Sharkoon Skiller SGM3 im Test: Sensorik, Software und Verarbeitung

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Fabian Vecellio del Monego 65 Kommentare

Die Skiller SGM3 verfügt über einen ARM-Prozessor und internen Speicher, um erstellte Konfigurationen autark speichern und anwenden zu können. Die maximale und ab Werk eingestellte USB-Abtastrate liegt bei 1.000 Hertz – eine Limitierung der Polling-Rate auf 500, 250 oder 125 Hertz ist möglich.

Sensorische Gratwanderung zwischen Leistung und Effizienz

Die meisten klar zum Zwecke des Gamings beworbenen Mäuse bedienen sich mittlerweile im mittleren und oberen Preissegment nahezu konsequent der zahlreichen Derivate des populären PixArt PMW-3360. Eine Ausnahme sind nur aktuelle Logitech-Produkte der G-Serie, die auf den eigens entwickelten Hero-Sensor setzen. Hinsichtlich der Präzision sind diese beiden Sensoren im Rahmen menschlicher Wahrnehmung nicht zu unterscheiden. Logitechs Modell arbeitet dabei aber nur mit rund einem Zehntel der Leistungsaufnahme.

Kompromisse zu Gunsten der Akkulaufzeit

Somit gibt es – abseits der höheren Kosten – einen zweiten Grund, wieso kabellose Gaming-Mäuse die höchste Sensorriege oftmals umgehen und auf leistungsschwächere, dafür aber auch sparsamere Chips setzen. Bei der Skiller SGM3 trifft mutmaßlich beides zu: Einerseits ist das Eingabegerät mit seiner unverbindlichen Preisempfehlung von 40 Euro für eine Funkmaus recht günstig, andererseits wäre eine höhere Leistungsaufnahme unweigerlich mit einem höheren Gewicht und einer kürzeren Betriebszeit einhergegangen. Mit der gleichen Problematik sieht sich Corsairs Harpoon RGB Wireless (Test) konfrontiert, bei der die Wahl des Sensors infolgedessen auf den in Relation zum ATG 4090 bekannteren PixArt PMW-3325 fiel.

ATG 4090 PixArt PMW-3325 PixArt PMW-3360 PixArt PMW-3391 Logitech Hero 16K
Sensorik Optisch
Auflösung 600–6.000 dpi 200–6.000 dpi 200–12.000 dpi 100–18.000 dpi 100–16.000 dpi
Geschwindigkeit 3,8 m/s 3,0 m/s 6,3 m/s 11,4 m/s 10,2 m/s
Beschleunigung 294 m/s² 196 m/s² 490 m/s² > 392 m/s²
Lift-off-Distance ~ 1,5 mm ~ 1,3 mm ~ 1 mm

Und mit eben jenem – den PMW-3360-Varianten chronologisch vorangehenden – Modell ist auch die Leistung des in der Skiller SGM3 arbeitenden ATG 4090 vergleichbar: Beide Sensoren besitzen eine recht niedrige messbare Höchstgeschwindigkeit, eine durchschnittliche maximal messbare Beschleunigung und nehmen höchstens 6.000 Punkte pro Zoll nativ wahr. Die untere dpi-Grenze des ATG 4090 kommuniziert Sharkoon mit 600 Punkten, via Software lassen sich aber gar nur 50 Punkte pro Zoll einstellen – das legt Interpolation nahe, ist im gegebenen Spektrum und angesichts der Korrektur nach unten aber nicht schlimm.

Akzeptable Präzision mit Angle Snapping

Bei der praktischen Verwendung sind im direkten Vergleich zum PMW-3360 Nachteile hinsichtlich der Präzision spürbar. Diese halten sich allerdings im Rahmen und machen die Skiller SGM3 keinesfalls pauschal ungenau: Insgesamt sind die Ergebnisse immer noch gut. Im reinen Wortsinn verfälscht wird das Bild allerdings noch durch das nicht deaktivierbare Angle Snapping (Linienbegradigung), das geringfügig in die Zeigerbewegungen eingreift.

