OnePlus 7 Pro im Test: Neue Kamera mit drei Objektiven

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Nicolas La Rocco 262 Kommentare

OnePlus springt mit dem OnePlus 7 Pro auf den Zug der dreigeteilten Kamera auf: eine Hauptkamera, ein Teleobjektiv und eines mit Ultraweitwinkel. Damit liefert OnePlus rein faktisch betrachtet zwar nichts Neues, was es nicht schon bei Huawei und anderen Smartphone-Herstellern gibt, es handelt sich aber zumindest um den aktuellen Stand der Kamera-Technik in Smartphones und gibt dem Anwender deutlich mehr Möglichkeiten zur Hand, Fotos mit unterschiedlicher Charakteristik zu schießen.

Im OnePlus 7 Pro sitzt in der Mitte des auf der Rückseite vertikal angebrachten Kamera-Dreigestirns die Hauptkamera mit 48 Megapixel, wobei OnePlus auf den IMX586-Sensor von Sony setzt. Dieser 1/2 Zoll große Sensor löst den IMX519 mit 16 Megapixeln und einer Größe von 1/2,6 Zoll aus dem OnePlus 6T ab. Aufgrund des ab Werk aktivierten Pixel-Binnings auf 12 Megapixel spricht OnePlus von einer Pixelgröße von 1,6 μm statt der bei 48 Megapixeln vorliegenden 0,8 μm. Beim OnePlus 6T waren es 1,22 μm pro Pixel. Das neue Objektiv mit Blende f/1.6 statt f/1.7 lässt darüber hinaus mehr Licht auf den Sensor fallen. Die Hauptkamera wird wie im letzten Jahr durch einen optischen und elektronisch Bildstabilisator unterstützt.

Die bisher für die Erfassung von Tiefeninformationen verbaute sekundäre Kamera mit 20 Megapixeln gibt es nicht mehr, an ihre Stelle rücken ein Teleobjektiv und ein Ultraweitwinkelobjektiv. Beim Teleobjektiv gibt es einen Sensor mit in der Branche üblichen 8 Megapixeln, 1,0 μm Pixelgröße, f/2.4-Blende und ebenfalls optischer Bildstabilisierung. Das Teleobjektiv sorgt für eine dreifache Vergrößerung, geht somit weiter als das iPhone Xs oder Galaxy S10+, jedoch nicht so weit wie Huawei mit dem P30 Pro und dessen fünffacher Vergrößerung. OnePlus hat aber einen guten Kompromiss gefunden, denn während die zweifache Vergrößerung von Apple und Samsung häufig kaum Vorteile bringt, geht die von Huawei manchmal schon zu weit. In den Stufen dazwischen bleibt dann nicht mehr als digitales Zoomen übrig. Der optische Zoom mit dreifacher Vergrößerung von OnePlus findet einen guten Mittelweg.

OnePlus 7 Pro mit leicht gebogenem Glas
OnePlus 7 Pro mit leicht gebogenem Glas

An dritter Stelle folgt das Ultraweitwinkelobjektiv, das zuletzt bei immer mehr Smartphones anzutreffen ist, nachdem LG dieses schon seit Jahren in der G-Serie verbaut hat, mit Smartphones zuletzt aber keinen Erfolg mehr hatte. Bei OnePlus deckt die Kamera ein Field of View von 117 Grad ab und arbeitet dabei mit 16 Megapixeln sowie Blende f/2.2. In den Kamera-Einstellungen ist standardmäßig eine Korrektur für Verzerrungen im Randbereich aktiviert, diese lässt sich jedoch bei Bedarf ausschalten.

In Verbindung mit allen Kameras lässt sich ein Dual-LED-Blitz aktivieren, das Autofokussystem nutzt neuerdings drei Methoden und kombiniert einen Laser-Autofokus mit Kontrast-Autofokus sowie Phasenvergleichs-Autofokus. Auf welche Distanz der Laser-Autofokus genutzt werden kann, der üblicherweise nur auf wenigen Metern und bei schlechtem Licht arbeitet, konnte OnePlus auf Nachfrage bisher nicht beantworten. Im Test funktionierte das System jedoch schnell und zuverlässig.

