Core i9-10900K und i5-10600K im Test: Fazit

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Volker Rißka 1.443 Kommentare

Eine spannende Testwoche hinterlässt von Intels offizieller Auswahl an CPU-Samples ein extrem zwiespältiges Bild. Das Credo „schnellster Gaming-Prozessors“ wurde einmal mehr erfolgreich bestätigt, dank abermals angehobener Taktraten in fünfter Generation der zugrundeliegenden Skylake-Architektur überrascht das aber nicht. Abseits dessen werden die dunklen Schatten allerdings mit jedem Mal größer und sorgen je nach verwendetem Mainboard mittlerweile für Unbehagen.

Core i9-10900K: auf Kante genäht

Der Intel Core i9-10900K ist ein Biest und diesen Status erobert er sich nicht allein durch die (Gaming-)Leistung und Taktraten von bis zu 5,3 GHz, sondern vor allem durch die erhöhte Leistungsaufnahme. Während sie in Gaming-Tests, Intels zuletzt stets favorisiertem Einsatzgebiet für Core-Prozessoren, keine entscheidende Rolle spielt, macht sie mit einem nach Intels Vorgaben konfigurierten Prozessor bei fordernden Anwendungen schnell einen Strich durch die Rechnung.

Intel Core i9-10900K im Test

Wenn von den in der Werbung stets genannten bis zu 5,3 GHz nur 4,0 GHz übrig bleiben, stößt das nicht nur wegen Intels fehlender Kommunikation sauer auf. Ja, bis zu 5,3 GHz gibt es in Single-Core-Anwendungen und dann ist die CPU dort auch die schnellste im Markt. Wird allerdings länger als nur für ein paar Sekunden die maximale Leistung von allen Kernen abverlangt, muss Intel in dieser Generation erneut darauf vertrauen, dass die Mainboard-Hersteller alle Limits aushebeln, sonst gibt es die Spitzenleistung im PL2-Power-Budget nur für kurze Zeit, bevor auf PL1 (= TDP) gedrosselt wird.

Beim Core i9-10900K bedeutet das im Extremfall fast 20 Prozent weniger Takt über alle Kerne. Wie schnell der Einschnitt kommt, liegt dabei auch daran, was die CPU vor der aktuellen Belastungsphase getan hat – es kann eine Sekunde oder auch ganze 56 Sekunden dauern, bis wieder Vollgas gegeben werden kann. Sicher ist nur, dass nach 56 Sekunden der Einschnitt auf jeden Fall kommt. Eine ganze Artikelseite zum Thema PL1, PL2, Tau und EWMA hat in diesem Punkt hoffentlich Klarheit gebracht. In drei Sätzen abgehandelt ist der komplexe Sachverhalt nicht.

Die Brechstange, die eigene Limits ignorieren muss

Intel zugute kommt, dass die meisten Mainboard-Hersteller so weiter machen wie bisher: Viele Z490-Platinen heben bei den K-CPUs weiterhin voll automatisch in der Default-Konfiguration die Limits auf – das Taichi von ASRock ist ein Beispiel, das Asus Maximus VII Extreme macht es auch, bietet allerdings erstmals beim ersten Starten die Wahl zwischen „keine Limits“ und „offizielle Limits“. Ohne Limits verbrät die CPU im Extremfall (Prime 95) dauerhaft über 300 Watt und ist damit alles, aber nicht mehr effizient.

Intel hat beim Core i9-10900K nicht nur in den Spezifikationen die Brechstange angesetzt, der Konzern setzt auch darauf, dass Mainboard-Hersteller die offiziellen Limits weiter ignorieren.

Core i5-10600K: Core i7-8700K Version 2020

Der Core i5-10600K ist zwar langsamer, liefert diese Leistung aber verlässlich selbst in Intels offiziellen Limits ab. Er gefällt im Gesamtpaket deutlich besser. Er kann sich bei vollem Takt im auf 125 Watt erhöhten TDP-Limit dauerhaft austoben und geht kühl zur Sache.

