Fractal Design Era ITX im Test: Testergebnisse und Fazit

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Valentin Karnehm 82 Kommentare

Testmethodik und Testsystem

Die CPU, ein Ryzen 7 2700X, wurde mit einer AiO-Wasserkühlung, der Corsair Hydro H100i Platinum 240 mm, gekühlt. Sie wurde so im Deckel montiert, dass die Lüfter die Luft von unten nach oben aus dem Gehäuse befördern. Wie in der Einleitung bereits erwähnt, wurde eine Variante mit Holzdeckel getestet. Letzterer wurde für die Tests allerdings entfernt und mit dem perforierten Deckel getauscht, um die Abluft der AiO-Wasserkühlung nicht zu behindern. Lediglich im Idle und Office-Betrieb wurden tatsächlich zwei unterschiedliche Messungen mit Holzdeckel und mit perforiertem Deckel durchgeführt. Neben den zwei Lüftern der AiO wurde zudem der dem Lieferumfang beiliegende 80-mm-Lüfter, ein Fractal Design SSR3 80 mm, ausblasend im Heck montiert.

Verwendetes Messsystem
Komponente
CPU Ryzen 7 2700X
Mainboard MSI B350I PRO AC
Arbeitsspeicher G.Skill TridentZ DDR4-3200
Grafikkarte Gigabyte GeForce RTX 2070 Mini ITX 8G
CPU-Kühler Corsair Hydro H100i Platinum 240 mm
Netzteil Corsair SF450 Platinum (450 W)
Datenträger SanDisk Ultra SSD (256 GB)
Era ITX mit Hardware
Era ITX mit Hardware

Die Lautstärke wurde im Abstand von einem Meter zur Gehäusewand aufseiten des Mainboards gemessen. Der Geräuschpegel ohne aktive Geräuschquellen im Raum lag bei 28 dB. Die Skalierung der Einheit Dezibel (dB) erfolgt logarithmisch. Das bedeutet, dass eine Steigerung von 10 dB etwa einer Verdopplung der Lautstärke für das menschliche Empfinden entspricht.

Benchmarks zur Leistung

Für den Test wurde relativ leistungshungrige Hardware verbaut, um die Kühlmöglichkeiten im Era ITX ausgiebig testen zu können. Der verwendete CPU-Kühler Corsair Hydro H100i Platinum 240 mm schafft es ohne Mühe, den verbauten Ryzen 7 2700X mit einer TDP von 105 W unter Volllast zu kühlen. Der im Desktop mit potenter Kühlung immer mögliche Multi-Core-Turbo von 4,3 GHz wird auch im Extremszenario Prime95 dauerhaft erreicht.

Die verwendete Grafikkarte, die Gigabyte GeForce RTX 2070 Mini ITX 8G, ist trotz ihrer geringen Größe erstaunlich leistungsfähig. Die Taktraten unter Dauerlast lagen im Test mit 1.700 bis 1.800 MHz im Rahmen der Erwartungen. An dieser Stelle sei angemerkt, dass das Gehäuse in der gewählten Konfiguration ausreichend Platz für eine deutlich größere und damit auch leistungsfähigere und leisere Grafikkarte bieten würde.

Für den Test wurden die Betriebspunkte Idle (also ohne Anwendungen), Office und YouTube, „Fordernde Last“ im Spiel Shadow of the Tomb Raider sowie „Synthetische Last“ unter Prime95 und FurMark ausgewählt.

Temperatur

Die Raumtemperatur lag zum Zeitpunkt des Tests bei 25 °C. Im Idle und Office-Betrieb liegen die Temperaturen der GPU erwartungsgemäß unter 40 °C, trotz Zero-rpm-Mode der Grafikkarte. Spannend sind hier vor allem die Temperaturen der CPU, die einmal mit Holz- und einmal mit perforiertem Deckel gemessen wurden. Während die CPU mit perforiertem Deckel auf 38 °C kommt, liegt sie mit Holzdeckel im Idle bereits bei 42 °C. Deutlicher zeigt sich dieser Unterschied bei Office-Anwendungen. Hier beträgt die Temperaturdifferenz zwischen Holzdeckel und perforiertem Deckel immerhin fast acht Kelvin. Damit liegt die Temperatur der CPU in diesem Szenario bereits fast so hoch wie im Spiel „Shadow of the Tomb Raider“ mit perforiertem Deckel und 51 °C. Auch unter synthetischer Volllast von Prime95 steigen die Temperaturen der CPU nicht über eine Maximaltemperatur von 64,5 °C. Diese platziert sich damit weit unterhalb des kritischen Bereichs, sofern der perforierte Deckel verwendet wird. Auch die Grafikkarte bewegt sich unter anliegender Dauerlast im Spiel „Shadow of the Tomb Raider“ mit einer Maximaltemperatur von 72 °C absolut im grünen Bereich. So wäre für CPU wie auch GPU noch Spielraum für Übertaktung oder eine Reduzierung der Lautstärke auf Kosten der Temperatur möglich.

