JBL Reflect Flow im Test: Klang, Latenz und Fazit

 2/2
Frank Hüber 43 Kommentare

Guter Klang mit viel Bass

Die JBL Reflect Flow sind warm abgestimmt und etwas basslastig, was dem angestrebten Einsatzzweck beim Sport aber zugutekommt. Höhen sind klar und differenziert, auch die Mitten klingen gut und Stimmen sind sehr gut verständlich. Hier überlagern sich die einzelnen Frequenzen nicht zu stark und es kommt nicht zum Einheitsbrei, bei dem vom Bass alles überdeckt wird. Der Bass wird hervorgehoben, ohne dass zu viel Klarheit verloren geht. Bei hoher Lautstärke werden die Höhen etwas zu hart und leicht kratzig, was sich etwa bei One Way Or Another von Blondie negativ bemerkbar macht. Der Bass wird dann sehr druckvoll und voll, aber auch etwas brummig. Der Bass in St. Jude von Florence + The Machine wird auch bei geringer Lautstärke ausgespielt. In ausgewählten Tracks fehlt es dem Klang zudem etwas an Dynamik.

Insgesamt müssen sich die JBL Reflect Flow klanglich den Jaybird Vista (Test) nur bei hoher Lautstärke geschlagen geben, die mit 180 Euro aber auch teurer sind.

Ordentliche Telefonie mit leichten Schwächen

Bei der Teleonie bieten die JBL Reflect Flow eine gute Verständlichkeit. Umgebungsgeräusche mit niedrigen Frequenzen werden gut gefiltert, spontane, hochfrequente Geräusche hingegen kaum. Der Klang der Stimme wird aber von deutlich wahrnehmbaren Zischlauten und Artefakten begleitet, die durch diese Filterung entstehen. Zudem klingt die Stimme etwas blechern. Dafür wirkt der Anrufer nah. Gegen das ein oder andere Telefonat spricht aufgrund der guten Verständlichkeit dennoch nichts.

TalkThru und Ambient Aware

TalkThru und Ambient Aware sind zwei unterschiedliche Transparenzmodi, damit man beispielsweise beim Laufen die Umgebung weiterhin wahrnehmen kann. Während Ambient Aware die Umgebung über die Mikrofone an den Träger der Ohrhörer weiterleitet und die Musiklautstärke nur ganz leicht senkt, reduziert TalkThru die Lautstärke der wiedergegebenen Musik deutlich. So soll man schnell an einem Gespräch teilnehmen können, etwa wenn man angesprochen wird. Für längere Konversationen ist TalkThru in der Praxis aber weiterhin zu isolierend, um neben der Musik ein umfassendes Gespräch zu führen. Den Ohrhörer aus dem Ohr zu nehmen, ist immer die bessere und vor allem höflichere Form. Bei Ambient Aware ist die Umgebung eingeschränkt wahrnehmbar, tritt aber weiterhin hinter der Musik zurück. In der Praxis wäre eine höhere Lautstärke für die Umgebung wünschenswert, beziehungsweise die Möglichkeit, diese selbst einstellen zu können, da sie je nach Nutzung durchaus unterschiedlich hoch ausfallen sollte. Denn dies ist bei den Reflect Flow mangels App nicht möglich.

Beide Modi wiesen ein leichtes Grundrauschen auf, da es auch beim Durchleiten verstärkt wird. Was in ruhiger Umgebung bei Podcasts durchaus zu hören ist, fällt bei der Musikwiedergabe oder im Freien nicht negativ ins Gewicht.

Unproblematische Latenzen

Die JBL Reflect Flow zeigen sowohl unter Android als auch iOS eine Latenz von 160 bis 180 ms, so dass sie im normalen Rahmen dieses Codecs liegen, ohne eine zusätzliche Latenz hinzuzufügen.

Latenz zwischen Bild und Ton im Vergleich
In-Ear-Kopfhörer Latenz
JBL Reflect Flow 160–180 ms (Android, AAC) / 160–180 ms (iOS, AAC)
JBL Tune220TWS 160–180 ms (Android, AAC) / 160–180 ms (iOS, AAC)
Huawei FreeBuds 3i 160–180 ms (Android, aptX) / 160–180 ms (iOS, AAC)
Honor Magic Earbuds 160–180 ms (Android, aptX) / 160–180 ms (iOS, AAC)
Anker SoundCore Liberty Air 2 160–180 ms (Android, aptX) / 160–180 ms (iOS, AAC)
Sony WF-1000XM3 160–180 ms (Android/iOS, AAC)
Sennheiser Momentum True Wireless 2 60–80 ms (Android, aptX) / 160–180 ms (iOS, AAC)
Samsung Galaxy Buds+ 160–180 ms (iOS, AAC/Android) / 80 ms (Spielemodus mit Samsung-Smartphone)
Bose SoundSport Free 160–180 ms (iOS, AAC) / 300 ms (Android)
Jabra Elite Active 75t 160–180 ms (iOS, AAC/Android, SBC)
Padmate PaMu Slide 160–180 ms (iOS/Android, aptX)
Jabra Elite 75t 160–180 ms (iOS, AAC/Android, SBC)
Apple AirPods Pro 160–180 ms (iOS, AAC/Android, SBC)
Sennheiser Momentum True Wireless 60–80 ms (Android, aptX) / 160–180 ms (iOS, AAC)
EarFun Free (2. Gen.) 160–180 ms
EarFun Free 160–180 ms
Yobybo Card20 160–180 ms
Apple AirPods (2. Gen.) 160–180 ms
Huawei FreeBuds 3 60–80 ms
Razer Hammerhead 180 ms / Gaming-Mode: 60–80 ms
Creative Outlier Gold 160 ms
Anker Soundcore Liberty 2 Pro 60–80 ms
Cambridge Audio Melomania 1 180 ms
Xiaomi Redmi AirDots 160–180 ms
Jaybird Vista 160 ms
Skullcandy Indy 160–180 ms
Skullcandy Sesh 160–180 ms
TaoTronics SoundLiberty 53 200 ms

