One Vision und Galaxy A50 im Test: Die Hardware trennen 100 MHz, die Software Welten

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Mahir Kulalic 101 Kommentare

Die Ähnlichkeiten der Smartphones setzen sich unter der Haube fort: Beide bieten 4 GB RAM sowie 128 GB internen Speicher, der per microSD-Karte erweiterbar ist, und setzen auf beinahe identische Prozessoren. Der Samsung Exynos 9610 des A50 überbietet den Exynos 9609 im One Vision um 100 MHz Maximaltakt, ist darüber hinaus aber gleich. Wie erwartet fällt die Leistung der beiden Konkurrenten daher sehr ähnlich aus. Apps öffnen praktisch gleich schnell, der Wechsel zwischen Anwendungen gelingt ebenso flüssig. Das Leistungsniveau der Prozessoren liegt etwa auf dem des Qualcomm Snapdragon 660 eines BlackBerry Key2 (Test) oder Nokia 7 Plus (Test)) und oft nahe am Snapdragon 670, der beispielsweise im Google Pixel 3a (Test) verbaut ist. Während im Alltag kein Unterschied spürbar ist, setzt sich das Motorola One Vision zumindest in synthetischen Messungen trotz des nominell etwas langsameren Prozessors vor das A50, das gelegentlich unerwartet niedrige Ergebnisse liefert.

Auch beim Spielen überzeugen beide Smartphones. Grafisch anspruchsvollere Titel lassen sich flüssig spielen, wenngleich nicht alle aus dem Google Play Store die besten Einstellungen nutzen können.

Android One vs. Samsung One UI

Herrscht in Sachen Leistungsfähigkeit noch Gleichstand, unterscheiden sich Samsung und Motorola in puncto Software deutlich. Am ähnlichsten sind sich mit Android One bei Motorola und One UI bei Samsung noch die Namen. Motorolas Ansatz ist auch auf Modellen, die nicht Teil des Android-One-Programms sind, eine schlanke, praktisch unveränderte Oberfläche mit leichten Änderungen wie bestimmten Gesten und einer reaktiven Anzeige im Standby. All diese Funktionen sind in der vorinstallierten Moto-App gelagert, darüber hinaus vertraut Motorola komplett auf Googles Software und Dienste. Für die Steuerung setzt der Hersteller auf die mit Android 9.0 Pie eingeführte Variante der Gestensteuerung, die aber hinsichtlich Konsistenz und Einfachheit nicht mit der Lösung von beispielsweise Apple mithalten kann. Dies hat auch Google gemerkt und die Gestensteuerung in Android 10 Q überarbeitet.

Samsung hingegen setzt wie bei allen Smartphones mit Android 9.0 auf das vor wenigen Monaten eingeführte One UI, das in gewohnter Manier das darunter liegende Betriebssystem kräftig umkrempelt – optisch, aber auch funktional. Samsung verzichtet unter anderem auf die von Google integrierte Gestensteuerung. Ab Werk setzt Samsung auf die über Jahre bekannten drei Bedientasten. Eine optionale Gestensteuerung mit Wischen über die jeweilige Tastenposition, von jeweils einem kleinen Balken angezeigt, lässt sich optional einstellen.

Zudem integriert Samsung eigene Apps, was aber zu Redundanzen mit den von Google im Paket angebotenen Anwendungen führt. So doppeln sich beispielsweise Browser, Bildergalerie und App Store. Zudem integriert Samsung Drittanbieter-Apps wie Facebook sowie die drei Microsoft-Dienste Office, OneDrive und LinkedIn. Keine dieser Apps lässt sich deinstallieren, nur eine Deaktivierung ist möglich. Ebenfalls mit an Bord ist Samsung persönlicher Assistent Bixby, der seit Februar dieses Jahres Deutsch spricht, aber trotzdem nicht an die Fähigkeiten und das Feintuning von insbesondere Alexa und dem Google Assistant heranreicht.

Die Frage nach den Updates

Während des Testzeitraums erhielten beide Modelle Aktualisierungen, die auch den Sicherheits-Patch aktualisierten. One Vision und A50 wurden mit aktuellen Mai-Patches getestet. Wie regelmäßig Updates angeboten werden, bleibt abzuwarten. Samsung pflegt seine Topmodelle mit monatlichen Sicherheits-Patches, während das Galaxy A50 auf der Liste der Geräte mit Sicherheits-Updates in dreimonatigen Abständen steht. Gemäß Richtlinien des Android-One-Programms müsste auch das One Vision spätestens alle 90 Tage mit Sicherheitsaktualisierungen versehen werden. Wie es mit Upgrades auf eine neue Android-Version aussieht, ist bei Samsung hingegen unklar. Das Unternehmen äußert sich dazu traditionell nicht. Für das One Vision verspricht Motorola Upgrades auf Android 10 und 11 sowie drei Jahre lang Patches.

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