Temperaturen
Einheit: °C
  • Holz:
    • GPU Idle
      38,5
    • CPU Idle
      42,0
    • GPU Office/YouTube
      40,0
    • CPU Office/YouTube
      47,5
  • Mesh:
    • GPU Idle
      38,5
    • CPU Idle
      38,0
    • GPU Office/YouTube
      39,5
    • CPU Office/YouTube
      40,0
    • GPU (Shadow of the Tomb Raider)
      72,0
    • CPU (Shadow of the Tomb Raider)
      51,0
    • GPU Prime95+FurMark
      69,5
    • CPU Prime95+FurMark
      64,5

Lautstärke

Der Lautstärke kommt zugute, dass die Grafikkarte einen Idle-Modus besitzt. Dieser schaltet den Lüfter komplett ab, wenn die Temperatur der GPU unter 55 °C verweilt oder fällt. Im Idle stellt die AiO-Wasserkühlung mit ihrer Pumpe daher die Hauptgeräuschquelle dar. Die Pumpe ist mit gespitzten Ohren im Idle tatsächlich aus dem System herauszuhören, es resultieren 33 dB. Damit befindet sich die Lautstärke des Systems im Idle sowie auch im Office-Betrieb oder in YouTube im nicht störenden Bereich, egal welcher Deckel verwendet wird. Unter Last hingegen, gleich ob synthetisch oder in Spielen, übertönt die Grafikkarte mit bis zu knapp 42 dB die restliche Hardware deutlich. Der Vergleich mit anderen kürzlich auf ComputerBase getesteten Kleinstgehäusen zeigt, dass die Grafikkarte auch hier genügend frische Luft bekommt und die Lüftungsschlitze am Boden sowie die Staubfilter den Luftstrom nicht übermäßig behindern.

Lautstärke
Einheit: dB(A)
  • Maximalwerte:
    • Idle Holz
      33,0
    • Idle Mesh
      33,0
    • Office/YouTube Holz
      33,0
    • Office/YouTube Mesh
      33,0
    • Prime95+FurMark
      41,0
    • Spiele (Shadow of the Tomb Raider)
      42,0
  • Durchschnittswerte:
    • Idle Holz
      33,0
    • Idle Mesh
      33,0
    • Office/YouTube Holz
      33,0
    • Office/YouTube Mesh
      33,0
    • Prime95+FurMark
      38,5
    • Spiele (Shadow of the Tomb Raider)
      40,5

Fazit

Fractal Design strebt mit dem Era ITX hin zu einer bisher von diesem Hersteller nicht gekannten Eleganz und traut sich damit gleich in mehrerer Hinsicht etwas Neues. Zum einen die geschwungene Außenkontur bzw. die geschwungenen Seitenteile, die das Gehäuse weniger wie einen Kasten wirken lassen. Zum anderen wagt sich Fractal Design mit dem Era ITX an den Baustoff Holz, der in vielen anderen technischen Branchen wie beim Interieur von Autos oder bei Lautsprechern als besonders edel gilt. Diese Kombination der leicht gerundeten Formen und des weicher wirkenden Holzdeckels gibt dem Era ITX einen besonderen Look, der bei der Konkurrenz so nicht zu finden ist.

Doch auch das Era ITX zeigt einige Schwächen. Das Blech am Heck ist so dünn, dass es sich bereits mit geringer Kraft manuell verbiegen lässt. Zudem sind die Schraubenköpfe des Hecklüfters viereckig, sodass sie das Blech bei der Montage aufspreizen können. Der größte Kritikpunkt trifft allerdings die Umsetzung des Gehäusedeckels. Gerade der Holzdeckel ist das zentrale Element dieses Gehäuses, das es so einzigartig macht. Doch unter Last kann dieser nicht sinnvoll benutzt werden. Hier bräuchte es eine einfache Vorrichtung, die den Deckel anhebt oder kippt, sodass die Luft auch mit Holzdeckel entweichen kann.

Alles in allem bietet das Gehäuse ein gutes Rundumpaket. Das Era ITX ist schick, die Kühlung dem Volumen angemessen und das Gehäuse bietet sogar eine gewisse Modularität im Aufbau. Der Preis ist zwar mit 164,99 Euro stolz, verglichen mit anderen Klein- oder Kleinstgehäusen fällt er allerdings nicht aus dem Rahmen. Das Era ITX ist ab heute bei mehreren Händlern in Deutschland verfügbar.

Fractal Design Era ITX
Mainboard-Format: Mini-ITX, Thin Mini-ITX, Mini-STX
Chassis (L × B × H): 325 × 166 × 310 mm (16,72 Liter)
Material: Kunststoff, Stahl, Aluminium, Glas, Holz
Nettogewicht: 4,02 kg
I/O-Ports: 1 × USB 3.1 Type C, 2 × USB 3.0, HD-Audio
Einschübe: 4 × 3,5"/2,5" (intern)
Erweiterungsslots: 2
Lüfter: Heck: 1 × 80 mm (1 × 80 mm inklusive)
Deckel: 2 × 120 mm (optional)
Boden: 2 × 140 mm (optional)
Staubfilter: Deckel, Boden, Seitenteil
Kompatibilität: CPU-Kühler: 120 mm
GPU: 190 mm – 295 mm
Netzteil: 200 mm
Preis: 164,99 €

ComputerBase wurde das Era ITX von Fractal Design leihweise zum Testen unter NDA zur Verfügung gestellt. Eine Einflussnahme des Herstellers auf den Testbericht fand nicht statt, eine Verpflichtung zur Veröffentlichung bestand nicht. Einzige Vorgabe war der frühestmögliche Veröffentlichungszeitpunkt.

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