Amazon Echo Studio im Test: 3D Audio, Leistungsaufnahme und Fazit

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Frank Hüber 90 Kommentare

Räumlicher Klang mit 3D-Audio

Als erster smarter Lautsprecher unterstützt der Echo Studio 3D-Audio-Formate wie Dolby Atmos und Sony 360 Reality Audio. Über 3D-Audio können einzelne Instrumente und Stimmen räumlich positioniert werden. Hierfür werden einzelne Musikspuren objektbasiert mit Entfernungs- und Winkelinformationen versehen. Theoretisch kann so innerhalb eines 360-Grad-Klangfeldes jede Position belegt werden. Und dieser räumliche Eindruck soll mit nur einem Lautsprecher mit mehreren Treibern auch dem Hörer vermittelt werden können. Es ist somit kein Effekt, der nachträglich auf ein Stereosignal gelegt wird, sondern er muss bereits beim Abmischen der Musik berücksichtigt werden.

Auch wenn sich der Echo Studio an den Raum anpasst, wäre die beste Position für den Lautsprecher für die Wiedergabe von 3D-Audio in der Mitte des Raumes auf Kopfhöhe des Zuhörers. Diese Position wird nur bei den wenigsten Nutzern dem tatsächlichen Aufstellort entsprechen, der Echo Studio sollte jedoch nicht zu nahe an der Wand positioniert werden. Anders als etwa beim Echo Show, bei dem die nach hinten gerichteten Lautsprecher gut von einer Wand reflektiert werden, darf beim Echo Studio etwas mehr Luft gelassen werden, um Raumklang zu entfalten. Amazon spricht von mindestens 15 Zentimetern Abstand zur Wand. Zudem muss er zu den Seiten und nach oben frei abstrahlen können.

3D-Audio auf Echo Studio nur über Amazon Music HD

Amazon nutzt den Echo Studio zudem, um das eigene Musikstreaming-Angebot zu vermarkten, denn Amazon Music HD bietet nicht nur „HD-Audio“, was Musik in CD-Qualität entspricht, sondern auch „Ultra-HD-Audio“, was eine Qualität oberhalb von CD-Qualität mit „bis zu“ zehnfacher Bitrate bietet, und vor allem 3D-Audio. Denn wie bereits geschildert, bedarf es eigens abgemischter Tracks, um 3D-Audio nutzen zu können, die von den Musikstudios nun nach und nach bereitgestellt werden. Neben Sony bringen auch Universal und Warner neue und alte Musik deshalb noch mal im 3D-Audio-Format heraus. Derzeit bietet Amazon rund 1.000 Stücke mit 3D-Audio an. Man arbeite mit den Musikstudios daran, dieses Angebot auszubauen. Sony stellt seine 3D-Audio-Tracks neben Amazon Music HD auch über Tidal und Deezer zur Verfügung, Spotify ist bislang außen vor.

HD-Songs haben eine Bittiefe von 16 Bit, eine minimale Abtastrate von 44,1 kHz und eine durchschnittliche Bitrate von 850 kbps. Ultra-HD-Songs verfügen über eine Bittiefe von 24 Bit, Abtastraten von 44,1 kHz bis zu 192 kHz und eine durchschnittliche Bitrate von 3.730 kbps. Wo sich 3D-Audio hier einordnet, hat Amazon vorab noch nicht kommuniziert. Die normale Streaming-Qualität liegt ohne HD/Ultra HD bei 320 kbps – bei Spotify entspricht dies der höchsten Einstellung „Sehr hoch“. Ein 3,5 Minuten langes Lied ist als verlustbehaftetes MP3 mit 320 kbps rund 9 MB groß, in der HD-Variante sind es schon 51 MB und in Ultra HD bis zu 153 MB.

Ebenso wie HD und Ultra HD können Songs in 3D-Audio ausschließlich mit einem Abonnement von Amazon Music HD wiedergegeben werden. Prime-Kunden zahlen für Amazon Music HD 12,99 Euro pro Monat. Sind sie bereits Kunden von Amazon Music Unlimited, wird ein Aufpreis von 5 Euro erhoben. Kunden ohne Prime-Mitgliedschaft zahlen hingegen 14,99 Euro pro Monat für Amazon Music HD inklusive Music Unlimited. Noch ist die 3D-Wiedergabe auf dem Echo Studio nur über Amazon Music HD möglich, ab nächstem Jahr soll sie auch über Tidal HiFi möglich werden.

Bei der Wiedergabe über Amazon Music wird dabei automatisch die beste verfügbare Qualität wiedergegeben, wobei bei der Wiedergabe auf dem Echo Studio 3D-Audio eine höhere Priorität hat als Ultra HD. Welches Format abgespielt wird, sieht der Nutzer wahlweise durch ein kleines Emblem unter dem Cover in der Amazon-Music-App oder im Wiedergabefeld der Alexa-App.

