Corsair VS450 im Test: Kleines ATX-Netz­teil für System­in­tegra­toren

Nico Schleippmann 33 Kommentare
Corsair VS450 im Test: Kleines ATX-Netz­teil für System­in­tegra­toren

tl;dr: Das VS450 ist der Einstieg in das Netzteilangebot von Corsair. Es ist darauf ausgelegt, gesetzliche Anforderungen an den Wirkungsgrad zu erfüllen, lässt ansonsten aber elektrische Performance vermissen. Die Elektronik weist so zwar eine grundsolide Qualität auf, fällt technologisch jedoch hinter die Konkurrenz zurück.

Obwohl die Netzteil-Einstiegsserien technologisch weit hinter der Mittel- und Oberklasse zurückliegen, machen diese den größten Absatz in der Branche aus. Der Wirkungsgrad, die Lautstärke und die Qualität der Ausgangsspannungen sowie der verbauten Technik sind aufgrund des Preisdrucks klar unterlegen, genügen aber den Ansprüchen der Kunden, denen es nur auf eine ausreichende Leistungsfähigkeit ankommt. Weil die Zuverlässigkeit von Netzteilen wesentlich von der Betriebstemperatur der Bauteile abhängt, wirkt sich eine schlechte Effizienz aber gleich doppelt negativ aus.

Zum Vorgänger des Corsair VS450 sind keine großen Sprünge im Wirkungsgrad zu erwarten, weil es die gesetzlichen Mindestanforderungen für Netzteile in Komplettsystemen nach wie vor nur zu erfüllen gilt. Der Refresh der VS-Serie betrifft aktuell nur die Ausgangsleistungen 450, 550 und 650 Watt, obwohl gerade für Office-PCs die Leistungsklasse unterhalb von 400 Watt von Interesse ist.

Die Details zu der Testmethodik, der eingesetzten Teststation, den elektrischen Messungen und den Schalldruckpegelmessungen sind auch in diesem Fall im Artikel „So testet ComputerBase Netzteile“ separat nachzulesen. Eine ständig aktualisierte Übersicht empfehlenswerter Netzteile bietet die Netzteil-Rangliste mit Bestenliste.

Technische Eckdaten im Vergleich

Da das Corsair VS450 über einen Weitbereichseingang verfügt, ist es nach 80Plus mit 115 V Eingangsspannung zertifiziert. Ob es auch die Anforderungen an 80Plus EU erfüllt, gilt in den Messungen nachzuweisen, denn erst mit einem Wirkungsgrad nach 80Plus EU darf das Netzteil in Komplettsystemen innerhalb der EU verkauft werden. Das ATX-Netzteilgehäuse weist einen besonders kompakten Formfaktor auf, weil es in der Tiefe lediglich 125 mm misst. Trotzdem ist es Corsair gelungen, einen 120-mm-Lüfter zu verbauen, von dem sich der Hersteller eine geringe Lautstärke verspricht.

Hersteller Corsair
Modell VS450 (2018)
80Plus 80Plus
Lüfter 120 mm
Einbautiefe 125 mm
AC Eingang Spannung 100 ‑ 240 V
DC Ausgang +3,3 V 20 A
+5,0 V 20 A
+12 V 36 A
-12,0 V 0,3 A
+5 VSB 3 A
+3,3 V & +5 V ges. 110 W
+12 V ges. 432 W
Gesamtleistung 450 W

Für Corsair hat die Dokumentation der Schutzschaltungen des VS450 keine Priorität, denn weder auf der Umverpackung noch in den beiliegenden Sicherheitsinformationen klärt der Hersteller darüber auf. Auf der Website wird auf ein allgemein gehaltenes Handbuch verlinkt, das nicht explizit auf einzelne Netzteilserien eingeht und darüber hinaus falsche Informationen enthält, darunter das Versprechen einer Effizienz von mindestens 80 Prozent ab 10 Prozent Last. Aus den Messungen können die Schutzelemente aus der nachfolgenden Tabelle letztendlich nachgewiesen werden. Ein Überlastschutz ist gewöhnlich im PFC-Controller integriert, allerdings fehlen Shunt-Widerstände für die Strommessung und die Schutzschaltung löst auch nicht wie erwünscht aus.

VS450 (2018)
Unterspannungsschutz (UVP) ja
Überspannungsschutz (OVP) ja
Kurzschlusssicherung (SCP) ja
Überlastschutz (OPP) nein
Überstromschutz (OCP) ja (außer auf +12-V-Schiene)
Überhitzungsschutz (OTP) ja

Garantiebedingungen

Händler in Deutschland haften innerhalb der ersten 24 Monate nach dem Kauf über die Gewährleistungspflicht für die Funktionsweise des Netzteils. Damit Händler mit ihrer Pflichterfüllung nicht auf dadurch entstandene Schäden sitzen bleiben, hat sich eine 24-monatige Herstellergarantie zum Standard etabliert. Zusätzliches Vertrauen möchte Corsair mit der dreijährigen Garantie des VS450 schaffen. Anstatt eine Garantieabwicklung über den Händler zu veranlassen, besteht auch die Möglichkeit, den Hersteller direkt zu kontaktieren, wodurch der Umtauschprozess beschleunigt werden kann. Dadurch, dass Corsair einen Service-Standort in Deutschland unterhält, bleiben die Versandkosten zudem im überschaubaren Rahmen.

Lieferumfang und Äußeres

Das Netzteilgehäuse des VS450 ist robust gebaut und sehr schlicht gehalten. Das Lüftergitter wurde demnach nur aus dem Gehäuse gestanzt. Die seitlichen Aufkleber sind wie bei den anderen Netzteilserien von Corsair farblich neutral gehalten. Die Adern der Kabelstränge sind aber ganz herkömmlich nach den Farben für die einzelnen Spannungsschienen nach dem ATX-Standard kodiert.

Der Lieferumfang wurde mit dem Kaltgerätekabel, Schrauben und Sicherheitshinweisen auf das Wesentliche reduziert. Immerhin sind aber alle Kabelstränge ummantelt und ein Plastikring an der Kabeldurchführung schützt vor Beschädigungen des Sleeves.

Kabelausstattung

Die Steckerbestückung ist für ein Netzteil der 450-W-Klasse angemessen. Zwei PCIe- und gleich sieben SATA-Anschlüsse genügen für die allermeisten Gaming-PCs. Zwar sind die PCIe-Stecker nur mittels einer Y-Aufsplittung realisiert worden, doch sollte eine fordernde Oberklasse-Grafikkarte ohnehin nicht mit einem Einstiegsnetzteil betrieben werden. Der EPS-Strang ist mit 60 cm von noch zufriedenstellender Länge, sodass in vielen ATX-Gehäusen eine rückseitige Kabelverlegung hinter dem Mainboardtray ermöglicht wird.

Kabelausstattung (Länge in cm) VS450 (2018)
nicht abnehmbar
24-Pin ATX 1 (53)
4+4-Pin EPS 1 (60)
6+2-Pin PCIe 2 (54 + 12)
SATA 7 (46 ‑ 70)
Molex 2 (58 ‑ 70)
FDD 1 (82)

Eine hohe Flexibilität bei der Installation ermöglicht die Aufteilung der Peripherie-Anschlüsse auf drei Kabelstränge, sodass Laufwerke auch in größeren Abständen zueinander angebunden werden können. Das Sleeve deckt lediglich den funktionalen Aspekt der Aderbündelung ab, kann aber außer am 24-Pin-ATX-Strang keinen wirklichen Blickschutz bieten.

Auf der nächsten Seite: Technik im Detail analysiert