Lego Hidden Side im Test: Die Augmented-Reality-Applikation

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Michael Schäfer 114 Kommentare

Enge Geräteauswahl

Lego stellt die AR-App für Android und iOS zur Verfügung. Zur Nutzung müssen etwaige Geräte jedoch eine Reihe von Voraussetzungen erfüllen, was den Fundus unterstützter Smartphones und Tablets stark schmälert. Unter Android werden Version 7 und ARCore vorausgesetzt, bei Apples Geräten mindestens iOS 11 mit dem ARKit 2. So können die oftmals in den Kinderzimmern befindlichen günstigeren Vertreter oder speziellen Kindergeräte wie die Fire-Tablets von Amazon nicht zur Nutzung herangezogen werden.

J. B. begrüßt zunächst den Spieler
J. B. begrüßt zunächst den Spieler

Keine Erklärungen zur App in der Anleitung oder auf der Verpackung

In der gesamten Bauanleitung findet sich keine weiterführende Erklärung zur Hidden-Side-App, lediglich in der Mitte selbiger ist ein wenig Werbung zur Software zu finden. Auch auf der Verpackung ist kein Hinweis über nötige Voraussetzungen vorhanden, sondern nur die Aufforderung zur Überprüfung der Kompatibilität zu lesen. Wäre es von Lego wirklich zu viel verlangt gewesen, zumindest die oben aufgeführten Voraussetzungen aufzuführen? Das würde Eltern die Möglichkeit bieten, direkt im Geschäft prüfen zu können, ob ihr Gerätepark eine Nutzung des Sets zulässt. Sie müssten dies also enttäuschten Kindern nicht erst nach dem Aufbau erklären. Hier hat mindestens die Marketing-Abteilung geschlampt.

Nennt man aber ein unterstütztes Gerät sein Eigen und startet die App, fordert diese zugleich den Zugriff auf die Kamera des Smartphones oder des Tablets ein. Das ist nur logisch – ohne Kamera gibt es keine Bilder, denen die künstliche Umgebung hinzugefügt werden kann. Mit schaurig schräger Musik untermalt, wird der Spieler anschließend von der Wissenschaftlerin J. B. begrüßt. Sie erklärt, dass sie seine Hilfe benötigt, da es in der kleinen Stadt von Geistern nur so wimmelt, die sich jedoch nur auf der versteckten Seite, also der „Hidden Side“, zeigen.

Das Spiel

Vor jedem Spiel steht die Wahl: Spiele ich als Geist oder als Jäger? Die Varianten unterscheiden sich erheblich voneinander. Während lediglich der Jäger-Teil die „Augmented Reality“ nutzt, verbirgt sich hinter dem Spuken als Geist lediglich ein normales Mobile-Game.

Im Spiel als Jäger gilt es, Newbury von der durch die Geister hervorgerufene Besessenheit zu befreien. Dazu dient das jeweilige real gebaute Lego-Modell als Basis, das zu jedem Anfang des Spiels eingescannt und in die AR-Welt integriert werden muss. Hierzu ist eine gute Ausleuchtung der Umgebung Pflicht. Daneben sollte sie eben und sauber sein, gemusterte oder reflektierende Oberflächen gilt es zu vermeiden.

Erstaunlich gute technische Umsetzung

Ist das Modell gescannt, generiert das System die virtuelle Umgebung, in der die jeweilige Szene spielt. In dieser kann das Mobilgerät als zentraler Mittelpunkt frei bewegt werden, wobei das Modell jedoch stets als Orientierung im Bereich der Kamera verbleiben muss. Die Umsetzung erfolgt relativ gut, auch schnelle Bewegungen können das System nicht aus dem Tritt bringen. Es kann aber auch vorkommen, dass Modelle nicht richtig erkannt werden, was die Folge hat, dass manche Gegenstände an den falschen Stellen auftauchen. Hier hilft am Ende nur ein kompletter Neustart des Spiels. Darüber hinaus muss auf die richtige Reihenfolge oder Anbringung der einzelnen Set-Komponenten geachtet werden. Beim Geister-Expresszug bedeutet dies, das Bahnsteighäuschen an die richtige Stelle anzubringen, da es sonst in der virtuellen Umgebung an einer anderen Stelle auftaucht. Spätestens wenn dort stehende Figuren eingescannt werden sollen, wird es schwierig.

