaten Drossel ausgenutzt wird. Gegenüber der DC-DC-Abwärtswandlung ist diese Topologie aus Sicht der Genauigkeit der Spannungsregelung im Nachteil, weil die 12- und die 5-Volt-Schiene nur gemeinsam geregelt werden können und die 3,3-Volt-Schiene ebenso eine Abhängigkeit von der 5-Volt-Schiene aufweist. Eine weitere Einsparung betrifft die sekundäre Gleichrichtung, die über Schottky-Dioden statt MOSFETs stattfindet, weshalb höhere Verluste in diesen Bauelementen anfallen. Weil diese Verluste den größten Anteil ausmachen, wird der Lüfter nach der Temperatur des Gleichrichter-Kühlkörpers gesteuert.

Neben den Drosseln gibt es außerdem Elkos als Ausgangsfilter. Die Elkobestückung ist aber relativ spärlich, weil auf allen Spannungsschienen jeweils nur zwei 2.200-µF-Elkos vorhanden sind. Schutzschaltungen werden über den Weltrend WT7527V bereitgestellt, wobei der Überhitzungsschutz über einen separaten Schaltkreis implementiert werden muss. Die Verarbeitungs- und Lötqualität sind wie von HEC gewohnt auf einem sehr hohen Niveau. Die vergleichsweise einfache Schaltungstechnik erlaubt den Einsatz einer einlagigen Pertinax-Platine, die gegenüber FR4-Glasfaser-Derivaten deutlich günstiger ist.

120-mm-Lüfter mit einfachem Gleitlager

Corsair VS450
Corsair VS450

Als Lüfter kommt ein günstiges 120-mm-Fabrikat von Yate Loon zum Einsatz, das lediglich über ein Sleeve-Gleitlager verfügt. Dieses sehr einfache Gleitlager trocknet mit der Zeit aus, weshalb der Lüfter ein kritisches Bauteil für die Kalkulation der Lebensdauer des Netzteils darstellt.

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