Amazon Echo Show 5 im Test: Neuerungen, Browser, YouTube, Netflix, Musik und Fazit

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Frank Hüber 112 Kommentare

Neuerungen und Unterschiede im Menü

Mit der Einführung des Echo Show 5 überarbeitet Amazon auch die Systemoberfläche und führt neue Funktionen ein. Dabei sind die Menüs nicht einfach nur auf die kleinere Diagonale skaliert, sondern die Oberfläche selbst ist in einigen Punkten angepasst. Mehr als 400 unterschiedliche Konfigurationen der Ziffernblätter lassen sich einstellen, wobei diese Anzahl vor allem durch Optionen wie die Anzeige des Wetters in die Höhe schnellt.

Amazon Echo Show 5
Amazon Echo Show 5

Auch wenn Amazon davon spricht, dass die Neuerungen für alle Geräte mit Display gelten, gibt es Einschränkungen. Der größere Echo Show bietet bei einem Wisch von rechts noch nicht das neue „Discovery Panel“, über das der Nutzer schnell auf die Punkte „Kommunikation“, „Smart Home“, „Musik“, „Video“, „Routinen“ und „Alarme“ zugreifen kann. Hierüber lassen sich viele Funktionen des Echo Show 5 ohne Sprachbefehle aufrufen und ausführen. Smart-Home-Komponenten können so zum Beispiel über das Display gesteuert und Kameras aufgerufen werden.

Zudem geben die Kacheln in diesem Menü Anregungen für Aktionen wie den Zugriff auf Erinnerungen, Kontakte oder Fotos.

Auch die Funktion des Lichtweckers bietet der Amazon Echo Show (2. Generation) Stand heute noch nicht. Ob dies mit einem Software-Update auch für den großen Show nachgeliefert wird, ist noch nicht eindeutig geklärt. ComputerBase steht diesbezüglich mit Amazon in Kontakt. „Tap To Snooze“, also das leichte Schlagen auf den Echo Show 5 zum Aktivieren des Schlummerns, unterstützt auch kein anderer Echo, da nur der Echo Show 5 über die notwendigen Sensoren verfügt. Bei Amazon dauert das Schlummern die bekannten historischen 9 Minuten.

Der Echo Show 5 als Lichtwecker

Apropos Lichtwecker: Auch der Amazon Echo Show 5 bietet wie die Lenovo Smart Clock (Test) einen Modus, bei dem ein Sonnenaufgang durch ein heller werdendes Display simuliert wird und so den Nutzer vor dem Aufwachen an das Licht gewöhnen soll. Diese Weckmethode ist bereits seit Jahren von Wake-up-Lights etwa aus dem Hause Philips bekannt. Beim Echo Show 5 fängt dieser Prozess 15 Minuten vor dem eigentlichen Wecker an. Auch bei Amazon soll ein Sonnenaufgang simuliert werden, wobei sich das Licht von rötlich zu gelblich ändert.

Im Sommer, wenn das Schlafzimmer nicht völlig abgedunkelt ist, reicht die Strahlkraft des Displays nicht aus, um einen nennenswerten Effekt zu erzielen. Ohne komplett verdunkelnden Rollladen ist das Zimmer bereits zu hell. In dunklen Räumen ist es ein angenehmer Nebeneffekt, der je nach persönlichem Empfinden das Aufstehen erleichtern kann. Mit ausgewachsenen Wake-up-Lights etwa von Philips sollte der Echo Show 5 aber wie schon die Lenovo Smart Clock nicht verglichen werden.

Derzeit ist die Funktion des Lichtweckers auf einen Zeitraum zwischen 4 und 9 Uhr morgens beschränkt. Die Option, einen Lichtwecker zu nutzen, lässt sich zudem nur in den Einstellungen zum Bildschirm pauschal ein- oder ausschalten und kann nicht für jeden gestellten Wecker individuell festgelegt werden. Diese Einschränkung sollte Amazon zügig ändern, zumal dafür keine Notwendigkeit besteht.

Wecken mit Musik nur per Sprache

Ein Wecker lässt sich wahlweise per Sprache oder über den Touchscreen stellen, wobei beim Touchscreen auch beim Echo Show 5 die Einschränkung gilt, dass keine Musik von Streaming-Diensten ausgewählt werden kann. Wer sich etwa über eine Playlist oder ein Lied von Spotify wecken lassen möchte, muss den Wecker per Sprachbefehl stellen.

