SilentiumPC Grandis 3 im Test: Der große Doppel-Turm wird noch stärker

Thomas Böhm 79 Kommentare
SilentiumPC Grandis 3 im Test: Der große Doppel-Turm wird noch stärker

tl;dr: SilentiumPC unterzieht seinen Doppelturm-Luftkühler Grandis einer sanften Evolution zwischen Generation 2 und 3. Der neue Grandis 3 kühlt ein Stück besser und wird damit zu einem preislich attraktiven und starken Kühler, sofern seine Größe kein Problem darstellt.

SilentiumPC aktualisiert den Grandis auf Generation 3. Unter dem Grandis versteht die polnische Firma ihr Luftkühler-Flaggschiff, das allerdings nicht auf der Suche nach neuen Superlativen in der preislichen Luxusklasse aufgestellt wird, sondern zu (für Doppelturm-Luftkühler) aggressiven Preisen vermarktet wird. Der SilentiumPC Grandis 2 (Test) erfüllte diesen Ansatz mit guter, wenn auch nicht überragender Leistung, die ihn angesichts seiner Preisempfehlung von unter 50 Euro zu einem interessanten Produkt machte.

Der Grandis 3 soll daran anknüpfen, weshalb SilentiumPC die neue Generation nur einer sehr sanften Entwicklung unterzieht. Tatsächlich sieht die Neuheit ihrem Vorgänger auf den ersten Blick zum Verwechseln ähnlich: Ein symmetrischer Doppelturm-Luftkühler mit zentralem 140-mm-Lüfter und 120-mm-Frontlüfter trifft auf eine kupferne Bodenplatte und sechs Heatpipes. Sogar die schwarzen Zierblenden auf den beiden Kühltürmen sehen identisch aus.

In Generation 3 gibt es den Grandis alternativ auch als beleuchtete RGB-Version, die sich dadurch optisch deutlicher vom Vorläufer abgrenzt. Die Preisempfehlung steigt für die RGB-Version auf 55 statt 48,90 Euro für den „Standard“-Kühler. ComputerBase hat den unauffällig unbeleuchteten Nachfolger des Grandis 2 im Test. Der Neuling muss beweisen, dass er sich trotz gleichen Äußeren von seinem Vorgänger absetzen kann.

SilentiumPC Grandis 3
Bauform: Tower
Größe (L × B × H): 131 × 140 × 159 mm (mit Lüfter)
Gewicht: 1.020 g (mit Lüfter)
Heatpipes: Kupfer, 6 × 6 mm (Ø)
Kupferbasis
Lamellen: Aluminium
Kühler-Montage: Zweistufige Halterung mit Rückplatte
Lüfter (Modell 1): 1 × 120 × 120 × 25,0 mm
Hydraulisches Lager
250 – 1.600 U/min
4-Pin-PWM
Lüfter (Modell 2): 1 × 140 × 140 × 25 mm
Hydraulisches Lager
250 – 1.400 U/min
4-Pin-PWM
Lochabstand 105 mm (analog 120-mm-Lüfter)
Lüfter-Montage: Befestigung: Drahtbügel
Entkopplung: Keine
Kompatibilität: AMD: Sockel FM2(+)/FM1/AM3(+)/AM2(+)/AM4
Intel: LGA 2066/2011/1366/LGA 1200/115x
Preis: ab 45 €

SilentiumPC Grandis 3 im Detail

Nachdem der Grandis 3 seinem Vorgänger wie ein Ei dem anderen gleicht, gibt es kaum etwas zum Äußeren des Kühlers zu sagen: Das klassische Design bestehend aus Kupferbodenplatte, Heatpipes und Aluminium-Lamellen, die in zwei Kühltürmen angeordnet sind, ist übliche Standardkost. Die Verarbeitung des Kühlers ist gut, allerdings nicht überragend. So ist beispielsweise der Abstand zwischen den beiden Radiatoren so knapp, dass der zentrale 140-mm-Lüfter nur mit leichtem Nachdruck in seiner Endposition Platz findet.

Vermutlich aus Kostengründen verzichtet SilentiumPC auf das Vernickeln der Heatpipes und der Bodenplatte – dafür setzt der Hersteller nach wie vor auf eine massive Bodenplatte anstelle von „Heatpipe Direct Touch“, das bei Kühlern im niedrigeren Preissegment oft eingesetzt wird. Das fasst das Erscheinungsbild des Kühlers gut zusammen: Der Rotstift wurde bei nicht essentiellen Schnörkeln angesetzt, denn den Fokus will SilentiumPC auf die Kühlung und nicht auf die Optik setzen. Nichtsdestoweniger gibt es schwarze Zierblenden, die die Enden der Heatpipes verstecken. Wer sich am Anblick des nackten Kupfers der Heatpipes stört, kann also unbesorgt sein: In verbautem Zustand ist davon nichts mehr zu entdecken.

