Borderlands 3 im Test: Claptrap läuft zum Start noch nicht ganz rund

Wolfgang Andermahr 403 Kommentare
Borderlands 3 im Test: Claptrap läuft zum Start noch nicht ganz rund

tl;dr: Der Loot-Shooter Borderlands 3 orientiert sich beim Grafikstil am Vorgänger, sieht mit Unreal Engine 4 aber deutlich besser aus. Das lässt die Anforderungen an den Rechner steigen. Zum Start gibt es sowohl mit DirectX 11 als auch mit DirectX 12 noch so einige Probleme, die schnell behoben werden sollten.

Update 17.09.2019 09:59 Uhr

Zum Abschluss hat sich ComputerBase auch noch die Performance von elf verschiedenen Prozessoren in Borderlands angesehen. Besonders interessant ist dabei der Vergleich zwischen DirectX 11 und DirectX 12, denn dort zeigen sich auf jeder CPU Unterschiede, sie reichen von klein bis ziemlich groß. Die API hat damit auch Auswirkungen darauf, mit welcher CPU das Spiel stellenweise unrund oder gleich einwandfrei läuft.

Update 16.09.2019 13:36 Uhr

Zum Start in die neue Woche hat die Redaktion den Artikel um Benchmarkergebnisse zu 15 weiteren Grafikkarten ergänzt. Diese zeigen, dass AMD-Grafikkarten bei den Frametimes die Nase vor den Konkurrenzprodukten von Nvidia haben. Vor allem in niedrigen Auflösungen sind die Abstände groß, ab WQHD gleichen sich die Produkte dann immer mehr an. Bei der Framerate geht es dagegen deutlich ausgeglichener zu Werke.

Borderlands, die bekannte und beliebte Loot-Shooter-Reihe, ist heute in die dritte Runde gestartet. Nachdem Spieler seit dem Frühjahr noch einmal das original Borderlands in der GOTY-Version mit verbesserter Grafik spielen konnten, ist nun das richtige Borderlands 3 an der Reihe. Das Spiel wurde erneut von Gearbox entwickelt, die bereits Borderlands, Borderlands 2 und Borderlands: The Pre-Sequel an den Start gebracht haben.

In ersten Tests mit Fokus auf das Gameplay hat Borderlands 3 fast durchweg sehr gut abgeschnitten. Eine Frage, die bisher offen blieb, war die nach der Technik der PC-Version. Sie wird in diesem Artikel geklärt. Im Fokus stehen wie gewohnt neben den Eigenheiten der PC-Fassung die Performance und ein genauerer Blick auf das Duell DirectX 11 gegen DirectX 12.

Cell-Shading-Grafik mit Unreal Engine 4

Nachdem die drei bisherigen Borderlands-Teile auf die Unreal Engine 3 gesetzt haben, basiert Borderlands 3 auf der aktuellen Unreal Engine 4. Der Cell-Shading-Stil ist dem Titel aber geblieben und damit fühlt man sich in dem Spiel auch sofort wieder wohl, da die Grafik sehr an die der Vorgänger erinnert. Allerdings sieht alles eben eine Ecke besser aus, auch wenn Borderlands 3 – in Tradition der Serie – zu keiner Zeit ein Grafikfeuerwerk zündet. Das will der Titel aber auch nicht. Die Beleuchtung, die Animationen und die Partikeleffekte wissen auch ohne zu gefallen, die Grafikqualität liegt auf einem ordentlichen, zu dem Spiel passenden Niveau.

Mit AMD zu DirectX 12

Die PC-Version von Borderlands 3 wurde in Zusammenarbeit mit AMD entwickelt. Und so verwundert es nicht, dass die Unreal Engine 4 nach Gears 5 (Test) plötzlich ein weiteres Mal die Low-Level-API DirectX 12 unterstützt. Darüber hinaus hat AMDs Schärfefilter FidelityFX den Weg ins Spiel gefunden, der im Grafikmenü aktiviert werden kann. Borderlands 3 unterstützt Async Compute.

