Ryzen 5 3600X & 7 3800X im Test: AMDs Prozessor-Duo auf verlorenem Posten

Volker Rißka 503 Kommentare
Ryzen 5 3600X & 7 3800X im Test: AMDs Prozessor-Duo auf verlorenem Posten

tl;dr: AMDs Portfolio an Ryzen-3000-Prozessoren umfasst nur fünf Modelle. Doch wie der Test des Ryzen 5 3600X und des Ryzen 7 3800X zeigt, sind sie auf dem Papier zwar logische Ergänzungen, im Alltag jedoch beinahe irrelevant. Die jeweils kleineren Pendants sind das weitaus bessere Komplettpaket.

Von den fünf neuen Matisse-Prozessoren aus der Familie AMD Ryzen 3000 fehlten im großen Ryzen-3000-Test bisher noch zwei. Diese gab es nicht als Sample vom Hersteller, auch der Handel kam im Fall des Ryzen 7 3800X kaum an Modelle heran. Und das kommt nicht von ungefähr: Dieser ist zusammen mit dem Ryzen 5 3600X ein Lückenfüller, die beide kaum eine Daseinsberechtigung haben, wie sich im Testverlauf herausstellte. Doch ohne die Modelle wäre das Portfolio arg dünn gesät und die Preissprünge riesig. AMD steckt deshalb in der Zwickmühle. ComputerBase testet und zeigt, warum das so ist.

Für die leihweise Bereitstellung der in diesem Test erstmals getesteten CPUs geht der Dank der Redaktion an den Systemintegrator Mifcom sowie den Onlineshop von Caseking.de.

Ryzen 5 3600X und Ryzen 7 3800X im Detail

Der Ryzen 5 3600X ist der große Bruder des Ryzen 5 3600. Seine TDP wird um 30 Watt von 65 auf 95 Watt angehoben, dafür darf er minimal höher takten – 200 MHz sowohl in der Basis als auch im Turbo. Das hat seinen Preis: 50 Euro zusätzlich sollen dafür gezahlt werden, ein Aufpreis von rund 25 Prozent.

Beim Ryzen 7 3800X ist der Aufpreis zum komplett identisch ausgestatteten Ryzen 7 3700X sogar noch größer: 80 Euro sowohl beim UVP als auch im Handel. Dafür steigt der Basistakt zwar um 300 MHz an, was der 40 Prozent höheren TDP geschuldet ist, im Turbomodus trennen beide Modelle letztlich aber nur 100 MHz. Der Alltagsbetrieb orientiert sich am Turbo und selten an der Basis, sodass die Unterschiede am Ende geringer ausfallen werden, als auf dem Papier erkennbar ist.

Ryzen 9, Ryzen 7 und Ryzen 5 aus den letzten beiden Generationen im Vergleich
Kerne/Threads Takt
Basis/Turbo
L3-Cache TDP Preis (Launch) Marktpreis
Ryzen 9 3950X 16/32 3,5/4,7 GHz 64 MB 105 W 749 USD (ab 9/2019)
Ryzen 9 3900X 12/24 3,8/4,6 GHz 64 MB 105 W 529 Euro 529 Euro
Ryzen 7 3800X 8/16 3,9/4,5 GHz 32 MB 105 W 429 Euro 429 Euro
Ryzen 7 3700X 8/16 3,6/4,4 GHz 32 MB 65 W 349 Euro 349 Euro
Ryzen 7 2700X 8/16 3,7/4,3 GHz 16 MB 105 W 319 Euro 246 Euro
Ryzen 7 2700 8/16 3,2/4,1 GHz 16 MB 65 W 289 Euro 189 Euro
Ryzen 5 3600X 6/12 3,8/4,4 GHz 32 MB 95 W 265 Euro 259 Euro
Ryzen 5 2600X 6/12 3,6/4,2 GHz 16 MB 95 W 225 Euro 149 Euro
Ryzen 5 3600 6/12 3,6/4,2 GHz 32 MB 65 W 209 Euro 209 Euro
Ryzen 5 2600 6/12 3,4/3,9 GHz 16 MB 65 W 195 Euro 128 Euro
AMD Ryzen 3000 im Quintett
AMD Ryzen 3000 im Quintett

Interessant ist auch fast drei Wochen nach dem Start zu sehen, wie sehr AMD die Händler ermahnt hat, nicht vom UVP abzuweichen. Diese Entwicklung war in den letzten Monaten und Jahren vermehrt zu beobachten – eine Art Preisgarantie für die ersten vier Wochen nach dem Start, bevor sich der Handel wieder untereinander „bekriegen“ darf. Dies gilt nicht nur für AMD-CPUs, denn bei Nvidias Super-Grafikkarten ist dies ebenfalls gerade der Fall.

Der neutrale Blick aufs Portfolio zeigt aber noch ein Problem für AMD. Die drei Modelle 3600, 3700X und 3900X mögen im Endkundengeschäft zwar reichen, doch die preislichen Lücken dazwischen wären viel zu groß. Es braucht also weitere CPUs, die dazwischen positioniert werden. Und der große Konkurrent Intel macht es bekanntlich vor: Dort gibt es diverse Core i5 in kleinstem preislichen Abstand – wirklich gebraucht werden diese vielen Modelle jedoch nicht. Doch im OEM-Geschäft können sie immer irgendwo untergebracht werden.

AMDs Namensgebung bleibt auch 2019 zum Teil undurchsichtig

Seit den ersten Ryzen von AMD gab es einige Konstanten in der Bezeichnung der Prozessoren: Ohne Buchstaben waren es 65-Watt-Modelle. Mit einem X versehen wurde daraus ein Exemplar mit 95 Watt (und mehr). Das Portfolio an CPUs wurde dadurch aber schnell sehr groß, gerade in der ersten Generation war es in einigen Bereichen schon zu viel des Guten. Dies wurde in der zweiten Generation wegrationalisiert – eine vollkommen richtige Entscheidung.

Die dritte Generation startet mit noch weniger Modellen, dennoch sind selbst die fünf CPUs auch heute zum Teil viel zu ähnlich aufgestellt. Und dazu kommt dann die eigentlich nichts mehr aussagende Namensgebung. Sind die Modelle Ryzen 5 3600 und 3600X noch sauber bei gleicher Anzahl von Kernen einmal mit etwas weniger Takt bei 65 Watt oder etwas mehr bei 95 Watt aufgestellt, fällt der Ryzen 7 3700X schon aus dem Rahmen. Eigentlich müsste dieser dem Namen nach ein 95-Watt-Modell sein, hat aber nur 65 Watt. Stattdessen gibt es einen Ryzen 7 3800X mit exakt gleicher Ausstattung in der höheren TDP-Klasse samt etwas mehr Takt. Um den echten Vergleich mit dem Vorgänger zu haben, hätten diese Modelle einfach 3700 und 3700X heißen sollen – wie in Gen 1 und Gen 2.

Dann hätte AMD auch weniger Probleme bei der Namensfindung für CPUs mit mehr Ausstattung gehabt. So läuft das Unternehmen direkt in die 3900er-Serie und muss dort zwei Modelle aufstellen, deren Unterschiede doch um so vieles größer sind, als beim Sprung von 3700X auf 3800X: Ryzen 9 3900X mit zwölf Kernen und Ryzen 9 3950X mit 16 Kernen. Logisch ist das am Ende deshalb alles nicht und daher (nicht nur) für Laien unverständlich, doch hat das bei AMD durchaus Tradition.

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