Radeon RX 5600 XT im Test: Customs von Asus, Gigabyte, PowerColor und Sapphire

Wolfgang Andermahr 173 Kommentare
Radeon RX 5600 XT im Test: Customs von Asus, Gigabyte, PowerColor und Sapphire

tl;dr: AMDs Radeon RX 5600 XT greift die Nvidia GeForce RTX 2060 am Preispunkt um 300 Euro an. Die Sapphire Pulse konnte sich im Test schon als sehr gut beweisen. Ob Asus' TUF, Gigabytes Gaming OC sowie PowerColors Red Dragon und Red Devil da mithalten können, zeigt der Vergleichstest. Das BIOS war immer aktuell.

Auch wenn die Radeon RX 5600 XT durch die in letzter Sekunde gelockerten BIOS-Daumenschrauben einen ziemlich holprigen Start hatte, der auch handfeste Auswirkungen für früh Käufer haben kann, taten die Änderung der Grafikkarte gut: Mit den neuen Vorgaben kann der neueste Navi-Ableger die Nvidia GeForce RTX 2060 attackieren.

Ein Referenzdesign gibt es nicht, stattdessen stehen ausschließlich Custom-Designs der Board-Partner in den Regalen. Sapphire hat mit der bereits zum Auftakt getesteten Radeon RX 5600 XT Pulse mehr als nur gut vorgelegt. Ob sich nichtsdestoweniger noch ein Konkurrent vorbeischieben kann, klärt der Artikel anhand von vier weiteren Custom-Modelle.

Custom-Designs von Asus, Gigabyte und PowerColor im Vergleich

Für den Test haben sich die Asus Radeon RX 5600 XT TUF Evo OC, die Gigabyte Radeon RX 5600 XT Gaming OC und die PowerColor Radeon RX 5600 XT Red Dragon eingefunden, die der bereits getesteten Sapphire Radeon RX 5600 XT Konkurrenz machen wollen. Darüber hinaus mischt auch die PowerColor Radeon RX 5600 XT Red Devil und damit eine Art „Premium-Light-Modell“ mit.

Dass die Red Devil „Premium“ sein soll, merkt man durchaus. Nicht unbedingt am Preis, denn die Radeon RX 5600 XT Red Devil ist mit 327 Euro nicht das teuerste Modell im Test. Die Grafikkarte wirkt aber schon optisch hochwertiger als die versammelte Konkurrenz. Darüber hinaus bietet sie als einziges Custom-Design eine ausgewachsene RGB-Beleuchtung und mit acht Spannungswandlerkreisen für die Navi-10-GPU auch die breiteste Stromversorgung.

Apropos Preis: Asus hat die Radeon RX 5600 XT TUF Evo OC in den Vergleich geschickt und damit nicht das Premium-Modell der Strix Reihe. Mit 349 Euro ist es allerdings immer noch das teuerste Custom-Design im Test. Asus rechtfertigt die Kosten unter anderem mit einer angeblich hohen Langlebigkeit und einem durchaus potenten Kühler.

Gigabyte schickt die 315 Euro teure Radeon RX 5600 XT Gaming OC ins Rennen und damit das eigene Flaggschiff, das mit dem bekannten WindForce-Kühler ausgestattet ist. PowerColor entsendet als zweites im Bunde die 309 Euro teure, optisch schlichte, aber dennoch schicke Radeon RX 5600 XT Red Dragon, deren Variante der Radeon RX 5700 zu überzeugen wusste.

4 × Altbekanntes, 1 × etwas Neues

Wenig verwunderlich handelt es sich bei den Custom-Designs der Radeon RX 5600 XT quasi durchweg um bereits von der Radeon RX 5700 bekannte Lösungen, an denen schlicht einige Bauteile ausgetauscht oder weggelassen worden sind und dann ein anderes BIOS aufgespielt wurde. Das bietet sich bei dem Exemplar auch an und ist durchaus positiv, da zum Beispiel die Kühler für die noch höhere Belastung der Radeon RX 5700 gedacht sind. Vier der fünf Modelle im Test sind so schon „altbekannt“, eine Ausnahme gibt es dann aber doch.