Ein umfangreiches Grafikmenü

Borderlands 3 bietet auf dem PC ein sehr umfangreiches Grafikmenü mit vielen Einstellmöglichkeiten. Dazu gesellen sich einige weitere Features. Darüber hinaus gibt es teils recht umfangreiche Erklärungen zu den einzelnen Punkten, Screenshots zu den Optionen fehlen aber.

Im Menü findet sich unter anderem eine Möglichkeit zum Down- und Upsampling. Die nativ eingestellte Auflösung lässt sich auf Wunsch auch auf 50 oder 75 Prozent reduzieren, um die Performance auf Kosten der Bildqualität zu erhöhen. Anders herum geht es auch, dann wird die Auflösung auf 125, 150, 175 oder auf 200 Prozent erhöht.

Zudem gibt es einen umfangreichen FPS-Limiter. Er bietet wie bei vielen Unreal-Engine-Spielen auch eine dynamische Auflösung, die die Framerate zwischen 22 und 62 FPS hält. Es gibt aber auch klassische FPS-Limits bei 30 FPS, 60 FPS und 120 FPS. Alternativ lässt sich der Limit auch in 1er-Schritten zwischen 30 FPS und 300 FPS manuell festlegen.

In Borderlands 3 lässt sich die Framerate per Overlay anzeigen. Wem das nicht reicht, der kann zusätzlich die Zeit anzeigen lassen, wie lange die Grafikkarte und wie lange der Prozessor zur Fertigstellung eines Frames benötigt haben. Ein Flaschenhals lässt sich so leicht erkennen.

Fast alle Optionen werden sofort übernommen

Abgesehen von der Wahl der API, DirectX 11 und DirectX 12 stehen zur Auswahl, lassen sich alle Grafik-Optionen „on-the-fly“ ohne einen Neustart einstellen. Es dauert nur grob eine Sekunde, bis alle Änderungen übernommen sind. Das Spiel bietet auch einen integrierten Benchmark als Flyby-Sequenz, um die zu erwartende Performance messen zu lassen.

Viele Presets und AMDs FidelityFX

Borderlands 3 bietet gleich sechs verschiedene Grafik-Presets an. Es gibt die Einstellungen „Sehr Niedrig“, „Niedrig“, „Mittel“, „Hoch“, „Ultra“ und Spieltypisch „Badass“, wobei letzteres zugleich die maximale konfigurierbare Bildqualität darstellt.

Den optischen Unterschied zwischen Badass und Ultra muss man allerdings mit der Lupe suchen. Auf größerer Entfernung haben mit der höchsten Einstellung einige wenige Objekte mehr Details, ansonsten ist der Redaktion aber kein Unterschied aufgefallen. Anders sieht es dagegen bei der Stufe Hoch aus, denn dort werfen so einige Objekte plötzlich keine Schatten mehr. Hinzu kommt, dass das LOD aggressiver wird und mehr Objekte plötzlich vor dem Spieler aus dem Nichts auftauchen. Bis inklusive Hoch bleibt die gute Grafik von Borderlands 3 aber erhalten.

Ab der Stufe Mittel lässt die Qualität dann spürbar nach. Primär deswegen, weil das LOD nun andauernd Objekte vor dem Spieler aufploppen lässt, was störend ist – man auf Screenshots aber kaum sieht. Davon abgesehen werden Schatten und Umgebungsverdeckung weiter zurückgefahren und auch die Detaildichte an sich reduziert. Ab Niedrig ist das Spiel dann einfach nicht mehr schön anzusehen. Diese Einstellung und erst recht Sehr Niedrig sollten nur genutzt werden, wenn es leistungstechnisch gar nicht mehr anders geht.

