Fire HD 10 (Kids Edition) im Test: Fire OS 7 und Amazon FreeTime Unlimited

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Michael Schäfer 18 Kommentare

Android 9 Pie als Basis für Fire OS 7

Bei der 2019er-Version des Fire HD 10 setzt Amazon erstmals auf eine andere OS-Version als bisher Fire OS 5, welche über alle Versionen hinweg auf Android 5 aufgebaut hatte. Nun schickt der Online-Händler Fire OS 7 ins Rennen, das gleich mehrere Android-Versionen überspringt und den aktuellen Vertreter Android 9 Pie als Basis nimmt. Bisher stattet Amazon nur das neue Fire HD 10 mit der aktuellen OS-Version aus, ob auch ältere Fire-Tablets diese Betriebssystemgeneration erhalten werden, ist bisher nicht bekannt. Der aktuelle Stand beläuft sich beim Fire HD 10 auf Version 7.3.1.1.

Auch wenn der Anwender zunächst aufgrund des unveränderten Aufbaus der eigenen Bedienoberfläche von den genannten Veränderungen nichts mitbekommt, wirkt das System durch das Zusammenspiel der neuen OS-Version und des neuen technischen Unterbaus deutlich agiler und fluffiger. Das werden Anwender auch in anderen Bereichen merken: Apps starten schneller, das Scrollen im Browser erfolgt deutlich weicher.

Die wenigen für den Nutzer direkt erkennbaren Neuerungen finden sich unter anderem in der neuen Bild-in-Bild-Ansicht bei Videos wieder, bei der die Wiedergabe nach Aktivierung auf ein kleines Fenster minimiert wird. Dadurch können parallel dazu andere Programme wie Browser oder Galerie aufgerufen werden. Über einen echten Splitscreen-Modus verfügt das OS jedoch nicht.

Nach wie vor eingeschränkte Oberfläche

An der Oberfläche hat Amazon, wie bereits beschrieben, nichts verändert. Nach wie vor dominieren hier die vom Online-Händler angebotenen Dienste und Verkaufsangebote wie Bücher, Filme, Spiele oder Apps sowie weitere Kaufangebote und Audio-Inhalte von Prime Music und Audible. Es ist zwar klar, dass Amazon die eigenen Tablets nur zu den geforderten Preisen anbieten kann, weil diese über die Kaufangebote refinanziert werden, doch sollte der Hersteller dem Anwender mittlerweile auch eine normale Nutzung des Tablets ermöglichen – und damit ein eigenes Einrichten des Homescreens. Es spricht überhaupt nichts gegen die einzelnen Shop-Seiten, dennoch wäre es technisch sicherlich kein Problem gewesen, in der Oberfläche eine oder zwei Seiten zu integrieren, die vom Nutzer nach seinen eigenen Wünschen mit Widgets oder anderen Tools eingerichtet werden können. Das würde versierte Anwender zudem davon abhalten, mit einigen Verbiegungen einen alternativen Launcher zu installieren, oder Amazon, diesen wieder zu unterbinden.

Das von Amazon vertretene System besitzt aber nicht nur Nachteile. Der Vorteil besteht unter anderem im schnellen Zugriff auf die eigenen oder angebotenen Inhalte. Der Nutzer muss sich nicht wie sonst üblich durch verschiedene Apps arbeiten, die verschiedenen Inhalte liegen oft nur einen Wisch entfernt.

Weniger imposant ist jedoch nach wie vor der Amazon-eigene App-Store als Bezugsquelle von Programmen und Spielen, der weiterhin nicht sonderlich gut gefüllt ist. Auch wenn der Store seitens des Online-Händlers seinerzeit mit viel Tamtam angekündigt wurde, fehlen diesem bis heute viele bekannte Apps. Dies könnte vor allem Umsteigern sauer aufstoßen. Abhilfe kann durch die manuelle Installation des Google Play Store geschaffen werden, die auch für weniger versierte Nutzer keine Hürde darstellen sollte. Anleitungen dazu gibt es zuhauf im Netz.

FreeTime Unlimited

Die grundlegenden Unterschiede zwischen dem normalen Fire HD 10 und der Kids Edition wurden bereits erklärt. Bei der Kinder-Version erhalten Käufer zudem einen kostenlosen Zugang zur Content-Flatrate FreeTime Unlimited für ein Jahr, danach werden für Prime-Kunden 2,99 Euro bei einem Kind und 6,99 Euro für bis zu 4 Heranwachsende erhoben. Ohne Prime-Mitgliedschaft erhöhen sich die Kosten um 2 beziehungsweise 3 Euro. Für die Nutzung von FreeTime Unlimited wird nicht zwingend ein Fire HD 10 in der Kids Edition vorausgesetzt, die kuratierte Flatrate ist auch für alle anderen Fire-Tablets erhältlich. Das mag im ersten Moment günstiger erscheinen, bei eventuellen Schäden muss dann aber selbst für Ersatz gesorgt werden.

Da die Funktionsweise von FreeTime Unlimited im Test zum letzten Fire HD 10 Kids Edition (Test) bereits sehr ausführlich beschrieben wurde, sollen an dieser Stelle nur die grundlegenden Funktionen und Neuerungen behandelt werden. Für ausführlichere Informationen sei auf den früheren Test verwiesen.