Gewicht der RX-5600-XT-Grafikkarten
Angabe in Gramm
Asus Radeon RX 5600 XT TUF Evo OC 1.043 g
Gigabyte Radeon RX 5600 XT Gaming OC 918 g
PowerColor Radeon RX 5600 XT Red Dragon 823 g
PowerColor Radeon RX 5600 XT Red Devil 1.049 g
Sapphire Radeon RX 5600 XT Pulse 853 g

PowerColor hat die Radeon RX 5600 XT Red Devil weiter- respektive neuentwickelt, sie hat mt der Radeon RX 5700 (XT) Red Devil nur noch wenig gemein. So sind sowohl das PCB als auch das Kühlsystem deutlich kürzer als bei dem größeren Modell, auch wenn der optische Stil geblieben ist. Darüber hinaus gibt es nur noch zwei im Durchmesser 95 mm breite Axiallüfter, die sich in Form und Höhe deutlich von dem größeren Bruder unterscheiden. Vier Heatpipes und zwei relativ große Kühlblöcke sorgen für einen schnellen Wärmetransport. Gleich geblieben ist hingegen die Slotblende, auf der der Schritzug „Red Devil“ damit weiterhin in den meisten ATX-Systemen auf dem Kopf stehen wird.

Die drei anderen Modelle sind deutlich weniger spannend, da man sie eben schon kennt – was genauso für die bereits getestete Sapphire Radeon RX 5600 XT Pulse gilt. Die Asus Radeon RX 5600 XT TUF Evo OC setzt auf ein langes PCB mit ebenso langem Kühler. Drei Axiallüfter, der mittlere ist kleiner als die äußeren, sorgen für die Frischluft.

Die Gigabyte Radeon RX 5600 XT Gaming OC ist vergleichbar lang, aber deutlich weniger wuchtig. Es wird der 2,5 Slots breite und damit der große WindForce-Kühler genutzt, der auf drei verschieden große Kühlblöcke und drei Axiallüfter zurückgreift. Die PowerColor Radeon RX 5600 XT Red Dragon nutzt den optisch schicken Dual-Slot-Kühler, der deutlich kleiner, aber dafür ziemlich hoch ausfällt. Das Design ist identisch zum Pendant auf der Radeon RX 5700 Red Dragon – inklusive der zwei Axiallüfter und auch der unangenehm scharfen Kanten, die bei großen Fingern den Einbau wortwörtlich schmerzhaft machen können.

Alle Kandidaten haben ein schnelleres BIOS bekommen

Alle vier neu getesteten Custom-Karten haben kurz vor dem Launch ein neues, schnelleres BIOS erhalten, werden im Handel aber zunächst nur mit der langsamen Software stehen, sodass der Kunde selber aktualisieren muss (Anleitung zum BIOS-Update). Von den vier Modellen verfügen beide PowerColor-Vertreter über zwei BIOS-Versionen („OC“ und „Silent“), die jeweils aktualisiert worden sind. Asus und Gigabyte belassen es dagegen bei einem BIOS auf der Karte, wobei Asus für die TUF dennoch zwei verschiedene BIOS-Versionen zum Download anbietet, wovon eins für einen leiseren Betrieb optimiert worden ist.

Die Radeon RX 5600 XT TUF Evo OC ist das einzige Modell, das den Speicher auch nach dem Update noch mit 6.000 MHz anstatt der nun erlaubten 7.000 MHz laufen lässt. Die Gigabyte Radeon RX 5600 XT Gaming OC, die PowerColor Radeon RX 5600 XT Red Dragon und die PowerColor Radeon RX 5600 XT Red Devil setzen auf 7.000 MHz. Bei der Red Devil liegen gar mit beiden BIOS-Versionen 7.000 MHz an, während es die Red Dragon und die Pulse von Sapphire beim Silent-BIOS bei 6.000 MHz belassen.

Einheitliche Monitoranschlüsse bei der RX 5600 XT
Einheitliche Monitoranschlüsse bei der RX 5600 XT

Alle getesteten Custom-Modelle erhöhen die Taktraten gegenüber der imaginären Referenz deutlich – und zwar jeweils gleich stark: Der Game-Takt beträgt immer 1.660 MHz und der maximale Boost immer 1.750 MHz. Allerdings haben die Angaben der Taktraten bei Navi beziehungsweise der neuen RDNA-Architektur kaum noch Aussagekraft. Neben den höheren Taktraten sorgen die neuen BIOS-Versionen auch für eine höhere Leistungsaufnahme. Die Gigabyte Radeon RX 5600 XT Gaming OC setzt die maximale GPU-Power auf rekordverdächtige 180 Watt, Asus belässt es dagegen bei 150 Watt, mit dem Quiet-BIOS sind es nur 135 Watt. Aber das ist ohnehin nur ein theoretischer Wert, denn über 150 Watt kommt die Radeon RX 5600 XT ohne Übertaktung nicht.

