RTX 2060 Super Custom im Test: Gigabyte Gaming OC und Palit JS gegen die Founders

Wolfgang Andermahr 151 Kommentare
RTX 2060 Super Custom im Test: Gigabyte Gaming OC und Palit JS gegen die Founders

tl;dr: ComputerBase wirft einen Blick auf die Custom-Grafikkarten Gigabyte GeForce RTX 2060 Super Gaming OC und Palit GeForce RTX 2060 Super JS. Letztere hinterlässt im Test einen guten Eindruck, während das Gigabyte-Pendant etwas in Schwierigkeiten gerät.

Die GeForce RTX 2060 Super ist Nvidias Einstieg in die neue Modellreihe „Super“. Die Grafikkarte rundet die originale GeForce RTX 2060 mit rund 15 Prozent mehr Performance und einem auf 8 GB vergrößerten Speicher ab. Nvidias eigene Founders Edition schlägt sich zwar ordentlich, bietet aber gerade beim Kühler noch Verbesserungspotenzial. Der Test zweier Custom-Modelle soll klären, ob selbige es besser können.

RTX 2060 Super Custom von Gigabyte und Palit im Test

Ab rund 400 Euro gibt es die ersten Varianten der GeForce RTX 2060 Super, die getesteten kosten etwa 50 Euro mehr. Die Gigabyte GeForce RTX 2060 Super WindForce OC ist ab 450 Euro zu haben. Dafür erhält der Käufer einen einfach gehaltenen Windforce-Kühler in Dual-Slot-Bauform und eine schlichte RGB-Beleuchtung. So gesehen sind die Unterschiede zwischen der Nvidias Founders Edition und der Gigabyte-Lösung gar nicht so groß.

Deutlich mehr unterscheidet sich die zweite Karte im Bunde: die Palit GeForce RTX 2060 Super JS. Diese kostet ebenfalls rund 450 Euro, setzt sich aber deutlicher von einem Standardmodell ab. So kommt ein großer Drei-Slot-Kühler zum Einsatz, der viel mehr Kühlmaterial bietet. Zudem ist die RGB-Beleuchtung weitaus größer und fällt in einem Rechner damit mehr auf.

Der Test wird klären, ob die zwei Partnerkarten besser als Nvidias eigene Founders Edition abschneiden und generell empfehlenswert sind.

Die Palit GeForce RTX 2060 Super JS wurde ComputerBase vom Systemintegrator Mifcom zur Verfügung gestellt. Es handelt sich um eine Grafikkarte, die ansonsten in einem Komplettsystem verbaut worden wäre. Die GeForce RTX 2060 Super Gaming OC wurde von Gigabyte selbst zugeschickt. Es gab kein NDA oder sonstige Bedingungen für diesen Test.

Die Gigabyte GeForce RTX 2060 Super Gaming OC im Detail

Gigabyte hat drei verschiedene Varianten der GeForce RTX 2060 Super im Portfolio. Die getestete GeForce RTX 2060 Super Gaming OC ist dabei das mittlere Modell, das ab 453 Euro den Besitzer wechselt. Trotz der Namensverwandtschaft zur GeForce RTX 2070 Super Gaming OC desselben Herstellers gibt es einen größeren Unterschied.

So kommt nicht der 2,5-Slot-Windforce-Kühler zum Einsatz, sondern die leistungsschwächere 2,0-Slot-Variante. Dies spart zwar Platz, doch gibt es eben auch weniger Kühlmaterial. Der Kühler selbst wurde ebenfalls entschlackt. Die Basis besteht zwar immer noch aus einem Aluminium-Kern mitsamt diversen Lamellen, doch statt sechs Heatpipes liegen auf der TU106-GPU nur deren vier auf. Auch die drei Axiallüfter wurden verkleinert. Der Durchmesser fällt von 80 auf 75 mm und zudem sind die Lüfter flacher.

Das Lüfterverhalten ist dagegen gleich, denn bei GPU-Temperaturen von weniger als 62 Grad Celsius schalten sich die Lüfter ab und die Grafikkarte arbeitet lautlos. Für den Betrieb der GeForce RTX 2060 Super Gaming OC müssen ein Acht-Pin- und ein Sechs-Pin-Stromstecker verbunden sein. 215 Watt darf die Grafikkarte benötigen, manuell lässt sich die Leistungsaufnahme auf bis zu 280 Watt erhöhen – das sind dann merkwürdigerweise 40 Watt über dem eigentlichen Maximum der GeForce RTX 2070 Super Gaming OC.