Serienlüfter und Lieferumfang

Wie beim Vorgänger Grandis 2 gibt es auch beim Grandis 3 eine Bestückung mit ungleichen Lüfterformaten. Zwischen den beiden Kühltürmen kommt ein großer 140-mm-Lüfter zum Einsatz, während zugunsten möglichst geringer Einschränkungen beim Arbeitsspeicher ein kleineres 120-mm-Modell vorn montiert wird. Feintuning hat der Hersteller dennoch betrieben: Beim Grandis 2 wurde noch ein unstimmiges Drehzahlband mit maximal 1.000 U/min für den größeren Lüfter, aber deutlich schnelleren (und folglich lauteren) 1.750 U/min für das kleinere Exemplar verwendet. Das macht SilentiumPC bei Generation 3 besser. 1.600 U/min beim 120-mm-Lüfter treffen auf 1.400 U/min beim 140-mm-Lüfter, was für eine gleichmäßige Erhöhung der Gesamtlautstärke durch beide Ventilatoren sorgt.

Im Testsystem erreichen die beiden Ventilatoren je noch 50 U/min mehr als angegeben und überzeugen insbesondere durch ihre extrem niedrige Anlaufdrehzahl: Bei knapp 150 U/min fangen beide Exemplare an zu arbeiten. Zusammen mit einem nahezu unhörbaren Laufgeräusch qualifizieren sich die Lüfter so für den Einsatz in Silent-PCs, denn spätestens bei geschlossenem PC-Gehäuse und im niedrigen Drehzahlbereich herrscht subjektiv absolute Stille. Als praktische Erweiterung erhalten die Lüfter an ihrem Anschlusskabel eine Y-Weiche, sodass beide Ventilatoren über einen gemeinsamen PWM-Lüfteranschluss des Mainboards gesteuert werden können.

Der Lieferumfang ist so knapp gehalten, wie es bei einem kostenoptimierten Produkt erwartet werden muss: Dreingaben wie ein Schraubendreher oder ein Satz zusätzliche Lüfterklammern werden vergeblich gesucht. SilentiumPC beschränkt sich auf eine knappe gedruckte Montageanleitung sowie das notwendige Montagezubehör und Wärmeleitpaste in einer Spritze.

Montage im Testsystem

Befestigt werden kann der SilentiumPC Grandis 3 auf sämtlichen aktuellen Sockeln, mit der üblichen Ausnahme AMD TR4. Für Intel-Systeme gibt es eine Backplate im Lieferumfang, während bei AMD auf die Backplate zurückgegriffen wird, die mitsamt dem Retention-Modul ohnehin schon beim Mainboard mitgeliefert wird. Per Abstandshalter wird ein Metallrahmen über die Backplate mit dem Mainboard verschraubt. Auf diesem wird der Kühler mit zwei Schrauben befestigt. SilentiumPC lässt sogar für AMD-Nutzer eine in 90°-Schritten gedrehte Montage zu.

Weniger angenehm ist die Befestigung der Lüfter, denn die Klammern halten weder von selbst am Lüfterrahmen, noch lassen sie sich einfach auf den Kühltürmen einrasten. Insgesamt ist die Montage des Grandis 3 ordentlich, aber noch nicht auf dem vorbildlichen Stand wie beispielsweise beim Scythe Fuma 2 (Test) angelangt.

Der Grandis 3 überragt Arbeitsspeicher mit seinem Frontlüfter, weshalb dieser zugunsten besserer Kompatibilität mit hohen Kühlrippen als kleines 120-mm-Modell ausgeführt ist. Zusätzlich kann der Ventilator in der Höhe verschoben werden, um sich variabel anzupassen. Dabei wird eventuell die Gesamthöhe von 159 mm überschritten: Wer den Kühler also für ein schlankes Gehäuse kauft, das nicht mehr als 16 cm Raum für CPU-Kühler lässt, sollte auf hohen RAM verzichten. Der Kühlturm selbst endet unmittelbar vor dem ersten RAM-Slot. Sollte der Grandis 3 um 90° gedreht befestigt werden, überragen die Türme den Arbeitsspeicher und lassen Raum für maximal 47 mm hohe RAM-Module.

Auf der nächsten Seite: Messergebnisse und Fazit