Radeon RX 5600 XT im Test: Doch noch ein Konkurrent für die GeForce RTX 2060

Wolfgang Andermahr 647 Kommentare

tl;dr: Mit der Radeon RX 5600 XT platziert AMD eine Grafikkarte auf Augenhöhe zur Nvidia Geforce RTX 2060. Beide nehmen sich bei der Leistung nichts, bieten (nur) 6 GB und kosten vergleichbar viel. Damit AMD der GeForce RTX 2060 nahe kommt, war allerdings ein BIOS-Update nötig, das selbst Partner überrascht hat.

Update 28.01.2020 09:06 Uhr

Bei den Arbeiten am geplanten Custom-Design-Vergleichstest zur Radeon RX 5600 XT ist der Redaktion aufgefallen, dass alle dort vertretenen Partnerkarten mit Silent-BIOS mehr elektrische Leistung aufnehmen als die Sapphire Radeon RX 5600 XT Pulse im initialen Test und hat bei diesem Modell noch einmal nachgemessen. Es zeigt sich: Auch wenn Sapphire auf eine geringe Leistungsaufnahme geachtet hat, so niedrig wie in diesem Artikel zuvor verkündet, ist der Energiehunger nicht.

Die neuen Messungen bestätigen den Stromverbrauch mit dem neuen schnellen BIOS der Sapphire Radeon RX 5600 XT Pulse, den des langsameren BIOS aber nicht. Die korrekte Leistungsaufnahme beim Spielen beträgt rund 15 Watt mehr als zuvor geschrieben.

ComputerBase hat die korrigierten Messwerte im Artikel eingetragen, entsprechende Textstellen angepasst und bittet den Fehler zu entschuldigen. Die Ursache für die falsche Angabe konnte im Nachhinein nicht mehr festgestellt werden.

Kleinere Änderungen kurz vor der Präsentation einer neuen Grafikkarte sind zwar selten, gibt es hin und wieder aber dann doch mal. Davon bekommt der Endkunde gewöhnlich nichts mit und um mehr als zum Beispiel eine leicht angepasste Lüftersteuerung per BIOS oder Treiber handelt es sich eigentlich nie.

Ein neues BIOS in letzter Minute

Auch bei der Radeon RX 5600 XT hat AMD wenige Tage vor dem Markstart ein neues BIOS angekündigt und kurzfristig auch für das offizielle Testmuster verteilt. Board-Partner sind über das Wochenende gefolgt oder müssen noch liefern. In diesem Fall ändert das BIOS allerdings nicht nur Randparameter, sondern betrifft direkt und signifikant die Leistung der Grafikkarte, wenn der Partner es denn will.

In aller Kürze: Angekündigt hatte AMD die Grafikkarte mit einer „Total Board Power“ von 150 Watt, einem typischen Spieletakt von 1.375 MHz und 6000 MHz Speichertakt. Und wichtig: Bei diesen von CEO Dr. Lisa Su in Las Vegas genannten Spezifikationen bleibt es offiziell auch!

Hinter den Kulissen hat es AMD den Partnern (und es wird nur Partnerkarten geben) allerdings erlaubt, die GPU auf Wunsch mehr Leistung aufnehmen und höher takten zu lassen. Darüber hinaus darf der Speicher mit bis zu 7.000 MHz angesprochen werden, vorher waren 6.000 MHz gesetzt. Ein Blick auf das neue und das alte primäre BIOS der Sapphire Pulse zeigt die Veränderungen. Sie rücken die Leistung der Grafikkarte auf dem Papier deutlich in Richtung Radeon RX 5700.

Radeon RX 5600 XT
(laut AMD am 6. Januar)
Sapphire RX 5600 XT Pulse
mit altem BIOS
Sapphire RX 5600 XT Pulse
mit neuem BIOS
Game-Takt 1.375 MHz 1.560 MHz 1.615 MHz
Boost-Takt 1.560 MHz bis zu 1.620 MHz bis zu 1.750 MHz
Speichertakt 6.000 MHz 6.000 MHz 7.000 MHz
Board-Power 150 Watt ? ?
GPU-Power ? 150 Watt 160 Watt

Alle nachfolgenden Betrachtungen und Benchmarks wurden mit dem finalen BIOS durchgeführt. Weitere Details zu den per BIOS angestoßenen Änderungen und ein Blick hinter die Kulissen liefert hingegen der Abschnitt Mehr Takt per neuem BIOS in letzter Minute.

Radeon RX 5600 XT vs. GTX 1660 Super vs. RTX 2060

Die auf der CES angekündigte Radeon RX 5600 XT soll sich laut AMD offiziell mit der GeForce GTX 1660 Super anlegen und die perfekte 1080p-Grafikkarte sein. Das finale Produkt ist jetzt allerdings zu mehr fähig: Auch Nvidias GeForce RTX 2060 wird bei der Leistung erreicht. Kein Wunder, dass Nvidia dieses Modell vor ein paar Tagen bereits im Preis gesenkt hat.