Intel Core i5-10600K im Test

Sein Problem ist eher die Vergangenheit, denn im Endeffekt gibt es eine solche CPU schon länger. Der Core i5-10600K entspricht zu 95 Prozent dem Core i7-8700K, der vor 2,5 Jahren vorgestellt wurde. Und dass Intel anführt, dass es nun mehr Threads für das gleiche Geld gibt, stimmt in dem Fall nur bedingt. Im Frühjahr 2018 kostete der Core i7-8700K über Monate kaum mehr als 300 Euro, genau so viel will der Handel zum Start für den Core i5-10600K. Unter diesem Gesichtspunkt ist auch der Core i5 Stillstand. Wer vor zwei Jahren beim 8700K zugeschlagen hat, kann sich heute noch mehr als glücklich schätzen.

Intel Comet Lake-S vs. AMD Ryzen 3000

Schon vor dem Start war klar, dass Intel gegen AMDs Prozessoren bei der Leistung in Anwendungen keine Chance haben wird. Und zieht man den Preis hinzu, wird es noch deutlicher. 12 Kerne von AMD kosten in Form des Ryzen 9 3900X nur 430 Euro und damit 150 Euro weniger als der Intel Core i9-10900K. Mehr Leistung und ein geringerer Verbrauch – nichts spricht für Intel.

In der Klasse Core i5 ist es das gleiche Bild. Für knapp 300 Euro muss sich der Core i5-10600K mit dem Ryzen 7 3700X messen, der in Anwendungen immer überlegen ist. Selbst der Ryzen 5 3600X ist das und der kostet keine 200 Euro.

Nur im Gaming-Bereich ist und bleibt Intel nach wie vor das Maß der Dinge. Aber der Fortschritt, den Comet Lake-S bietet, ist an der Spitze minimal. Wie viel davon allein durch den schnelleren Speicher kommt, konnte die Redaktion aus Zeitgründen noch nicht testen. Core-i9-9900K(S)-Inhaber finden aber so oder so beim Gaming keinen gewichtigen Grund zum Umsteigen.

Die kleineren Core i-10000 könnten am Ende die interessantesten sein, denn dort gibt es potentiell wirklich mehr für das gleiche Geld. Den Core i5-10400F (Test) hatte die Redaktion mittlerweile auch schon im Test.

Verfügbarkeit im Handel

Ab heute starten die Comet Lake-S im Handel, offiziell mit den K-CPU, der Rest folgt in einer Woche. Aus dem Handel ließ sich vorab vernehmen, dass es Ware auf Lager geben wird. Zu Stückzahlen wollten sich Händler aber nicht äußern. Aufpreise für Lagerware sind wahrscheinlich. Der Preisvergleich liefert stets aktuelle Details.

Intel Core i9-10900K und i5-10600K im Test

Mainboard-Hersteller befürchten in jedem Fall, dass die Liefersituation extrem angespannt ist, weshalb sie die große Werbekeule noch nicht geschwungen haben: Denn warum Mainboards bewerben, für die es keine CPUs gibt? Erst ab Juni soll sich die Situation bessern. Intel hatte zwar angekündigt, alle, also wirklich alle Comet Lake-S vom kleinsten Celeron bis zum Core i9 und damit 32 Stück an der Zahl ab Ende Mai im Handel anzubieten – das Ziel wird aber offensichtlich nicht erreicht.

ComputerBase wurden Core i9-10900K und Core i5-10600K von Intel leihweise zum Testen unter NDA zur Verfügung gestellt. Mainboards und weitere Informationen wurden zusätzlich von ASRock, Asus, Gigabyte und MSI geliefert, Speicher kam von G.Skill. Eine Einflussnahme der jeweiligen Hersteller auf den Testbericht fand nicht statt, eine Verpflichtung zur Veröffentlichung bestand nicht. Einzige Vorgabe war der frühestmögliche Veröffentlichungszeitpunkt.

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