OnePlus 7T im Test: OnePlus macht das teurere Pro-Modell überflüssig

Nicolas La Rocco 115 Kommentare
OnePlus 7T im Test: OnePlus macht das teurere Pro-Modell überflüssig

tl;dr: Das OnePlus 7T ist deutlich mehr als ein leichtes Upgrade gegenüber dem OnePlus 7 aus dem Frühjahr. Der Hersteller verbaut viele Komponenten, die zuvor exklusiv dem teureren 7 Pro vorbehalten waren, inklusive des auf 90 Hz beschleunigten OLED-Displays. Das alte Pro-Modell hat dadurch seine Daseinsberechtigung verloren.

Pünktlich zum Herbstanfang legt OnePlus eines seiner beiden aktuellen Smartphones als T-Modell neu auf. Das OnePlus 7T bringt viele der mit dem OnePlus 7 Pro (Test) eingeführten Features in eine niedrigere Preisklasse. Das OnePlus 7T kostet mit 8 GB RAM und 128 GB Speicher 599 Euro und geht ab dem 17. Oktober in den Verkauf.

Ein allumfassendes Smartphone-Paket ist zwar auch das OnePlus 7T nach der umfangreichen Überarbeitung noch nicht, für das ältere OnePlus 7 Pro und das für einen späteren Zeitpunkt erwartete OnePlus 7T Pro gibt es der aktuellen Gerüchtelage zufolge aber keine Daseinsberechtigung mehr.

90-Hz-Display für das Non-Pro

Das fängt beim Display an, das nun auch beim normalen Modell mit beschleunigten 90 Hz arbeitet und damit für ein deutlich flüssigeres Bediengefühl sorgt, das – einmal für ein paar Tage genutzt – kaum die Rückkehr zu klassischen Displays erlaubt, die sich plötzlich alle langsam anfühlen. Schade, dass Apple und Samsung in der Preisklasse weit über 1.000 Euro nicht ebenfalls auf 90 Hz und mehr setzen.

Die höhere 1.440p-Auflösung bleibt hingegen ein exklusives Merkmal der Pro-Modelle. Das OnePlus 7T bietet stattdessen ein im Vergleich zum OnePlus 7 von 19,5:9 auf 20:9 verändertes Seitenverhältnis, das in einer veränderten Auflösung von 1.080 × 2.400 Pixeln auf größeren 6,55 statt 6,41 Zoll bei weiterhin 402 ppi resultiert.

Deutlich helleres OLED-Panel

Das neue Display soll OnePlus zufolge deutlich heller werden, was Messungen der Redaktion bestätigen. OnePlus verspricht bis zu 1.000 cd/m², die sich aber nur auf kleinste Bereiche des OLED-Panels beziehen, das wie bei Samsung bei vollständig weißem Display nicht ganz so hell werden kann. Die Messwerte können sich aber im wahrsten Sinne des Wortes sehen lassen, denn über 670 cd/m² im Automatikmodus bei 100 Prozent Weißanteil sowie 910 cd/m² bei 20 Prozent Weißanteil sind Spitzenwerte.

Den optimalen Weißpunkt trifft OnePlus erneut weder im voreingestellten Profil „Lebendig“ noch mit der Einstellung „Natürlich“. Auch „DCI-P3“ verfehlt die angestrebten 6.500 Kelvin. Ein erweiterter Modus gibt dem Nutzer immerhin einen Regler für den Weißpunkt zur Hand. Davon abgesehen ist dem Hersteller die Abstimmung des Panels gelungen: Farben sind kräftig, aber nicht übertrieben. Der Kontrast ist OLED-typisch sehr gut, die Blickwinkel sind ausgezeichnet und zum Rand hin gebogen ist das Panel auch nicht. Wer diese Art Curved-Display bevorzugt, wird beim Pro-Modell fündig.

Gelegentliche Touch-Aussetzer

Einen Kritikpunkt gibt es dennoch anzumerken, wenngleich dieser nicht den Bildschirm selbst, sondern die Touch-Sensorik respektive den in das Display integrierten Fingerabdrucksensor betrifft. Letzterer arbeitet schnell und meistens zuverlässig, hat aber zumindest in der getesteten OxygenOS-Version 10.0.HD65BA immer mal wieder das Problem, dass der Bereich des Sensors die Touch-Funktionalität des Bildschirms beeinträchtigt. Auf dem Android-Homescreen lässt sich dann zum Beispiel nicht das App-Symbol an dieser Stelle drücken oder bei geöffneter Tastatur reagieren die virtuellen Tasten nicht mehr auf Eingaben. Ein kurzes Sperren mit nachfolgendem Entsperren des Smartphones hat den Fehler jedes Mal behoben. Auch mit dem kurz vor Fall des Embargos bereitgestellten OxygenOS 10.0.1.HD65BA trat das Problem auf. Hier muss OnePlus nachbessern.

