Apple MacBook Pro 16 Zoll im Test: Leistung, Lautstärke, interner Aufbau

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Nicolas La Rocco 202 Kommentare

Intels Core i9-9880H darf den Turbo zünden

Von einem MacBook Pro verlangen Anwender neben guten Eingabegeräten und Bildschirmen viel Leistung – durchweg. Und in diesem Punkt war es mit der letzten Generation der Notebook-Serie teils nicht so gut um Apple bestellt, da der Prozessor im MacBook Pro nur für kurze Zeit mit einer hohen Turbo-Taktfrequenz betrieben werden konnte, bevor die Kühlung dem Ganzen einen Strich durch die Rechnung machte. Dabei von Throttling zu sprechen, ist insofern nicht korrekt, da lediglich die Turbo-Taktfrequenzen variierten, die CPU aber nicht unterhalb des Basistaktes fiel.

Das neue MacBook Pro beseitigt dieses Manko vollständig und liefert dauerhaft eine sehr hohe Leistung ab. Der Kühlkörper für CPU und GPU ist im neuen Modell 35 Prozent größer, außerdem liefern die überarbeiteten Lüfter Herstellerangaben zufolge einen 28 Prozent höheren Luftstrom. Auf der Gegenseite, im Bereich CPU, gibt es keine Veränderungen mit Einfluss auf die Kühlung, da Apple für das MacBook Pro mangels passender 10-nm-Neuvorstellungen weiterhin auf Intels Coffee-Lake-Prozessoren aus optimierter 14-nm-Fertigung setzen muss. Das bedeutet, dass wie beim letzten MacBook Pro der Core i7-9750H, der Core i9-9880H (im Testgerät verbaut) und der Core i9-9980HK zur Auswahl stehen.

Im Vergleich zu den zuletzt getesteten Ultrabooks, die mit maximal 4 Kernen arbeiten, schneidet der Core i9-9880H mit seinen 8 Kernen und 16 Threads naturgemäß deutlich besser ab. Weit interessanter als der erste im Cinebench R15 ermittelte Multi-Core-Wert von hohen 1.427 Punkten ist die über längere Zeit abrufbare Leistung des Prozessors. Apple selbst spricht von 12 Watt höherer thermischer Verlustleistung, die abgeführt werden kann, bezieht in diese Angabe aber CPU und GPU ein.

Innenaufbau des MacBook Pro 16 Zoll
Innenaufbau des MacBook Pro 16 Zoll (Bild: iFixit)

95 Prozent der Leistung bleiben erhalten

Für den Core i9-9880H lässt sich sagen, dass Apple diesem im ersten Durchgang des Benchmarks rund 88 Watt genehmigt, bevor unter Dauerlast leicht schwankend eine Package-Power von 60 bis 65 Watt anliegt. Der Hersteller geht anfangs konservativ mit der Kühlung um, sodass die CPU im zweiten und dritten Durchgang zunächst schlechtere Messwerte als im späteren Verlauf des Tests liefert, wenn die Lüfter voll aufdrehen. Doch selbst in diesem Worst-Case-Szenario sind noch 92 Prozent der Maximalleistung abrufbar, im späteren Verlauf verbessert sich das auf 95 Prozent.

Mit einer diesmal leistungsfähigen Kühlung ausgestattet, ist es wenig verwunderlich, dass das neue MacBook Pro in den Benchmarks eine durchweg sehr hohe Leistung abliefert. Das Notebook liegt noch einmal deutlich vor dem Razer Blade 15 (Test), dessen Core i7-8750H mit 6 Kernen und 12 Threads arbeitet. Imposant sind zum Beispiel die dramatisch reduzierten Wartezeiten für das Encoding von 4K H.265 zu Full HD H.265, die mit leicht über 3 Minuten knapp halb so lange ausfallen. Wenn bei der auserkorenen Creator-Zielgruppe Zeit wirklich Geld ist, dann kommt die Leistung des MacBook Pro hier voll zum Tragen. Ebenfalls beachtlich: Das Gigabyte Aero 17 HDR mit Core i9-9980HK bei laut Anzeige 80 Watt Package Power wird in Blender knapp geschlagen.

So schnell und laut sind die Lüfter

Damit Apple diesmal eine konstant hohe Leistung im MacBook Pro anbieten kann, müssen die Lüfter einen entsprechenden Dienst leisten. Maximal drehen sich diese mit 5.600 U/min (links) sowie 5.200 U/min (rechts). Ist das der Fall, liegen vor dem Notebook gemessen (40 cm zum Scharnier) nicht gerade leise 50 dB(A) an. Glücklicherweise emittiert das Notebook dabei nicht mehr als ein zwar lautes Rauschen, aber keines mit nervigen Nebengeräuschen wie hochfrequentes Pfeifen oder Lagergeräusche der Lüfter. 50 dB(A) sind eine Ansage und das MacBook Pro ist damit unter Volllast nicht leise, aber das Rauschen zählt zu den erträglichen Varianten. Außerdem muss im Pro-Segment die Leistung Vorrang haben.