Laut Hersteller-Angaben ist die Grafikkarte stark übertaktet

Der Basis-Takt der Grafikkarte liegt bei 1.470 MHz, der durchschnittliche Turbo ist mit 1.815 MHz angegeben. Das sind 165 MHz mehr, als Nvidia für die Founders Edition vorsieht, allerdings ist deren Angabe sehr niedrig gewählt. Der 8 GB große GDDR6-Speicher arbeitet mit den normalen 7.000 MHz. Die Grafikkarte bietet RGB, wobei es sich aber mehr um ein Checklisten-Feature als um eine sinnvolle Beleuchtung handelt. Denn mehr als den Gigabyte-Schriftzug auf der Seite gibt es nicht, der zudem eher schwach leuchtet und einige Farben überhaupt nicht darstellen kann.

Die Palit GeForce RTX 2060 Super JS im Detail

Die Palit GeForce RTX 2060 Super JS ist higegen ein anderes Biest. Als größte von insgesamt vier Versionen des Herstellers ist das Modell deutlich mehr ans Maximum getrieben. Der Kaufpreis fällt mit 459 Euro aber praktisch gleich aus.

Der Kühler der Grafikkarte fällt wegen seiner Größe sofort ins Auge, belegt ganze drei Slots und ist mit 29 cm zudem lang. Es gibt zwei separate Alu-Kühler inklusive Finnen, die mittels fünf Heatpipes miteinander verbunden sind. Die vorhandene Kühlfläche ist deutlich größer als bei dem Gigabyte-Produkt. Anstatt drei gibt es zwar nur zwei Axiallüfter, der Durchmesser ist mit 95 mm dafür aber deutlich größer. Zwar schalten sich die Lüfter bei niedrigen Temperaturen nicht ab, sondern laufen durchweg weiter, doch ist die Drehzahl mit 500 Umdrehungen in der Minute sehr langsam gewählt.

Die GeForce RTX 2060 Super JS darf sich im Betrieb ebenso 215 Watt genehmigen, maximal sind 250 Watt möglich. Dafür müssen ebenso ein Acht-Pin- und ein Sechs-Pin-Stromstecker angeschlossen werden. Die Basis-Taktrate ist mit 1.470 MHz angegeben, der durchschnittliche Turbo mit 1.830 MHz, der damit 15 MHz über dem der Gigabyte-Konkurrenz liegt. Der 8 GB große GDDR6-Speicher wird mit den normalen 7.000 MHz angesteuert. Palit verbaut auf der Grafikkarte eine große und gut sichtbare RGB-Beleuchtung. Allerdings hat diese nur feste Farbübergänge, einen weichen Wechsel gibt es nicht.

Kleberrückstände der Folien bleiben auf der Grafikkarte

Bei der Palit GeForce RTX 2060 Super JS gibt es eine ziemlich ungewöhnliche und unschöne Eigenart: Die Grafikkarte ist ab Werk mit Schutzfolien zugekleistert. Das ist insofern nichts Ungewöhnliches und normalerweise kein Problem, allerdings ließen sich die Folien auf dem Testexemplar nur schwer entfernen und zudem blieben großflächig Kleberrückstände auf der Grafikkarte zurück. Wie die Redaktion in Erfahrung bringen konnte, ist das wohl kein Einzelfall. Wie viele Modelle von Palit von dem Problem betroffen sind, ist aber unklar.

Update vom 30. Juli: Palit hat ComputerBase gegenüber das Problem mit den Kleberückständen bestätigt. Einige Grafikkarten sollen in Deutschland davon betroffen sein. Der Hersteller empfiehlt betroffenen Kunden, den Kleber mit Reinigungsbenzin zu entfernen oder alternativ das Produkt umzutauschen. Dabei soll die Chance hoch sein, ein fehlerfreies Produkt zu erwischen, denn Palit soll bereits seit einiger Zeit andere Folien auf den Super-Grafikkarten verwenden, die die Problematik nicht mehr aufweisen.

Merkmal Gigabyte GeForce RTX 2060
Gaming OC
Palit GeForce RTX 2060 Super
JS
Karte PCB-Design Gigabyte Palit
Länge, Breite 28,5 cm, 11,5 cm 29,0 cm, 13,0 cm
Stromversorgung 1 × 6 Pin
1 × 8 Pin
Kühler Design WindForce, 2,0-Slot JetStream, 3,0-Slot
Kühlkörper Alu-Kern
4 Heatpipes
Kupferkern
5 Heatpipes
Lüfter 3 × 75 mm (axial) 2 × 95 mm (axial)
Lüfter abgeschaltet (2D) Ja Nein
Anlaufdrehzahl 1.400 Umdrehungen Immer an
Takt
(Stromsparmodus)
GPU-Basis 1.470 (300) MHz
GPU-Durchschnitt 1.815 MHz 1.830 MHz
GPU-Maximum 2.010 MHz 1.980 MHz
Speicher 7.000 (810) MHz
Speichergröße 8.192 MB GDDR6
Leistungsaufnahme Standard TDP 215 Watt
Maximale TDP 280 Watt 250 Watt
Anschlüsse 3 x DisplayPort 1.4
1 x HDMI 2.0b
1 x VirtualLink
3 x DisplayPort 1.4
1 x HDMI 2.0b

Im Forum von ComputerBase kommt immer wieder die Frage auf, wie die Redaktion im Detail Grafikkarten testet. Da dies ein ziemlich umfangreiches Unterfangen mit diversen Benchmarks, Messungen, Tools und Methoden ist, fällt die Beantwortung der Frage umfangreich aus.