Fazit

Die JBL Reflect Flow zeichnen sich für das aus, wofür sie der Hersteller in erster Linie entworfen hat: einen festen Halt beim Sport. Denn sie machen tatsächlich jede Bewegung mit, ohne auch nur ansatzweise im Ohr zu verrutschen oder gar herauszufallen. Dabei entfalten sie aber, wenn man einen richtig festen Sitz anstrebt, durchaus etwas Druck im Ohr, so dass man sie nicht im Alltag für stundenlanges Musikhören nutzen möchte, ohne die Aufsätze zu tauschen. Sie empfehlen sich deshalb vor allem als Ersatz-Kopfhörer für den Sport, wenn jemand noch keine Ohrhörer gefunden hat, die nicht herausfallen.

Der Klang ist insgesamt als gut zu bewerten, da es JBL schafft, trotz des Fokus auf etwas mehr Bass, die Mitten und Höhen weiterhin sauber und klar auszuspielen. Bei maximaler Lautstärke werden die Höhen aber etwas hart und der Bass fängt leicht an zu brummen.

Ebenfalls positiv ist die lange Akkulaufzeit von rund 11 Stunden, die mit einer einzigen Ladung erreicht wird. So kommt man nicht nur problemlos über den Tag, sondern muss das zu groß geratene Ladecase auch nicht immer mitschleppen. Für die Hosentasche ist dies nämlich nicht mehr geeignet und die Ohrhörer lassen sich zudem schlecht aus ihm entnehmen.

Die Bedienung über Tasten legt dem Nutzer Einschränkungen auf. Eine Lautstärkesteuerung und das Zurückspringen eines Tracks sind nicht möglich, zudem drückt man sich die Ohrhörer beim Bedienen immer wieder fest ins Ohr.

Die Modi TalkThru und Ambient Aware machen den Verzicht auf eine App eklatant, in der man die Intensität der Umgebungsgeräusche selbst anpassen könnte. So muss man mit der Voreinstellung vorliebnehmen, die oft etwas zu leise ist. TalkThru erlaubt zudem nur sehr eingeschränkt tatsächlich Gespräche – einen Hörer aus dem Ohr zu nehmen, ist immer die bessere Wahl. Ohne App sind zudem keine Anpassung der Bedienung und keine Firmware-Updates möglich.

JBL Reflect Flow
Produktgruppe In-Ear-Kopfhörer, 26.05.2020
  • Klang
    +
  • Verarbeitung
    +
  • Tragekomfort
    O
  • Bedienung
    O
  • Sehr guter Halt auch beim Sport
  • Wasserdicht (IPX7)
  • Guter Klang
  • Lange Akkulaufzeit
  • Druckgefühl
  • Keine Lautstärkeregelung über die Ohrhörer
  • Keine App für Anpassungen und Updates

Für derzeit rund 125 Euro sind die JBL Reflect Flow günstiger als die Jaybird Vista (Test), die rund 180 Euro kosten. Letztere bieten bei hoher Lautstärke den leicht besseren Klang und ein etwas angenehmeres Tragegefühl, erstere eine deutlich längere Akkulaufzeit. Viel besser umgesetzt ist bei den Jaybird Vista aber die Bedienung und sie verfügen über eine App. Sportler sollten sich deshalb beide kabellosen In-Ears genauer ansehen.

ComputerBase hat die Reflect Flow leihweise von JBL zum Testen erhalten. Eine Einflussnahme des Herstellers auf den Testbericht fand nicht statt, eine Verpflichtung zur Veröffentlichung bestand nicht. Es gab kein NDA.

Dieser Artikel war interessant, hilfreich oder beides? Die Redaktion freut sich über jede Unterstützung in Form deaktivierter Werbeblocker oder eines Abonnements von ComputerBase Pro. Mehr zum Thema Anzeigen auf ComputerBase.