Ikea Symfonisk im Test: Klang und Fazit

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Michael Schäfer 70 Kommentare

Klang

Über die genauen Spezifikationen bezüglich Ausgangsleistung sowie Frequenzgang schweigen sich Ikea und Sonos aus. Bekannt ist lediglich, dass in beiden Lautsprechern jeweils zwei Class-D-Verstärker sowie ein Hoch- und ein Mitten-/Tieftöner verbaut sind.

Klanglich haben beide Klanggeber für den verlangten Preis einiges zu bieten, auch wenn die originalen Sonos-Lautsprecher im Vergleich deutlich die Nase vorne haben. So bieten die Regal-Lautsprecher nach dem Auspacken einen recht mittenbetonten Klang, der ein wenig Bass vermissen lässt. Daran ändert auch das Hinzufügen eines zweiten Lautsprechers zu einem Stereo-Set nichts, lediglich das Volumen wird im Anschluss größer. Erst nach der Vermessung des Raumes über Trueplay konnten die Lautsprecher im Test ihr wahres Potenzial offenbaren, mit für die geringe Gehäusegröße von 31 × 10 × 15 cm guten Bässen und angenehmen Höhen. Wer mit dem Klang dennoch nicht einverstanden ist, kann entweder per Equalizer nachjustieren oder die Vermessung erneut vornehmen. Android-Nutzern sei es daher angeraten, das Einmessen über Geräte von Freunden vorzunehmen, der Unterschied dürfte überraschen.

Auch ohne Abdeckung machen die Regallautsprecher eine gute Figur
Auch ohne Abdeckung machen die Regallautsprecher eine gute Figur

Die Regal-Lautsprecher besitzen zudem genügend Leistung, um einen Raum auch mal laut zu beschallen, und verzerren dabei erst kurz vor dem Maximum. Mit der Beschallung von Feierlichkeiten auf lautem Niveau wären die Regalmodelle dennoch überfordert, die gediegene Hintergrundmusik ist eher deren Metier.

Lautsprecherlampe mit mehr Rumms

Ein wenig anders sieht es bei der rund 40 cm hohen Symfonisk-Tischleuchte aus: Aufgrund des größeren Korpus sorgt diese aus dem Stand heraus für ein deutlich tieferes Bassfundament und einen dynamischeren Klang – was bei einem fast doppelten Preis aber erwartet werden kann. Dennoch kann auch hier Trueplay noch das letzte Quäntchen herausholen, was vor allem den Bassbereich weniger dominant erscheinen lässt.

Auch die Regallautsprecher lassen sich leicht bedienen
Auch die Regallautsprecher lassen sich leicht bedienen

Wie bereits beim kleineren Bruder ist auch beim großen Vertreter selbst bei geringem Abstand kein Stereo-Bild auszumachen – auch hier bedarf es eines zweiten Lautsprechers. Die maximale Lautstärke fällt ebenfalls deutlich höher aus, womit sich ein Stereo-Paar selbst in einer lauten Umgebung gut behaupten kann, dabei aber fast unsichtbar bleibt. Auf der anderen Seite kann die Lampe sehr leise spielen, womit sie eine mögliche Alternative für den heimischen Nachttisch ist. Das Ohr muss schon sehr nahe an den Lautsprecher gehalten werden, um das geringe Grundrauschen vernehmen zu können. Bereits nach einem halben Meter ist dieses aber nicht mehr existent. Dafür gibt der Klanggeber Musik auch bei geringer Lautstärke ohne Verzerrungen oder andere Störungen wieder.

Fazit

Die ersten beiden Symfonisk-Systeme aus der Kooperation zwischen Ikea und Sonos überzeugen in vielerlei Hinsicht, offenbaren aber ebenso deutliche Schwächen gegenüber dem „Original“ von Sonos. Dafür sind sie deutlich günstiger.

Die Regalversionen der Symfonisk-Modellreihe liefern zum Preis von 99 Euro neben der guten Verarbeitung einen durchaus guten und brauchbaren Klang, der nach dem ersten Einschalten jedoch sehr mittenbetont auftritt, was sich in Teilen aber einstellen lässt. Durch das unauffällige Design können die WLAN-Lautsprecher leicht in jede Umgebung integriert werden, hinzu kommen die pfiffigen Montagemöglichkeiten der Regalvariante.

Wer einen deutlich ausgewogeneren Klang und mehr Volumen haben möchte, greift lieber direkt zur Tischleuchte, die ein deutlich besseres Bassfundament und klarere Höhen bietet – dafür aber mit 179 Euro fast doppelt so teuer ist. Ihr hätte eine integrierte smarte Lichtsteuerung gut zu Gesicht gestanden, doch muss eine solche über das Ikea-System oder über Lösungen anderer Hersteller nachgerüstet werden – ab Werk leuchtet die Leuchte nur weiß.

