Pixel 3a im Test: Google bringt ein bisschen Nexus zurück

Nicolas La Rocco 186 Kommentare
Pixel 3a im Test: Google bringt ein bisschen Nexus zurück

tl;dr: Erstmals seit vielen Jahren stellt Google mit dem Pixel 3a und Pixel 3a XL wieder Hardware zur Entwicklerkonferenz I/O vor. Mit Preisen von 399 Euro und 479 Euro werden Erinnerungen an frühere Nexus-Geräte geweckt. Die Hardware ist diesmal aber Mittel- statt Oberklasse, die Software im Test daher das Beste am Smartphone.

Auf Monate voller Leaks, die bis zurück zum Januar reichen, als eines der Geräte sogar schon in einem Hands-on-Video auf YouTube zu sehen war, folgt heute zur Google I/O 2019 die Bestätigung: Mit dem Pixel 3a und dem Pixel 3a XL gibt es nach langer Zeit wieder mal neue Hardware im Rahmen der Entwicklerkonferenz. Was zu Nexus-Zeiten noch gang und gäbe war, war zuletzt auf die Pixel-Events im Oktober beschränkt.

Pixel 3a und Pixel 3a XL sind Mittelklasse-Smartphones, die ab sofort zu Preisen von 399 Euro und 479 Euro über den Google Store sowie Media Markt und Saturn in Deutschland erhältlich sind. Google bietet jeweils nur eine Variante mit 4 GB RAM und 64 GB nicht erweiterbarem Speicher an. Hierzulande stehen die Farben Schwarz und Weiß zur Auswahl, in den USA gibt es zusätzlich eine Version in Violett.

Technische Daten und Vergleich mit Pixel 3 und Pixel 3 XL

Google Pixel 3a
Google Pixel 3a XL
Google Pixel 3
Google Pixel 3 XL
Software:
(bei Erscheinen)
Android 9.0
Display: 5,60 Zoll
1.080 × 2.220, 441 ppi
OLED, HDR, Dragontrail Glass
6,00 Zoll
1.080 × 2.160, 402 ppi
OLED, HDR, Dragontrail Glass
5,50 Zoll
1.080 × 2.160, 439 ppi
OLED, HDR, Gorilla Glass 5
6,30 Zoll
1.440 × 2.960, 522 ppi
OLED, HDR, Gorilla Glass 5
Bedienung: Touch, Fingerabdrucksensor
SoC: Qualcomm Snapdragon 670
2 × Kryo 360 Gold, 2,00 GHz
6 × Kryo 360 Silver, 1,70 GHz
10 nm, 64-Bit
Qualcomm Snapdragon 845
4 × Kryo 385, 2,80 GHz
4 × Kryo 385, 1,80 GHz
10 nm, 64-Bit
GPU: Adreno 615 Adreno 630
710 MHz
RAM: 4.096 MB
LPDDR4X
Speicher: 64 GB 64 / 128 GB
1. Kamera: 12,2 MP, 2160p
Dual-LED, f/1,8, AF, OIS
2. Kamera: Nein
3. Kamera: Nein
4. Kamera: Nein
5. Kamera: Nein
1. Frontkamera: 8,0 MP, 1080p
Display-Blitz, f/2,0
8,0 MP, 1080p
Display-Blitz, f/1,8
2. Frontkamera: Nein 8,0 MP, f/2,2
GSM: GPRS + EDGE
UMTS: HSPA+
↓42,2 ↑5,76 Mbit/s
LTE: Advanced
↓600 ↑75 Mbit/s
Advanced Pro
↓1.000 ↑75 Mbit/s
5G: Nein
WLAN: 802.11 a/b/g/n/ac
Wi-Fi Direct, Miracast
Bluetooth: 5.0 LE
Ortung: A-GPS, GLONASS, BeiDou, Galileo
Weitere Standards: USB 2.0 Typ C, NFC USB 3.0 Typ C, NFC
SIM-Karte: Nano-SIM
Akku: 3.000 mAh
fest verbaut
3.700 mAh
fest verbaut
2.915 mAh (11,20 Wh)
fest verbaut, kabelloses Laden
3.430 mAh (13,20 Wh)
fest verbaut, kabelloses Laden
Größe (B×H×T): 70,1 × 151,3 × 8,20 mm 76,1 × 160,1 × 8,20 mm 68,2 × 145,6 × 7,90 mm 76,7 × 158,0 × 7,90 mm
Schutzart: IPX8
Gewicht: 147 g 167 g 148 g 184 g
Preis: 399 € 479 € ab 549 € / ab 720 € ab 619 € / ab 830 €