Hohe Leistung auch nur mit Akku

Erfreulich ist das Verhalten des MacBook Pro im Akkubetrieb, denn der unterscheidet sich in puncto Leistung nicht vom Betrieb mit Netzteil, wie der Versuch mit den Benchmarks in beiden Modi gezeigt hat. macOS-Nutzer müssen sich, anders als Anwender unter Windows 10, nicht mit unzähligen Windows-Leistungsprofilen sowie zusätzlichen vom Hersteller des Notebooks quälen, sondern bekommen stets die vorhandene Leistung zur Verfügung gestellt, egal ob am Netzteil oder nicht. Alles weitere regelt macOS still und leise nach dem Prinzip „It just works“ im Hintergrund.

AMD Navi löst Polaris und Vega ab

Während die Prozessoren die gleichen wie beim letzten Modell sind und nur aufgrund des besseren Kühlsystems mehr Leistung liefern, hält bei den Grafikkarten tatsächlich neue Hardware Einzug. Statt auf AMD Polaris und Vega setzt Apple nun durchweg auf Navi aus 7-nm-Fertigung. Zur Auswahl stehen insgesamt drei Varianten, wobei sich letztere nur über den VRAM unterscheiden: Radeon Pro 5300M mit 4 GB GDDR6, Radeon Pro 5500M mit 4 GB GDDR6 und Radeon Pro 5500M mit 8 GB GDDR6.

Navi 14 erstmals im Vollausbau

Mit der Radeon Pro 5500M ist Apple der erste Hersteller, der Navi 14 im Vollausbau mit 24 Compute-Units und 1.536 Stream-Prozessoren anbietet. Bei Radeon RX 5500 und RX 5500M sind hingegen nur 22 der 24 Compute-Units aktiv. Noch eine Klasse darunter liegt die Radeon Pro 5300M mit ihren 20 Compute-Units bei 1.280 aktiven Stream-Prozessoren. Apple bietet die stärkere der beiden Grafikkarten bereits ab dem zweiten Basismodell für 3.199 Euro an. Wer den zusätzlichen VRAM von 8 GB benötigt, muss 120 Euro Aufpreis respektive 240 Euro beim Basismodell für 2.699 Euro zahlen.

AMD Radeon Pro 5300M (l.) neben Core i7-9750H (r.)
AMD Radeon Pro 5300M (l.) neben Core i7-9750H (r.) (Bild: iFixit)

Auch die neuen Navi-Grafikkarten liefern deutlich mehr Leistung in Anwendungen als zu Zeiten von Polaris und Vega im MacBook Pro, wobei insbesondere zwischen Polaris und Navi der Unterschied groß ausfällt, sofern nicht der VRAM zum limitierenden Faktor wird, wo dann auch gegenüber Vega der Vorsprung deutlicher wird. Professionelle Anwendungen, die von der GPU Gebrauch machen, sind zum Beispiel der Unity-Editor, Final Cut Pro X und Blackmagic DaVinci Resolve Studio. Mangels Vergleichsgeräten sind folgende Angaben Vergleichen von Apple entnommen.

Unity-Editor
Fly-Through-Demos
Final Cut Pro X
Motion Generator Rendering
Blackmagic DaVinci Resolve Studio
Effekt-Rendering
Radeon Pro 5500M (4 GB)
vs.
Radeon Pro 560X (4 GB)
+120 Prozent +90 Prozent +75 Prozent
Radeon Pro 5500M (8 GB)
vs.
Radeon Pro Vega 20 (4 GB)
+35 Prozent +30 Prozent +80 Prozent

Spielen ja, sofern verfügbar

Aber auch abseits der professionellen Anwendungen gibt es große Zugewinne für das MacBook Pro. In Spielen sind die Navi-Grafikkarten ebenfalls klar Polaris und Vega überlegen. Hier ist der Flaschenhals eher die Anzahl der für macOS verfügbaren Spiele, wie die Redaktion auf der Suche nach aktuellen Titeln auf Steam feststellen musste. Von den über 280 Games im Archiv sind gerade mal 28 und damit rund 10 Prozent zu macOS kompatibel – viel vom Rest lässt sich streamen. Der aktuellste Titel war Rise of the Tomb Raider, bei dem es sich um den Ende 2015 vorgestellten zweiten Teil der aktuellen Tomb-Raider-Trilogie handelt, die 2018 mit Shadow of the Tomb Raider abgeschlossen wurde. Der von Feral Interactive für macOS und Linux angefertigte Port von Rise of the Tomb Raider ist seit April 2018 verfügbar.

