Asus ZenFone 6 im Test: Schneller Snapdragon 855, schlanke ZenUI

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Mahir Kulalic 92 Kommentare

Bei der Hardware macht Asus keine Kompromisse und verbaut mit dem Snapdragon 855 das stärkste System on a Chip, das Qualcomm derzeit für Smartphones zu bieten hat. Dieses wird in 7 nm gefertigt und verfügt über acht Kryo-485-Kerne auf Basis des ARM Cortex-A76. Vier davon sind hoch taktende Kerne. Einer davon ist wiederum als Prime-Core ausgelegt und kann bis zu 2,84 GHz takten, die anderen drei sind auf 2,42 GHz begrenzt. Die verbleibenden vier Kerne takten aber nur bis zu 1,8 GHz, um bei weniger Energiebedarf Strom zu sparen. Im Testmodell stehen dem SoC 6 GB RAM und 128 GB Nutzerspeicher zur Seite. Andere Konfigurationen des ZenFone 6 haben 6/64 GB oder 8/256 GB. Der Speicher kann zudem per microSD-Karte um bis zu 2 TB erweitert werden. Als GPU kommt eine Adreno 640 zum Einsatz.

Leistung auf höchstem Niveau

Die Leistung des ZenFone 6 spielt daher in der derzeit höchsten Liga auf dem Android-Markt. Hier teilt sich das Modell die Leistungskrone mit unter anderem dem OnePlus 7 Pro (Test), dem Samsung Galaxy S10, S10+ und S10e (Test) oder dem Xiaomi Mi 9. Im Single-Core-Bereich markiert das ZenFone 6 so wie die anderen Modelle mit demselben SoC die Speerspitze im Android-Segment, nur Apples A12 Bionic schafft es, deutlich daran vorbeizuziehen. Im Multi-Core-Vergleich sind sich Qualcomm und Apple in dieser Generation hingegen sehr viel näher gekommen. Das ewige Katz-und-Maus-Spiel geht im Herbst, wenn Apple neue iPhones zeigen wird, wieder von vorne los.

Im Alltag zeigt sich die hohe Leistungsfähigkeit am jederzeit flüssigen Betriebssystem, dem schnellen Laden von Apps und dem verzögerungsfreien Wechsel zwischen offenen Anwendungen. Das ZenFone 6 ist immer ansprechbar und reaktionsfreudig. Dieses Potential spiegelt sich auch in der Spieleleistung wider, denn selbst anspruchsvolle Titel laufen immer flüssig, sogar mit hohen Detailgraden. Seinen Anteil dazu trägt auch der schnelle Speicher bei, wenngleich dieser gerade beim Lesen nicht mit dem hohen Tempo des OnePlus 7 Pro mithalten kann, das auf mit zwei Lanes angebundenem UFS-3.0-Speicher setzt. Im Vergleich zum übrigen High-End-Segment im Android-Sektor tummelt sich das Smartphone insbesondere bei den Lesegeschwindigkeiten in der Oberklasse. Bei den Schreibraten kann die Konkurrenz aber des Öfteren vorbeiziehen.

Unter Dauerlast konstant, aber heiß

Nicht ganz überzeugen kann das ZenFone 6 im Throttle-Test unter Dauerlast. Zwar hält es die GPU-Leistung fast unverändert über zwölf Durchläufe des anspruchsvollen GFXBench Manhattan 3.1 Offscreen (1080p), wird dabei aber sehr warm bis heiß. Gegen Ende des Belastungstests war ein angenehmes Halten des Smartphones nicht mehr möglich. Die meiste Hitze bildet sich rund um die Kamera sowie die Tasten und auf der Rückseite auf Höhe des Fingerabdrucksensors. Dies löst beispielsweise das OnePlus 7 Pro besser, das die Hitzeentwicklung bei konstanter Leistung im selben Test komplett im Griff hat. Auch wenn die Form der Belastung nicht dem gängigen Alltag entspricht, wäre ein Mittelweg bei sehr hoher Belastung des ZenFone 6 empfehlenswerter gewesen. Eine konstante Leistung verpufft in der Anwendung, wenn das Smartphone dabei vom Anwender aufgrund der Temperatur nicht sachgemäß benutzt werden kann. Im CPU-Dauertest ist die Wärmeentwicklung nur unterhalb des Fingerabdrucksensors spürbar, aber zu keiner Zeit störend. Die Ergebnisse im Geekbench fallen sehr gleichmäßig aus, die Streuung fällt mit maximal 1,64 Prozent im Multi-Core-Bereich minimal aus. Die Single-Core-Leistung ist mit unter 1 Prozent Variation noch geringer.