Das ist anders beim Pixel 3a

Mit einem Startpreis von 399 Euro stößt Google in altes Nexus-Territorium vor, nur dass diesmal zum vermeintlichen Kampfpreis kein High-End-Smartphone angeboten wird. Stattdessen gibt es Kost aus der (gehobenen) Mittelklasse und einige Unterschiede zum normalen Pixel 3. Für was das „a“ in Pixel 3a steht, konnte Google gegenüber ComputerBase übrigens nur damit beantworten, dass viele andere Namen zu markenrechtlichen Problemen geführt hätten; für „affordable“ (erschwinglich) stehe es jedenfalls nicht. Folgende Liste fasst die Unterschiede zum Pixel 3 zusammen.

  • Snapdragon 670 statt Snapdragon 845
  • XL-Version mit 1080p- statt 1440p-Display
  • Keine Option auf 128 GB Speicher
  • Gleiche Kamera ohne Pixel Visual Core sowie Spektral- und Flickersensor
  • Keine zweite Frontkamera
  • LTE mit bis zu 600 Mbit/s statt 1 Gbit/s
  • USB 2.0 Typ C statt USB 3.0 Typ C
  • Kein kabelloses Laden
  • Keine IP-Zertifizierung
  • Gehäuse aus Kunststoff statt Glas
  • 3,5-mm-Kopfhörerbuchse wieder verbaut

Gute Verarbeitung trotz Kunststoff

Dass dem Pixel 3a die gläserne Rückseite des Pixel 3 fehlt, stört beim täglichen Gebrauch nicht. Genau genommen macht es das Smartphone sogar widerstandsfähiger gegenüber Rissen. Google ist es zudem gut gelungen, die Haptik der Glasrückseite zu imitieren. Auch beim Pixel 3a ist die Rückseite in einen matten Bereich, der sich bis über den rückseitigen Fingerabdrucksensor erstreckt, sowie einen glänzenden Bereich unterteilt, der vornehmlich die Kamera behaust. Es bleibt zwar Kunststoff, fühlt sich aber dennoch hochwertig an. Die Verarbeitungsqualität allgemein fällt sehr hoch aus, es sind keine scharfen Kanten oder unsauber eingefassten Bauteile zu finden.

Käufer eines Pixel 3a finden an der Oberseite sogar eine Kopfhörerbuchse, die es beim Pixel 3 und Pixel 3 XL (Test) nicht mehr gibt. Dem Smartphone liegen passende Kopfhörer von Google bei, sodass paralleles Laden und Hören von Musik über Klinke möglich sind. Wer ohne Kopfhörer Musik hören möchte, kann dies beim Pixel 3a über Stereo-Lautsprecher, die sich aus dem Ohrhörer und der Öffnung rechts neben der USB-Buchse zusammensetzen. Der Klang ist überraschend gut und auch bei hoher Lautstärke frei von Verzerrungen. Die untere Hälfte des Smartphones lässt sich wieder an den Rändern drücken, um den Google Assistant zu starten.

Vorsicht gilt jedoch bei der Nutzung in Bad und Küche oder im Schwimmbad, denn eine IP-Zertifizierung tragen weder Pixel 3a noch Pixel 3a XL. Der eine oder andere Regentropfen dürfte dem Smartphone zwar nicht schaden, nüchtern betrachtet gilt es aber, Wasser und Staub möglichst nicht in die Nähe des Smartphones kommen zu lassen.

Das von ComputerBase getestete Pixel 3a ist übrigens nicht das kleinste aktuelle Smartphone von Google, wenngleich es mit 70,1 × 151,3 × 8,20 mm (B × H × T) zu den kleineren Geräten am Markt zählt. Das normale Pixel 3 ist weniger breit und über einen halben Zentimeter kürzer. Wer ein möglichst kompaktes Google-Smartphone sucht, ist beim teureren Modell noch etwas besser aufgehoben, wenngleich auch das Pixel 3a durchaus Liebhaber von kleineren Smartphones ansprechen wird.