Für den bereits erwähnten Nachtmodus, in dem das Display automatisch dimmt, kann in den Einstellungen ein Intervall, etwa von 22 bis 7 Uhr, festgelegt werden. Davon unabhängig kann der Nachtmodus in Abhängigkeit der Umgebungshelligkeit gesteuert werden. Ist der Raum sehr dunkel, schaltet das Display automatisch in den Nachtmodus. So wird auch das Nickerchen am Tag nicht gestört.

Mit Firefox und Silk als Browser

Auch der Echo Show 5 bietet Firefox und Silk als Browser. Das überrascht, denn weder zur Ankündigung noch auf der Produktseite verliert Amazon dazu ein Wort. Die beiden Browser sind im Vergleich zum Echo Show (2. Generation) nicht in ihrem Funktionsumfang eingeschränkt und können jede beliebe Website aufrufen. Da die Browser erneut nicht in der Benutzeroberfläche zu finden sind, können sie nur über „Alexa, öffne Silk“ und „Alexa, öffne Firefox“ gestartet werden. Per Sprache lassen sich beide Browser aber weiterhin nicht bedienen, sondern die Eingabe der URL erfolgt über die Tastatur auf dem Bildschirm. Wer häufig dieselben Websites über den Echo Show 5 aufrufen möchte, sollte sich deshalb Favoriten anlegen. Die Browser bleiben so zwar in aller Regel eine Notlösung, zumal das Gerät nur selten optimal für eine Nutzung der Funktion platziert ist. Doch Amazon bietet die Möglichkeit unabhängig der Display-Größe wenigstens – Google unabhängig von der Display-Größe gar nicht und beschneidet Android Things bei der Lenovo Smart Clock zusätzlich.

YouTube erneut über die Browser

Auch der Echo Show 5 unterstützt die Videowiedergabe von YouTube nicht nativ, da Google Amazon dies nicht erlaubt. Zu einer Änderung der Situation durch eine Einigung mit Google wollte sich Amazon zum Start des Echo Show 5 nicht äußern. Sowohl über Firefox als auch Silk kann jedoch die mobile YouTube-Website aufgerufen werden, um Videos abzuspielen. „Alexa, öffne YouTube“ startet Firefox oder Silk – je nach Wahl des Standard-Browsers – und lädt die mobile Website von YouTube im Browser.

Amazon Echo Show 5
Amazon Echo Show 5

Wie schon beim 10 Zoll großen Echo-Show gilt deshalb aber auch für den neuen Echo Show 5, dass Videos über die On-Screen-Tastatur gesucht werden müssen, was in den meisten Fällen aber besser funktioniert als per Sprache beim Google Assistant. Nicht nur die Suche, sondern auch die Steuerung der Wiedergabe muss weiterhin über den Bildschirm erfolgen. Zudem ist die Wiedergabe von Playlisten im Vollbildmodus nicht dauerhaft möglich, dieser wird nach jedem Video verlassen.

In Summe gilt deshalb auch für den Echo Show 5: YouTube kann wiedergegeben werden, komfortabel wie mit einer nativen App ist es aber bei Weitem nicht.

Videostreaming mit Prime Video

Amazon Prime Video ist hingegen wie erwartet bestens in den Echo Show 5 integriert und lässt sich sowohl über Sprachbefehle als auch via Display bedienen. Nicht nur das Starten und Aufrufen von Prime Video, sondern auch die vollständige Wiedergabesteuerung und Navigation durch die Menüs sind per Sprache möglich. An diesem Beispiel zeigt sich erneut, wie gut Amazon die Sprachsteuerung zum Bedienen der Funktionen umgesetzt hat und wie viele Einstellungen, für die man normalerweise den Touchscreen nutzen würde, man auch per Sprache steuern kann. Bei der Videowiedergabe merkt sich Amazon wie auch auf den Fire-TV-Geräten, welche Serien oder Filme der Nutzer bis wohin gesehen hat, um sie jederzeit fortsetzen zu können.

Über Sinn oder Unsinn der Videowiedergabe auf einem 5,5-Zoll-Bildschirm, der in der Regel weiter vom Benutzer entfernt ist als ein Smartphone, lässt sich streiten. Es wird aber Nutzer geben, die den Echo Show 5 wie sonst das Smartphone auf den Schreibtisch stellen, um Videos wiederzugeben.

Netflix auf dem Echo Show 5

Telefon für Hochformat drehen, um fortzufahren“, damit enden die Versuche, Netflix auf dem Echo Show 5 zu nutzen, wie schon beim Echo Show mit 10-Zoll-Display. Da Netflix nicht als Videoanbieter in der Alexa-App eingerichtet werden kann sowie keine native Unterstützung und kein Skill existieren, kann die Wiedergabe nur über die beiden Browser versucht werden. Diese quittieren das Aufrufen der Website allerdings mit dieser Aufforderung und machen eine weitere Nutzung unmöglich.

