Yoga S940 im Test: Sehr gute Eingabegeräte auch ohne Trackpoint

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Nicolas La Rocco 92 Kommentare

Weil das Yoga S940 eben kein ThinkPad ist, fehlen dem Notebook der Trackpoint und die zugehörigen Tasten oberhalb des Touchpads. Im Gegenzug bietet das S940 ein mit 10,5 × 6,3 cm angenehm großes Touchpad mit Glasabdeckung. Klicken lässt es sich ab dem unteren Ende des oberen Drittels, dort aber noch mit etwas mehr Druck. Einfacher geht es ab der Mitte bis zum unteren Ende. Die Gleiteigenschaften des Touchpads sind ausgezeichnet und ermöglichen das zielsichere Bewegen des Mauszeigers. Auch Gesten mit mehreren Fingern erkannte Windows 10 einwandfrei. Lenovo liefert im S940 eines der aktuell besten Touchpads ab.

Leise Tastatur mit genügend Hub

Ausgezeichnet ist auch Lenovos Tastatur, mit der über die letzten Wochen mehrere ComputerBase-Artikel entstanden sind. Der Hersteller hat es geschafft, einen angenehm langen Tastenhub mit einer flachen Tastatur zu verbinden, bei der dennoch jede Taste einen eindeutigen Auslösepunkt bietet und zugleich leise bleibt. Letztgenannte Eigenschaft hat sich vor allem im Ruheabteil im Zug als Pluspunkt herauskristallisiert, denn selbst virtuoses Schreiben unter Zeitdruck führte nicht zum Schreibmaschinenklackern manch anderer Geräte. Hier machen sich vor allem MacBooks mit Butterfly-Tastatur immer wieder negativ bemerkbar.

Lenovo stattet die Tastatur mit einer Hintergrundbeleuchtung aus, die zwei Helligkeitsstufen bietet oder vollständig deaktiviert werden kann, und vertraut auf ein Standardlayout ohne besondere Belegungen. Die Funktionstasten sind ab Werk invertiert, sodass für die Tasten F1 bis F12 die Fn-Taste gedrückt werden muss. Diese Eigenschaft lässt sich in Lenovos Vantage-App für Windows jedoch umkehren.

Rein optisch betrachtet integriert sich die Tastatur gut in den Aluminiumrahmen, da die aus Kunststoff gefertigten Tasten die gleiche Farbe wie das Gehäuse aufweisen. Denselben Farbton zu treffen, ist bei unterschiedlichen Materialien nicht einfach. Oberhalb der Entf-Taste befindet sich der An-aus-Schalter samt Status-LED.

Windows-Hello-Kamera kommt Apple zuvor

Einen Fingerabdrucksensor, wie ihn zuletzt viele Hersteller in den Powerbutton integriert haben, sucht man beim Yoga S940 vergebens. Der ist auch nicht notwendig, denn Lenovo setzt stattdessen auf das biometrische Entsperren über eine Windows-Hello-Kamera. Sobald das Notebook aufgeklappt ist, fängt eine Kombination aus normaler und IR-Kamera an, den Anwender zu scannen und nach sehr kurzer Wartezeit landet dieser auf dem Desktop. Wenn Apple eines Tages Face ID im MacBook anbieten sollte, wird es zwar wieder heißen, das Unternehmen habe ein solches System der breiten Masse zugänglich gemacht, tatsächlich funktionieren Windows-Hello-Kameras aber seit den frühen Tagen im Surface Pro ausgezeichnet. Und das Yoga S940 ist ein weiterer Beweis dafür, dass Microsoft seit Jahren für gute Vorgaben hinsichtlich der Performance sorgt.

Notebook sperrt sich automatisch

Lenovo macht mit der Kamera aber noch mehr, als den Nutzer darüber anzumelden oder sie für Skype und ähnliche Apps zu verwenden. Der Hersteller wirbt mit angeblich ausgeklügelten KI-Funktionen des Notebooks, tatsächlich handelt es sich aber um erweiterte Funktionen der Kamera. In Lenovos Vantage-App lässt sich zum Beispiel festlegen, ob die Kamera erkennen können soll, dass der Anwender noch vor dem Notebook sitzt. Ist das nicht der Fall, wird das Betriebssystem automatisch gesperrt, um Dritten den Zugriff zu verwehren. Das Feature funktionierte im Test anstandslos und machte genau das, was Lenovo verspricht.

Cursor und Fenster per Blickrichtung bewegen

Nicht in der Vantage-App zu finden ist hingegen eine Software namens Glance. Hier bedient sich Lenovo bei den Spezialisten von Mirametrix, deren Glance-Software über die Windows-Hello-Kamera erkennen kann, wo der Anwender gerade hinschaut. Sie verändert daraufhin die Position von Fenstern und Mauszeiger im Multi-Monitor-Betrieb. Läuft die Software im Hintergrund, zeigt sie in der Taskleiste wie auf einer Art Schießscheibe an, ob der Anwender direkt auf den Monitor des Notebooks schaut (grün), den Blick leicht abgewandt hat (gelb) oder nicht erfasst werden kann (rot).

Sobald beim Multi-Monitor-Betrieb der Blick vom Bildschirm des Notebooks abgewandt und auf das zweite Display gerichtet wird, bewegt Glance automatisch den Mauszeiger darauf. Geht der Blick wieder zurück zum Notebook, wechselt der Cursor wieder automatisch mit. In beiden Fällen wird dieser kurz vergrößert dargestellt, damit dessen Position schneller vom Anwender erfasst werden kann.

Die Windows-Hello-Kameras sitzen in der Ausbuchtung
Die Windows-Hello-Kameras sitzen in der Ausbuchtung

Auch beim Verschieben von Fenstern kann Glance hilfreich sein. Sobald die Titelleiste eines offenen Fensters mit dem Mauszeiger gehalten und auf den anderen Monitor geschaut wird, verschiebt Glance das aktive Fenster auf das andere Display und auf Wunsch wieder zurück. Erneut muss man Lenovo oder in diesem Falle Mirametrix für die gute Umsetzung loben, denn Glance ist nicht nur ein Gimmick, um die Feature-Liste des Notebooks zu verlängern, sondern bei Bedarf im Alltag durchaus praktisch.

Glance deckt allerdings noch nicht alle Nutzungsszenarien ab, denn die Software erkennt ausschließlich Veränderungen der Blickrichtung nach links oder rechts. Ist das Notebook vor einem Desktop-Monitor aufgestellt und wandert der Blick nach oben, erkennt die Software das nicht. Es muss demnach darauf geachtet werden, dass der zweite Bildschirm links oder rechts vom Notebook aufgebaut wird, wie es bei einem klassischen Aufbau von zwei Monitoren an einem Desktop-PC der Fall wäre.

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