So testet ComputerBase Grafikkarten

Um dem Thema ausreichend Raum zu geben, hat die Redaktion einen separaten Artikel erstellt. Dieser widmet sich ausschließlich der Frage, wie ComputerBase Grafikkarten testet.

Der Artikel geht unter anderem ausführlich auf das genutzte Testsystem ein. Das betrifft sowohl das Gehäuse mitsamt der Lüfterbestückung – was entscheidend für Lautstärke und Temperatur ist – als auch die verbaute Hardware und wie diese konfiguriert ist. Es wird ebenfalls darauf eingegangen, welche Grafikkarten mit welchem Takt betrieben werden. Darüber hinaus wird genauer erläutert, wie sämtliche Messreihen, zum Beispiel für die Leistungsaufnahme, durchgeführt werden.

Videos und Spielstände zum Nachtesten

Der wichtigste Aspekt bei fast allen Grafikkarten-Tests sind die Spiele-Benchmarks. Der Methodik-Artikel beschäftigt sich mit den Spielen selbst, geht auf die möglichen Besonderheiten wie zum Beispiel DirectX 12 sowie Vulkan ein und beschreibt die genutzten Grafikdetails – denn nicht in jeder Auflösung testet die Redaktion mit der bestmöglichen Optik.

Darüber hinaus gibt es zu jedem Spiel die Testszene in einem Video zu sehen und – falls möglich – wird ein Spielstand bereitgestellt, sodass jeder Leser die Sequenz nachstellen und nachvollziehen kann. Abschließend klärt der Artikel, welche Tools ComputerBase für die Benchmarks einsetzt, und auch, wie die Ergebnisse in Form von Bildern pro Sekunde (FPS) und Frametimes dargestellt werden.

Die tatsächlichen Taktraten unter Last

Beide Grafikkarten takten unter Volllast maximal mit 1.935 MHz, solange weder die Leistungsaufnahme noch die Temperatur limitieren. Allerdings sind beide Produkte so konfiguriert, dass diese fast durchweg in das Powerlimit laufen und dann heruntertakten.

So sieht man zum Beispiel die vollen 1.935 MHz auf der Gigabyte GeForce RTX 2060 Super Gaming OC zu keiner Zeit. Mehr als 1.905 MHz gibt es nicht, die dann aber immerhin in den meisten Spielen zeitweise anliegen. Metro Exodus ist der schlimmste Fall für die Grafikkarte. In dem First-Person-Shooter arbeitet die GPU abwechselnd mit 1.860 MHz und 1.875 MHz.

Die tatsächlichen Taktraten im Phanteks Enthoo Evolv X
Spiel (2.560 × 1.440) Gigabyte RTX 2060 Super Gaming OC Palit RTX 2060 Super JS
Maximaler Takt in Spielen 1.935 MHz 1.935 MHz
Anno 1800 1.890–1.905 MHz [PT] 1.920–1.935 [PT]
Battlefield V 1.875–1.905 MHz [PT] 1.920–1.935 [PT]
Hitman 2 1.890–1.905 MHz [PT] 1.905–1.920 [PT]
Metro Exodus 1.860–1.875 MHz [PT] 1.905–1.920 [PT]
Shadow of the Tomb Raider 1.890–1.905 MHz [PT] 1.920 MHz
[P] = Power-Target limitiert, [T] = Temperature-Target limitiert

Die Palit GeForce RTX 2060 Super JS taktet durchweg höher, obwohl das Powerlimit identische 215 Watt vorsieht. Vermutlich arbeitet das PCB etwas effizienter. Trotzdem taktet die Grafikkarte meistens herunter. In Anno 1800 und Battlefield V wechseln sich die vollen 1.935 MHz aber zumindest mit 1.920 MHz ab. Den niedrigsten Takt gibt es mit 1.905 MHz bis 1.920 MHz in Hitman 2 und Metro Exodus.

Wird das Powerlimit händisch maximiert, arbeiten sowohl die Gigabyte- als auch die Palit-Grafikkarte durchweg mit 1.935 MHz.

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