Corsair Hydro X im Test: Die Wasserkühlung im PC

 2/3
Thomas Böhm 165 Kommentare

Installation und Inbetriebnahme

Die Installation einer Wasserkühlung ist naturgemäß zeitintensiver als bei einer Luftkühlung. Obwohl das Gehäuse des Testsystems (Thermaltake Suppressor F51) großzügig Platz bietet, geht es beim Einbau eng her. Das hängt mit den vielen Kabeln aller Komponenten sowie der Lüfter- und LED-Steuerung zusammen. Wenn die Kühlung am Ende optisch ansprechend gestaltet sein soll, muss auf ein Gehäuse mit wirklich viel Platz hinter dem Mainboardtray zurückgegriffen oder selbst gemoddet werden: Commander Pro und RGB-Fan-Hub wollen versteckt und die Kabelstränge möglichst außerhalb des Sichtfelds geführt werden, denn Kabelsalat quer über Schläuchen und Kühlern beeindruckt nicht wirklich.

CPU-Kühler, Radiatoren und Lüfter sind unkompliziert zu installieren. Für ersteren bietet die gedruckte Montageanleitung ausreichend Hinweise. Das Verschrauben der Ventilatoren ist ohnehin quasi selbsterklärend. Wichtig ist nur, dass sich der Anwender bereits im Voraus Gedanken macht, wie das System und die Verschlauchung am Ende aussehen sollen, um die Bauteile wirklich nur einmal einbauen zu müssen. Bei der Pumpe gibt es für die zahlreichen Montagemöglichkeiten ebenfalls eine Anleitung als Hilfestellung.

Montage des GPU-Kühlers

Weniger anwenderfreundlich ist die Montage des GPU-Kühlers. Das liegt in der Natur der Sache: CPUs sind dafür konzipiert, vom Endkunden mit einem Kühler versehen zu werden – Grafikkarten nicht. Durch das Entfernen des originalen Kühlers droht herstellerabhängig ein Garantieverlust und eine Anleitung zum Zerlegen der Grafikkarte gibt es nicht. Sämtliche Schrauben, die den Kühler auf der Platine halten, müssen entfernt werden. Bei der Abnahme des Kühlers muss man zudem darauf achten, Stromstecker für die Lüfter (und eventuell vorhandene LEDs) vorsichtig zu lösen.

Im nächsten Schritt muss die GPU von Rückständen der alten Wärmeleitpaste gereinigt werden. Das wird am besten mit Isopropylalkohol und einem weichen Tuch erledigt. Entscheidend ist nur der Die: Da eine nicht leitende Paste zum Einsatz kommt, ist eine Entfernung grauer Rückstände um den Chip herum nicht notwendig. Weil der Kühler von Corsair bereits ab Werk mit Wärmeleitpaste und -Pads versehen ist, wird anschließend nur noch der Grafikkartenkühler aufgesetzt und zusammen mit der Backplate verschraubt.

Bei diesem kritischen Schritt der Wasserkühlung wird Hydro X wortkarg: Die Anleitung ist extrem kurz und generisch gehalten. Wer bereits Erfahrung hat, benötigt keine weiteren Hinweise, doch für Neulinge wäre eine ausführlichere Anleitung hilfreich. Corsair spart auch am Lieferumfang: Je nach Grafikkartenmodell sind manche Schrauben des Originalkühlers im Außensechskant-Format ausgeführt. Die Anleitung teilt zwar mit, dass ein entsprechender Schlüssel nicht im Lieferumfang vorliegt, doch zu einem Preis von 150 Euro sollte ein solches Werkzeug beiliegen, das im Gegensatz zu einem Kreuzschraubendreher nicht im üblichen Haushalt zu finden ist.

Verschlauchung und Systemstart

Sobald Kühler, Radiatoren und die Pumpe im Gehäuse angebracht sind, müssen die Komponenten miteinander verbunden werden. Mit Anschraubtüllen und bei Bedarf Winkeladaptern können Schlauchverbindungen verlegt werden. Der PVC-Schlauch von Corsair ist sehr weich, sodass auf jeden Fall darauf geachtet werden muss, keine zu engen Winkel zu legen – sonst droht die Gefahr eines abknickenden Schlauchs: Was bei Raumtemperatur noch hält, wird bei höheren Wassertemperaturen zu einem möglichen Problem. Der Schlauch hält sehr fest auf den Tüllen. Gerade bei CPU- und GPU-Kühler muss beim Auf- und Abziehen des Schlauchs also mit Vorsicht gearbeitet werden, um keine zu große Kraft auf die Bauteile wirken zu lassen.

Zum Start liegt ein Überbrückungsstecker für das Netzteil im Lieferumfang der Pumpe bei, sodass die Pumpe als einziges Bauteil ohne den Rest des PCs vom ATX-Netzteil mit Strom versorgt werden kann. Das ist notwendig, da die Kühlung erst bei befülltem (und auf Dichtheit geprüftem) Kreislauf funktionsfähig ist. Die Pumpe darf nicht trocken laufen: Durch wiederholtes Befüllen des Reservoirs und ein anschließendes kurzes Anschalten der Pumpe, bis der Ausgleichsbehälter leer gepumpt ist, wird der Kreislauf mit Wasser befüllt. Sobald die Pumpe durchgehend „unter Wasser“ ist, muss der Kreislauf noch eine Weile weiterlaufen, um Kühler und Radiatoren zu entlüften sowie die Wasserkühlung auf Dichtheit zu prüfen. Anschließend wird der Rest des PCs mit dem Netzteil verbunden und ist schließlich einsatzbereit.

