Corsair Nightsword RGB im Test: Sensorik, Software und Alltagserfahrungen

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Fabian Vecellio del Monego 27 Kommentare

Die Nightsword RGB verfügt über einen ARM-Prozessor und einen internen Speicher, auf dem sich drei Software-Profile zumindest partiell ablegen lassen. Die Latenzen des Eingabegerätes betragen bei der ab Werk konfigurierten Abtastrate von 1.000 Hertz eine Millisekunde. Es werden zudem Polling-Raten von 500, 250 oder 125 Hertz unterstützt, die Latenzen steigen entsprechend reziprok proportional.

Sensorik von PixArt

Abermals setzt Corsair bei einer hochpreisigen Maus auf den von PixArt stammenden PMW-3391. Die Weiterentwicklung des populären PMW-3360 setzte das Unternehmen erstmals im Januar bei M65 RGB Elite und Ironclaw RGB ein, seitdem ist das optische Modell bei Corsair-Mäusen allgegenwärtig. Auf dem Papier ist der PMW-3391 der Konkurrenz in Form des genannten PMW-3366 überlegen, auch Logitechs Pendant (Hero 16K) wird theoretisch geschlagen.

PixArt PMW-3391 PixArt PMW-3389 PixArt PMW-3360 Logitech Hero 16K
Technik Optisch
Auflösung 100–18.000 dpi 100–16.000 dpi 200–12.000 dpi 100–16.000 dpi
Geschwindigkeit 10,2 m/s 11,4 m/s 6,3 m/s 10,2 m/s
Beschleunigung 490 m/s² > 392 m/s²
Lift-off-Distance ~1,5 mm ~1,3 mm ~ 1 mm

Bei tatsächlicher Verwendung zeigen sich zwischen allen aufgeführten Sensoren jedoch keine im Rahmen menschlicher Wahrnehmung feststellbaren Unterschiede. Alle Modelle arbeiten präzise und verzichten im relevanten Auflösungsbereich auf Glättung oder sonstige Nachbearbeitung. Die Tatsache, dass die maximale Auflösung des PMW-3391 mit 18.000 Punkten pro Zoll die des PMW-3360 um 50 Prozent übersteigt, ist dabei irrelevant: Einen praktischen Nutzen haben höhere vierstellige oder gar fünfstellige Sensorauflösungen nicht.

Ein Unterschied zwischen PixArt PMW-3391 und dessen direkter Verwandtschaft bis hin zum PMW-3360 lässt sich demnach innerhalb der Reichweite menschlicher Wahrnehmung nicht feststellen. Alle Sensoren der Familie arbeiten durchweg ausgezeichnet. Auch die Messungen bescheinigen dem PMW-3391 repetitiv exzellente Werte, etwaige Abweichungen liegen im Rahmen der Mess-Ungenauigkeiten.

PixArt PMW-3391 (1.000 Hz, Mikrofaseruntergrund)
PixArt PMW-3391 (1.000 Hz, Mikrofaseruntergrund)

Corsairs iCUE-Software

Auch wenn Nutzer für die Nightword RGB keine zusätzlichen Treiber benötigen, kann es sich lohnen, zusätzliche Software zu installieren. Mit Corsair iCUE bietet der Hersteller ein eigenes Programm an, um die Einstellungen der Maus, die Makrobelegung und die Beleuchtung nach eigenem Belieben zu konfigurieren.

Dabei handelt es sich um den Nachfolger der „Corsair Utility Engine“, in die das Monitoring-Programm Corsair Link integriert wurde. Infolgedessen ist das Programm keinesfalls produktspezifisch – nahezu sämtliche Corsair-Komponenten lassen sich per iCUE verwalten und hinsichtlich Einstellungen oder aber Beleuchtung synchronisieren. Das umfasst weitere Peripheriegeräte wie Tastaturen, Headsets oder RGB-Mauspads und RGB-Headset-Ständer, aber beispielsweise auch Kompaktwasserkühlungen, Arbeitsspeicher, Lüfter und LED-Streifen.

Zahlreiche Konfigurationsmöglichkeiten für Makros

Corsairs iCUE bietet neben der obligatorischen Möglichkeit, Auflösung, Abtastrate und Tastenbelegung der Mäuse nach eigenen Wünschen anzupassen, die Option, individuelle Makro-Abfolgen aufzunehmen. Dank einer optionalen Zweitbelegung jeder Taste lässt sich die Anzahl der möglichen Makros erneut steigern. Dabei wird allerdings auf eine Umschaltfunktion, wie sie beispielsweise Logitech oder Razer bietet, verzichtet: Beim Klick auf die entsprechende Taste wird die erste zugewiesene Aktion ausgeführt, beim Loslassen derselben die zweite Aktion. Die praktische Anwendbarkeit der Zweitbelegung ist demnach stark eingeschränkt.

Die Beleuchtung lässt sich umfassend anpassen

Sehr umfassend fallen die Möglichkeiten zur individuellen Beleuchtung aus: Anwender können aus einer Vielzahl an vordefinierten Modi wählen, darunter „Atmend“, „Regenbogen“, „Regenbogenwelle“, „Spiralregenbogen“, „Regen“ und „Reaktiv“.

