Kindle 2019 Kids Edition im Test: FreeTime und FreeTime Unlimited

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Michael Schäfer 15 Kommentare

FreeTime

Der wirkliche Unterschied der Kids Edition zur normalen Ausgabe des Kindle 2019 stellt FreeTime dar. Bereits auf den Fire-Tablets hat Amazon damit Eltern ein nützliches Werkzeug an die Hand gegeben, um den Medienkonsum ihrer Kinder kontrollieren und/oder steuern zu können. Auf dem E-Book-Reader fällt die Software jedoch weitaus funktionsärmer aus, da der Kindle lediglich Bücher berücksichtigt, während die Tablet-Variante auch Spiele, Videos, Hörbücher und auch Web-Seiten bereithält.

Die Einrichtung verläuft denkbar einfach: Ist bereits auf einem der anderen Geräte ein Kinderkonto mit FreeTime eingerichtet, wird dies automatisch übernommen. Ansonsten müssen der Name und das Alter des Kindes eingegeben werden und schon kann es losgehen. Aufrufen lässt sich der geschützte Bereich einfach über das durch die drei Punkte oben rechts erreichbare Menü oder über die Einstellungen. Verlassen werden kann FreeTime dagegen nur über die vorher festgelegte und mindestens vier Ziffern starke PIN. FreeTime sperrt zudem automatisch den Zugang zum Webbrowser, zum Kindle-Shop und zur Cloud.

Die Oberfläche von FreeTime Unlimited gestaltet sich sehr unübersichtlich
Die Oberfläche von FreeTime Unlimited gestaltet sich sehr unübersichtlich

An Inhalte kommen die Sprösslinge auf verschiedene Wege: Zum einen über die, wie bereits beschrieben, im Kaufpreis enthaltene einjährige Mitgliedschaft von FreeTime Unlimited oder dadurch, dass Eltern selbst auf den Reader geladene Inhalte für das Kinderkonto freigeben. Das geschieht, indem in der Bibliothek beim gewünschten Titel das Kontextmenü (ebenfalls über die genannten drei Punkte oder über einen längeren Druck auf das Cover) aufgerufen und selbiger zum Kinderprofil hinzugefügt wird. Sollen gleich mehrere Titel zur Verfügung gestellt werden, bietet der Gang über die Bibliothekseinstellungen des jeweiligen Profils unter „Haushalt und Familienbibliothek“ den einfacheren Weg, als jedes Buch einzeln auszuwählen.

FreeTime auf dem Kindle bietet nur wenige Einstellungen
FreeTime auf dem Kindle bietet nur wenige Einstellungen

Inhalte auch beim Kindle unübersichtlich angeboten

In die Übersicht des Kinderprofils muss Amazon dagegen noch sehr viel Arbeit investieren, denn für diese ist die eigene Bibliothek viel zu chaotisch aufgebaut. So lassen sich die einzelnen Unterteilungen nicht stufenlos, sondern nur Seite für Seite scrollen. Zuoberst finden sich die zuletzt gelesenen Inhalte, darunter folgen Empfehlungen, die vom Elternkonto hinzugefügten Inhalte, die Auflistung verschiedener Themen und neue Titel. Es mutet unlogisch an, dass Amazon die eigenen, sich bereits auf dem Reader befindlichen Titel erst nach den Empfehlungen platziert, diese sollten eigentlich wie in der Elternbibliothek ganz oben stehen.

Darüber hinaus bietet Amazon keinerlei Informationen über die via FreeTime Unlimited angebotenen Bücher, was bereits im Test zum Fire HD 10 Kids Edition bemängelt wurde. Im normalen Konto erhält der Nutzer über den Shop zumindest grundlegende Informationen über das jeweilige Buch, die ausreichen, um sich einen Eindruck über den Titel zu verschaffen. Diese Möglichkeit besitzen Kinder aufgrund der nachvollziehbaren Sperrung des Kindle-Shops nicht. Dieser Umstand kann jedoch schnell die Lust am Lesen verderben, nämlich dann, wenn Kinder mit Büchern anfangen und am Ende feststellen, dass sie sich etwas ganz anderes unter dem Titel vorgestellt haben.