111 Punkte im DxOMark für das OnePlus 7 Pro

Laut OnePlus hat die neue Triple-Kamera des OnePlus 7 Pro im (noch nicht veröffentlichten) DxOMark eine Bewertung von 111 Punkten erhalten. Damit sortiert sich das Smartphone hinter dem Huawei P30 Pro und Samsung Galaxy S10 5G auf Platz drei ein. ComputerBase hat für die Testaufnahmen das Apple iPhone Xs Max, Google Pixel 3a, Huawei P30 Pro und Samsung Galaxy S10 zum Vergleich herangezogen. Die erste Galerie zeigt lediglich die Aufnahmen des OnePlus 7 Pro, in der zweiten Galerie folgen auf das OnePlus 7 Pro jeweils in alphabetischer Reihenfolge die Fotos der Vergleichsgeräte.

Hauptkamera besser als Ultraweitwinkel

Für sich alleine betrachtet schießt das OnePlus 7 Pro in der Tat gute Fotos, die vor allem im Bereich der HDR-Fähigkeiten, die OnePlus verbessert haben will, gut abschneiden. Insbesondere der Hauptkamera gelingt eine gute Abstimmung der Fotos, indem besonders helle und dunkle Bereiche noch Details erkennen lassen, ohne das Bild zu verfälschen. Für das Ultraweitwinkelobjektiv gilt das indes nicht, denn hier sind die Aufnahmen vom Kontrast her zu hart abgestimmt, sodass dunkle Bereiche wie eine große schwarze Fläche und helle Bereiche ausgebrannt erscheinen. Auf den Aufnahmen 3 und 17 der nachfolgenden Galerie ist das zu erkennen (24 und 38 im Vollbild).

Die Hauptkamera punktet hingegen mit einem guten Weißabgleich, viel Schärfe auch in den Randbereichen sowie einer schnellen und zuverlässigen Fokussetzung, wie die Aufnahmen 7 und 16 zeigen. Auch der natürliche Bokeh-Effekt ohne Nutzung des Porträtmodus kommt gut zur Geltung. Mit dem Teleobjektiv kommt OnePlus deutlich näher an Objekte als Apple oder Samsung, aber nicht so weit wie Huawei. Dennoch lassen sich erfolgreich Details wie in den Aufnahmen 2 und 15 herausstellen.

Deutlich aufgewerteter Nachtmodus

Einen deutlichen Sprung nach vorne hat OnePlus über den runderneuerten Nachtmodus gemacht, der viel schneller arbeitet und eine deutlich bessere Qualität liefert. Während beim OnePlus 6T noch mehrere Sekunden auf eine Aufnahme gewartet werden musste, die dann noch nicht mal besonders gut aussah, erledigt das OnePlus 7 Pro diese Aufgabe in Bruchteilen dessen und liefert eine ausgesprochen gute Qualität. Während es bei Aufnahmen im Standardmodus nach ein wenig an Schärfe und guter Abbildung von Laternen und ähnlicher Beleuchtung mangelt, wie die Aufnahmen 24 bis 33 zeigen, kommen im Nachtmodus diese Objekte sehr gut zur Geltung und die Schärfe nimmt zu.

OnePlus 7 Pro im Test – Kamera

Vergleich mit Apple, Google, Huawei und Samsung

Im Direktvergleich zwischen OnePlus 7 Pro, iPhone Xs Max, Pixel 3a und Galaxy S10 gilt es zunächst einmal festzuhalten, dass sich keines der Smartphones größere Ausrutscher leistet. Es lässt sich aber ebenso festhalten, dass jeder Hersteller seine ganz speziellen Anpassungen vornimmt, die auf jeder Aufnahme für den individuellen Touch mit Wiedererkennungswert sorgen. Während OnePlus und Huawei ziemlich neutral sind, hellt Apple Bilder stärker auf. Googles Fotos sind zumeist dunkler mit leichtem Blaustich, während Samsung die stärkste Farbsättigung vornimmt.

