RAM-OC auf AMD Ryzen 3000 im Test: Zen 2 trifft XMP, hohen Takt und optimierte Timings

Manuel Prislan 315 Kommentare
RAM-OC auf AMD Ryzen 3000 im Test: Zen 2 trifft XMP, hohen Takt und optimierte Timings

tl;dr: Auch AMD Ryzen 3000 profitiert von RAM-OC, hohen Taktraten sowie optimierten Primär- und Sekundär-Timings. Das Übertakten des Arbeitsspeichers ist deutlich einfacher geworden. Wer richtige Erfolge sehen will, muss aber weiter manuell an die Timings ran. Isoliertes Infinity-Fabric-OC bringt hingegen wenig.

Update 29.08.2019 10:06 Uhr

Auf vielfachen Wunsch aus der Community wurde der Artikel im Fazit um einen Abschnitt zum Preis-Leistungs-Verhältnis erweitert. Ins Verhältnis gestellt wurden die durchschnittliche Leistung im Testsystem im übertakteten Zustand und der auf die Kosten in Euro pro Gigabyte Kapazität normierte Preis. Wenig überraschend geht der Crucial Ballistix Sports LT DDR4-3000 aktuell als Sieger aus diesem Vergleich.

Nach Summit Ridge (Ryzen 1000) und Pinnacle Ridge (Ryzen 2000) profitiert auch Matisse (Ryzen 3000 (Test)) von schnellem Arbeitsspeicher. Durch den deutlich größeren L3-Cache kann die neue Generation der Ryzen-CPUs den Zugriff auf den RAM allerdings häufiger abfangen und ist dadurch in CPU-lastigen Anwendungen oder Spielen im Vergleich mit ihren Vorgängern klar im Vorteil. Der in den I/O-Die ausgelagerte Speicher-Controller, der sogenannte IMC, stellt aus diesem Grund keinen Nachteil dar.

Ein weiterer Vorteil von Matisse: Das Übertakten des Arbeitsspeichers ist mit Ryzen 3000 ein ganzes Stück einfacher geworden. Der Betrieb von XMP-Profilen mit mehr als DDR4-3200? Kein Problem! Einfach das entsprechende Profil im BIOS auswählen und sich über ein funktionierendes System freuen. Das letzte Quäntchen Leistung bleibt jedoch weiterhin hinter optimierten Primär- und Sekundär-Timings verborgen. Was dann noch möglich ist, zeigt dieser Test.

Neun ganz unterschiedliche RAM-Kits im Test

Um einen aussagekräftigen Test zu erstellen, bestritten dieses Mal mehr als nur zwei Arbeitsspeichermodule mit Samsung-B-Die-Speicherchips den Testparcours. Insgesamt kamen neun verschiedene Varianten mit unterschiedlichen Speicherchips zum Einsatz.

Im Test standen damit Geschwindigkeiten von DDR4-2400 bis DDR4-4400 zur Verfügung. Das Infinity Fabric wurde zusätzlich unter die Lupe genommen und im Abschluss kam zudem optimierter Arbeitsspeicher zum Einsatz. Auch der Vergleich von Single-Rank und Dual-Rank wird im Verlauf des Artikels behandelt. Zudem wird beleuchtet, inwiefern der Einsatz von vier statt zwei Modulen Leistung kostet beziehungsweise einen Vorteil bringt.

Hersteller Taktfrequenz Timings Speicherchip Größe
Crucial Ballistix Sports LT* 3.000 MHz 15-16-16-35 Micron E-Die 32 GB – 2 × 16 GB
G.Skill Trident Z Royal 3.200 MHz 14-14-14-34 Samsung B-Die 32 GB – 4 × 8 GB
G.Skill Flare X 3.200 MHz 14-14-14-34 Samsung B-Die 16 GB – 2 × 8 GB
G.Skill Sniper X 3.400 MHz 16-16-16-36 Samsung B-Die 16 GB – 2 × 8 GB
G.Skill Sniper X 3.600 MHz 19-20-20-40 Hynix C-Die 16 GB – 2 × 8 GB
Corsair Vengeance LPX 3.600 MHz 18-22-22-42 Micron B-Die 16 GB – 2 × 8 GB
G.Skill Trident Z 3.733 MHz 17-19-19-39 Samsung B-Die 32 GB – 2 × 16 GB
Kingston Hyper X Predator 4.000 MHz 19-21-21-42 Samsung B-Die 16 GB – 2 × 8 GB
Corsair Vengeance LPX 4.600 MHz 19-26-26-46 Samsung B-Die 16 GB – 2 × 8 GB

Die Timings des Arbeitsspeichers von Crucial (Ballistix Sports LT*) wurden mit dem G. Skill Trident Z „nachgebaut“ und die Ergebnisse mit den vorhandenen Erfahrungswerten sowie -berichten aus der RAM-OC-Community abgeglichen.