Apple selbst attestiert dem Spiel in 1.440 × 900 mit sehr hohen Qualitäts­einstellungen und deaktiviertem Vsync eine 90 Prozent höhere Leistung mit der Radeon Pro 5500M (4 GB) statt mit der Radeon Pro 560X (4 GB) sowie eine 30 Prozent höhere Leistung im Vergleich von Radeon Pro 5500 (8 GB) zu Radeon Pro Vega 20 (4 GB). Für die eigenen Benchmarks hat ComputerBase 1.920 × 1.200 Pixel bei mittleren, hohen und sehr hohen Details mit jeweils deaktiviertem VSync gewählt. Wie bei Apple kam der integrierte Benchmark zum Einsatz. Mit mittleren sowie teils hohen Details lässt sich ein Titel wie Rise of the Tomb Raider flüssig auf dem MacBook Pro spielen.

Berggipfel Syrien Geothermales Tal
1.920 × 1.200 Mittlere Details 89,37 FPS 56,76 FPS 54,63 FPS
Hohe Details 85,05 FPS 56,02 FPS 52,80 FPS
Sehr hohe Details 81,20 FPS 52,13 FPS 42,71 FPS

Wie bei den CPU-Messungen gibt es auch bei der Grafikkarte keinen Unterschied zwischen der am Netzteil sowie der im Akkubetrieb verfügbaren Leistung.

Bis zu 64 GB RAM und 8 TB SSD-Speicher

Neben den jeweils drei Optionen für Prozessor und Grafikkarte haben Käufer bei der Auswahl von RAM und SSD viele Optionen. Hier ist zunächst anzumerken, dass Apple mit der Zeit geht und die Standardkonfigurationen hinsichtlich SSD-Kapazität jeweils verdoppelt hat, sodass nun mindestens 512 GB respektive 1 TB verbaut sind.

Den Arbeitsspeicher hat Apple mit 16 GB mengenmäßig nicht gegenüber dem letzten 15-Zoll-Ableger verändert, aber zumindest von DDR4 mit 2.400 MHz auf DDR4 mit 2.666 MHz umgestellt, um das Speicherinterface der Coffee-Lake-Prozessoren diesmal vollständig zu nutzen. Hier hatte Apple mit dem letzten Modell unnötig Potenzial verschenkt, indem der langsamere Speicher verbaut wurde. Wer mehr als 16 GB RAM benötigt, kann für 480 Euro auf 32 GB und für 960 Euro auf 64 GB aufrüsten.

Während beim RAM Notebook-Hersteller wie Acer, Asus, Gigabyte oder MSI mithalten können, steht Apple hinsichtlich der SSD-Optionen alleine auf weiter Flur. Bis zu 8 TB für je nach Basismodell bis zu 2.880 Euro Aufpreis lassen sich auswählen. Schon mit den 4 TB des letzten Modells war Apple weit vor der Konkurrenz aufgestellt, mit der Verdoppelung auf 8 TB setzt das Unternehmen dem Ganzen die Krone auf.

Die im Testgerät verbaute 1-TB-Variante liefert im AmorphousDiskMark, einem macOS-Klon des für Windows entwickelten CrystalDiskMark, 3.400 MB/s beim sequentiellen Lesen und 2.800 MB/s beim sequentiellen Schreiben. Beides sind sehr gute Werte, die sich mit den besten SSDs aktueller Windows-Notebooks messen können. Ob die SSDs mit 2 bis 8 TB noch bessere Werte liefern, ist ComputerBase nicht bekannt.

Viele verlötete Komponenten

Selbst aufrüsten ist bei SSD und RAM übrigens nicht beziehungsweise nur mit viel Aufwand möglich, da beide Komponenten mit der Hauptplatine verlötet sind. Diese Art der kompakten, aber wenig wartungsfreundlichen Fertigung ist neben anderen Eigenschaften einer der Gründe, warum das Notebook im Teardown von iFixit nur einen von zehn möglichen Punkten in Sachen Reparierbarkeit erhalten hat. Wer sich ein MacBook Pro 16 Zoll kaufen möchte, sollte sich vorher im Klaren darüber sein, welche Anforderungen auf das Gerät zukommen werden, und entsprechende Entscheidungen bei SSD und RAM treffen. Ein späteres Aufrüsten oder der Einsatz von Speicherkarten ist nicht möglich. Lediglich über die vier Thunderbolt-3-Schnittstellen oder über das Netzwerk respektive die Cloud lassen sich externe Speichermedien einbinden.

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