Moto G8 Plus im Test: Der größere Akku ist ein klarer Zugewinn

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Nicolas La Rocco 75 Kommentare

Das Thema Akku geht Motorola beim G8 Plus deutlich progressiver als noch mit dem Moto G7 Plus oder dem normalen Moto G7 an. 4.000 mAh im neuen Modell stehen 3.000 mAh der G7-Generation gegenüber. An den mit 5.000 mAh riesigen Akku des Moto G7 Power sowie dessen Laufzeiten kommt das Smartphone zwar nicht heran, das Plus von 33 Prozent macht sich dennoch deutlich in den Akkumessungen bemerkbar.

Altes Android zum Nachteil des Kunden

Die auf dem Moto G8 Plus installierte Software kommt Motorola-typisch ohne größere Veränderungen im Vergleich zu Googles Ausgangsbasis aus. Ebenso Motorola-typisch ist aber das schludrige Vorgehen beim Anbieten neuer Android-Versionen und von Sicherheits-Updates (Stand September 2019). Motorola liefert ein neues Smartphone mehr als zwei Monate nach Fertigstellung von Android 10 trotzdem noch mit Android 9.0 Pie aus. Zwar sichert das Unternehmen ein Upgrade auf die nächste Hauptversion zu, dabei wird es sich dann aber lediglich um Android 10 handeln. So geht Motorola geschickt, aber zum Nachteil des Kunden, der Verpflichtung eines Upgrades auf Android 11 aus dem Weg. Wer ein Update-Versprechen für eine Hauptversion gibt, dann aber mit einer alten Version an den Start geht, kann sich die Zusage eigentlich sparen.

Darauf angesprochen argumentierte Motorola, dass man als Unternehmen das Betriebssystem erst erhalten würde, wenn Google dieses fertiggestellt habe. Das stimmt schlichtweg nicht, wie die zahlreichen Teilnehmer am Beta-Programm für Android 10 gezeigt haben. Willige Hersteller haben durchaus sehr früh Zugriff auf Android 10 erhalten und konnten dieses auf ihren Geräten testen. Ein Anbieter wie OnePlus schaffte es zum Beispiel, bereits Anfang Oktober Android 10 als Update für das 7 und 7 Pro und auf neuen Geräten der 7T-Serie anzubieten.

Quad-Kamera mit zwei nutzbaren Linsen

Im Bereich der Kamera setzt Motorola auf vermeintlich vier nutzbare Linsen, tatsächlich sind aber nur zwei beim alltäglichen Gebrauch von Relevanz. Die Hauptkamera arbeitet mit 48 Megapixeln (f/1.6) und nutzt ein Pixel-Binning im Verhältnis 4:1, um die Bildinformationen von jeweils vier Pixeln zu einem zusammenzufassen. Das Endresultat sind Aufnahmen mit 12 Megapixeln. Die zweite Kamera arbeitet mit 16 Megapixeln (f/2,2) und wird für den Actioncam-Modus genutzt, den Motorola mit dem One Action eingeführt hatte. Dabei hat der Hersteller den Bildsensor um 90 Grad gedreht, um bereits bei vertikaler Ausrichtung des Smartphones Videos mit bis zu Full-HD-Auflösung und maximal 60 FPS in den Breitbildformaten 16:9 und 21:9 aufnehmen zu können.

Drei Kameras und ein ToF-Sensor für den Autofokus
Drei Kameras und ein ToF-Sensor für den Autofokus

Die zwei weiteren Linsen dienen nicht für eigenständige Aufnahmen, sondern haben lediglich unterstützende Funktionen. Eine 5-Megapixel-Kamera erfasst Tiefeninformationen für Porträtaufnahmen und mit dem Time-of-Flight-Sensor will Motorola den Autofokus verbessern. Für virtuelle Messungen im freien Raum, wie es mit dem Galaxy Note 10 (Test) möglich ist, ist dieser Sensor nicht ausgelegt.

Von der Handhabung her ist Motorolas Kamera dank der „Moto Actions“ schnell einsatzbereit. Dabei handelt es sich um eine Ansammlung von Bewegungen mit dem Smartphone, die bestimmte Funktionen auslösen. Zweimaliges Drehen des Handgelenks startet die Kamera, eine zweimalige Hackbewegung mit dem Gerät die Taschenlampe. Weitere Gesten etwa zur Mediensteuerung, für Screenshots oder zum Entsperren lassen sich auf Wunsch über eine zugehörige App aktivieren.