So klingt 3D-Audio auf dem Echo Studio

Die derzeit einfachste Möglichkeit, 3D-Audio mit dem Echo Studio auszuprobieren, ist die Playlist „Best of 3D“ auf Amazon Music HD, da es – zumindest vor dem offiziellen Start des Echo Studio – noch keine eigene Kategorie und keine Kennzeichnung für 3D-Audio in der App gibt. In der Playlist sind 20 Tracks enthalten, die bereits 3D-Audio bieten und aus unterschiedlichsten Musikrichtungen stammen. Mit rund 1.000 3D-Tracks insgesamt ist die Auswahl noch gering.

Wie 3D-Audio in der Praxis klingt und die Charakteristik eines Titels verändert, ist sehr unterschiedlich und hängt auch von der Abmischung ab, in die man keinen Einblick hat. Bei „7 rings“ von Ariana Grande ist beispielsweise kaum ein Effekt zu hören und der Sound bleibt auch in 3D sehr zentriert. Gleich der zweite Track der Playlist, „Tell Me Something Good“ von Rufus, dreht diesen Eindruck um, denn es ist ein deutlicher Effekt zu hören, der eine Bühne vor dem Hörer aufbaut und vor allem mit Stereo-Effekten im Raum spielt, die bei der reinen Stereo-Wiedergabe so deutlich nicht wahrzunehmen sind. Diesen Eindruck vermittelt auch „All Right Now“ von Free, der ebenfalls eine gute räumliche Wirkung entfaltet, aber vor allem Stereo-Effekte erkennen lässt. Anne-Sophie Mutters „Rey's Theme“ aus dem Film „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ wirkt mit 3D-Audio deutlich voluminöser und ist ebenfalls eine sehr gute räumliche Umsetzung. Auch „Beverly Hills“ von Weezer platziert einzelne Klänge gut im Raum. „Look What I Found“ von Lady Gaga verliert durch 3D-Audio den (viel zu) basslastigen zentrierten Fokus und wird deutlich plastischer, ohne klare räumliche Zuordnungen einzelner Instrumente möglich zu machen. Der Track klingt insgesamt sehr viel ausgewogener und besser.

Beschreibungen, wonach einzelne Instrumente plötzlich von links hinten unten auf den Hörer zukommen, sind bei der Musikwiedergabe allerdings übertrieben. Ja, der räumliche Effekt ist ohne Zweifel deutlich zu hören, aber hat eben auch seine Grenzen. Aber wer 3D-Audio nutzen kann, sollte es nutzen.

Amazon Echo Studio als Lautsprecher für den Fire TV Cube
Amazon Echo Studio als Lautsprecher für den Fire TV Cube

Auch am Fire TV macht der 3D-Klang grundsätzlich eine gute Figur. Ob man ihn hier einsetzen möchte, hängt aber sehr vom eigenen „Heimkino“ ab. Wer bereits ein volles Surround-System mit sehr guten Lautsprechern aufgebaut hat, wird dieses nicht durch den Echo Studio ersetzen. Wer bislang jedoch einzig auf Fernseher-Lautsprecher setzt, für den ist der Echo Studio die weitaus bessere und eine sehr gute Wahl. Beim Start der Wiedergabe oder wenn man in Videos spult, gibt es derzeit allerdings noch ganz kurze Audio-Aussetzer, die dann bei der Wiedergabe selbst im Test jedoch nicht mehr auftraten. Vor allem als Stereopaar ist der Echo Studio in diesem Szenario interessant – setzt man nur ein Exemplar ein, sollte man es mittig unter den Fernseher stellen, damit die Stimmen zentral positioniert sind.

3D-Audio-Upmixing von Stereo-Inhalten

Nach einem Software-Update des Echo Studio steht in den Audio-Einstellungen in der Alexa-App die Funktion „Upmixing“ oder „Stereo Spatial Enhancement“ zur Verfügung, die standardmäßig eingeschaltet ist. Durch sie werden Stereo-Inhalte in 3D-Audio umgewandelt. Was manchen Tracks durchaus etwas mehr Räumlichkeit gibt, dämpft die Höhen jedoch teils deutlich, was der Klangqualität alles andere als zuträglich ist. Der Effekt ist je nach Musikstück sehr unterschiedlich. Bei klassischer Musik ist die Dämpfung sehr viel geringer als bei Popmusik. Im Test gefiel jedoch die klassische Stereoversion immer genauso gut oder besser als ein emuliertes 3D-Audio, weshalb die Funktion in der Praxis deaktiviert werden sollte. Amazon sollte sie zudem nur auf Wunsch aktivieren und keinesfalls standardmäßig einschalten. Die Aussage des Konzerns, dass die Funktion für besten Klang immer eingeschaltet bleiben sollte, kann im Test – zumindest derzeit – nicht bestätigt werden. In einigen Tracks klingen die Höhen sonst plötzlich deutlich schlechter und dumpfer als beim Echo.

