COD: Modern Warfare im Test: Überraschend gute PC-Version mit DX12 und Raytracing

Wolfgang Andermahr et al. 310 Kommentare
COD: Modern Warfare im Test: Überraschend gute PC-Version mit DX12 und Raytracing

tl;dr: Call of Duty: Modern Warfare des Jahrgangs 2019 ist da und überraschend gut geworden. Das gilt auch für die PC-Version, die mit einer runderneuerten Engine, DirectX 12 und Raytracing aufwartet. Das Spiel sieht damit nicht nur gut aus, sondern auch die Performance stimmt.

Update 29.10.2019 17:11 Uhr

Wie versprochen folgen nun Benchmarks von 19 verschiedenen Grafikkarten in Full HD, WQHD und Ultra HD. Diese zeigen durchweg ungewöhnliche Abstände zwischen den Generationen Pascal sowie Turing von Nvidia und GCN sowie RDNA von AMD. Darüber hinaus gibt es neben neuen Frametime-Messungen auch weitere Benchmarks von sechs CPUs, je drei von AMD und Intel. Anders als die Grafikkarte spielt der Prozessor in Call of Duty: Modern Warfare keine entscheidende Rolle.

Manchmal reicht die Zeit nicht aus, das Thema ist aber trotzdem interessant: Aus diesem Grund erscheint der Technik-Test zu Call of Duty: Modern Warfare dieses Mal zunächst ohne die klassischen Grafikkarten-Benchmarks, da diese viel Arbeitszeit benötigen. Die bereits abgeschlossene Betrachtung von Raytracing, der PC-Version an sich und auch die Zusammenfassung der Spiel-Rezensionen möchte die Redaktion den Lesern aber nicht länger vorenthalten. Die GPU-Benchmarks folgen im Laufe des Dienstags.

Call of Duty: Modern Warfare ist erschienen. Wieder einmal möchte man da sagen. Und auch wenn man es kaum glauben mag, ist ausgerechnet das Spiel mit dem alten Namen das erste Call of Duty seit Jahren, dessen PC-Version inklusive Technik so richtig überzeugen kann – das zeigt auch der Benchmark-Artikel.

COD: Modern Warfare hat eine richtig gute Grafik

Das erste Mal seit Call of Duty 2 gibt es für die beliebte Actionserie eine neue Engine: Activision hat eine runderneuerte IW-Engine programmieren lassen und mit dem neusten Serienteil vom Entwicklerteam Infinity Ward feiert diese nun Premiere. Die Entwicklungszeit hat sich gelohnt, denn Modern Warfare sieht gut aus. Kein anderes Spiel hat es bis jetzt geschafft, ein derart realistisches „Kino-Feeling“ in der Kampagne aufkommen zu lassen. Dies hat das Spiel vor allem dem Beleuchtungssystem zu verdanken, das ordentlich bei Tageslicht arbeitet, in Nachtszenarien dann aber zur Hochform aufläuft. Da die Kampagne zu einem Großteil im Dunklen stattfindet, bietet Call of Duty: Modern Warfare richtig viel fürs Auge. Das hat aber auch automatisch zur Folge, dass die Multiplayer-Karten deutlich weniger imposant ausfallen. Denn diese bieten primär Tageslicht.

Aber nicht nur die Beleuchtung ist im neusten Call-of-Duty-Ableger sehr gut gelungen, auch die restlichen Elemente sind stimmig. Eindrucksvoll ist zum Beispiel die Gesichtsdarstellung, bei der das Spiel neue Maßstäbe setzen kann. Die Partikeleffekte bei den immer noch zahlreichen Explosionen wirken erneut eindrucksvoll und, da sich optisch keine wirklichen Schwächen zeigen, hebt Call of Duty: Modern Warfare nicht nur das „cineastische Niveau“ in Spielen, sondern sieht schlicht richtig gut aus.

DirectX 12 und Raytracing sind mit dabei

Die neue Engine verzichtet gänzlich auf DirectX 11, Call of Duty: Modern Warfare unterstützt als API ausschließlich DirectX 12. Im Spiel gibt es keine Möglichkeit, auf die alte API zurück zu wechseln. Nicht nur die Low-Level-API hat den Weg ins Spiel gefunden, das gilt ebenso für Raytracing, das über Microsofts DXR-Schnittstelle integriert ist und damit derzeit exklusiv auf Nvidias Turing-Grafikkarten zur Verfügung steht. Das Spiel benutzt Raytracing ausschließlich für hübschere Schatten. Wie Tests weiter hinten im Artikel zeigen, werden aber nur manche Schatten mit Raytracing berechnet – dafür fällt die Performance ziemlich gut aus.