Sehr gute Verarbeitung mit mattem Glas

Das etwas größere Display führt zu einem abermals größeren Gehäuse, das nun bei Abmessungen von 74,4 × 160,9 × 8,13 mm liegt. 8 g schwerer ist das Smartphone im Vergleich zum OnePlus 7 ebenfalls geworden. Zum OnePlus 7 Pro fehlen nur noch wenige Millimeter, wenngleich der Hersteller behauptet, mit dem OnePlus 7T die Zielgruppe einer kleineren Größe ansprechen zu wollen. In der Praxis ist davon allerdings nichts zu merken, denn auch das OnePlus 7T ist groß und am besten mit beiden Händen zu bedienen.

Ohnehin sollte das Smartphone idealerweise mit allen zehn Fingern umschlossen werden, denn das hochwertige Design mit mattem Glas auf der Rückseite ist zugleich rutschig. OnePlus bietet eine Sandsteinhülle im Stile der Rückseite des ersten OnePlus One an, die viel Grip bietet. Selbiges gilt für eine Silikonhülle, die das Gerät aber deutlich dicker macht. Während die Rückseite matt ausgeführt ist, glänzt das Blau des Testgerätes rundherum am Rahmen. Lautstärkewippe, An-aus-Taste und der praktische Alert-Slider sitzen an gewohnten Positionen und sind präzise in den Rahmen integriert. Das gilt im Allgemeinen für alle Bauteile, die Verarbeitung liegt durchweg auf sehr hohem Niveau.

Dichtgummis, aber keine IP-Zertifizierung

Wer das Dual-SIM-Fach am unteren Ende neben der USB-Typ-C-Buchse öffnet, findet dort ein Dichtgummi als Schutz vor Wasser und Staub, wenngleich auch die neue T-Generation offiziell keine IP-Zertifizierung trägt. Wasserspritzer oder der kurze Gang durch den Regen sollen den Aussagen von OnePlus nach ohne Folgeschäden bleiben. Genau genommen gibt es aber keinen Schutz vor Wasser oder Staub.

Technische Daten im Überblick

OnePlus 7T
OnePlus 7
OnePlus 7 Pro
Software:
(bei Erscheinen)
Android 10.0 Android 9.0
Display: 6,55 Zoll
1.080 × 2.400, 402 ppi
AMOLED, HDR, Gorilla Glass 6
6,41 Zoll
1.080 × 2.340, 402 ppi
AMOLED, Gorilla Glass 6
6,67 Zoll
1.440 × 3.120, 515 ppi
AMOLED, HDR, Gorilla Glass 5
Bedienung: Touch, Fingerabdrucksensor, Gesichtsscanner
SoC: Qualcomm Snapdragon 855 Plus
1 × Kryo 485, 2,96 GHz
3 × Kryo 485, 2,42 GHz
4 × Kryo 485, 1,80 GHz
7 nm, 64-Bit
Qualcomm Snapdragon 855
1 × Kryo 485, 2,84 GHz
3 × Kryo 485, 2,42 GHz
4 × Kryo 485, 1,80 GHz
7 nm, 64-Bit
GPU: Adreno 640
RAM: 8.192 MB
LPDDR4X
6.144 MB
LPDDR4X
Variante
8.192 MB
LPDDR4X
6.144 MB
LPDDR4X
Variante
8.192 MB
LPDDR4X
Variante
12.288 MB
LPDDR4X
Speicher: 128 GB 128 / 256 GB 128 / 256 GB
1. Kamera: 48,0 MP, 2160p
Dual-LED, f/1,6, AF, OIS
48,0 MP, 2160p
Dual-LED, f/1,7, AF, OIS
48,0 MP, 2160p
Dual-LED, f/1,6, AF, OIS
2. Kamera: 12,0 MP, f/2,2, OIS, AF 5,0 MP, f/2,4, AF 8,0 MP, f/2,4, OIS, AF
3. Kamera: 16,0 MP, f/2,2, AF Nein 16,0 MP, f/2,2, AF
4. Kamera: Nein
5. Kamera: Nein
1. Frontkamera: 16,0 MP, 1080p
Display-Blitz, f/2,0
2. Frontkamera: Nein
GSM: GPRS + EDGE
UMTS: HSPA+
↓42,2 ↑5,76 Mbit/s
LTE: Advanced Pro
↓1.200 ↑150 Mbit/s
Advanced Pro
↓1.000 ↑150 Mbit/s
Advanced Pro
↓1.200 ↑150 Mbit/s
5G: Nein
WLAN: 802.11 a/b/g/n/ac
Wi-Fi Direct, Miracast
Bluetooth: 5.0 LE
Ortung: A-GPS, GLONASS, BeiDou, Galileo
Weitere Standards: USB 3.1 Typ C, NFC
SIM-Karte: Nano-SIM, Dual-SIM
Akku: 3.800 mAh
fest verbaut
3.700 mAh
fest verbaut
4.000 mAh
fest verbaut
Größe (B×H×T): 74,4 × 160,9 × 8,13 mm 74,8 × 157,7 × 8,20 mm 75,9 × 162,6 × 8,80 mm
Schutzart:
Gewicht: 190 g 182 g 206 g
Preis: 599 € 559 € / 609 € 709 € / 759 € / 829 €

Auf der nächsten Seite: Triple-Kamera und schneller Snapdragon 855 Plus