Kindle Oasis 2019 im Test: Audible, Formate und Fazit

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Michael Schäfer 127 Kommentare

Bluetooth nur mit Audible-Unterstützung

Bereits beim Vorgänger hatte Amazon die Einbindung des eigenen Hörbuchdienstes Audible integriert, dessen Inhalte über das verbaute Bluetooth-Modul an entsprechende Ausgabegeräte weitergeleitet werden konnten. Und das bleibt der einzige Weg, denn über einen eigenen Lautsprecher oder Kopfhörerausgang verfügt der Oasis weiterhin nicht. Die Handhabung zum Koppeln ist einfach, im Test wurde die Verbindung zu diversen Bluetooth-Lautsprechern ohne Probleme und zügig aufgebaut.

(Freie) Formate unerwünscht

Weiterhin eingeschränkt ist die Unterstützung von Audioformaten, denn lediglich die von Audible zur Verfügung gestellten Dateien können wiedergegeben werden. Weil Amazon auch bei den digitalen Büchern anderen, teilweise freien Formaten wie Epub die Tür vor der Nase zuschlägt, müssen bei den Audioformaten MP3 und Co. ebenso draußen bleiben – was bei Amazon gekaufte Musik-Downloads ebenfalls betrifft.

Der Audioplayer des Kindle Oasis bleibt spartanisch
Der Audioplayer des Kindle Oasis bleibt spartanisch

Beim Format von Audible kann dagegen die Dateigröße zu einem Problem werden, denn gerade bei sehr langen, meist ungekürzten Hörbüchern beträgt diese schnell 2 GByte oder mehr. Amazon hat zwar damit begonnen, lange Audiobooks in mehrere kleinere Stücke aufzuteilen, damit eben nicht der komplette Titel heruntergeladen werden muss, doch ist dies noch nicht bei allen im Angebot vertretenen Inhalten der Fall. Bei der kleinen Variante des Oasis mit lediglich 8 GByte internem Speicher (abzüglich des für das System benötigten Speicherbereichs) können zwei bis drei Hörbücher den Nutzer bereits arg in Bedrängnis bringen.

Einfach gehaltener Player

Der Audioplayer mutet immer noch sehr rudimentär an. Außer Schaltflächen für das Spulen, das Einstellen der Lautstärke, den Kapitelsprung, die Wahl der Abspielgeschwindigkeit und Kapitel sowie das Anlegen von Lesezeichen finden sich keine weiteren Bedienelemente.

Ein gleichzeitiges Abspielen von Hörbüchern und das Lesen in einem E-Book ist auch mit der neuen Software nicht möglich – sobald der Player verlassen wird, stoppt die Wiedergabe. Das ist schade, denn gerade im Hinblick auf Fremdsprachen wäre es für manche Anwender von Vorteil, das Buch zu lesen, während gleichzeitig das Audiobook gehört wird.

Fazit

Nachdem Amazon jahrelang in Sachen E-Book-Reader den Ton angegeben hat, muss der einstige Branchenprimus aufpassen, nicht ins Hintertreffen zu geraten. Mit dem neuen Oasis schließt der Online-Händler zwar zu anderen Herstellern auf, mehr allerdings auch nicht. Wasserschutz und Blaufilter sind heutzutage keine Alleinstellungsmerkmale mehr.

Gute Darstellung ...

Für den E-Book-Reader spricht neben der guten Verarbeitung vor allem die nach wie vor beste Textdarstellung am Markt, was das Schriftbild homogen und gut lesbar macht. Auch die dazu benötigte Software ist schon lange ausgereift und bietet viele nützliche Funktionen und Einstellungsmöglichkeiten.

Das verbaute Display liefert in diesem Test, wie von den Vorgängern gewohnt, einen guten Eindruck. Der Kontrast ist gut, die Auflösung hoch und die Ausleuchtung gleichmäßig – auch bei aktiviertem Blaufilter, der dezent, aber effizient genug agiert.

... aber wenig unterstützte Formate

Bei der Formatunterstützung wird die Luft dagegen dünner und es kommen nur Amazons eigene Formate zum Zuge – dies gilt gleichermaßen für digitale Bücher wie auch Audioinhalte. Einzige Ausnahmen bilden PDF und Mobi, wobei Ersteres in nur sehr einfacher Form dargestellt wird. Zwar ist der Nutzer bei digitalen Büchern aufgrund des mittlerweile weit verbreiteten weichen DRMs nicht mehr nur auf Amazon angewiesen, bei Hörbüchern hingegen führt auch beim neuen Oasis kein Weg an Audible vorbei.

Amazon Kindle Oasis 2019 im Test

Kontroverse Handhabung

Auch die Nutzung des Oasis dürfte für den einen oder anderen Anwender mit Umstellungen verbunden sein – vor allem dann, wenn bereits Erfahrungen mit anderen Readern gesammelt wurden. Die dann unbewusst ablaufenden Automatismen beim Handwechsel sind beim Oasis nicht mehr so einfach nd das Drehen um 180 Grad stört nicht selten den Lesefluss.