Modern Warfare in Zusammenarbeit mit Nvidia

Nicht nur Raytracing wurde in Zusammenarbeit mit Nvidia in das Spiel integriert. So hat auch Nvidias Highlights-Funktion den Weg ins Spielmenü gefunden und lässt sich an- und abschalten, was dafür sorgt, dass auf Wunsch mittels GeForce Experience auch ohne Knopfdruck sofort ein Video aufgezeichnet wird – und die letzten Sekunden dann auf Knopfdruck abgespeichert werden können. Grafikeffekte wie die bekannte Umgebungsverdeckung HBAO+ oder das KI-Upsampling DLSS finden sich im Spiel hingegen nicht wieder.

Ein umfangreiches und einfaches Grafikmenü

Die PC-Version von Call of Duty: Modern Warfare hat ein umfangreiches Grafikmenü. Es gibt zahlreiche Optionen, um die Grafik dem eigenen Rechner anzupassen. Um es dem Spieler einfacher zu machen, haben die einzelnen Optionen einen Hinweistext und zeigen zudem auch hilfreiche Screenshots zum Vergleichen.

Darüber hinaus bietet Modern Warfare eigens Down- und Upsampling an. Die eingestellte Auflösung kann intern maximal verdoppelt oder auf 33 Prozent reduziert werden. Die gewünschte interne Auflösung lässt sich in 1er-Schritten einstellen. Darüber hinaus gibt es auch einen FPS-Limiter, der sich ebenso stufenlos von 30 FPS bis maximal 300 FPS konfigurieren lässt. Ein weiterer Limiter gilt ausschließlich für das Menü, ein weiterer kann auf Wunsch greifen, wenn das Spiel nicht mehr im Bildschirm-Fokus liegt.

Modern Warfare bietet zudem ein eigens Overlay, das neben der Framerate unter anderem auch den Ping, die GPU-Temperatur und die Auslastung von Prozessor und Grafikkarte anzeigen kann.

Keine Grafik-Presets, aber eine gute Kantenglättung

Call of Duty: Modern Warfare hat ein umfangreiches Grafikmenü, Grafik-Presets gibt es wie in den Vorgängern unerklärlicherweise aber nicht. Das macht das Anpassen der Qualität an den eigenen Rechner schwierig. Aber dafür wird jede Grafikänderung ohne Neustart und ohne Verzögerung sofort übernommen, sodass sich zumindest die einzelnen Optionen schnell ausprobieren lassen.

Bei der Kantenglättung hat Infinity Ward die Auswahl etwas eingeschränkt, die mit den Optionen „SMAA 1X“, „SMAA T2X“ und „Filmisches SMAA T2X“ aber immer noch umfangreich bleibt. Filmisches SMAA T2X ist dabei das Anti-Aliasing der Wahl, da dieser Modus mit einem ruhigen Bild die besten Ergebnisse erzielt. Als Nachteil ist eine aufkommende Unschärfe zu benennen, die vor allem in niedrigen Auflösungen wie Full HD gut zu sehen ist. Ein schärferes Bild lässt sich mit der Option „Film-Stärke“ herstellen, wobei dann einige Elemente anfangen zu flimmern. Hier muss jeder seinen persönlichen Kompromiss aus Bildschärfe und Flackern finden. Der Redaktion hat bei WQHD eine Film-Stärke von 0.50 in der Kampagne gut gefallen, auch wenn das Bild dann nicht mehr flimmerfrei gewesen ist.

Gute Texturen ohne Highlights und moderatem Speicherverbrauch

Das neue Call of Duty: Modern Warfare sieht richtig gut aus. Die Texturen sind dabei aber kein Highlight und stechen nicht hervor – schlecht sind sie aber auch nicht. Dafür ist aber auch der Speicherhunger gering. Denn eine Grafikkarte mit 8 GB ist in Ultra HD für die maximalen Texturdetails ausreichend, auch mit 6 GB gibt es kaum Probleme. Auf die angezeigte Speicherauslastung in Tools wie den Afterburner sollte man sich dabei nicht verlassen. Denn auch die neue Engine adressiert deutlich mehr Speicher als gerade benötigt wird.

Anspruchsvoller ist der Speicherbedarf dagegen bei aktiviertem Raytracing. Dann sind 8 GB ab 2.560 × 1.440 Pflicht, ansonsten gibt es eine Ruckelorgie. Mit 8 GB gibt es dann aber auch in 3.840 × 2.160 keine Probleme mehr.

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