LG G8s im Test: Fazit

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Nicolas La Rocco 105 Kommentare

Zur regulären unverbindlichen Preisempfehlung von 769 Euro hat es das G8s schwer. Nach der frühen Vorstellung Ende Februar kommt das Smartphone nun deutlich zu spät auf den hiesigen Markt, auf dem sich mittlerweile Größen wie Huawei und Samsung mit ihren aktuellen Geräten breitgemacht haben. Auch ein ehemaliger Underdog wie OnePlus kämpft mit sehr guten Smartphones um Marktanteile. Ganz nüchtern betrachtet bietet das Galaxy S10 oder S10+, P30 Pro oder OnePlus 7 Pro für das gleiche oder weniger Geld das bessere Paket. Für 769 Euro spricht einfach zu wenig für das LG G8s, obwohl das Smartphone durchaus einige Pluspunkte bietet.

LG ist zum Beispiel neben Huawei (Mate 20 Pro) einer der wenigen Hersteller mit einem guten Face-ID-Klon. Die ToF-Kamera sichert den Vorgang deutlich besser als ein einfacher 2D-Scan ab, wie ihn viele andere Hersteller nutzen. Alle anderen Features, die LG über die ToF-Kamera realisiert, kann man hingegen getrost vergessen. Handvenen-Erkennung und „Air Motion“ haben sich als beinahe nutzlose Gimmicks erwiesen.

Auf der Habenseite stehen zudem die sehr gute Verarbeitung, die Konnektivität inklusive der nach wie vor verbauten 3,5-mm-Kopfhörerbuchse sowie gute Akkulaufzeiten. Hier ist erfreulich, dass LG die Rückseite aus Glas nicht nur aus optischen Gründen verbaut, sondern darüber das kabellose Aufladen nach Qi-Standard ermöglicht.

Eine Triple-Kamera bieten mittlerweile alle großen Hersteller, hier zieht LG aus der gewohnt verbauten Ultraweitwinkelkamera keinen Vorteil mehr. Es ist aber gut, dass sie da ist, um dem Anwender mehr gestalterische Freiheit beim Fotografieren zu geben. Das wiederum ist jedoch primär auf Aufnahmen bei Tageslicht beschränkt, denn bei Nacht läuft LG Herstellern wie Huawei oder Google hinterher. Selbst Samsung bietet per Update mittlerweile einen Nachtmodus an. Diesen Trend hat LG klar verschlafen.

6,21 Zoll großes OLED-Display
6,21 Zoll großes OLED-Display

Spät dran ist LG in der Regel auch mit Android-Updates. In den letzten Jahren hat sich der Hersteller nicht gerade mit Ruhm bekleckert, wenn es um die zeitnahe Bereitstellung von Android- oder Sicherheits-Updates geht. Das Unternehmen nimmt mit dem G8 zwar an der öffentlichen Beta für Android Q teil, G8 und G8s sind aber unterschiedliche Geräte, sodass für das G8s kein Update in Aussicht steht. Das letztjährige G7 erhält erst dieser Tage das Upgrade auf Android 9.0 Pie, wo die nächste Version schon an der Tür klopft.

Für das G8s spricht deshalb unterm Strich nur die bis Ende Juli laufende Verkaufsaktion, in deren Rahmen Käufer einen 43 Zoll großen 4K-Fernseher im Wert von 400 Euro (Marktpreis) kostenlos zum Kauf des Smartphones erhalten. So lässt sich der Preis des Smartphones mit dann 369 Euro schönreden, sofern sich der Fernseher zum Vollpreis verkaufen lässt. Dass 769 Euro für das Gebotene kein realistischer Preis sind, zeigt der Online-Handel, der das G8s in Deutschland bereits 100 Euro unter UVP anbietet. In Österreich ist das Gerät derweil sogar schon unter die 600-Euro-Marke gepurzelt.

LG G8s ThinQ
Produktgruppe Smartphones, 09.07.2019
  • Display
    +
  • Leistung Produktiv
    ++
  • Leistung Unterhaltung
    +
  • Laufzeit
    +
  • Verarbeitung
    ++
  • ToF-Kamera mit gutem Face-ID-Klon
  • Hohe Systemleistung
  • Gute Triple-Kamera bei Tageslicht
  • Gute Stereo-Lautsprecher
  • Hochwertige Verarbeitung
  • IP68-Schutz und MIL-STD-810G
  • Gute Akkulaufzeiten
  • Kabelloses Aufladen mit Qi-Standard
  • Umfangreiche Konnektivität (3,5 mm)
  • Handvenenerkennung und Air Motion im Alltag beinahe nutzlose Gimmicks
  • OLED-Display im Alltag zu dunkel
  • Kamera bei Nacht unterlegen
  • Deutliches GPU-Throttling unter Last
  • Keine Gewissheit bei Android-Updates

ComputerBase hat das G8s leihweise von LG zum Testen erhalten. Eine Einflussnahme des Herstellers auf den Testbericht fand nicht statt, eine Verpflichtung zur Veröffentlichung bestand nicht. Es gab kein NDA.

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