Upmixing für 3D Audio in der Alexa-App
Upmixing für 3D Audio in der Alexa-App

Leistungsaufnahme

Im Standby hat der Echo Studio eine Leistungsaufnahme von 2,7 Watt. Ein Echo (ohne Zigbee-Hub) kommt hier auf rund 1,0 Watt. Bei der Musikwiedergabe liegt die Leistungsaufnahme des Echo Studio bei Lautstärke 5 von 10 bei rund 5,0 Watt, der Echo kommt hierbei auf rund 3,3 Watt. Bei starker Basswiedergabe steigt diese an – beim Echo auf 5 bis 7 Watt, beim Echo Studio auf 9 bis 10,5 Watt, bei deutlich besserem Bass. Bei maximaler Lautstärke und viel Bass knackt der Echo Studio die 30 Watt und erreicht in der Spitze kurzzeitig bis zu 40 Watt. Der Echo kommt hingegen auch dann nur auf 9 bis 10 Watt und rund 13 Watt in der Spitze.

Bei der parallelen Verarbeitung eines Sprachbefehls mit reduzierter Musiklautstärke beträgt die Leistungsaufnahme des Echo Studio 8,4 Watt.

Leistungsaufnahme des Echo Studio im Vergleich
Amazon Echo Studio Amazon Echo (3. Gen.)
Standby 2,7 Watt 1,0 Watt
Sprachbefehl 8,4 Watt 3,0 Watt
Musikstreaming (Lautstärke 5 von 10) 5,0 Watt 3,3 Watt
Musikstreaming (basslastig, Lautstärke 5 von 10) 9–10,5 Watt 5–7 Watt
Musikstreaming (basslastig, Lautstärke 10 von 10) 30 Watt 9–10 Watt

Fazit

Der Echo Studio richtet sich trotz seines Hi-Fi-Ansatzes und der Unterstützung von 3D-Audio mit Dolby Atmos und Sony 360 Reality Audio nicht an Audio-Puristen. Diese werden weiterhin mehrere tausend Euro in ihre Lautsprecher investieren – und dafür nach wie vor den besseren Klang erhalten.

Amazon fokussiert sich mit dem leistungsstärksten Echo-Lautsprecher stattdessen auf Kunden, die das einfache Setup und die einfache Bedienung der Echo-Lautsprecher mit einem besseren Klang kombinieren möchten, ohne dafür tief in die Tasche greifen zu müssen – das passende verlustfreie Audio-Angebot mit höheren Bitraten hat das Unternehmen mit Amazon Music HD auch direkt im Portfolio. Die Musikwiedergabe bleibt der primäre Einsatzzweck von smarten Lautsprechern, insofern ist dieser Weg von Amazon die richtige Reaktion auf das Nutzungsverhalten der Kunden.

Amazon Echo Studio
Amazon Echo Studio

Fürs Musikstreaming ist der Echo Studio ausgezeichnet

Für all jene, die einen smarten Lautsprecher mehrere Stunden am Tag für die Musikwiedergabe nutzen und denen die Klangqualität dabei nicht gleichgültig ist, ist der Echo Studio eine klare Empfehlung und der dafür beste Echo-Lautsprecher.

3D-Audio hat das Zeug zur Revolution

Auch 3D-Audio ist dabei sehr gelungen und bietet im Vergleich zu klassischer Stereomusik ein besseres Mittendrin- und Raumklang-Gefühl. Auf dem Echo Studio ist das Feature aber derzeit nur über Amazon Music HD mit Aufpreis in sehr begrenzter Auswahl verfügbar. Nur für 3D-Audio lohnt sich die Anschaffung des Echo Studio deshalb noch nicht. Vor allem im direkten Vergleich klingen die 3D-Audio-Tracks deutlich besser und es ist ein wenig wie mit der Einführung von High-DPI-Displays bei Smartphones: Wenn man es einmal im direkten Vergleich gehört hat, möchte man nicht mehr zurück und man kann den Unterschied nicht mehr ungehört machen. Alle 50 Millionen Tracks im 3D-Audio-Format gut abgemischt wären tatsächlich noch mal eine Revolution des Musikstreamings.

Die Abstimmung des Echo Studio ist basslastig – man könnte auch modern oder dem Trend folgend sagen. Wem dies nicht zusagt, der kann den Bass aber in der App reduzieren und die Abstimmung selbst verbessern – sie gilt dann über Wiedergabequellen hinweg.

Amazon Echo Studio
Amazon Echo Studio
Amazon Echo Studio
Amazon Echo Studio

Der Echo Studio ist ab morgen für 199,99 Euro erhältlich. Ein Preis, mit dem Amazon sich vor keinem Konkurrenten verstecken muss. Nicht mal vor sich selbst, denn ein Echo (3. Generation) in Kombination mit einem Echo Sub ohne Raumklang kostet 230 Euro. Ein Echo Plus, der wie der Echo Studio einen Zigbee-Hub bietet, kostet zusammen mit einem Echo Sub sogar 280 Euro. Bei heutiger Bestellung soll die Lieferung des Echo Studio jedoch frühestens am 30. Dezember erfolgen.

ComputerBase hat den Echo Studio leihweise von Amazon unter NDA zum Testen erhalten. Die einzige Vorgabe war der frühestmögliche Veröffentlichungszeitpunkt. Eine Einflussnahme auf den Artikel fand nicht statt, eine Verpflichtung zur Veröffentlichung bestand nicht.

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