Radeon RX 5600 XT im Test: Lautstärke, Temperatur, Leistungsaufnahme und Übertaktung

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Wolfgang Andermahr 647 Kommentare

Lautstärke & Kühlung

Beim Spielen kommt die Sapphire Radeon RX 5600 XT Pulse auf einen Geräuschpegel von 31,5 Dezibel, was sehr leise ist. Die Lüfter drehen nur mit 1.130 Umdrehungen in der Minute, sodass die Grafikkarte zwar durchaus leicht zu hören ist, dies beim Spielen aber eigentlich kaum bis gar nicht auffällt.

Wem das immer noch zu laut ist, der kann auf das zweite BIOS zurückgreifen. Mit diesem wird die Drehzahl auf gar nur noch 830 Umdrehungen gesenkt, was die Lautstärke auf 30 Dezibel reduziert. Dann muss beim Spielen schon ganz genau hingehört werden, um die Grafikkarte herauszuhören – und der übrige PC ebenfalls flüsterleise agieren. Derselbe Kühler wird auf der Radeon RX 5700 Pulse mit 1.510 Umdrehungen und 38 Dezibel deutlich lauter.

Während die Lüfter einen guten Job erledigen und nicht negativ auffallen, hat zumindest das Testmuster etwas mit elektronischen Störgeräuschen zu kämpfen. Das Problem kennt zwar jede Grafikkarte, die kleine Sapphire aber etwas mehr als gewöhnlich. Die gute Nachricht ist lediglich, dass es ein zurückhaltendes Rasseln ist. Auch im Gehäuse verbaut hört man es aber heraus. Ein Grund dafür sind auch die geringen Lüftergeräusche, lautere Kühler übertönen diese Störgeräusche in der Regel. Auf dem Windows-Desktop arbeitet die Grafikkarte geräuschlos, da die Lüfter stillstehen.

Wie heiß werden die Grafikkarten?

Obwohl die Lüfterdrehzahl gering ist, bleibt die Grafikkarte kühl. Die GPU-Temperatur liegt mit 75 Grad Celsius im guten Mittelfeld. Die Hotspot-Temperatur des Rechenkerns beträgt 83 Grad Celsius, der Hotspot des Speichers 80 Grad Celsius. Und die Kartenrückseite erwärmt sich auf 56 Grad Celsius. Damit gibt es eine Menge Reserven, bevor es auch nur in irgendeiner Art problematisch wird.

Mit dem zweiten BIOS ändern sich die Temperaturen kaum, da die Lüftersteuerung versucht, genau jene wieder zu erreichen, und bei weniger Verbrauch schlicht die Lüfter langsamer agieren lässt. Die GPU wird dann 74 Grad Celsius warm, der Hotspot beträgt 84 Grad Celsius, die des Speichers 82 Grad Celsius. Auf der Kartenrückseite lassen sich erneut 56 Grad Celsius messen.

Messung der Leistungsaufnahme

AMDs Navi-10-GPU ist genügsam auf dem Windows-Desktop und das gilt auch für die Sapphire Radeon RX 5600 XT Pulse. Mehr als 7 Watt werden für den Desktop nicht benötigt. Beim Abspielen eines UHD-Videos mit 60 FPS auf YouTube steigt der Energiehunger dagegen deutlich an. Allerdings benötigt die Grafikkarte mit 28 Watt immer noch etwas weniger als die Radeon RX 5700 und die Radeon RX 5700 XT, schlussendlich aber immer noch ein gutes Stück mehr als die Konkurrenzprodukte von Nvidia.

Der Stromhunger im Spielen

Im Spielebetrieb kommt die Sapphire Radeon RX 5600 XT Pulse im Durchschnitt auf eine Leistungsaufnahme von 165 Watt. Mit dem langsameren BIOS reduziert sich der Messwert um 19 Watt auf 146 Watt – und genau dort sollte auch eine Radeon RX 5600 XT liegen, die sich an AMDs Referenzvorgaben hält.

Mit den 165 Watt liegt die Leistungsaufnahme dicht an jener der Radeon RX 5700, die auf 176 Watt kommt. Die GeForce RTX 2060 kommt auf 160 Watt und erzielt damit einen sehr ähnlichen Messwert.

AMDs alte Produkte liegen deutlich dahinter. Obwohl die Radeon RX 590 spürbar langsamer ist, benötigt die Grafikkarte mit 222 Watt viel mehr Energie. Die Kombination aus 7-nm-Prozess und effizienterer RDNA-Architektur macht sich positiv bemerkbar. Und die Radeon RX Vega 64 braucht für die vergleichbare Performance mit 299 Watt fast doppelt so viel Strom.

Mit dem zweiten BIOS und damit einer Leistungsaufnahme von 146 Watt arbeitet die Radeon RX 5600 XT ein gutes Stück effizienter. Die Grafikkarte benötigt dann nur 16 Watt mehr als die Radeon RX 5500 XT, ist aber deutlich schneller. Während die GeForce GTX 1660 Super mit 122 Watt nochmal ein Stück sparsamer ist, benötigt Nvidias Konkurrenzmodell, die GeForce RTX 2060, mit 160 Watt etwas mehr Energie.

Die Energieeffizienz als Performance pro Watt

Werden Leistungsaufnahme und Leistung ins Verhältnis gesetzt, zeigt sich: Die Radeon RX 5600 XT ist eine energieeffiziente Grafikkarte, die sich erfolgreich mit Nvidias Turing-Generation anlegt und diese nicht durchweg, aber zu einem Großteil schlägt. Arbeitet die neue Grafikkarte nach AMDs Spezifikationen, liefert nur die GeForce GTX 1660 Super minimal mehr FPS pro Watt, allen anderen Grafikkarten ist die Radeon RX 5600 XT dann aber überlegen. So arbeitet das dritte Navi-10-Modell um sechs Prozent effizienter als die GeForce RTX 2060. Auch mit dem neuen und schelleren BIOS liegt die Radeon RX 5600 XT noch vor der Konkurrenzkarte.

Mit dem neuen Performance-BIOS ist die Effizienz immer noch gut, leidet aber natürlich an der deutlich gestiegenen Leistungsaufnahme. Konkret ergeben sich 17 Prozent weniger FPS pro Watt als mit dem langsameren zweiten BIOS. Nichtsdestoweniger bleibt die Grafikkarte damit immer noch so effizient wie die Radeon RX 5700 oder die GeForce RTX 2060. Durch das Tuning in letzter Sekunde wird die Radeon RX 5600 XT also nicht zum Schluckspecht.

Übertakten ist kaum möglich

Die Sapphire Radeon RX 5600 XT Pulse lässt sich kaum übertakten. Das liegt nicht an der Hardware als solcher, vielmehr hat AMD am Ende dann doch ein paar Grenzen gesetzt. Die GPU lässt sich so nur um 40 MHz übertakten und der Speicher um 440 MHz, bevor der Treiber limitiert. Ohne das schnellere BIOS hätte es mehr Spielraum gegeben, mit dem BIOS ist das potentielle Leistungsplus hingegen schon ab Werk zum Großteil aufgebraucht worden. Immerhin: Den kleinen Spielraum macht die Radeon RX 5600 XT Pulse problemlos mit.

Die Geschwindigkeit erhöht sich damit je nach Spiel um weitere 4 bis 6 Prozent. Für die Geringfügigkeit der Änderungen ist das erstaunlich viel.

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