Darüber hinaus lässt sich die Temperatur von Prozessor, Mainboard oder Grafikkarte farblich visualisieren. Den ausgewählten Effekten werden anschließend die vier verfügbaren Zonen zugewiesen, des Weiteren lässt sich ihre Priorität in einer Liste festlegen.

Zudem existiert die Möglichkeit, die Beleuchtung immersiv an das Spielgeschehen zu koppeln – bislang ist das jedoch nur in wenigen Titeln möglich. Als Vorzeigespiele gelten weiterhin Far Cry 5 und nunmehr auch die ebenfalls von Ubsioft stammenden Shooter Far Cry New Dawn sowie The Divison 2. Sämtliche Corsair-Komponenten stellen beispielsweise im Hauptmenü von Far Cry 5 farblich eine amerikanische Flagge dar. Ist der Spieler im Wald unterwegs, umgibt ihn grünes Licht. Fängt er Feuer, flackert die Peripherie orange. Zwar ist die Funktion durchaus opulent, konkrete Informationen zu zukünftig unterstützten Titeln fehlen aber.

„Schwerpunktmessung“ ohne Messung und Nutzen

Eine bislang exklusive Software-Funktion der Nightsword RGB betrifft das Gewichtssystem: Corsair wirbt offensiv mit einer in Echtzeit erfolgenden Schwerpunktmessung, die „Hardcore-FPS-Spielern die oftmals benötigte Feinjustierung der Balance“ biete, damit sie „komfortabel auf ihrem höchsten Niveau“ spielen können. Tatsächlich gemessen wird dabei aber nichts, stattdessen werden die auf der Unterseite der Nightsword RGB eingesetzten Gewichte über zwei Knöpfe in jeder der sechs Mulden registriert, sodass beispielsweise auch ein Druck mit der Rückseite eines Graphitstiftes als Gewichtserhöhung von 4,5 Gramm erfasst wurde – unabhängig der aufgebrachten Kraft.

Eine Visualisierung der erhobenen Daten geschieht überdies nicht: Zwar zeigt die Software an entsprechender Stelle die Skizze eines dreidimensionalen Koordinatensystems, die Veränderung des Schwerpunktes wird allerdings lediglich in den sich ändernden Koordinaten deutlich, die prosaisch neben der Skizze ausgegeben werden. Dabei sind sowohl die Standardwerte als auch die im Koordinatensystem platzierte Maus verwirrend und wenig hilfreich.

Ohnehin stellt sich die Frage, inwiefern eine objektive Messung einer intendiert zum subjektiven Wohlbefinden beitragenden Änderung des Gewichtes sinnvoll ist – kein Nutzer wird die Zusatzgewichte gemäß den nahezu nichtssagenden Angaben der iCUE-Software auswählen. Und für Shooter-Spieler dürfte die Nightsword RGB mit ihren stattlichen 119 Gramm ohnehin zu schwer sein, als dass sie „komfortabel auf ihrem höchsten Niveau“ spielen können, geschweige denn Zusatzgewichte benötigen.

Alltagserfahrungen und Verarbeitung

Die Installation eben dieser geht überdies weniger einfach von der Hand, als es Logitech mit der G502 vormacht: Während die Bodenplatte bei jener magnetisch arretiert und entsprechend einfach zu entfernen respektive aufzusetzen ist, hält die Abdeckung der Nightsword RGB über Plastikhäkchen, die das Öffnen und insbesondere Schließen des Fachs häufig durch Verkanten erschweren. Dennoch geht der Gewichtswechsel besser von der Hand als bei den M65-Modellen, bei denen zu diesem Zweck gar ein Schraubendreher vonnöten ist.

Die allgemeine Inbetriebnahme des Eingabegerätes indes verlief erwartungsgemäß einfach, auch während der Verwendung kam es zu keinen Problemen. Als gewohnt nervtötend erwies sich lediglich die Migration bereits vorhandener iCUE-Profile auf den internen Speicher der Nightsword RGB, die drei feste „Hardware-Profile“ besitzt, die bei Anschluss der Maus zusätzlich zu den bisher existenten Konfigurationen angezeigt werden. Innerhalb der iCUE-Software lassen sich bestehende, auf dem Rechner gespeicherte Profile nicht auf den internen Speicher der Mäuse kopieren oder verschieben. Umwege über die Export- und Importfunktion sowie den Datei-Explorer von Windows sind notwendig. Alternativ lassen sich die vorhandenen Profile manuell in jeglicher Eigenschaft einzeln kopieren.

Keine Mängel bei der Verarbeitung

Hinsichtlich Verarbeitungsqualität entspricht die Maus ihrem Preis – die Spaltmaße sind durchweg akkurat und eindrücken lässt sich das Chassis nirgends. Bei der Maus ist derweil ein Klackern zu vernehmen, das nur partiell auf das Mausrad und die dahinter befindlichen Knöpfe zurückzuführen ist. Der voll und ganz mit einer Gummierung überzogene Rücken der Nightsword RGB besitzt überdies eine höhere Anfälligkeit für Abnutzungserscheinungen, die in knapp zwei Wochen des alltäglichen Gebrauchs jedoch nicht aufgetreten sind. Die zahlreichen glänzenden Elemente sind hingegen anfällig für Kratzer.

Besorgniserregend ist keine dieser Beanstandungen, solange das Eingabegerät ordnungsgemäß verwendet wird. So zeigten sich bislang keine Mängel.

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