Beide Lautsprecher lassen sich leicht zu einem Stereo-Set zusammenfügen, dies jedoch nur innerhalb einer Modellreihe. Ein Stereo-Mix aus einem Regal- und einem Lampenlautsprecher ist nicht möglich.

Bewährte Technik von Sonos

Durch die Kooperation mit Sonos greifen die Lautsprecher auf die Netzwerktechnologie des US-Unternehmens zurück, die sich bereits seit über zehn Jahren bewährt. Das System ist schnell eingerichtet, egal ob die Ikea-Modelle bereits vorhandenen Komponenten hinzugefügt oder neu installiert werden. Auch unbedarfte Anwender sollten damit leicht zurechtkommen. Nutzer eines unterstützten iPhones oder iPads sei das Einmessen des Systems via Trueplay ans Herz gelegt, mit dem je nach Raumcharakter noch mal eine deutliche Klangsteigerung erreicht werden kann. Ansonsten verhält sich die für Android und iOS erhältliche App unauffällig und lässt sich gut bedienen.

Ikea Symfonisk im Test

Defizite werden schnell deutlich

Doch gerade im direkten Vergleich zu den Produkten von Sonos werden auch die Defizite deutlich, mit denen die neuen Ikea-Lautsprecher zu kämpfen haben. So verfügen beide Modelle abseits des Ethernet-Anschlusses über keine sonstigen Ein- oder Ausgänge. Der Nutzer ist bei beiden Lautsprechern also auf die eigene Musiksammlung oder Streaming-Dienste sowie die Ausgabe über die Lautsprecher selbst beschränkt.

Es ist somit weder möglich, über einen Audio-Eingang externe Quellen in das System einzuspeisen, noch den Lautsprecher mit der heimischen Stereo-Anlage zu verbinden, um diesen als reine Connect-Einheit zu nutzen. Gerade die Lampenvariante wäre dafür prädestiniert, könnte sie doch unauffällig neben den Hi-Fi-Komponenten aufgestellt werden. Hier will Sonos anscheinend keine zu große Konkurrenz zum eigenen Portfolio aufkommen lassen, wird der Sonos Connect doch seit Jahren unverändert für 399 Euro angeboten. Da beide Unternehmen jedoch bereits angekündigt haben, die Zusammenarbeit in den nächsten Jahren fortführen zu wollen, bleibt abzuwarten, ob entsprechende Komponenten nicht auch von Ikea angeboten werden.

Darüber hinaus schraubt Sonos den Funktionsumfang der für macOS und Windows erhältlichen Desktop-Software immer weiter zurück und zwingt die Nutzer somit immer mehr zur mobilen App. Aber auch hier wird der Rotstift angesetzt, so hat Sonos in der iOS-App die Ankündigung vom Juni dieses Jahres umgesetzt und die Streaming-Funktion von Inhalten auf dem iDevice in das Sonos-System deaktiviert – angeblich weil die Funktion nicht mehr zuverlässig funktionieren würde. Android-Nutzer sind von dieser Restriktion – zumindest bisher – nicht betroffen.

Enge Zielgruppe

Audiophile Musikfreunde werden über die neuen Lautsprecher mit großer Wahrscheinlichkeit die Nase rümpfen, doch gehören sie ohnehin nicht zur Zielgruppe. Natürlich können die neuen Vertreter nicht mit hochwertigen Audio-Komponenten mithalten, das wollen sie aber auch gar nicht. Legt man die Betrachtung jedoch auf Stereo-Anlagen in der jeweiligen Preisklasse, wird schnell deutlich, dass beide Modelle auch klanglich eine durchaus bessere Alternative darstellen können.

Ikea Symfonisk Regal-Lautsprecher
Produktgruppe Lautsprecher, 30.08.2019
  • Klang
    +
  • Verarbeitung
    +
  • Bedienung
    +
  • Ausstattung
  • gute Verarbeitung
  • geringer Preis
  • nach Einmessung guter Klang
  • volle Integration ins Sonos-System
  • vielfältige Montagemöglichkeiten
  • einfache Steuerung per App
  • keine separaten Ein- oder Ausgänge
  • Desktop-Software nur mit den nötigsten Funktionen
Ikea Symfonisk Tischleuchte
Produktgruppe Lautsprecher, 30.08.2019
  • Klang
    +
  • Verarbeitung
    +
  • Bedienung
    +
  • Ausstattung
  • gute Verarbeitung
  • kraftvoller Bass
  • guter Klang
  • volle Integration ins Sonos-System
  • vielfältige Montagemöglichkeiten
  • einfache Steuerung per App
  • keine separaten Ein- oder Ausgänge
  • Desktop-Software nur mit den nötigsten Funktionen

ComputerBase wurden die Symfonisk-Lautsprecher leihweise von Ikea zum Testen zur Verfügung gestellt. Eine Einflussnahme des Herstellers auf den Testbericht fand nicht statt, eine Verpflichtung zur Veröffentlichung bestand nicht. Es gab kein NDA.

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