Presets – 2.560 × 1.440
  • AMD Radeon RX 5700 XT:
    • Sehr-Niedrig-Preset
      150,9
    • Niedrig-Preset
      129,9
    • Mittel-Preset
      103,7
    • Hoch-Preset
      67,4
    • Ultra-Preset
      58,4
    • Badass-Preset
      53,2
  • Nvidia GeForce RTX 2070:
    • Sehr-Niedrig-Preset
      138,8
    • Niedrig-Preset
      113,1
    • Mittel-Preset
      103,3
    • Hoch-Preset
      67,8
    • Ultra-Preset
      59,1
    • Badass-Preset
      54,5

Die drei höchsten und empfehlenswertesten Grafik-Presets bringen allerdings nur kleine Leistungssprünge. Wer von Badass auf Ultra zurückschaltet, gewinnt auf einer GeForce RTX 2070 acht Prozent an Bildern in der Sekunde, auf einer Radeon RX 5700 XT sind es zehn Prozent. Das Hoch-Preset bringt dann jeweils weitere 15 Prozent. Ein richtig großer Sprung kommt mit dem nur noch bedingt schönen Mittel-Preset, das die Geschwindigkeit um knapp über 50 Prozent ansteigen lässt. Niedrig und Sehr Niedrig bringen dann noch einmal einen guten Schub. Das Tuning-Potenzial ohne große optische Verluste ist in Borderlands 3 also gering.

2 × Kantenglättung mit einer eindeutigen Wahl

Borderlands 3 bietet FXAA und eine temporale Variante als Kantenglättung an. Letztere ist dabei klar vorzuziehen, da FXAA die temporale Komponente sichtbar fehlt und daher viele Objekte gar nicht erst geglättet werden. Die temporale Kantenglättung erzeugt zwar in niedrigen Auflösungen wie Full HD eine Unschärfe, doch ist diese dem andauernden Flimmer vorzuziehen. Das Anti-Aliasing kostet in Borderlands 3 kaum Performance.

FidelityFX macht alles etwas schärfer

Borderlands 3 wird von Haus aus mit AMDs FidelityFX ausgeliefert, was sich im Menü an- und abschalten lässt. Im Spiel läuft FidelityFX auf einen Schärfefilter heraus, der sich auf AMD- und Nvidia-Grafikkarten nutzen lässt. FidelityFX hat in Borderlands 3 keine riesigen, aber doch sichtbare Auswirkungen. Dabei gilt: Je niedriger die Auflösung, desto mehr bringt das Feature. Doch auch in Ultra HD kann die Grafik noch minimal profitieren.

Mit FidelityFX werden viele Bereiche des Bildes ein wenig schärfer und damit detaillierter dargestellt. Je mehr Details in einer Szene zu sehen sind, desto mehr bringt FidelityFX. Das Feature ist vor allem sinnvoll, weil damit die eingebrachte Unschärfe der temporalen Kantenglättung wieder aufgehoben werden kann. Mehr Bildschärfe bedeutet automatisch auch etwas mehr Bildunruhe, wobei man in Borderlands 3 schon genau schauen muss, was bei aktiviertem FidelityFX mehr flackert als ohne.

AMD FidelityFX – 3.840 × 2.160
  • AMD Radeon RX 5700 XT:
    • FidelityFX Aus
      53,7
    • FidelityFX Ein
      53,2
  • Nvidia GeForce RTX 2070:
    • FidelityFX Aus
      55,5
    • FidelityFX Ein
      54,5

Da es sich um einen Post-Processing-Effekt handelt, kostet FidelityFX unabhängig von der Grafikkarte kaum Performance. Die Radeon RX 5700 XT wird um nur ein Prozent langsamer, die GeForce RTX 2070 um zwei Prozent. Daher ist es in Borderlands 3 empfehlenswert, das Feature zu nutzen.

Brauchbare Texturen ohne Highlights

Borderlands 3 bietet ordentliche Texturen ohne Highlights. Geht man zu nahe heran, erkennt man schnell, dass eine noch höhere Texturauflösung nicht geschadet hätte. Beim eigentlichen Spielen fällt das aber nicht negativ auf – zumindest bei den meisten Oberflächen. Vereinzelte Ausnahmen bestätigen die Regel.

Dafür hält sich der Speicherhunger in Grenzen. Für die schönsten Texturen sind in Full HD bereits 4 GB ausreichend und in Ultra HD reicht auch eine Grafikkarte mit 6 GB. Mit DirectX 12 ist der Speicherhunger höher. Dort sollte die Grafikkarte über mindestens 6 GB verfügen, für hohe Auflösungen sollten 8 GB vorhanden sein.

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