Selbst wenn man über eine Google-Suche auf eine Unterseite von Netflix gelangt und sich einloggt, erscheint spätestens nach einem Klick auf „Abspielen“ der Hinweis, dass man die App von Netflix installieren soll, weil Netflix davon ausgeht, dass man die Seite über einen mobilen Browser aufgerufen hat. An diesem Punkt scheitern die Netflix-Versuche auf dem Echo Show 5.

Klang und Musik-Streaming

Wie jeder Echo-Lautsprecher unterstützt auch der Echo Show 5 die Musikwiedergabe über Dienste wie Amazon Music, Deezer, Spotify oder TuneIn. Wie von den Lautsprechern ohne Display bekannt, kann die Musikwiedergabe per Sprache gesteuert werden. Sowohl das Starten, Pausieren und Überspringen als auch das Stoppen der Wiedergabe sind ohne Bedienung des Touchscreens möglich.

Alexa, zeige Spotify“ ruft einige beliebte Playlisten von Spotify auf. „Alexa, zeige Amazon Music“ tut es mit Amazons Musikdienst gleich. „Alexa, zeige Musik“ ruft hingegen eine Übersicht beliebter Songs von Spotify auf. Aber auch der Zugriff auf eigene Playlisten ist beispielsweise über „Alexa, zeige meine Playlisten“ möglich. Über die Schaltfläche „Musik“ wird hingegen die Musik angezeigt, die vor Kurzem gehört wurde. Der Nutzer muss somit ein wenig experimentieren, welcher Befehl die von ihm gewünschten Optionen öffnet. Eine klar strukturierte App wie bei Prime Video gibt es bei der Musik nicht.

Bei der Wiedergabe zeigt der Echo Show 5 wie der Echo Show (2. Generation) Titel, Interpreten, Album und Album-Cover.

Wer die Musik am liebsten auf dem Smartphone oder Tablet steuert, kann auf Bluetooth zur Übertragung der Musik an den Echo Show 5 zurückgreifen. Dieser unterstützt das „Advanced Audio Distribution Profile“ (A2DP) und kann auch selbst Musik auf einen anderen Bluetooth-Lautsprecher übertragen.

Besserer Klang als Googles Smart-Displays

Der Klang des Echo Show 5 ist für die Größe durchaus respektabel und klingt voll, wird bei hoher Lautstärke und je nach Musik jedoch etwas blechern. Er ordnet sich über dem Echo Spot und ungefähr auf dem Niveau eines Echo Dot ein. Der Klang ist zudem subjektiv besser als bei der Lenovo Smart Clock und dem Google Nest Hub (Test). Für die dauerhafte Musikwiedergabe sind die größeren Echo-Lautsprecher allerdings eindeutig besser geeignet. Darüber hinaus ist beim Echo Show 5 der Standort für die Wiedergabequalität wichtiger als bei den großen Echo-Lautsprechern, da die Treiber nach vorne unten und hinten gerichtet sind, so dass sie von einer dahinter liegenden Wand reflektieren können und auf Stoff, Metall und Holz jeweils anders klingen.

Kein Smart-Home-Hub im kleinen Show

Über den Echo Show 5 können wie über jeden anderen Alexa-Lautsprecher auch unterstützte Smart-Home-Geräte per Sprachbefehl gesteuert werden. So lässt sich das Licht beispielsweise von Philips-Hue-Systemen schalten oder die Temperatur über Thermostate etwa von Tado in jedem Raum separat einstellen. Dies funktioniert in der Praxis wie bei allen anderen Alexa-Geräten zuverlässig und problemlos. Einen Zigbee-Hub wie der Echo Plus (2. Generation) und Echo Show (2. Generation) besitzt der Echo Show 5 jedoch nicht, so dass Smart-Home-Geräte mit diesem Übertragungsstandard nicht direkt mit dem Gerät verbunden werden können, sondern der Umweg über einen eigenen Hub und einen Alexa-Skill notwendig ist.

Der Echo Plus (2. Generation) bleibt zudem der einzige Echo-Lautsprecher mit Temperatursensor, denn auch diesen verbaut Amazon im Echo Show 5 nicht.