Das Ziel erreicht AMD wie bei der Radeon RX 5700 (XT) mit der Navi-10-GPU, die sogar exakt so viele Einheiten aufweist wie die Radeon RX 5700 ohne „XT“. Das Speicherinterface ist dagegen beschnitten worden, was die Bandbreite deutlich reduziert. Und statt 8 GB finden sich auf der Radeon RX 5600 XT nur noch 6 GB wieder. AMD setzt für das Produkt einen Preis von 299 Euro an, sodass die Grafikkarte in direkter Konkurrenz mit der GeForce RTX 2060 steht. Die Radeon RX 5700 kostet offiziell 369 Euro, ist mittlerweile aber bereits ab 309 Euro lieferbar.

Die Sapphire Radeon RX 5600 XT Pulse im Test

Für den Test hat sich die Sapphire Radeon RX 5600 XT Pulse und damit das Basismodell des Herstellers eingefunden – darüber tritt voraussichtlich zu einem späteren Zeitpunkt das Nitro+-Modell an. Die Radeon RX 5600 XT Pulse basiert bei PCB und Kühler auf der Radeon RX 5700 Pulse, sodass dank geringerer Leistungsaufnahme ein leiser Betrieb möglich sein sollte.

Die Sapphire Radeon RX 5600 XT im Test

Navi 10 3.0: Der Speicher macht den Unterschied

Auch wenn die Gerüchte der Radeon RX 5600 XT lange Zeit eine eigene GPU angedichtet haben, setzt AMD nach der Radeon RX 5700 XT und der Radeon RX 5700 zum dritten Mal auf Navi 10. 36 der physikalisch vorhandenen 40 Compute-Units sind auf der GPU aktiviert, was 2.304 Shader-Einheiten ergibt – exakt so viel wie auf der Radeon RX 5700. Einen Leistungsunterschied sollen andere Anpassungen ergeben, nach dem BIOS-Eingriff ist es je nach Partnerkarte aber eigentlich nur noch eine. Eine weitere betrifft die Speicherkapazität.

Weniger (und langsamerer) Speicher

So wurde ein 64-Bit-Speichercontroller deaktiviert, weshalb das Speicherinterface nur noch 192 Bit statt 256 Bit breit ist und die Speicherbandbreite bei gleichem Takt um ein Drittel niedriger ausfällt. Der fehlende Controller macht einen Speicherausbau von 8 GB unmöglich. Die Radeon RX 5600 XT bietet deshalb nur 6 GB, was bei Nvidia nichts Ungewöhnliches mehr ist, für AMD aber eine Premiere darstellt – mit Polaris sind 8 GB RAM bei AMD schon seit Jahren in dieser Klasse gesetzt. Offiziell sinkt der Takt von 7.000 auf 6.000 MHz, doch Partner dürfen auch wieder auf 7.000 MHz gehen.

Auch die Taktraten fallen in den unverändert von AMD publizierten Spezifikationen gegenüber der Radeon RX 5700 deutlich. Partnerkarten mit neuem BIOS zeigen allerdings, dass der Unterschied gar nicht so groß ist.

AMD Radeon RX 5500 XT AMD Radeon RX 5600 XT AMD Radeon RX 5700 Nvidia GeForce RTX 2060
Chip: Navi 14 Navi 10 TU106
Transistoren: ca. 6,4 Mrd. ca. 10,3 Mrd. ca. 10,8 Mrd.
Fertigung: TSMC 7 nm TSMC 12 nm
Shader-Einheiten: 1.408 2.304 1.920
Basis-Chiptakt: 1.607 MHz 1.375 MHz 1.465 MHz 1.365 MHz
Maximaler Chiptakt: 1.845 MHz 1.560 MHz 1.705 MHz 1.875 MHz
TFLOPs (FP32): 5,2 TFLOPs 7,2 TFLOPs 7,9 TFLOPs 7,2 TFLOPs
TFLOPs (FP16): 10,4 TFLOPs 14,4 TFLOPs 15,7 TFLOPs 14,4 TFLOPs
KI-Kerne: Keine 240
TFLOPs (FP16) mit KI: Nein 57,6 TFLOPs
Raytracing: Nein
ROPs: 32 64 48
Pixelfüllrate: 45 GPix/s 100 GPix/s 109 GPix/s 90 GPix/s
TMUs: 88 144 120
Texelfüllrate: 162 GTex/s 225 GTex/s 246 GTex/s 225 GTex/s
DirectX (Feature-Level): 12_1
Speichergröße: 8 GB GDDR6 6 GB GDDR6 8 GB GDDR6 6 GB GDDR6
Speichertakt: 7.000 MHz
Speicherinterface: 128 Bit 192 Bit 256 Bit 192 Bit
Speicherbandbreite: 224 GB/s 336 GB/s 448 GB/s 336 GB/s
Leistungsaufnahme Typisch/Maximal: 130 Watt 150 Watt 185 Watt ?/160 Watt

Die Sapphire Radeon RX 5600 XT Pulse im Detail

Partner können die Radeon RX 5600 XT auf der Plattform der Radeon RX 5700 umsetzen und genau das macht Sapphire bei der Radeon RX 5600 XT Pulse. Schlussendlich handelt es sich um eine Radeon RX 5700 Pulse mit einem anderen BIOS, weniger Speicherbausteinen und einer etwas anderen Bestückung der Platine (z.B. 5+1+1 statt 7+1+1 Spannungswandlerkreise) für den Preis von 299 Euro. Davon abgesehen ist aber alles identisch. Die Sapphire Radeon RX 5700 Pulse kostet im Handel aktuell 329 Euro.