Eine grobe Einteilung bietet zwar der Bereich „Figuren und Themen“, aber auch hier werden Titel für jedes Alter einfach zusammengeworfen. Da finden sich unter „Unsere besten Bücher“ Werke wie „Benjamin Blümchen als Pirat“ direkt neben „Mein Leben, die Liebe und der ganze Rest“ oder dem Sandmännchen. Auf der Tablet-Variante konnte zudem noch ein bestimmter Altersbereich direkt auf dem Tablet für die jeweiligen Inhalte angegeben werden, auf dem Kindle ist dies nur über das Eltern-Dashboard möglich.

FreeTime Unlimited bietet keine weiteren Informationen über die jeweiligen Inhalte
FreeTime Unlimited bietet keine weiteren Informationen über die jeweiligen Inhalte

Während Amazons „normales“ Flatrate-Angebot bestehend aus Kindle Unlimited und Prime Reading mit der Abwesenheit bekannter Titel und großer Verlage zu kämpfen hat, kann FreeTime Unlimited mit einigen bekannten Kinder- und Jugendbüchern aufwarten, darunter unter anderem „Die drei ???“, die Chroniken-von-Narnia-Reihe sowie Harry Potter. Es werden aber auch Titel geführt, bei denen Zweifel an der richtigen Alterseinstufung aufkommen, so unter anderem Bücher der BBC-Serie Doctor Who.

Viele Klassiker der Kinderliteratur nicht vorhanden

Auf der anderen Seite fehlen dem Dienst viele Klassiker – Bücher von Jules Verne sind kaum vorhanden, von Robin Hood, Ivanhoe, Lancelot, Robinson Crusoe und einigen anderen mehr, wenn überhaupt, nur in Form von Nacherzählungen und nicht vom Originalautor. Als Vater eines siebenjährigen Sohnes kann der Autor dieses Tests jedoch mit Bestimmtheit schreiben, dass zumindest Jungs in diesem Alter solche Geschichten lieben.

Zurück in die Erwachsenenwelt geht es nicht ohne PIN
Zurück in die Erwachsenenwelt geht es nicht ohne PIN

Im Gegensatz zur Tablet-Variante noch keine Hörbücher

Hörbücher via FreeTime werden auf dem Kindle bisher nicht unterstützt, Amazon hatte jedoch bereits zum Launch bekannt gegeben, dass diese Funktion nachgereicht wird.

Geringer fallen bei der Kindle Kids Edition auch die einstellbaren Vorgaben aus. Konnte beim Fire-Vertreter noch festgelegt werden, dass erst eine gewisse Zeit mit einer Lern-App gearbeitet oder in einem bestimmten Buch gelesen werden musste, um anschließend zu spielen oder Videos schauen zu können, kann beim Kindle lediglich festgelegt werden, welche Zeit das Kind pro Tag lesen soll. Aus dieser Einstellung resultieren die jeweiligen Belohnungen, bei denen es sich jedoch lediglich um virtuelle Leseabzeichen handelt. Es kann dagegen nicht festgelegt werden, in welchem Buch das Kind lesen soll. Genauso wenig kann angegeben werden, dass das Kind beispielsweise zunächst eine vorher festgelegte Zeit mit dem Vokabeltrainer verbringt und dann ein eigenes Buch lesen kann.

Kleine Belohnungen für Leseratten
Kleine Belohnungen für Leseratten

Der Lesefortschritt in einem Buch wäre auch bei einem normalen Kindle jederzeit in der Bibliotheksübersicht einsehbar – dazu braucht es diesen Dienst also nicht. Die Übersicht für Eltern listet die Aktivitäten zwar übersichtlicher auf, aber bis auf die Anzahl der nachgeschlagenen Wörter bieten diese keine zusätzlichen Informationen.

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