Fotos bei Tag und Nacht mit dem Moto G8 Plus

Die Redaktion hat das Moto G8 Plus in Kombination mit einem iPhone 11 Pro Max (Test) für eine Reihe von Aufnahmen bei Tageslicht, schummriger Beleuchtung und Nacht verwendet. Dabei soll das Apple-Smartphone weder als Optimum noch als direktes Vergleichsprodukt im Sinne der Bewertung dienen, sondern lediglich aufzeigen, wie groß oder eben nicht groß die Unterschiede zwischen einem Smartphone für 270 Euro und einem für 1.250 Euro sind. Denn zumindest bei Tageslicht und eingeschränkt bei weniger Licht sind selbige nicht so gigantisch, wie es der Preisabstand zunächst suggeriert.

Das Moto G8 Plus punktet mit satten Farben, einem korrekten Weißpunkt und guter Schärfe. Die Fotos wirken etwas kühler als Apples gewohnt warme Abstimmung, sind deshalb aber nicht weniger ansehnlich. Feine Details fängt das Moto G8 Plus nicht ganz so sauber ein, sodass die Bilder ein wenig Struktur vermissen lassen. Und auch der Dynamikumfang ist selbst bei aktivem Auto-HDR ausbaufähig, denn helle Bereiche bildet das Smartphone oftmals zu hell ab, sodass Details verloren gehen. Auf der anderen Seite hellt das iPhone Schatten stärker auf und macht mehr Details darin sichtbar, ohne helle Bildbereiche negativ zu beeinflussen. Dieser Balanceakt gelingt Motorola nicht so gut. Dennoch sind die Ergebnisse in Summe gut, da auch manch schwierige Situation wie etwa das Foto mit strahlendem Gegenlicht im Café (Bild 21) gut gemeistert wird.

Motorola Moto G8 Plus – Kamera

Mit schlechter werdendem Licht kommen die Nachteile stärker zur Geltung. Mehr Details gehen verloren und vor allem helle Bereiche werden überstrahlt. Das Bildrauschen wird aber bis zu einem gewissen Grad erfolgreich über das Pixel-Binning unterdrückt und auch die Farbabbildung ist bis auf wenige Ausnahmen (Bild 41) selbst bei wenig Licht korrekt. In der Preisklasse des Moto G8 Plus liefert Motorola ein insgesamt solides Ergebnis ab. Trotz der Preisdifferenz ist das iPhone nicht fünfmal so gut.

Actioncam wackelt zu stark und macht nur Videos

Von der Umsetzung her weniger gut gefällt der Actioncam-Modus der Videokamera. Der zweite Sensor ist so gedreht, dass hochkant gehalten Videos mit korrekter Ausrichtung entstehen. Das ist beim schnellen Laufen wie im Video praktisch, da sich das Smartphone auf diese Weise besser greifen oder in eine Halterung einspannen lässt.

Motorolas eingeschränkter Dynamikumfang kommt bei Actioncam-Videos allerdings erneut und deutlicher zur Geltung. Für den insgesamt eher negativen Eindruck zur Bildqualität sorgt aber primär die schlechte Stabilisierung. Zwar ist die digitale Stabilisierung definitiv als solche zu erkennen, sie arbeitet aber ruckartig und mit vielen Zitterbewegungen. Trotz Stabilisierung entsteht so ein wackeliger Eindruck. Außerdem leidet das Video selbst in der Originalversion unter Kompressionsartefakten.

Die Actioncam arbeitet im Vergleich zur Hauptkamera mit Ultraweitwinkelobjektiv. Dieses lässt sich unverständlicherweise aber nicht für Fotoaufnahmen nutzen. Es können lediglich Schnappschüsse innerhalb eines Videos gespeichert werden. Wer also Fotos mit Ultraweitwinkelobjektiv schießen möchte, muss dafür immer erst ein Video mit der Actioncam starten. Ein Software-Update könnte das Objektiv für Fotos freischalten.

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