Auf dem PCB fehlen zwei Speicher-Chips und eine Phase bei der Stromversorgung

Die Radeon RX 5600 XT Pulse ist vergleichsweise kompakt, klein ist die Grafikkarte aber auch nicht. Vor allem ist das Modell mit 13,5 cm ziemlich hoch. Für den Betrieb wird weiterhin ein Acht-Pin-Stromstecker benötigt.

Beim Dual-X-Kühler gibt es keinen Unterschied zwischen beiden Modellen. Es gibt einen einzigen großen Alu-Kühlblock, in direktem Kontakt mit der Navi-10-GPU steht allerdings Kupfer. Drei Heatpipes sorgen für den schnelleren Wärmetransport. Für die Frischluft sind zwei im Durchmesser 95 mm große Axiallüfter zuständig, die bei niedrigen GPU-Temperaturen stillstehen. Auf der Rückseite gibt es eine Alu-Backplate.

PCB und Kühler der Radeon RX 5600 Pulse sind von der RX 5700 bekannt

Das Primär-BIOS übertaktet auch den Speicher deutlich

Wessen Radeon RX 5600 XT Pulse noch über die alten BIOS-Versionen verfügt, kann die neuen und schnelleren Versionen bei Sapphire selber herunterladen. Neben den neuen BIOS-Dateien findet sich in dem Download auch eine Installationsanleitung.

Sapphire stattet die Radeon RX 5600 XT Pulse mit zwei verschiedenen BIOS-Versionen aus. Das alternative BIOS orientiert sich auch in finaler Fassung an AMDs Vorgaben. Der Game-Takt ist mit 1.460 MHz angegeben, der Boost-Takt mit bis zu 1.620 MHz. Die GPU darf sich maximal 135 Watt genehmigen, was allerdings ein Wert ist, den die Grafikkarte mit dem alternativen BIOS schlicht nicht erreicht.

RX 5600 XT Pulse
Primär-BIOS (BIOS #1)
RX 5600 XT Pulse
Sekundär-BIOS (BIOS #2)
GPU-Boost Bis zu 1.750 MHz Bis zu 1.620 MHz
GPU-Power 160 Watt 135 Watt
Speichertakt 7.000 MHz 6.000 MHz

Das primäre, werkseitig aktive BIOS weicht davon und damit auch von AMDs Referenzvorgaben massiv ab, denn Sapphire nutzt die von AMD kurz vor Launch gelockerten BIOS-Restriktionen intensiv aus. Für das Primär-BIOS der Radeon RX 5600 XT Pulse gelten ein Game-Takt von 1.615 MHz und ein maximaler Boost von 1.750 MHz und damit ein heftiges Plus von 240 MHz respektive 190 MHz zur Referenz. Darüber hinaus wird der Speicher von 6.000 MHz auf 7.000 MHz „übertaktet“. Und die GPU darf sich bis zu 160 Watt genehmigen. Damit gibt es einen ziemlich großen Leistungsunterschied zwischen den zwei BIOS-Versionen.

Die Radeon RX 5600 XT Pulse bietet Standard-Anschlüsse

Davon abgesehen ist die Radeon RX 5600 XT Pulse eine recht einfach gehaltene Grafikkarte. Besondere Features gibt es nicht und die RGB-Beleuchtung fällt mit dem Sapphire-Schriftzug schlicht aus. Monitore können von drei DisplayPort-1.4-Ausgängen mit DSC-Kompression oder einem HDMI-2.0b-Anschluss angesteuert werden.

Merkmal Sapphire Radeon RX 5600 XT Pulse
Karte PCB-Design Sapphire
Länge, Breite 25,5 cm, 13,5 cm
Stromversorgung 1 × 8 Pin
Kühler Design Dual-X, 2,5 Slots
Kühlkörper Alu-Radiator, Kupferkern
3 Heatpipes
Lüfter 2 × 95 mm (axial)
Lüfter abgeschaltet (2D) Ja
Anlaufdrehzahl 1.100 Umdrehungen
Takt
GPU-Basis 1.420 MHz
1.235 MHz (BIOS #2)
GPU-Durchschnitt 1.615 MHz
1.460 MHz (BIOS #2)
GPU-Maximum 1.750 MHz
1.620 MHz (BIOS #2)
Speicher 7.000 MHz
6.000 MHz (BIOS #2)
Speichergröße 6.144 MB GDDR6
Leistungsaufnahme Standard GPU-Power 160 Watt
135 Watt (BIOS #2)
Maximale GPU-Power 192 Watt
162 Watt (BIOS #2)
Anschlüsse 3 x DisplayPort 1.4 DSC
1 x HDMI 2.0b

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