DisplayHDR 1400: VESA mit schärferen Standards und neuem High-End-Siegel

Michael Günsch 19 Kommentare
DisplayHDR 1400: VESA mit schärferen Standards und neuem High-End-Siegel
Bild: VESA

Zur Klassifizierung der HDR-Tauglichkeit von Monitoren dienen die verschiedenen DisplayHDR-Standards der VESA. Für LCD-Monitore lautetet die höchste Klasse bisher DisplayHDR 1000, jetzt kommt DisplayHDR 1400 mit nochmals höheren Anforderungen hinzu. In der Zukunft werden die Kriterien für alle Klassen noch verschärft.

DisplayHDR 1400 verlangt nach 1.400 cd/m² in der Spitze

Die maximal für zehn Prozent der Bildfläche und kurzfristig mögliche Spitzenhelligkeit ist die Anforderung, die den verschiedenen DisplayHDR-Klassen ihren Namen gibt. So verlangt DisplayHDR 400 als kleinste Stufe nach 400 cd/m² und DisplayHDR 1000 als zuvor höchste Stufe nach 1.000 cd/m².

Mit der neuen High-End-Spezifikation DisplayHDR 1400 wird die Messlatte auf 1.400 cd/m² angehoben. Dauerhaft (30 Minuten) und auf der ganzen Bildfläche muss der Monitor für das Siegel mindestens 900 cd/m² erreichen, bei DisplayHDR 1000 genügen hier noch 600 cd/m².

Außerdem darf für DisplayHDR 1400 der Schwarzwert in den Ecken des Displays nicht höher als 0,02 cd/m² ausfallen, bei DisplayHDR 1000 sind es noch 0,05 cd/m². Deutlich striktere Anforderungen in diesem Bereich gelten bei den für OLED- und kommende Micro-LED-Displays geschaffenen Anforderungen nach DisplayHDR True Black.

Während die Anforderungen bei der Farbtiefe denen von DisplayHDR 1000 entsprechen, muss ein Monitor für das DisplayHDR-1400-Logo nun den DCI-P3-Farbraum mindestens zu 95 Prozent abdecken, während für alle anderen Klassen 90 Prozent genügen.

Asus ProArt PA32UCG erfüllt DisplayHDR 1400

Der erste Monitor mit dem Siegel DisplayHDR 1400 ist der ProArt PA32UCG von Asus, der mit Hilfe seines Mini-LED-Backlights mit bis zu 1.600 cd/m² (peak) und Full Array Local Dimming auf 1.152 Zonen ein Kontrastverhältnis von einer Million zu Eins erreichen soll. Mit angeblich dauerhaft möglichen 1.000 cd/m² über die gesamte Bildfläche und 100 Prozent DCI-P3 werden auch andere Anforderungen an den neuen Standard erfüllt.

DisplayHDR 1.1 bringt neue Kriterien für die Zertifizierung

Die oben erwähnten Kriterien entsprechen noch der DisplayHDR-Spezifikation 1.0. Die VESA führt aber parallel mit DisplayHDR 1.1 neue Kriterien für das Testverfahren zur Zertifizierung von Monitoren ein, die nach dem Mai 2020 Version 1.0 ersetzen und verpflichtend sind. Bis dahin können Monitore in der Übergangsphase sowohl nach den Kriterien von 1.0 sowie 1.1 zertifiziert werden.

Systeme, die bereits die DisplayHDR 1.0 Zertifizierung erhalten haben benötigen keine Rezertifizierung. Wir gehen davon aus, dass die große Mehrheit der Systeme, die die Voraussetzungen für 1.0 erfüllt haben, auch den Anforderungen von DisplayHDR 1.1 genügen. Wir erwarten, daß die überwiegende Mehrheit neuer Geräte unter 1.1 zetifiziert wird ,was vor allem den Verbrauchern durch erhöhte Bildqualität zugute kommen wird

Roland Wooster, Vorsitzender der VESA-Arbeitsgruppe

Die neuen Richtlinien nach DisplayHDR CTS v1.1 berücksichtigen weitere Parameter wie die Dimming-Fähigkeiten, die Richtigkeit der in DisplayID oder Extended Display Identification Data (EDID) hinterlegten Daten für Helligkeit und Farbraum, eine klare Erkennbarkeit der DisplayHDR-Unterstützung bestimmter Modi im On-Screen Display (OSD) oder neue Tests bezüglich Schwarzwert und Farbspektrum.

Die wesentlichen Neuerungen mit der Spezifikation DisplayHDR 1.1 werden von der VESA wie folgt beschrieben:

  • Active dimming – DisplayHDR erfordert nun Active Dimming Performance Levels, ein Feature das den Energieverbrauch von Displays erheblich senken kann und intensiveres Schwarz hervorbringt.
  • DisplayID Accuracy – gewährleistet die richtige Leuchtkraft und Farbskala, die in der DisplayID oder für die Extended Display Identification Data (EDID) festgelegt ist. Dadurch wird das Video Signal für das jeweilige Display optimiert und gewährleistet hierdurch die beste Display Performance.
  • Dual Corner Box Test – die Farbtests sowohl für Schwarz als auch für Weiss wurden erheblich verbessert, was sich auch und vor allem in intensiveren Farben wiederspiegelt
  • Neue Spezifikation der Farbbereiche – DisplayHDR enthält nun einen 10% Farbverbesserungs-test und zwar zusätzlich zu dem bereits existierenden 100% Vollbild Farbtest. Diese verbesserten Tests sorgen unter anderem für verbesserte Performance unter Windows.
  • Kombinierte Farbleuchtkraft – DisplayHDR erhielt einen Mechanismus um absolute Farbechtheit bei voller Leuchtkraft zu gewähren.
  • Neuer Delta-ITP Test – hilft die möglichst genaue Wiedergabe der ursprünglich gewünschten Farbintensität und –stimmung zu gewährleisten.
  • On-screen display (OSD) Mode Indication – alle DisplayHDR zertifizierten Monitore mit on-screen Menu-Funktionen müssen fortan deutlich anzeigen, welcher Modus DisplayHDR unterstützt. Damit wird es für Nutzer wesentlich leichter, ihre Einstellungen zu optimieren.
  • DisplayPort Certification Specification – jeder DisplayHDR-zertifizierte Monitor mit einem DisplayPort Interface muss sich auch der DisplayPort Zertifizierung unterziehen, um sicherzustellen, dass das Display optimal mit VESA DisplayPort zertifizierten Kabeln und Peripheriegeräten funktioniert.

Über 125 Monitore mit DisplayHDR-Zertifizierung

Nach Angaben der VESA wurden mittlerweile mehr als 125 Monitore nach den DisplayHDR-Richtlinien zertifiziert. Die Spezifikation 1.0 von DisplayHDR war im November 2017 vorgestellt worden. Anfang 2019 folgten mit DisplayHDR True Black besagte Richtlinien für OLED- und Micro-LED-Displays.

Seit wir vor fast zwei Jahren die DisplayHDR Compliance Test Spezifikation starteten, haben Display-Hersteller große Fortschritte bei Performance und Leistungsvermögen ihrer Geräte gemacht, die weit über die ursprünglich definierten Spezifikationen hinausgehen. Um dieser Entwicklung gerecht zu werden, haben wir den DisplayHDR Standard mit erheblich strengeren Performance-Vorgaben neu definiert

Roland Wooster, Vorsitzender der VESA-Arbeitsgruppe