Das jeweilige Modell muss zunächst gescannt werden
Das jeweilige Modell muss zunächst gescannt werden

Einfaches, aber forderndes Spiel

Im Spiel selbst gilt es zunächst alle Stellen in der jeweiligen Szene zu finden, die von der Düsternis („Gloom“) befallen sind, also Orte, an denen sich Geister verstecken können. Dazu gilt es zunächst den Geisterschleim zu beseitigen, womit gleichzeitig die Stadt gesäubert wird. Die Geisterverstecke sind jedoch nur in bestimmten Wellenbereichen zu erkennen, wodurch die einzelnen Geister auch in verschiedenen Farben (Rot, Gelb, Blau) dargestellt werden. Im Spiel muss daher für jede Farbe einzeln gesucht werden. Die Auswahl der Farbe erfolgt über die auf dem mittleren Labor-Waggon angebrachte Drehscheibe, beim Stunt-Truck dagegen über die Farbauswahl auf der Ladefläche. Die gewählte Farbe muss anschließend gescannt und die Leistung des „Entgloominator-Werkzeuges“ durch ein Geschicklichkeitsspiel verfeinert werden. Ist dies vollbracht, erscheint eine Art Radar, das eine grobe Richtung vorgibt, in der sich ein Geisterversteck befinden könnte. Die gefundene Stelle muss anschließend ebenfalls vom Scanner erfasst werden. Anschließend hat der Spieler nur ein paar Sekunden Zeit, um den Bereich abzuscannen und neue Verstecke zu finden.

Casual-Game-Anleihen

Für das Aufsammeln des Schleimes erhält der Spieler Credits, die er später für Upgrades ausgeben kann. In einigen Fällen wird auch ein Geist in seinem Versteck aufgescheucht. Dieser muss schnell eingefangen werden, bevor er durch eine Berührung oder über seine Schleimkugeln dem Spieler die Energie aussaugt. Beides kann über eine spezielle Geisterkanone eliminiert werden, indem einfach innerhalb des Fokuskreises auf das Fadenkreuz getippt wird. Dadurch wird der Geist schwächer, so dass man ihn am Ende einfangen kann. Wichtig dabei ist, so wenig Energie wie möglich abzugeben, da diese nicht automatisch nachgeladen wird. Erschwerend kommt hinzu, dass die eigene Kanone leicht zur Überhitzung neigt.

„He slimed me“
„He slimed me“

Das Geisterfangen mag anfangs noch einfach erscheinen, aber auch die Seelenlosen lernen schnell dazu und verfügen in späteren Levels unter anderem über Teleportationsfähigkeiten, um an einer Stelle plötzlich zu verschwinden und an anderer wieder aufzutauchen.

Zu wenig Neues

Die einzelnen Aktionen wiederholen sich oftmals im Spiel, gelegentlich kommen aber neue Geister hinzu, die unter anderem durch Verfolgungsjagden eingefangen werden müssen. Aber auch wenn die Umgebung in diesem Moment eine andere ist, die Spielmechanismen bleiben gleich. Für das Fangen besonderer Geister erhält der Spiele ebenso Upgrades, welche die Jagd nach anderen Geistern entweder einfacher gestalten sollen oder mit denen es der Spieler mit weitaus stärkeren und mächtigeren Gespenstern aufnehmen kann. Hierfür braucht es jedoch ebenso Übung. Am Ende eines Spiels werden zudem zusätzliche Münzen verteilt, mit denen ebenfalls Upgrades gekauft werden können, welche die eigene Energie verlängern oder mit denen eine höhere Schusskraft erreicht werden kann.

Ab und zu werden Objekte auch nicht richtig erkannt
Ab und zu werden Objekte auch nicht richtig erkannt

Vom Jäger zum Gejagten

Als Geist erfolgt das Spiel aus der Perspektive des Gejagten – denn hier wird mit drei verschiedenfarbigen und vorher eingefangenen Geistern gespielt. In diesem Spiel gilt es, Gegenstände und Orte zu verspuken, doch auch das ist nicht immer einfach: Über dem Geist schwebt ständig ein überdimensioniertes Smartphone, das die Spielfläche in verschiedenen Farben absucht und den Spieler im anderen Spiel darstellen soll. Nun gilt es, über verschiedene Portale auf einen der Geister zu wechseln, nach denen nicht gesucht wird. Ist das Portal nicht direkt erreichbar, heißt es, sich zu verstecken und in den richtigen Momenten von einem Versteck zum nächsten zu laufen – so lange, bis doch ein Portal auftaucht. Ist dies vollbracht, kann der andersfarbige Geist zumindest eine gewisse Zeit unbehelligt weiterspuken. Das jeweilige Spiel ist zu Ende, wenn ausgesuchte Gegenstände und Orte in dem Level mit Schleim versehen wurden. Als Belohnung winken weiteres Spielgeld sowie neue Geister.

Der stärkste Gegner des Spielers ist hierbei jedoch nicht die KI, sondern die gerade in hektischen Momenten nicht wirklich intuitive Steuerung, bei der eine Orientierung oftmals schwerfällt. Das sorgt schnell für wenig Spielfluss und noch mehr Spielfrust.

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