Huawei FreeBuds 3i im Test: Klang, ANC, Latenz und Fazit

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Frank Hüber
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Gute Mitten, schlechte Höhen und Bässe

Der Klang der Huawei FreeBuds 3i ist identisch zu dem der Honor Magic Earbuds. Ein Qualitätsmerkmal ist dies aber nicht. Auch wenn viele aktuelle Poptitel und Musik mit Fokus auf Mitten durchaus gut klingen, sind es somit erneut die harten, kratzigen Höhen und die Bässe, die in die Mitten abrutschen und so über ihre Schwächen hinwegtäuschen, die nicht überzeugen. Der Klang ist zu undifferenziert und schwammig, es fehlt ihm an Klarheit. Erfreulich: Auch die Huawei FreeBuds 3i weisen kein Grundrauschen auf, wenn ANC deaktiviert ist.

Effektives ANC

Positiv fällt hingegen wieder auf, wie effektiv das ANC zu Werke geht. Tiefe Frequenzen werden gut eliminiert, auch wenn dies auf Kosten eines höheren Grundrauschens als etwa bei den Apple AirPods Pro geht. Störend ist dieses Grundrauschen nur bei Stille oder Podcasts, dann sollte auf ANC verzichtet werden. Bei der Musikwiedergabe wird es hingegen in der Regel überdeckt.

Die hauseigenen Huawei FreeBuds 3 werden aufgrund der besseren Abdichtung der Ohrhörer geschlagen. Mit den AirPods Pro weitgehend identisch sind die Töne, die weiterhin ans Ohr dringen, sie sind bei den FreeBuds 3i aber stärker gedämpft. Allerdings kann das ANC bei den FreeBuds 3 in der Intensität angepasst werden, dies bieten die FreeBuds 3i nicht.

Huawei FreeBuds 3i und Honor Magic Earbuds
Huawei FreeBuds 3i und Honor Magic Earbuds
Huawei FreeBuds 3i und Honor Magic Earbuds
Huawei FreeBuds 3i und Honor Magic Earbuds

Akzeptable Telefonie, kein Transparenzmodus

Auch bei der Telefonie verhalten sich die FreeBuds 3i wie die Honor Magic Earbuds. Umgebungsgeräusche werden gut gefiltert, ohne dass dies zu sehr auf die Stimmqualität geht. Der Träger ist gut verständlich und die Stimme wirkt natürlich. Je nach Umgebung kommt ein leichter Hall hinzu. Für Telefonate sind die FreeBuds 3i aber sehr gut geeignet.

Einen Transparenzmodus zum Wahrnehmen der Umgebung bieten die Huawei FreeBuds 3i nicht.

Normale Latenzen

Auch bei den Latenzen erzeugen die Ohrhörer keine unnötige Verzögerung, weder bei der Nutzung von ANC noch ohne. Mit AAC liegt die Latenz sowohl unter Android als auch iOS bei den üblichen 160 bis 180 ms.

Latenz zwischen Bild und Ton im Vergleich
In-Ear-Kopfhörer Latenz
Huawei FreeBuds 3i 160–180 ms (Android, aptX) / 160–180 ms (iOS, AAC)
Honor Magic Earbuds 160–180 ms (Android, aptX) / 160–180 ms (iOS, AAC)
Anker SoundCore Liberty Air 2 160–180 ms (Android, aptX) / 160–180 ms (iOS, AAC)
Sony WF-1000XM3 160–180 ms (Android/iOS, AAC)
Sennheiser Momentum True Wireless 2 60–80 ms (Android, aptX) / 160–180 ms (iOS, AAC)
Samsung Galaxy Buds+ 160–180 ms (iOS, AAC/Android) / 80 ms (Spielemodus mit Samsung-Smartphone)
Bose SoundSport Free 160–180 ms (iOS, AAC) / 300 ms (Android)
Jabra Elite Active 75t 160–180 ms (iOS, AAC/Android, SBC)
Padmate PaMu Slide 160–180 ms (iOS/Android, aptX)
Jabra Elite 75t 160–180 ms (iOS, AAC/Android, SBC)
Apple AirPods Pro 160–180 ms (iOS, AAC/Android, SBC)
Sennheiser Momentum True Wireless 60–80 ms (Android, aptX) / 160–180 ms (iOS, AAC)
EarFun Free (2. Gen.) 160–180 ms
EarFun Free 160–180 ms
Yobybo Card20 160–180 ms
Apple AirPods (2. Gen.) 160–180 ms
Huawei FreeBuds 3 60–80 ms
Razer Hammerhead 180 ms / Gaming-Mode: 60–80 ms
Creative Outlier Gold 160 ms
Anker Soundcore Liberty 2 Pro 60–80 ms
Cambridge Audio Melomania 1 180 ms
Xiaomi Redmi AirDots 160–180 ms
Jaybird Vista 160 ms
Skullcandy Indy 160–180 ms
Skullcandy Sesh 160–180 ms
TaoTronics SoundLiberty 53 200 ms