Mehr Kontrolle für Eltern

Mit FreeTime bezeichnet Amazon die eigene Applikation, mit der das Unternehmen Eltern mehrere Werkzeuge an die Hand geben will, um die Tablet-Aktivitäten ihrer Zöglinge verfolgen und leiten zu können. Dies beinhaltet sowohl das Aufrufen von vorher freigegebenen Apps, Inhalten oder Web-Seiten wie auch die zeitliche Eingrenzung. Die freie Nutzung des Tablets bzw. bestimmter Inhalte und Apps darüber hinaus an Bedingungen geknüpft werden, sodass beispielsweise erst vorgegebene Lernziele erreicht werden müssen.

Den Verlauf der Nutzung können Eltern entweder auf dem Tablet selbst im eigenen Profil, an einem anderen Fire-Tablet oder wahlweise über das Online-Dashboard im Browser einsehen. Hier ist auch die Festlegung der erwähnten Vorgaben möglich.

FreeTime Unlimited geht zudem einen Schritt weiter und bietet Eltern einen kuratierten Fundus an Inhalten, bestehend aus Spielen, Büchern, Filmen und Web-Seiten. Mittlerweile gehören auch ausgewählte Audible-Titel mit zum Angebot. Die Content-Flatrate soll laut Amazon mittlerweile mehr als 10.000 Titel für Kinder im Alter zwischen 3 und 12 Jahren beinhalten. Außerhalb des Dienstes müssen Eltern selbst für Inhalte sorgen und diese freigeben.

Der Ständer hält das Fire HD 10 nur bis zu einem bestimmten Winkel
Der Ständer hält das Fire HD 10 nur bis zu einem bestimmten Winkel

Neben den bekannten FSK-Empfehlungen setzt Amazon zur Eingrenzung zusätzlich auf eigene Bewertungen, bei denen auch Rückmeldungen von Eltern einbezogen werden. Dennoch erhalten Eltern eine Vielzahl von Möglichkeiten, abseits von den Vorgaben Einfluss auf die Art der Inhalte zu nehmen. So lässt sich unter anderem für jedes Kind ein individueller Altersrahmen festlegen.

Wichtig zu erwähnen ist auch, dass alle Inhalte ohne Werbung und alle Apps ohne In-App-Käufe angeboten werden. Dadurch können Eltern sicher sein, dass ihnen keine unerwarteten Kosten entstehen.

Einrichtung nach wie vor mit unvorhergesehenen Folgen

Manche Probleme bei der Einrichtung hat Amazon dagegen noch nicht ausgemerzt. Wird dem Fundus an Fire-Tablets eine neue Kids Edition hinzugefügt oder im Haushalt bereits eines geführt und zusätzlich ein neues Fire-Tablet in Betrieb genommen, kann es unter Umständen passieren, dass das jeweilige Kinderkonto auch den anderen Tablets hinzugefügt wird. Dies erkennen verdutzte Nutzer daran, dass sie seitens des Systems plötzlich dazu gezwungen werden, ihr eigenes Tablet mit einer PIN zu versehen. Es soll aber Eltern geben, die ihren Kindern vertrauen, und solche Schutzmaßnahmen daher nicht benötigt werden. Es ist zwar schön, wenn Amazon die Konten auch auf andere Tablets synchronisiert, dann jedoch bitte erst nach einer Nachfrage. Ansonsten redet Amazon Eltern in Bereiche rein, in denen das Unternehmen nichts zu suchen hat!

Mit eingeklappten Ständer lässt sich das Fire HD 10 wie ein normales Tablet nutzen
Mit eingeklappten Ständer lässt sich das Fire HD 10 wie ein normales Tablet nutzen

Das beschriebene Vorgehen kann im ungünstigen Fall für tränengefüllte Kinderaugen sorgen, nämlich dann, wenn das Kinderkonto auf einem neuen Fire HD 10 wieder gelöscht wird und das System meint, dieses auch vom Kinder-Tablet entfernen zu müssen – und alle Minecraft-Spielstände ebenso ins digitale Nirvana übergehen, wie beim Autor dieses Tests geschehen.

Wenig Informationen über Apps

FreeTime selbst lässt sich kinderleicht nutzen, was nicht zuletzt dem einfachen und logischen Aufbau zuzuordnen ist. Dennoch sollten Eltern Kinder die erste Zeit nicht mit dem Tablet allein lassen, die große Auswahl könnte am Anfang etwas überfordern. Negativ zu sehen ist, dass über die angezeigten Apps keine weiteren Informationen abrufbar sind. Über das lediglich angezeigte Bild kann in den meisten Fällen nichts über das eigentliche Spiel oder Programm erkannt werden, sondern erst nach dem ersten Start. Zudem sollten Eltern die Möglichkeit erhalten, die Anzahl der installierten Apps oder den Speicherverbrauch zu reglementieren, sonst ist der vorhandene Speicher von den Sprösslingen bereits nach ein paar Tagen aufgebraucht.

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