Fazit

Amazon platziert den Echo Show 5 nicht nur als smarten Wecker, wie es Lenovo mit der Smart Clock (Test) handhabt, auch wenn der Echo Show 5 mit vergleichbare Funktionen bei einem 5,5 statt 4 Zoll großen Display bietet. Stattdessen sieht Amazon in diesem Einsatzzweck nur einen von zahlreichen, die mit dem kleineren Echo Show 5 bedient werden können.

Überall dort, wo der Echo Show (Test) zu groß ist, der Nutzer jedoch gerne ein Alexa-Display einsetzen möchte, soll der Echo Show 5 zum Einsatz kommen. Dass dies gelingt, liegt vor allem daran, dass Amazon anders als Google die eigene Plattform nicht künstlich in ihrem Funktionsumfang beschränkt. Wer möchte, kann auch auf dem Echo Show 5 im Internet surfen, YouTube über die integrierten Browser wiedergeben, Serien und Filme über Prime Video abspielen, Videotelefonate über Alexa oder Skype führen, Erinnerungen, Fotos und Aufgaben anzeigen oder Rezepte zum Kochen Schritt für Schritt durchlaufen. All das kann Googles Android Things mit Google Assistant auf einem Gerät dieser Größe nicht.

Echo Show 5 oder Lenovo Smart Clock für den Nachttisch?

Und all dies macht den Echo Show 5 tatsächlich zu mehr als einem Wecker, was aber gleichzeitig dazu führt, dass man ihn überall und nirgends einsetzen kann. Es gibt nicht den einen Standort und den einen Einsatzzweck, so dass jeder selbst entscheiden muss, wofür und wie er den Echo Show 5 einsetzen möchte. Lenovos Smart Clock hat dieses Erklärungs- und Entscheidungsbedürfnis aufgrund der eingeschränkten Nutzbarkeit nicht: Sie ist und bleibt ein Wecker und viel mehr kann sie nicht – in der Küche oder im Wohnzimmer ist sie weitgehend überflüssig. Beim Echo Show 5 hat man hingegen immer das Gefühl, er könne doch zu viel, als ihn nur auf dem Nachttisch als Wecker zu nutzen.

Aber: Der Echo Show 5 ist in den Farben Anthrazit und Sandstein schon für 89,99 Euro erhältlich*. Mit 90 Euro ist er somit 10 Euro günstiger als die Lenovo Smart Clock mit Google Assistant und auch Amazons eigener Echo Spot kostet mit rund 110 Euro derzeit mehr. Dies macht die Entscheidung deutlich einfacher, zu welchem Gerät man greift, sofern man nicht an eine Plattform gebunden ist. Denn der Amazon Echo Show 5 ist flexibler einsetzbar, kann mehr und kostet weniger.

Amazon Echo Show 5
Amazon Echo Show 5
Amazon Echo Show 5
Amazon Echo Show 5

Nicht nur der derzeit beste smarte Wecker

Der Echo Show 5 ist deshalb nicht nur der derzeit beste smarte Wecker auf dem Markt, sondern auch ein interessantes Alexa-Display für andere Orte. Er punktet mit einem kompakten Design, einem hellen, farbenfrohen Display, einem lauten, ordentlich klingenden Lautsprecher, guten Menüführungen, vielen Funktionen und der Option, die Kamera über einen Schieberegler zu verdecken. Dienste von Google unterstützt er nicht, was abseits von YouTube auch Google Maps und Google Fotos einschließt. Er kann demnach nicht über Sperrungen oder Staus auf dem Weg zur Arbeit informieren oder als digitaler Bilderrahmen für die automatisch vom Android-Smartphone auf Google Fotos gespeicherten Bilder dienen. Und auch seine Videofähigkeiten sind aufgrund der 720p-Kamera nur eingeschränkt. Zudem sollte der Micro-USB-Anschluss zum Aufladen von Smartphones genutzt werden können, wie es Lenovo bei der Smart Clock vormacht.

Als Zubehör für den Echo Show 5 ist für 19,99 Euro ein magnetischer Ständer verfügbar, mit dem das Gerät im Blick- und Kamerawinkel geneigt werden kann.

ComputerBase hat den Echo Show 5 leihweise von Amazon zum Testen erhalten. Eine Einflussnahme des Herstellers auf den Testbericht fand nicht statt, eine Verpflichtung zur Veröffentlichung bestand nicht. Es gab kein NDA.

(*) Bei den mit Sternchen markierten Links handelt es sich um Affiliate-Links. Im Fall einer Bestellung über einen solchen Link wird ComputerBase am Verkaufserlös beteiligt, ohne dass der Preis für den Kunden steigt.

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