Samsung Galaxy Note 10+ im Test: Stylus mit Gestensteuerung und eine neue Quad-Kamera

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Nicolas La Rocco 166 Kommentare

Das Mehr in Sachen Display deckt Samsung statt über die Bildwiederholfrequenz über den Stylus ab, dem kein anderer Hersteller mehr so viel Beachtung schenkt wie Samsung. Das Note 10+ bringt in diesem Punkt einen erweiterten Funktionsumfang im Vergleich zum Galaxy Note 9 mit, insgesamt betrachtet haben sich bezüglich des S Pen aber nur wenige Dinge verändert. Die Umstellung vom passiven Stylus ohne weitere Funktionen zu einer Bluetooth-Fernbedienung war schon im letzten Jahr erfolgt, jetzt kommen neue Features zum Schreiben von Notizen sowie eine neue Gestensteuerung hinzu, um noch mehr Aufgaben mit dem S Pen aus der Ferne erledigen zu können.

Neue Notizen-App unterstützt OCR

Samsungs Notizen-App unterstützt erstmals OCR (Optical Character Recognition) und kann Handgeschriebenes in digitalen Text umwandeln. Dafür gibt es in der Notizen-App eine neue Schaltfläche oben links. Nachdem diese angetippt wurde, erscheint in einem neuen Fenster eine Vorschau mit dem umgewandelten Text, der nach erneuter Auswahl übernommen wird. Etwas schneller geht es bei der Auswahl des Exports in Microsoft Word, da hier sofort eine Umwandlung stattfindet. Wer die OCR-Funktion regelmäßig nutzen möchte, sollte jedoch auf eine saubere Handschrift achten, denn im Test ist es selbst bei kurzen Notizen häufiger zu Fehlern in der Übersetzung gekommen.

Stift mit Beschleunigungsmesser und Gyroskop

Die zweite Veränderung ist der Einsatz eines Beschleunigungsmessers und Gyroskops. Darüber erkennt der S Pen auf sechs Achsen Veränderungen der Position. Diese Bewegungen lassen sich für das Ausführen von Befehlen aus der Ferne nutzen. Dabei ist Bluetooth der limitierende Faktor, das eine Reichweite von 10 Metern hat.

S Pen Air Actions für Samsungs Kamera-App

Die neue Gestensteuerung nennt Samsung „S Pen Air Actions“ und bietet sie zuerst in der eigenen Kamera-App sowie beim Abspielen von Medien an. Eine zur Verfügung gestellte API soll es Drittanbietern ermöglichen, die Gestensteuerung in Apps einzubauen. Die Gesten funktionieren folgendermaßen: Langes Halten der Taste am S Pen startet die Kamera, kurzes Drücken schießt ein Foto oder startet und pausiert Medien. Wischgesten nach links und rechts führen durch die einzelnen Kameramodi, Wischgesten nach oben und unten führen zum Wechsel zwischen hinterer Kamera und Frontkamera oder verstellen die Lautstärke von Medien. In der Kamera-App stimmt zumindest diese Auswahl an S Pen Air Actions mit den ansonsten auf dem Display ausgeführten Wischgesten überein.

Zoomen in mühsam kleinen Schritten

Etwas anders sieht es bei den Drehbewegungen mit dem Stylus aus, die sich mit oder gegen den Uhrzeigersinn durchführen lassen. Das führt in der Hauptkamera dazu, dass hinein oder aus dem Motiv heraus gezoomt wird, was bis zu zweifach optisch und darüber hinaus digital möglich ist. Das funktioniert allerdings nur in kleinen Schritten von 0,1x pro Befehl, sodass dieser zehn Mal bis zum Erreichen der zweifachen optischen Zoomstufe ausgeführt werden muss. In anderen Modi der Kamera führen die Drehbewegungen jedoch zu anderen Ergebnissen. Bei der Frontkamera wird im Foto-, Nacht- und Live-Focus-Modus durch das Drehen zwischen Weitwinkel und digitalem Zoom gewechselt, bei der Hauptkamera betrifft dies die Modi Live Focus und Panorama, wo mit Hilfe der Gesten zwischen den verschiedenen Objektiven gewechselt wird.

Alles in allem funktionieren Samsungs S Pen Air Actions wie vom Unternehmen beworben, die Umsetzung von Gesten in Befehle könnte aber schneller vonstatten gehen und vor allem das Zoomen ist zu umständlich von Samsung umgesetzt worden.

Quad-Kamera des Galaxy S10 5G

Bei der Quad-Kamera des Note 10+ gibt es vor allem eine optische Veränderung gegenüber dem Galaxy S10+, weniger eine technische Überarbeitung. Das Kameramodul sitzt wie beim Huawei P30 Pro vertikal ausgerichtet auf der Rückseite. Die verbauten Sensoren und Objektive haben sich nicht verändert, nur ein Time-of-Flight-Sensor ist neu, wobei dieser schon in der 5G-Version des Galaxy S10 angeboten wurde. Über den ToF-Sensor lassen sich mit der vorinstallierten Samsung-App „Schnellmessung“ zum Beispiel Kartons ausmessen. Dabei gilt es auf eine gute Ausleuchtung und einen hohen Kontrast zum Hintergrund zu achten, ansonsten meldet die App Probleme bei der Messung. Ein 13,4 × 13,4 × 13,4 cm großer Ryzen-Karton wurde mit 13 × 13 × 12 cm erfasst, ein anderer Karton eines Athlon 64 mit 14 × 18 × 9 cm bei tatsächlich 14,2 × 19 × 8 cm. Für präzise Messungen etwa zum Verlegen von Teppich ist die App nicht geeignet, für eine Ersteinschätzung von Größen gehen die Messwerte aber in Ordnung.