Merkmal Asus RX 5600 XT
TUF Evo OC
Gigabyte RX 5600 XT
Gaming OC
PowerColor RX 5600 XT
Red Dragon
PowerColor RX 5600 XT
Red Devil
Sapphire RX 5600 XT
Pulse
Karte PCB-Design Asus Gigabyte PowerColor PowerColor Sapphire
Länge, Breite 28,5 cm, 12,5 cm 28,5 cm, 11,5 cm 24,0 cm, 13,5 cm 24,5 cm, 13,0 cm 25,5 cm, 13,5 cm
Stromversorgung 1 × 8 Pin 2 × 8 Pin 1 × 8 Pin
Spannungswandler-
kreise (GPU)
8 5 6 8 5
Kühler Design TUF, 2,7 Slots WindForce, 2,5 Slots Red Dragon, 2,0 Slots Red Devil, 2,7 Slots Dual-X, 2,5 Slots
Kühlkörper Alu-Radiator
5 Heatpipes
Alu-Radiator
5 DT-Heatpipes
Alu-Radiator, Kupfer-Kern
5 Heatpipes
Alu-Radiator, 4 Heatpipes Alu-Radiator, Kupfer-Kern
3 Heatpipes
Lüfter 1 × 75 mm (axial)
2 × 85 cm (axial)
3 × 75 mm (axial) 2 × 95 mm (axial) 2 × 95 mm (axial) 2 × 95 mm (axial)
Lüfter abgeschaltet (2D) Ja
Anlaufdrehzahl 750 Umdrehungen 1.300 Umdrehungen 900 Umdrehungen 850 Umdrehungen 1.100 Umdrehungen
Takt
GPU-Basis 1.420 MHz
1.235 MHz (Quiet BIOS)
1.530 MHz 1.355 MHz
1.235 MHz (BIOS #2)
1.475 MHz
1.280 MHz (BIOS #2)
1.420 MHz
1.235 MHz (BIOS #2)
GPU-Durchschnitt 1.615 MHz
1.460 MHz (Quiet BIOS)
1.670 MHz 1.560 MHz
1.460 MHz (BIOS #2)
1.660 MHz
1.495 MHz (BIOS #2)
1.615 MHz
1.460 MHz (BIOS #2)
GPU Boost 1.750 MHz
1.620 MHz (Quiet BIOS)
1.750 MHz 1.620 MHz
1.620 MHz (BIOS #2)
1.750 MHz
1.620 MHz (BIOS #2)
1.750 MHz
1.620 MHz (BIOS #2)
Speicher 6.000 MHz 7.000 MHz 7.000 MHz
6.000 MHz (BIOS #2)
7.000 MHz 7.000 MHz
6.000 MHz (BIOS #2)
Speichergröße 6.144 MB GDDR6
Leistungsaufnahme Standard GPU-Power 150 Watt
135 Watt (Quiet BIOS)
180 Watt 150 Watt
135 Watt (BIOS #2)
170 Watt
140 Watt (BIOS #2)
160 Watt
135 Watt (BIOS #2)
Maximale GPU-Power +20 %
Anschlüsse 3 x DisplayPort 1.4 DSC
1 x HDMI 2.0b

Garantie beim BIOS-Update

Sämtliche Hersteller, mit denen ComputerBase über das BIOS-Update gesprochen hat, haben bestätigt, dass ein manuelles Aktualisieren keinen Einfluss auf die Garantie hat. Diese läuft ganz normal weiter und greift auch dann, wenn beim Flash-Vorgang etwas schiefgeht. Welcher Hersteller wie lange Garantie gibt und wie diese abgewickelt wird, lässt sich in diesem Artikel nachlesen.

So testet ComputerBase Grafikkarten

ComputerBase hat im Dezember 2019 das Testverfahren für Grafikkarten umgestellt. Es werden neue Spiele sowie andere Treiber verwendet und auch noch einige weitere Kleinigkeiten haben sich verändert. Es ist geplant, einen umfangreichen Benchmark-&-Methodik-Artikel zu veröffentlichen, damit jeder Leser sowohl die einzelnen Benchmarks als auch das Testverfahren genau nachvollziehen können. Allerdings ist dieser schlicht noch nicht fertig und wird noch etwas Zeit in Anspruch nehmen.

An der eingesetzten Hardware hat sich fast nichts geändert. Es kommt immer noch ein mit Intels Vorgaben laufender Core i9-9900K zum Einsatz, der mit einem 32 GB großen DDR-3200-Speicher zusammenarbeitet. Auch beim Gehäuse, dessen Lüfterbestückung und an den übrigen Kernelementen des Testsystems und den Testverfahren hat sich nichts geändert. Windows 10 wurde dagegen in der Version 1909 neu installiert. Für die Radeon RX 5600 XT wird als Treiber ein angepasster Adrenalin 20.1.1 genutzt.

Alle nachfolgenden Betrachtungen und Benchmarks wurden mit einem finalen BIOS durchgeführt.