ATG 4090 (1.000 Hz, Mikrofaseruntergrund)
ATG 4090 (1.000 Hz, Mikrofaseruntergrund)

Anschluss und Stromversorgung

Nativ lässt sich die Skiller SGM3 über das im Lieferumfang befindliche USB-Typ-A-auf-Micro-USB-Typ-B-Kabel laden. Die entsprechende Buchse findet sich ein wenig nach innen versetzt am vorderen Ende der Maus. Dementsprechend passen Drittanbieterkabel mitunter nicht, sofern der Stecker dick ummantelt wurde. Eine volle Ladung des 930 mAh starken Lithium-Ionen-Akkus lässt sich auf diesem Wege in rund drei Stunden erreichen, ein wenig länger dauert es beim induktiven Laden. Dank der Unterstützung des Qi-Standards ist dies über handelsübliche und meist von Smartphones bekannte Ladematten problemlos möglich.

Gute Akkulaufzeit lässt sich noch verlängern

Anschließend lässt sich die Maus bei aktivierter Beleuchtung und maximaler Abtastrate rund 40 Stunden aktiv verwenden. Sofern das Eingabegerät nicht bewegt wird, verbraucht es weniger Strom und wechselt nach kurzer Zeit in einen Energiesparmodus. Leider lässt es sich nicht mit bloßer erneuter Bewegung wecken, sondern bedarf eines Tastenklicks, um anschließend mit nur geringfügiger Verzögerung wieder den Dienst aufzunehmen. Sofern Nutzer bereit sind auf die Beleuchtung zu verzichten oder aber die Polling-Rate zu reduzieren, lässt sich die Skiller SGM3 noch länger verwenden.

Ein Problem findet sich jedoch bei der Latenz. Trotz mehrfacher Tests an verschiedenen Rechnern konnte seitens ComputerBase bei den beiden zur Verfügung stehenden Exemplaren der Skiller SGM3 keine reproduzierbar konstante Verzögerung gemessen werden. Wenn auf die sechs voreingestellten Auflösungsoptionen (600, 1.200, 2.400, 3.600, 4.800 & 6.000 dpi) zurückgegriffen wird, hält sich diese im Rahmen: Eine leichte Verzögerung ist spürbar, aber nicht störend. Anders sieht es jedoch aus, wenn per Software eigene Auflösungen konfiguriert werden; dann schränkt die Verzögerung die Leistung der Skiller SGM3 deutlich ein.

Nach Rücksprache mit Sharkoon beurteilte der Hersteller diesen Sachverhalt als Defekt am Testgerät, woraufhin ComputerBase eine zweite Skiller SGM3 angeboten wurde. Auch diese wies die besagte Funk-Latenz jedoch an zwei Rechnern vor. Nach mehrmaligem Rekonfigurieren und Zurücksetzen der Mäuse sowie Neuinstallieren der Software gelang es der Redaktion schließlich, auch mit benutzerdefinierten Auflösungen die geringere, nicht zwangsläufig störende Latenz zu erreichen – allerdings nur bei der vom Hersteller zuerst bereitgestellten Maus. Bei der zweiten Skiller SGM3 blieb der Erfolg aus und auch ComputerBase-Leser bescheinigen Sharkoons kabellosem Einstand eine in Relation zu anderen Eingabegeräten spürbare Verzögerung.

Probleme mit der Latenz sind unberechenbar

Das überrascht, denn Sharkoon lässt die Skiller SGM3 und den entsprechenden USB-Adapter mit 2,4-GHz-Funk arbeiten, der sich für möglichst latenzfreie Verbindungen zwischen Maus und Rechner beispielsweise bei Corsair und Logitech bewährt hat. Dennoch liegt zwischen der Bewegung der Maus und der des Mauszeigers bei eigener Konfiguration der Sensorauflösung im Rahmen der beanstandeten Latenz eine spürbare Verzögerung, die je nach Testmethodik rund 6 bis 10 ms beträgt. Ob es sich dementsprechend um einen Fehler in der Software handelt oder aber Auflösungen abseits der Voreinstellung lediglich interpoliert werden – was deutlich gravierender wäre –, konnte auch nach mehrfacher Rücksprache nicht geklärt werden.