Frustration beim 3D-Scanner

Über den Galaxy Store wird zudem die App „3D Camera“ angeboten, mit deren Hilfe sich 3D-Scans von Objekten mit einer Größe zwischen 10 × 10 × 10 cm und 80 × 80 × 80 cm anfertigen lassen, für beste Ergebnisse empfiehlt Samsung eine Mindestgröße von 20 cm. Besser wäre gewesen, wenn Samsung auch gleich noch eine Liste erfolgreich vom Unternehmen selbst gescannter Objekte mitliefern würde, denn in der Redaktion sorgte die Anwendung durchweg für Frustration und produzierte keinen einzigen brauchbaren 3D-Scan. Egal ob einfacher CPU-Karton, kleine Modellfigur, große Grafikkarte, Cola-Dose oder Ball, die App verweigerte immer wieder mit Fehlermeldungen oder Hinweisen, näher zum Objekt oder weiter weg zu gehen, den Dienst. Manchmal schien ein 3D-Scan erst erfolgreich zu verlaufen, nur um am Ende doch noch zu scheitern.

Samsungs App für Schnellmessungen ist ausreichend präzise
Samsungs App für Schnellmessungen ist ausreichend präzise

Drei Objektive mit 26 mm, 52 mm und 12 mm

Die Hauptkamera arbeitet mit 12 Megapixeln (1,4 µm Kantenlänge pro Pixel) auf einem 1/2,55 Zoll großen Sensor, der einen Autofokus per Phasenvergleich über jeden der 12 Millionen Pixel durchführen kann. Die Hauptkamera arbeitet mit einer Brennweite von 26 mm Kleinbild-Äquivalent und wird von einem optischen Bildstabilisator unterstützt. Die Blende ist erneut variabel und arbeitet mit f/1.5 oder f/2.4, wobei das System automatisch zwischen beiden Modi wählt, sofern nicht im manuellen Pro-Modus fotografiert wird. Für das Tele kommt ein 1/3,6 Zoll großer Sensor mit 12 Megapixeln (1,0 µm Kantenlänge pro Pixel) mit Autofokus und optischem Bildstabilisator zum Einsatz. Das Objektiv arbeitet mit fixer Blende f/2.4 und entspricht einem Kleinbild-Äquivalent von 52 mm. Die dritte Kamera mit 16 Megapixeln ist mit einem Ultraweitwinkelobjektiv mit f/2.2 bestückt, das 12 mm Kleinbild-Äquivalent entspricht.

Samsung Galaxy Note 10+ im Test – Kamera

Aufgrund der gleichen Kamera-Hardware gibt es bezüglich der Bildqualität keine Veränderungen gegenüber der Galaxy-S10-Serie. Auch die Bildverarbeitung im ISP des SoCs läuft gleich ab, da die Veränderungen dort nur Fertigung und Taktraten betreffen. Samsungs Aufnahmen sind erneut gestochen scharf, prächtig in Sachen Farben und gefallen mit einem guten Dynamikumfang. Die automatische Zuschaltung von HDR gelingt einwandfrei, schwierige Situationen mit Gegenlicht meistert das Smartphone souverän. Außerdem arbeitet Samsungs Kamera-App sehr schnell, sodass mit Drücken des Auslösers das Bild sofort im Speicher landet. Hier nimmt sich das P30 Pro zum Teil mehr Zeit, das iPhone XS Max wiederum arbeitet ebenfalls zügig.

Beim P30 Pro haben Anwender mit dem fünffachen optischen Zoom jedoch mehr Möglichkeiten der Bildgestaltung. Ein Ultraweitwinkelobjektiv bieten hingegen Samsung und Huawei, wobei das Note 10+ ein noch größeres Sichtfeld abdeckt. Das iPhone XS Max hinkt in diesem Punkt hinterher, erst mit dem iPhone 11 (Pro) wird sich das ändern.

Weitere Vergleichsbilder zwischen Galaxy S10+, dessen Kamera dem Note 10+ entspricht, sowie P30 Pro und iPhone XS Max liefern die Tests zur Galaxy-S10-Serie sowie zum P30 Pro.

Videoaufnahmen mit Zoom-Mikrofon und Bokeh

An den beim Galaxy S10+ zur Verfügung stehenden Videomodi hat sich für das Note 10+ mit bis zu UHD bei 60 FPS und HDR10+ nichts verändert, wobei der Verfolgungs-Autofokus und die Echtzeit-Videoeffekte weiterhin nur bis Full HD mit 30 FPS unterstützt werden (Videostabilisierung bis UHD mit 30 FPS). Neu hinzugekommen ist eine Art Richtmikrofon, bei Samsung „Zoom-In Mic“ genannt, das die von einem Objekt abgegebene Lautstärke um bis zu 9 dBA verstärkt, sobald der maximale Zoom darauf verwendet wird. Das klappte im Test gut, wenngleich die Videoqualität beim digitalen Zoomen spürbar leidet und der Ton blechern klingt. Das neue iPhone 11 (Pro) hat solch eine Funktion ebenfalls zu bieten. Darüber hinaus lässt sich in Videos mit verschiedenen Bokeh-Effekten experimentieren. Dafür muss in der Kamera-App zum neuen Live-Fokus-Videomodus gewechselt werden.

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