Mobile 15-Watt-CPUs im Test: Fazit

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Jan-Frederik Timm 134 Kommentare

Drei verschiedene CPUs in drei verschiedenen Notebooks liefern in breit gefächerten Testdisziplinen ein ganzes Füllhorn an Ergebnissen. Doch nur auf den ersten Blick geht es chaotisch zu, denn die Resultate haben System.

Lenovo IdeaPad (Picasso), Yoga C640 (Comet Lake) und Yoga C940 (Ice Lake)
Lenovo IdeaPad (Picasso), Yoga C640 (Comet Lake) und Yoga C940 (Ice Lake)

Zum einen lässt sich sagen, dass Ice Lake mit vier Kernen trotz deutlich gesunkener Taktraten in den meisten Benchmarks mit dem Vierkern-Comet-Lake gleichauf liegt, dafür aber mehr elektrische Leistung aufnehmen muss und das mit Abstand teuerste Notebook im Test somit auch das deutlich lauteste ist. Weil Ice Lake und Comet Lake beide in derselben 10. Generation parallel leben, war ein eindeutiger Ausgang des Duells sicherlich auch nicht Intels Ziel. Gegenüber dem Vorgänger hätte sich die 10. Generation hingegen schon signifikant in Anwendungen absetzen dürfen. Und die zweite Erkenntnis ist: das tut sie nicht.

Gegenüber dem gemeinsamen Vorgänger Whiskey Lake-U sind Leistungsgewinne in Anwendungen mit den CPUs in C940 und C640 sehr klein bis gar nicht vorhanden. Kein Wunder, dass Intel Ice Lake auch mit 28 Watt TDP angekündigt und Comet Lake in einer Sechskern-Variante präsentiert hat. Das Ice-Lake-Modell ist bisher allerdings ein reiner Papiertiger, die Comet-Lake-CPU nur in wenigen Ausführungen verfügbar. Ein Test steht noch aus. Das Dell XPS 13 2-in-1 (7390) vermochte im Test noch etwas mehr Leistung aus Ice Lake zu kitzeln, benötigt dafür aber dauerhaft 38 Watt CPU-Package-Power.

Ausspielen kann Ice Lake in der 15-Watt-Klasse seinen Architekturvorteil gegenüber Comet Lake und den Vorgängern auch bei maximal 25 Watt TDP in GPU-Anwendungen, in denen fast die doppelte Leistung erzielt wird. Hier nehmen sich der Core i7-1065G7 im Yoga C940 und der Ryzen 7 3700U im IdeaPad S540 nichts. Ein weiterer Vorteil: Thunderbolt 3 ist integriert und deshalb noch häufiger auch in kompakten Endgeräten anzutreffen.

AMD Ryzen mit Picasso zeigt sich im Test im IdeaPad S540 von Lenovo insbesondere bei langer Last in Multi-Core-Anwendungen stark, die er in der Regel für sich gewinnt, weil der Takt nicht so stark fällt wie bei den Intel-CPUs. Die profitieren in vielen Benchmarks mit kurzer Laufzeit von hohen Spitzenverbräuchen zum Start und der Single-Core-Performance, die Picasso auf Basis von Zen+ noch nicht erreichen kann. Hier wird erst Renoir mit Zen 2 einen großen Schritt vollziehen. Die Basis für einen Achtungserfolg ist in Anbetracht der Entwicklung bei Ice Lake und Comet Lake vielversprechend.

Notebook-Anwender, die überwiegend auf dem Windows-Desktop, im Browser oder in Office-Apps arbeiten, finden bei Intel also auch Ende 2019 die schnellere Plattform, ohne (große) Verluste kann aber letztendlich auch zu einem Core-Prozessor der 8. Generation („Whiskey Lake“) gegriffen werden. Wer Wert auf die Leistung der iGPU legt, der findet bei Ice Lake mit G7-Grafik oder AMD Ryzen 3000U doppelt so viel davon – ein Gaming-Notebook wird aber auch dann nicht aus dem Ultrabook.

Mit Blick auf die drei im Test verwendeten Notebooks bleibt am Ende in Erinnerung, wie stark sich das IdeaPad S540 zum Preis von 700 Euro im Test positioniert. In alltäglichen Anwendungen ist es nicht so schnell wie C640 oder C940 mit Intels CPUs, steht den Kontrahenten in Spielen und unter Dauerlast aber in nichts nach und ist dabei sogar noch angenehm leise. Weil auch das Display, die Verarbeitung, der Formfaktor und die Eingabegeräte überzeugen, ist das IdeaPad S540 definitiv einen zweiten Blick wert. Wer auf Intel schielt, darf sich hingegen auch bei der letzten Generation umsehen.

Wie schnell ist der Prozessor denn nun?

Neben Erkenntnissen zur Leistungsfähigkeit der drei getesteten CPUs hat der Artikel auch mal wieder den Aspekt, dass die gleiche CPU in unterschiedlichen Notebooks nicht gleich agieren muss, angesprochen. Früher war das Thema allerdings mit der vom Hersteller ab Werk eingestellten kurzfristigen und langfristigen Leistungsaufnahme und dem Kühlsystem abgehakt. Mittlerweile kommt quasi jedes Notebook auch noch mit Software-Profilen daher, die einen enormen Einfluss haben können, wie das nachfolgende Diagramm zeigt.

Es enthält drei Notebooks mit Core i7-1065G7 und zum Vergleich die Systeme mit Core i7-10510U und Ryzen 7 3700U sowie ein altes Modell mit Core i5-7200U mit nur zwei Kernen. Alle wurden mit allen jeweils verfügbaren Leistungsprofilen zehn Mal ohne Pause im Cinebench R15 (Multi-Core) betrieben.

Die Erkenntnis: Leistungsprofile lassen die Leistung von derselben CPU heutzutage je nach Wahl noch eklatanter streuen, als es ohne derartige Profile bisher rein auf Basis der ab Werk gewählten Konfiguration der Fall gewesen ist.

Auf der einen Seite ist das positiv, weil Anwender auf demselben Gerät noch stärker die Wahl zwischen Leistung und Akkulaufzeit haben. Dass in einigen Fällen allerdings Profile ab Werk aktiviert sind, die zwar die Akkulaufzeit erhöhen, das Versprechen nach „mehr Leistung als in der letzten Generation“ aber nicht erfüllen und viele Kunden darüber nicht informiert sein werden, stößt negativ auf. Hier fehlt es eindeutig an Transparenz.

ComputerBase hat das Yoga C940 mit Ice Lake leihweise von Intel, das Yoga C640 und IdeaPad S540 leihweise von Lenovo zum Testen erhalten. Eine Einflussnahme auf die Veröffentlichung fand nicht statt, eine Verpflichtung zur Veröffentlichung bestand nicht. Es gab kein NDA.

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