Hydro X im Testsystem

Im Testsystem ist zusätzlich zu den Komponenten von Corsair noch Sensorik von Aqua Computer verbaut: Ein Highflow-Durchflusssensor dient zur Bestimmung des Volumenstroms im Kreislauf und ein Temperatursensor liest die Wassertemperatur nach der Grafikkarte (und damit am wärmsten Punkt im System) aus. Der Wassertemperatursensor von Corsair arbeitet im Vergleich zum Gegenstück von Aqua Computer etwas träge, was vermutlich mit am Montagepunkt (in der Pumpe) liegt. Bei schnellen Temperaturänderungen hinkt der Corsair-Sensor bis zu 2 K hinterher, um sich dann anzugleichen.

Der Kreislauf im Testsystem wurde in der Reihenfolge „Pumpe -> 240-mm-Radiator (Front) -> CPU-Kühler -> 360-mm-Radiator (Deckel) -> GPU-Kühler -> Pumpe“ verlegt. Lüfter sind in der Push-Konfiguration verbaut: Durch den Frontradiator wird Frischluft ins Gehäuse befördert, durch den Deckel-Radiator wird Luft nach oben aus dem Gehäuse gedrückt.

Eingelassen im GPU-Kühler befindet sich ein kleines Rädchen als Strömungsanzeiger. Dieser ist kein auslesbarer Sensor, sondern dient lediglich als optischer Indikator. Gemessen am Sensor von Aqua Computer beginnt das kleine Rädchen erst ab etwa 50 l/h zu drehen; im Kreislauf des Testsystems entspricht dies circa 45 % PWM-Leistung der Pumpe.

Testsystem und Methodik

ComputerBase unterzieht die Custom-Wasserkühlung von Corsair einem umfangreichen Testverfahren. Die Kühlung wird dazu im üblichen Testsystem für Luft- und Wasserkühlungen eingesetzt. Eine direkte Vergleichbarkeit ist dennoch nur bedingt gegeben: Abweichend zum normalen Einsatz als System zum Test von CPU-Kühlern wird nun eine Grafikkarte mitgekühlt. Die ansonsten verbaute semipassiv gekühlte Radeon R9 285 wird durch eine GeForce GTX 1080 Ti ersetzt, die von Corsair leihweise für den Test zur Verfügung gestellt worden ist, um einen passenden Untersatz für Hydro X zu haben. Damit ist gewährleistet, dass die Custom-Wasserkühlung so gefordert wird, wie es auch beim Endkunden geplant ist: als Kühlung für Prozessor und Grafikkarte. Als Prozessor bleibt es beim Ryzen 7 1700X, sodass zumindest eine teilweise Vergleichbarkeit mit den bereits getesteten CPU-Kühlern gegeben ist.

System und Methodik entsprechen grundsätzlich dem bekannten Protokoll „So testet ComputerBase AiO-Wasserkühlungen“, abgesehen von der geänderten Grafikkarte und dem Fakt, dass diese ebenfalls Bestandteil des Kühlkreislaufs ist. Hydro X wird ausschließlich bei übertakteter CPU (3,8 GHz bei 1,35 V Kernspannung) getestet: Die Custom-Wasserkühlung soll schließlich gefordert werden. Neben den reinen CPU-Tests mit Prime95 kommt ein zusätzlicher Belastungstest für CPU und GPU zum Einsatz: Prime95 auf 14 (statt 16) logischen Kernen wird mit Furmark (1.20.6.0; 1024 x 768 ohne AA) kombiniert, um der GTX 1080 Ti einzuheizen.

Einstellungen der Wasserkühlung

Die Steuerung der Lüfter sowie der Pumpe erfolgt über den Corsair Commander Pro, das Auslesen der Messwerte über die Aquasuite von Aqua Computer. Im Normalfall würde hier HWiNFO zum Einsatz kommen, doch Corsair Link verträgt sich nach wie vor nicht mit der Software. Abweichend zum üblichen Testverfahren wird außerdem nicht jeder Test einzeln mit 30 Minuten Aufwärmphase und einem fünfminütigen Messintervall durchgeführt, sondern nach dem ersten Belastungstest lediglich die Lüfterdrehzahl angepasst, 15 Minuten auf das Einpendeln der Temperaturen gewartet und anschließend ein weiteres fünfminütiges Testintervall durchgeführt. So können die Temperaturen bei 500, 800, 1.000, 1.200 und 1.500 U/min sowie mit maximaler Drehzahl der Radiatorlüfter bei vertretbarem Zeitaufwand ermittelt werden.

Die Pumpe wird für alle Leistungstests bei einer konstanten PWM-Leistung von 40 Prozent betrieben. Damit liegt der Durchfluss im „kalten“ Zustand bei circa 40 l/h und sobald das Wasser 40 °C und mehr erreicht, wird die Marke von 50 l/h überschritten. Eine Steuerung der Pumpe nach der Wassertemperatur wäre zwar möglich, würde in diesem Fall aber stören, da sich dadurch der Schalldruckpegel des Systems trotz fixer Lüfterdrehzahlen verändern würde. Bei 40 % Leistung arbeitet die Pumpe noch so leise, dass sie im Leerlauf nicht stört, bietet aber gleichzeitig einen ausreichenden Volumenstrom, um die Kühlung nicht einzuschränken.

Auf der nächsten Seite: Messergebnisse und Fazit