Die Oberfläche nimmt sich zurück

Als Betriebssystem nutzt Asus Android 9.0 Pie, darüber stülpt der Hersteller die eigene ZenUI 6, die sich im Vergleich zu mancher Vorgänger-Iteration aber sehr zurückhält. Laut Asus ist die Oberfläche zudem deutlich schneller als zuvor. Auch dies passt in das Gesamtbild, das das Unternehmen mit dem ZenFone 6 abliefern will. Der Fokus liegt auf den Basics, was in dem Fall auch leichtfüßige und schnelle Software bedeutet.

Die ZenUI nimmt nur sehr wenige Änderungen am Android-System vor, die meisten finden sich in den Einstellungen und laufen unter der Haube. Optisch wurde die Oberfläche primär bei Symbolen und Farbgebungen verändert, strukturell ist sie sehr nahe an einem unverbastelten Android. Einige spürbare Änderungen hat Asus aber vorgenommen. Unter anderem verzichtet der Hersteller auf die von Google in Android 9.0 eingeführte Gestensteuerung und setzt ab Werk auf die drei gewohnten Bedientasten. Darüber hinaus integriert der Hersteller vereinzelt eigene Apps, darunter eine Anwendung zur Datenübertragung, eine Wetter-App sowie eine eigene Galerie. Bei letztgenannter führt dies zu Redudanzen mit dem vorinstallierten Google Fotos. Laut Asus wurden alle eigenen Apps zudem für das Material-Design von Android neu entworfen. Doch abseits davon zwängt Asus dem Anwender keine Apps auf, auch der Verzicht auf Drittanbieter-Apps ist zu begrüßen.

ZenUI auf dem Zenfone 6
ZenUI auf dem Zenfone 6

In den Einstellungen gibt es viel zu entdecken

Viele kleine und größere Änderungen finden sich in den Einstellungen wieder. Dort lässt sich unter anderem die dedizierte „Smart-Taste“ einrichten, die standardmäßig auf den Google Assistant eingestellt ist. Optional kann diese aber mit drei Schnellzugriffen für einmaliges, zweimaliges sowie anhaltendes Drücken konfiguriert werden. Zu den Möglichkeiten gehört das Starten einer App (zum Teil in einem bestimmten Modus) oder das Aufrufen bestimmter Funktionen wie Google Assistant oder Taschenlampe. Des Weiteren integriert Asus Funktionen wie einen Einhandmodus, Gesten für das Auflegen von Telefonaten oder das Stummschalten des Telefons oder die Möglichkeit, Buchstaben als Schnellzugriff für Apps auf dem gesperrten Bildschirm aufzumalen. Im Dschungel an Einstellungen wirken die von Asus hinzugefügten Features nicht mehr so zurückhaltend wie die ZenUI als Oberfläche, doch die meisten dieser Zusatzfunktionen sind ab Werk nicht deaktiviert und fallen somit in der alltäglichen Bedienung nicht ins Gewicht.

Anders als die meisten aktuellen High-End-Smartphones verzichtet das ZenFone 6 auf einen Fingerabdrucksensor im Display. Stattdessen gibt es einen optischen Sensor auf der Rückseite. Dieser reagiert schnell und zuverlässig auch aus dem Standby heraus. In den Einstellungen lässt er sich zudem für Gesten zum Ein- oder Ausklappen der Benachrichtigungen aktivieren.

Zwei neue Android-Versionen, garantiert

Der Sicherheits-Patch des Smartphones war während des gesamten Testzeitraums im Mai auf dem Stand vom 1. April 2019. Eigenen Angaben zufolge plant Asus neue Sicherheitsaktualisierungen „mindestens zweimonatlich“. Explizit wurde der Hersteller hingegen beim Thema neue Android-Versionen: Android 10 und 11 soll das ZenFone 6 garantiert bekommen. Bei der dieses Jahr kommenden Android-Version 10 soll das Modell zu den ersten zählen, die aktualisiert werden. Daher peilt Asus eine Veröffentlichung im Herbst an.

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