OLED-Display ohne Notch

Dass das Pixel 3a etwas größer ist als das Pixel 3, liegt vor allem daran, dass der Bildschirm mit 5,6 Zoll mehr Platz beansprucht. Beim Pixel 3a XL ist das mit 6,0 Zoll zu den 6,3 Zoll des Pixel 3 XL nicht der Fall. Google hat die Auflösung des Displays beim kleineren Modell deshalb auf 1.080 × 2.220 Pixel angepasst. Als Display-Schutz kommt Dragontrail Glass der japanischen Firma Asahi Glass zum Einsatz, während die Pixel-3-Smartphones Gorilla Glass des US-Konzerns Corning nutzen.

Googles neue Mittelklasse-Smartphones kommen mit abgerundeten Display-Ecken und ohne Notch. Sie haben aber vergleichsweise breite Display-Ränder oben und unten. Dass der Bildschirm an der linken und rechten Seite nicht gebogen in den Rahmen übergeht, kann indes als positiver Punkt gewertet werden, weil es so nicht zu Reflexionen am Rand oder zu Farbverfälschungen kommt. Die Front gefällt mit ihrem symmetrischem Aufbau und dem Verzicht auf jegliche Logos oder Schriftzüge.

Im oberen Rahmen des Displays befinden sich die Single-Frontkamera und ein klassischer Ohrhörer. Anders als bei den Pixel-3-Smartphones gibt es keine zweite Linse für Gruppenselfies. Dennoch sind über Googles KI-Algorithmen Porträtaufnahmen möglich. Neuerdings erkennt die Kamera automatisch Duckfaces und schießt bei entsprechender Gesichtsverzerrung ein Selfie.

Hinsichtlich der Darstellungsqualität macht sich das Pixel 3a nicht als Mittelklasse-Smartphone bemerkbar. Dank OLED geht der Kontrast Richtung unendlich und Schwarz ist tatsächlich schwarz. Außerdem sind die Farben kräftig, ohne unnatürlich zu wirken. Google bietet dafür drei Voreinstellungen mit den Namen „Natürlich“, „Verstärkt“ und „Adaptiv“ an, wobei letzteres ab Werk eingestellt ist und für eine leicht angepasste Darstellung je nach Umgebungslicht sorgt. Im Testalltag brachte „Adaptiv“ aber stets die höchste Farbsättigung, gefolgt von „Verstärkt“ und „Natürlich“, das jedoch ausgeblichen wirkt.

Erfreulich: Der Profilwechsel beeinflusst tatsächlich nur die Farbsättigung, nicht aber den Weißpunkt des Panels, der mit 6.900 Kelvin in einem guten Bereich liegt, der weder einen Rot- noch Blaustich erkennen lässt. All dem Lob für das Display steht indes die nicht besonders hohe Maximalhelligkeit gegenüber, die sich auch nicht im Automatikmodus zu besseren Werten bewegen lässt. Häufig sind OLED-Bildschirme mit einem Helligkeits-Boost ausgestattet, sobald der Lichtsensor eine helle Lichtquelle erkennt, etwa die Sonne oder, wie im Falle des Tests, einen hellen LED-Strahler. Doch auch mit dieser Methode sind dem Panel nicht mehr als die im manuellen Modus möglichen 406 cd/m² zu entlocken. Immerhin ist die Ausleuchtung mit einer maximalen Abweichung von 1 Prozent nahezu perfekt. Bei OLED-Displays, die ohne Hintergrundbeleuchtung auskommen, ist dies nicht immer der Fall.

Dass der Bildschirm im Alltag durchaus etwas heller arbeiten dürfte, zeigte sich an einem sonnigen Nachmittag, an dem die Fotos des Kameratests geschossen wurden. Hier war es wiederholt nicht einwandfrei möglich, den Bildschirm mit Sonne im Rücken abzulesen. In allen anderen Situationen ist die Helligkeit jedoch ausreichend.

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