Huawei verbaut die mit Abstand beste Ultraweitwinkelkamera, hier halten OnePlus und Samsung nicht mit. Bei den Aufnahmen 11 (OnePlus), 14 (Huawei) und 15 (Samsung) der nachfolgenden Galerie müssen abseits vom P30 Pro zu viele Kompromisse in Sachen Ausleuchtung und Farben eingegangen werden. Das OnePlus 7 Pro schießt mit der Hauptkamera ansehnlichere Fotos und behält für das Ultraweitwinkelobjektiv somit einzig den Vorteil der anderen Perspektive.

Bei schwierigen Lichtbedingungen schneidet das OnePlus 7 Pro gut ab, das gilt für den Einsatz bei Tag und Nacht. Bei den Aufnahmen 91 bis 95 unter der Brücke bleiben in der Ferne trotz des grellen Sonnenlichts viele Details erhalten, während Apple wieder zu einer Überbelichtung neigt. Noch eine Spur besser als OnePlus macht es aber Samsung. Bei Nacht spielen OnePlus, Google und Huawei klar in einer anderen Liga als Apple und Samsung. Selbst ohne Nachtmodus schneidet das OnePlus 7 Pro noch besser ab.

OnePlus 7 Pro im Test – Kamera-Vergleich

Pro-Modus mit 48 Megapixeln und RAW

Alle Fotos der beiden Galerien sind im Automatikmodus entstanden, das gilt für jedes getestete Smartphone. Das OnePlus 7 Pro bietet wieder einen Pro-Modus, in dem sich ISO, Weißabgleich, Belichtungszeit, Fokus und Belichtungskorrektur manuell einstellen lassen. In diesem Modus ist es zudem möglich, neben JPEG-Aufnahmen mit Pixel-Binning die vollen 48 Megapixel als JPEG sowie als RAW abzugreifen.

Videomodus mit bis zu Ultra HD bei 60 FPS

Videoaufnahmen sind mit dem OnePlus 7 Pro in vier Qualitätsstufen möglich: 1080p mit 30 FPS oder 60 FPS sowie 4K/Ultra HD mit ebenfalls 30 FPS oder 60 FPS. Die Zeitlupe arbeitet in 1080p mit 240 FPS und in 720p mit 480 FPS. Die Videostabilisierung lässt sich in allen Modi nutzen. Erfreulich ist die Audioaufnahme in Stereo, was nicht immer gang und gäbe bei Smartphones ist. Die Beispielaufnahme zeigt einen etwa zweiminütigen Clip in 3.840 × 2.160 Pixeln bei 60 FPS. Das Video steht in Originalqualität als rund 2,5 GB großer Download zur Verfügung. Dem Video ist anzusehen, wie optischer und elektronischer Bildstabilisator versuchen, das Video zu „glätten“, dies aber nicht einwandfrei gelingt. Leichtes Schwanken ist beim Laufen immer wieder zu beobachten. Das beste Video-Smartphone ist auch 2019 noch das iPhone Xs (Max), das in 2160p30 zudem einen besseren Dynamikumfang bietet. Rein auf die Bildqualität bezogen schießt das OnePlus 7 Pro aber gute Videos, allerdings holt OnePlus trotz des Snapdragon 855 nicht das Maximum aus den Videos.

Kein HDR oder HEVC für Videos

Bei OnePlus werden Videoaufnahmen im MP4-Container mit H.264/MPEG-4 AVC gespeichert. OnePlus nutzt eine 4:2:0 Farbunterabtastung, 8 Bit Farbtiefe und nur Standard Dynamic Range (SDR). Der 2:17 Minuten lange Clip resultiert aufgrund des mehr für Full HD statt Ultra HD ausgelegten Codecs in einer Dateigröße von 2,45 GB. Mit dem neueren HEVC wäre zwar der Rechenaufwand höher, die Dateien würden aber deutlich kleiner ausfallen. Angesichts der Tatsache, dass OnePlus ein Display mit Unterstützung von HDR10+ verbaut, ist das fehlende HDR für eigene Videoaufnahmen schade. Samsung macht bei der Galaxy-S10-Serie vor, dass HEVC und HDR10+ im Smartphone durchaus möglich sind. Der Snapdragon 855 beherrscht diese Techniken grundsätzlich alle, auch das Encoding in HEVC, sie müssen nur vom OEM genutzt werden, was OnePlus an dieser Stelle versäumt hat.

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