Die tatsächlichen Taktraten unter Last

Wie Sie sehen, sehen Sie nichts. Oder zumindest sehr wenig. Schlussendlich lässt sich sagen, dass alle Custom-Designs der Radeon RX 5600 XT in der Praxis gleich takten. Egal wie viel Energie die GPU nutzen darf, egal welche maximalen Taktraten die Board-Partner angeben. Zwar gibt es hier und dort kleinere Unterschiede, doch ob eine Grafikkarte 20 MHz höher taktet als die andere, macht schlussendlich keinen Unterschied.

Die tatsächlichen Taktraten im Phanteks Enthoo Evolv X
Spiel (1.920 × 1.080) Asus TUF Asus TUF
Quiet-BIOS
Gigabyte Gaming OC PowerColor Red Dragon
BIOS #1
PowerColor Red Dragon
BIOS #2
PowerColor Red Devil
BIOS #1
PowerColor Red Devil
BIOS #2
Sapphire Pulse
BIOS #1
Sapphire Pulse
BIOS #2
Borderlands 3 1.709–1.720 MHz 1.695–1.717 MHz 1.706–1.716 MHz 1.702–1.720 MHz 1.701–1.719 MHz 1.706–1.715 MHz 1.689–1.703 MHz 1.698–1.724 MHz 1.690–1.728 MHz
F1 2019 1.666–1.692 MHz 1.672–1.692 MHz 1.689–1.710 MHz 1.670–1.698 MHz 1.671–1.695 MHz 1.667–1.692 MHz 1.670–1.692 MHz 1.682–1.710 MHz 1.673–1.703 MHz
Metro Exodus 1.664–1.689 MHz 1.664–1.690 MHz 1.690–1.703 MHz 1.656–1.688 MHz 1.657–1.691 MHz 1.651–1.695 MHz 1.635–1.682 MHz 1.685–1.720 MHz 1.637–1.675 MHz
Red Dead Redemption II 1.678–1.720 MHz 1.681–1.720 MHz 1.690–1.721 MHz 1.685–1.717 MHz 1.681–1.721 MHz 1.673–1.706 MHz 1.665–1.704 MHz 1.701–1.737 MHz 1.691–1.731 MHz
Shadow of the Tomb Raider 1.701–1.722 MHz 1.693–1.722 MHz 1.707–1.725 MHz 1.705–1.725 MHz 1.681–1.721 MHz 1.686–1.723 MHz 1.684–1.723 MHz 1.699–1.741 MHz 1.689–1.724 MHz

Doch warum takten alle Radeon RX 5600 XT gleich? Bei der Radeon RX 5700 XT und der Radeon RX 5700 gibt es ja auch Unterschiede zwischen den einzelnen Modellen und alle drei Grafikkarten setzen auf dieselbe GPU. Das hat primär zwei verschiedene Gründe. Zum einen gibt es von AMD auch mit dem neuen BIOS immer noch ein ziemlich striktes Korsett, was die maximal erlaubten Taktraten angeht. Nur so lässt sich verhindern, dass Radeon RX 5600 XT und Radeon RX 5700 gleich schnell sind. Und genau dieses Korsett nutzen die Custom-Designs durchweg aus.

Zweitens kommt hinzu, dass die Navi-10-GPU auf der Radeon RX 5600 XT für die anvisierten Taktraten schlicht zu wenig Energie benötigt, um von einem höheren Powerlimit zu profitieren. Mindestens 135 Watt darf der Navi 10 auf den Karten immer nutzen und dies sind für die 1.700 MHz genug. Erhöht ein Modell nun dieses Limit, hast das keine Auswirkung auf den Takt.

Eine (einzige) Ausnahme gibt es dann aber doch

Was die GPU-Power auf der Radeon RX 5600 XT in die Höhe treiben lässt, ist der höhere Speichertakt von 7.000 MHz anstatt 6.000 MHz. Dann reichen die 135 Watt nicht mehr durchweg für den maximalen Takt aus und es macht sich ein höheres Powerlimit positiv bemerkbar. Mehr als 150 bis 160 Watt werden so aber auch nicht benötigt.

Das zeigt sich gut in Metro Exodus. Alle Modelle erreichen einen ähnlichen Takt, nur die PowerColor Radeon RX 5600 XT Red Devil fällt mit dem zweiten BIOS um rund 50 MHz zurück. Das liegt daran, dass PowerColor den Speicher auch mit dem zweiten BIOS mit 7.000 MHz ansteuert, das Powerlimit für die GPU aber nur noch 140 Watt beträgt. Das reicht dann knapp nicht mehr aus. Da alle anderen Custom-Designs bei einem hohen Speichertakt aber mindestens 150 Watt erlauben, ist dies die einzige Ausnahme.

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