Folgende XMP-Profile wurden im Test genutzt. Der technische Aspekt hinter den Angaben „IF“ und „UCLK“ wurde bereits im Test von Ryzen 3000 erläutert.

Kampf der XMP Profile
Speichergeschwindigkeit Timings IF/UCLK
2 × 8 GB DDR4-2400 16-16-16-16-39-55-421-1T 1200/1200
4 × 8 GB DDR4-2400 16-16-16-16-39-55-421-1T 1200/1200
2 × 16 GB DDR4-2400 16-16-16-16-39-55-421-1T 1200/1200
2 × 8 GB DDR4-3200 14-14-14-14-34-73-560-1T 1600/1600
4 × 8 GB DDR4-3200 14-14-14-14-34-73-560-1T 1600/1600
2 × 8 GB DDR4-3400 16-16-16-16-36-80-596-1T 1700/1700
2 × 8 GB DDR4-3600 20-20-20-20-40-85-630-1T 1800/1800
2 × 8 GB DDR4-3600 18-22-22-22-42-83-630-1T 1800/1800
2 × 16 GB DDR4-3733 18-19-19-19-39-88-653-1T 1800/933
2 × 8 GB DDR4-4000 20-21-21-21-42-92-700-1T 1800/1000
2 × 8 GB DDR4-4400 18-23-23-23-46-103-770-1T 1800/1100

In aller Kürze: Bis zu einem Takt von DDR4-3600 arbeiten die internen Teiler mit 1:1:1 (MEMCLK = UCLK = FCLK). Darüber hinaus verweilt das IF bei 1.800 MHz und das UCLK wird gegenüber dem MEMCLK halbiert, was eine „Straflatenz“ nach sich zieht.

RAM-Latenzen und Infinity-Fabric-Takt
RAM-Latenzen und Infinity-Fabric-Takt (Bild: AMD)

Unter Windows können die Timings mit dem Tool AMD Ryzen Master ausgelesen werden. Das Programm leidet jedoch noch an kleineren Kinderkrankheiten und liest teilweise Spannungen und/oder Widerstände nicht korrekt aus.

2x 8GB 2400CL16 FCLK1200 UCLK1200
2x 8GB 2400CL16 FCLK1200 UCLK1200 (Bild: CB)

Testsystem und Testmethodik

Für die Leistungsmessung wurde das nachfolgende System verwendet. Das eingesetzte Windows 10 in Version 1903 war auf dem aktuellen Stand. Alle verfügbaren Sicherheits-Updates waren aktiv.

  • AMD Ryzen 5 3600 (ohne PBO)
  • ASUS Crosshair VIII Hero (Agesa 1.0.0.3AB – noch ohne Patch ABB)
  • MSI GeForce GTX 1070 Ti Gaming 8G (GeForce 431.60)
  • Samsung SSD 960 EVO 500 GB (M.2, NVMe)
  • Windows 10 Pro (1903)

Nachdem der Test bereits weit fortgeschritten war, veröffentlichten ASUS sowie Nvidia weitere Software-Updates. Auch ein neuer Chipsatztreiber wurde von AMD am 19.08.2019 veröffentlicht. Das System wurde nicht auf die neuen Versionen aktualisiert, da es die bereits erstellten Testergebnisse verfälschen würde. Ein kurzer Nachtest ist jedoch geplant und sollte eventuelle Unterschiede aufzeigen können.

Die Spiele-Benchmarks wurden mit dem kleinen Tool CapFrameX aufgenommen. Weil es als Analyse- und Aufzeichnungs-Tool agiert, ist es zu diesem Zweck komfortabel einzusetzen. Das Team dahinter ist im Forum aktiv, leistet Hilfestellung und nimmt Feedback sowie Verbesserungsvorschläge entgegen.

Für Counter-Strike: Global Offensive, Forza Horizon 4 und Shadow of the Tomb Raider wurden folgende Grafikeinstellungen verwendet:

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