Saints Row: The Third im Test: Spielkritik und das Fazit

 3/3
Wolfgang Andermahr et al. 52 Kommentare

Wie gut ist Saints Row: The Third Remastered?

Saints Row in einem Satz: GTA aus der Feder eines Pubertierenden. Wie sonst soll man eine Serie beschreiben, in der schon einmal wortwörtlich mit Kot um sich gesprüht werden darf? Derlei allzu platte Metaphorik hat sich Teil 3 verkniffen, ohne dass sie dadurch weniger überdreht oder gar „korrekt“ würde.

Es ist ein Eintauchen in Chaos, in Absurdität und damit der Spaß, der im Vorfeld berechtigt in Frage stand, denn The Third ist auch das Spiel, das einen riesigen, lilafarbenen Dildo zu seinem Erkennungszeichen gemacht hat. Solche Späße mögen nicht jeden Spieler mit einem befriedigenden Gefühl zurücklassen, weil sie von Alter, Reife oder Charakter, mithin einem Zeitgeist abhängen.

Andererseits: Man ist nicht einmal 12, man ist es immer. In den ersten 15 Minuten dürfen Spieler mit ihrer Gang als sich selbst verkleidet eine Bank überfallen, aus einem Flugzeug springen und ein Armeedepot ausheben. Im Prinzip fängt Saints Row dort an, wo andere Spiele enden. Dass das ein Radiosender auf die Schippe nimmt, das ganze mit Blödeleien unterlegt wird: Herrlich. Vor allem, da eine Menge Kleidung zur Auswahl steht, mit der das Alter Ego alles zwischen Gollum und Wrestler sein darf, der sich auf Wunsch wie eine Mischung aus Space-Prinzessin und Power-Zuhälter kleidet.

Unter der hübschen Hülle steckt eine Todesmaschine, die Allmachtsphantasien befeuert. Zu tun gibt es in der offenen Welt genug. Gangster müssen Distrikte der fiktiven Stadt Stillwater befreien, Attentate verüben, an einer völlig unethischen Game-Show teilnehmen, Versicherungsbetrug begehen oder einfach mit einem Panzer so viel in die Luft jagen wie möglich. Hauptsache Spaß lautet das Motto, der deshalb auch optional kooperativ mit zwei Spielern zu haben ist.

Abwechslung gibt es ebenso wie wahnwitzige Ideen genug. In Zeiten völlig beliebiger Open-World-Spiele mit immer gleicher Blaupause muss sich Saints Row also gar nicht auf Gürtellinien-Witze verlassen, um sich aus der Masse abzuheben, es kann einfach lässig auf sein Gameplay zeigen – was es wohl mit beiden Mittelfingern machen würde, hätte es denn welche. Dank ein paar grafischer Verbesserungen kann es sich zudem ansprechend präsentieren, auch für Rückkehrer. Das Spiel sieht dank ihnen so aus, wie es Veteranen in Erinnerung haben, was nach einem kurzen Realitätscheck definitiv erheblich hübscher ist, als es war.

Laut, blöd, geil

Hauptsache Spaß, hauptsache bunt, hauptsache laut und schnell und möglichst cool, das macht Saints Row The Third zu einem ziemlich zeitlosen Vergnügen. eine Prise Infantilität vorausgesetzt. Wer Ernst über Bord gehen lässt, findet im Remaster ein herrliches Open-World-Vergnügen vor. Für Neueinsteiger erscheinen die dafür aufgerufenen rund 40 Euro noch fair, für Rückkehrer ergibt der Kauf zu diesem Kurs nur für ein Grafik-Update hingegen keinerlei Sinn.

Fazit

Saints Row: The Third Remastered funktioniert immer noch als komplett abgedrehtes Spiel und auch die Grafik weiß beim Remaster zu gefallen. Wie ein modernes Spiel sieht der Titel zwar nicht mehr aus, die Grafik wurde aber sichtbar verbessert und hinterlässt einen ordentlichen Eindruck. Im Vergleich zur Mafia 2 Definitive Edition hat sich mehr getan.

Das ganze kostet aber auch Performance. Eine High-End-Grafikkarte muss es zwar nicht sein, für mehr als 60 FPS in Full HD reicht es für aktuelle Einsteiger-Grafikkarten aber nicht mehr. Und für dieselbe Frameraten in höheren Auflösungen muss es dann durchaus recht flott werden. Da das sinnvolle Tuning-Potenzial mit geringeren Grafikdetails gering ist, hilft bei Leistungsmangel oft nur eine reduzierte Auflösung.

Saints Row The Third Remaster im Technik-Test

Die Frametimes sind noch eine Baustelle

Apropos Leistungsmangel: Die FPS sind in Saints Row: The Third Remastered nicht das Problem, die Frametimes aber schon. Denn unabhängig von der Grafikkarte sind diese schlecht und entsprechend hakt das Spiel immer mal wieder. Das ist etwas, dass die Entwickler unbedingt beheben müssen – und so etwas sollte es auch nicht in einer finalen Version geben, denn das mindert den ansonsten guten Eindruck des Spiels doch deutlich.

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