Fazit

Huawei hätte bei den FreeBuds 3i gut daran getan, die Technik und das Ladecase der FreeBuds 3 mit den Silikon-Passstücken der FreeBuds 3i zu kombinieren. Dann wäre die überzeugende Leistung der FreeBuds 3 durch eine höhere Abschottung und ein effektiveres ANC noch einmal deutlich verbessert worden. Stattdessen setzt der Hersteller auf andere Technik, die in vielen Bereichen weniger – Bluetooth 5.0 statt 5.1, kein Kirin A1, schlechterer Klang, keine Anpassung des ANC – bietet als bei den älteren FreeBuds 3. Letztere sind für rund 140 Euro weiterhin im Angebot, die FreeBuds 3i kosten 119 Euro.

Huawei FreeBuds 3i
Huawei FreeBuds 3i

Und auch wenn die FreeBuds 3i ein effektives ANC und einen sehr hohen Tragekomfort bieten, können sie über die Schwächen bei den Höhen und Bässen nicht hinwegtäuschen. Lediglich die Mitten wissen zu überzeugen. Die Akkulaufzeit ist hingegen sowohl mit als auch ohne ANC mit nur rund 3 Stunden zu kurz. Und obwohl die Bedienung angepasst werden kann, ist dies nur unter Android möglich und dort auch nur sehr eingeschränkt. Für iOS bietet Huawei weiterhin keine App; Firmware-Updates sind daher ebenfalls nur unter Android möglich. Über Funktionen wie Multi-Connect und einen Transparenzmodus sowie einen Schutz gegen Staub und Wasser verfügen die FreeBuds 3i zudem nicht. Dem Anspruch, den Huawei an die eigenen Produkte stellt, werden die Ohrhörer in Summe nicht gerecht.

Huawei FreeBuds 3i
Produktgruppe In-Ear-Kopfhörer, 20.05.2020
  • Klang
    O
  • Verarbeitung
    +
  • Tragekomfort
    ++
  • Bedienung
  • Effektives ANC
  • Mitten werden gut wiedergegeben
  • Sehr angenehmes Tragegefühl
  • Sehr gute Integration mit Huawei-Smartphone mit EMUI 10
  • Höhen zu hart und kratzig
  • Bässe rutschen in die Mitten ab
  • Kurze Akkulaufzeit
  • Keine Lautstärkeregelung über die Ohrhörer
  • Eingeschränkte Bedienung über die Ohrhörer
  • Kein Transparenzmodus
  • Nichts für iPhone-Nutzer
  • Keine IP-Zertifizierung

Zudem sind die Huawei FreeBuds 3i sowohl bei Hardware als auch Software vollständig identisch zu den Honor Magic Earbuds (Test), deren UVP aber 20 Euro unter denen der FreeBuds 3i liegt. Wer mit den neuen kabellosen In-Ears von Huawei liebäugelt, kann somit besser zu den günstigeren Magic Earbuds greifen.

ComputerBase hat die FreeBuds 3i leihweise von Huawei zum Testen erhalten. Eine Einflussnahme des Herstellers auf den Testbericht fand nicht statt, eine Verpflichtung zur Veröffentlichung bestand nicht. Es gab kein NDA.

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