Zielgruppensuche

Der Oasis hat es weiterhin nicht leicht am Markt, denn Leser müssen das extravagante Design schon mögen, um gewillt zu sein den Preis zu zahlen, auch wenn viele technische Eigenschaften überzeugen können. Allen anderen und damit der breiten Masse sei hingegen ein Blick auf den kleinen Bruder Paperwhite oder auf die Konkurrenz empfohlen. Nutzer, die lediglich ein Lesegerät für ihre digitalen Bücher suchen, finden im aktuellen Kindle Paperwhite (Test) einen deutlich günstigeren Begleiter. Der mit sechs Zoll etwas kleinere Bildschirm fällt dabei weniger ins Gewicht, als im ersten Moment angenommen werden könnte. Der Reader bringt ebenfalls Audible-Unterstützung mit sich, lässt allerdings den Blaulichtfilter vermissen. Dafür kostet er gerade einmal knapp die Hälfte – zumindest beim Modell mit Werbung.

Amazon Kindle Oasis 3 Amazon Kindle Oasis 2 PocketBook InkPad 3 Pro PocketBook InkPad 3 Tolino Epos Amazon Kindle Paperwhite (2018)
Betriebssystem: Linux proprietäres Betriebssystem Linux Android proprietäres Betriebssystem
Display: 7,00 Zoll
1.264 × 1.680, 300 ppi
E-Ink Carta, 16 Graustufen, beleuchtet
7,80 Zoll
1.404 × 1.872, 300 ppi
E-Ink Carta, 16 Graustufen, beleuchtet
6,00 Zoll
1.080 × 1.440, 300 ppi
E-Ink Carta, 16 Graustufen, beleuchtet
Blaulichtfilter: Ja Ja
Bedienung: Physische Tasten, Touch Touch
SoC: 1,0 GHz, 1 Kern/e 1,0 GHz, 2 Kern/e 1,0 GHz, 1 Kern/e
RAM: ? 512 MB 1.024 MB 512 MB
Interner Speicher:
8 GB
(? verfügbar)
Variante
32 GB
(26,9 GB verfügbar)
8 GB
(7,1 GB verfügbar)
Variante
32 GB
(26,9 GB verfügbar)
16 GB
(? verfügbar)
8 GB, erweiterbar
(7,1 GB verfügbar)
8 GB
(7,1 GB verfügbar)
8 GB
(7,1 GB verfügbar)
Variante
32 GB
(31,1 GB verfügbar)
Konnektivität: Micro-USB 2.0
802.11 b/g/n
Bluetooth: Ja Ja
Mobilfunk:
Variante
4G
Variante
3G
Variante
3G
Größe (B×H×T): 141,0 × 159,0 × 8,4 mm 141,0 × 159,0 × 8,3 mm 136,5 × 195,0 × 8,0 mm 140,0 × 209,0 × 8,2 mm 116,0 × 167,0 × 8,2 mm
Gewicht: 188 g 194 g 225 g 210 g 260 g 182 g
Schutzart: IPX8 IP68 Nanocoating Nanocoating IPX8
Akku: ? 1.900 mAh 1.200 mAh ?
Textformate: DOC, DOCX, Kindle (AZW), Kindle Format 8 (AZW3), Mobi (ungeschützt), PDF, PRC, TXT ACSM, CHM, CBR, CBZ, DJVU, DOC, DOCX, Epub, FB2, FB2.zip, HTM, HTML, Mobi (ungeschützt), PDF, PRC, PRC (nativ), RTF, TCR, TXT Epub, PDF, TXT DOC, DOCX, HTML, Kindle (AZW), Kindle Format 8 (AZW3), Mobi (ungeschützt), PDF, PRC (nativ), TXT
DRM-Formate: Kindle (AZW) Adobe-DRM E-Pub, Adobe-DRM PDF Kindle (AZW)
Audio-Formate: Audible Hörbücher MP3, OGG, M4B MP3
Vorlesefunktion: Text-To-Speech
Preis: ab 229 € / ab 320 € / ab 260 € ab 200 € / ab 290 € / 259 € 269 € ab 208 € ab 190 € ab 111 € / 149,99 € / 229,99 €

Und auch die Konkurrenz schläft nicht: Die Tolino-Allianz bietet mit dem Epos (Test) ebenfalls einen vor Wasser geschützten E-Book-Reader, der zwar über keine Audio-Wiedergabe, dafür aber über ein größeres Display verfügt. Bei der Textdarstellung muss sich dieser allerdings dem Kindle Paperwhite und Kindle Oasis deutlich geschlagen geben. Eine weitere Alternative wäre das InkPad 3 Pro, das erst kürzlich von PocketBook veröffentlicht wurde, ebenfalls einen Wasserschutz und Blaulichtfilter bietet und ein Bluetooth-Modul sowie Unterstützung für MP3-, M4B- und OGG-Dateien mit sich bringt. Darüber hinaus wartet PocketBook neben einer umfangreichen Software-Ausstattung mit der nach wie vor besten PDF-Unterstützung unter den bekannten E-Book-Readern auf.

Amazon Kindle Oasis 3 (8 GB WLAN)
Produktgruppe E-Book-Reader, 09.08.2019
  • Darstellung
    ++
  • Bedienung
    +
  • Verarbeitung
    +
  • gutes Display
  • gute Verarbeitung
  • helle und gleichmäßige Ausleuchtung
  • gutes Ghosting-Verhalten
  • Wasserschutz
  • guter Blaulichtfilter
  • drehen zum Handwechsel kann Lesefluss stören
  • geringe Formatunterstützung
  • lediglich Audible-Unterstützung bei Audio-Inhalten

ComputerBase wurde Reader leihweise von Amazon zum Testen zur Verfügung gestellt. Eine Einflussnahme des Herstellers auf den Testbericht fand nicht statt, eine Verpflichtung zur Veröffentlichung bestand nicht. Es gab kein NDA.

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