Problematisch wird es spätestens, wenn ein direkter Vergleich möglich ist. Selbst kabelgebundene Office-Mäuse reagieren auf Bewegungen in Relation zur beanstandeten Latenz der Skiller SGM3 meist direkter, sofern keine allzu niedrigen Abtastraten vorliegen. Der Vergleich mit kabelgebundenen Gaming-Mäusen erübrigt sich folglich: In langsamen Singleplayer-Titeln mag die Leistung der Skiller SGM3 noch ausreichen, in Multiplayer-Shootern verschaffen sich Nutzer mit dem Verzicht aufs Kabel aber einen potentiellen Nachteil. Und für kompetitives Spielen ist das Eingabegerät entgegen Sharkoons Versprechen keinesfalls geeignet – allein schon aufgrund Existenz besserer Sensoren.

Kompakte Software

Auch wenn Nutzer der Skiller SGM3 zum Betrieb keine Treiber benötigen, kann es sich dennoch lohnen, zusätzliche Software zu installieren. Sharkoon bietet ein eigenes Programm an, um beispielsweise die Sensorauflösung oder Tastenbelegung der Maus nach eigenem Belieben zu konfigurieren. Der Download ist über die Hersteller-Website möglich.

Spartanisch, aber konsequent pragmatisch

Das Programm ist recht schlicht und übersichtlich gehalten, tiefgreifende Funktionen wie eine synchronisierte Beleuchtung oder Spielerkennung wie -Integration sucht der Anwender vergeblich. Abseits dessen lässt sich die Sensorik zwar umfassend konfigurieren, einige Regler ändern aber – ohne das auch so zu kommunizieren – die generellen Windows-Einstellungen anstelle mausspezifischer Profile: Eine Reduktion der Mauszeiger-Geschwindigkeit in Sharkoons Software wirkt sich somit auch auf Mäuse anderer Hersteller aus. Der Sinn einer solchen Funktion bleibt hinsichtlich der sechs möglichen dpi-Voreinstellungen ohnehin verborgen.

Darüber hinaus finden sich die obligatorischen Einstellungen zur Abtastrate und Tastenbelegung. Die Skiller SGM3 bietet eine vollständige Programmierbarkeit, wodurch sich auch die Primärtasten neu belegen lassen, sofern linker und rechter Mausklick einer anderen Taste zugeordnet wurden. Über den Makromanager lassen sich zudem eigene Abfolgen aufnehmen und speichern. Eine Sekundärbelegung ist indes ebenso wie eine Anpassung der Lift-off-Distance nicht möglich. Eine dedizierte Steuerung der RGB-Beleuchtung entfällt, da diese lediglich zur dpi-Indikation bestimmt ist und folglich mit der Sensorauflösung einhergehend frei zugewiesen werden kann.

Programm läuft standardmäßig im Hintergrund weiter

Vorbildlich ist die Software hinsichtlich der veranschlagten Leistung: Sie beansprucht maximal einen im Task-Manager aufgelisteten Prozess. Beim Schließen wird das Programm standardmäßig in die Taskleiste minimiert, was sich jedoch deaktivieren lässt. Sobald das Programm einmal zur Konfiguration der individuellen Profile genutzt wurde, benötigen Anwender es in der Regel nicht mehr. Einzig und allein die temporäre Benachrichtigung zum Auflösungswechsel in der unteren rechten Bildschirmecke entfällt, wenn die Software geschlossen wird.

Verarbeitung auf annehmbarem Niveau

Hinsichtlich Verarbeitungsqualität entspricht die Skiller SGM3 ihrem Preissegment: Den Gebrauch einschränkende oder gar behindernde Mängel leistet sie sich nicht. Zu kritisieren sind in erster Linie die teils nicht ganz genau passenden Spaltmaße sowie ein leises Klappern beim Schütteln der Maus. Erst bei hohem Kraftaufwand lassen sich die Seiten des Eingabegerätes unter leisem Knarzen temporär eindellen. Bei einem zweiten Testgerät offenbarten sich zudem Mängel am Mausrad, das eiert und leicht schleift, wodurch es seine Rasterung teilweise einbüßt.

Die glänzende Beschaffenheit einiger Oberflächen ist zudem recht anfällig für Kratzer, vor denen auch die matte Textur des Chassis nicht gefeit ist. Außerdem zu beanstanden ist die an einigen wenigen Randstellen bereits abbröckelnde oder unsauber aufgetragene weiße Farbe des Mausrückens.

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