Asus ROG Theta Electret im Test: Fazit

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Michael Schäfer 87 Kommentare

Das ROG Theta Electret von Asus bringt das aktuelle Dilemma der Headset-Hersteller erstaunlich gut auf den Punkt: Auf der einen Seite sind die Produkte in vielen ihrer Grundfunktionen so ausgereift, dass große Neuerungen nicht mehr möglich sind, und Fortschritt lässt sich nur noch schwer in Worte fassen. Auf der anderen Seite verpassen es Hersteller weiterhin, die dennoch weiterhin vorhandenen Baustellen zu beheben oder zumindest Verbesserungen vorzunehmen. Gerade bei den Mikrofonen ist noch sehr viel Luft nach oben vorhanden.

Dass dann gerade Spieler elektrostatische Headsets benötigen, darf auch nach diesem Test stark bezweifelt werden, vor allem wenn sich diese Technologie auch im Bereich der Hi-Fi-Kopfhörer in der breiten Masse bisher nicht durchsetzen konnte und dort weiterhin ein Nischendasein fristet. Dass die Technik bei Gaming-Headsets Einzug hält, ist damit eher dem Wunsch etwas „innovatives“ liefern zu wollen, denn technischen Vorteilen geschuldet.

Anstatt wie unter anderem beyerdynamic Headsets zu bauen, die auch gehobeneren Audio-Ansprüchen sowie verschiedenen Anforderungen genügen und dabei auf jeden Firlefanz verzichten, setzen Hersteller wie XPG und Asus auf eine Technologie, deren Vorteile die Nachteile, zumindest bei Headsets, nicht aufwiegen können – und schon gar nicht bei den verlangten Preisen.

So zeichnet sich auch das Theta Electra durch eine sehr gute Mittel- und Hochtonwiedergabe aus, die unglaublich luftig und breit wirkt. Auf der anderen Seite ist ein Bassbereich trotz zusätzlichem Treiber nur wenig vorhanden – selbst ein Nachjustieren per Equalizer schafft wenig Linderung. Sogar für Hörer mit einer Vorliebe für ein eher neutrales Klangbild könnte das zu wenig sein. Bei Shootern wie CS:GO kann die gute Höhendarstellung einen Vorteil bei der Ortung der Gegner darstellen, bei anderen Genrevertretern oder Spielen mit großer Kulisse fehlt das Fundament für eine gute Atmosphäre. Aber auch bei der Verwendung für Musik- oder Filminhalte bleibt das Headset meilenweit hinter dem ausgewogenen Klangbild eines MMX 300 oder Custom Game, beide von beyerdynamic, zurück.

In Sachen Mikrofonqualität dürfte die Aufnahmeeinheit des Theta Electret wohl die schlechteste jemals auf ComputerBase getestete ihrer Art darstellen. Die Klangqualität kann trotz dumpfer Stimmabbildung noch in Ordnung gehen, der erste Eindruck wird aber spätestens durch die Probleme mit Plosiv- und Reibelauten zunichtegemacht. Noch schlimmer wird es bei Windgeräuschen, bei denen die Stimme vollkommen untergeht. Diese Probleme hätten mit einem kleinen Hütchen aus Schaumstoff verringert werden können.

Das Einzige, worin das Headset überzeugen kann, sind die Verarbeitung und die verwendeten Materialien. Sie sind alleinig der Preisklasse von 300 Euro angemessen. Doch auch hier zeigt sich Asus knauserig, indem das Unternehmen die Kabellänge deutlich zu kurz ausfallen lässt.

Wird die Entwicklung der letzten Jahre in dem Segment genauer betrachtet, wird deutlich, dass auf ein Headset, das einen guten Klang mit einer guten Mikrofonqualität zu einem attraktiven Preis eint, nach wie vor gewartet werden muss. Diese Punkte sind einzeln zwar immer wieder vorhanden, doch findet sich kein Hersteller, der diese, und nur diese zu einem überzeugenden Produkt zusammenfügen will. Stattdessen stopfen Unternehmen ihre Produkte lieber mit Spielereien voll, statt sich erst einmal um die wirklichen Kernbereiche zu kümmern – und damit um das, was dem Käufer wichtig ist.

Asus Rog Theta Electret
Produktgruppe Headsets, 11.06.2020
  • Verarbeitung
    +
  • Klangqualität
    O
  • Mikrofonqualität
  • gute Verarbeitung
  • gute Mitten- und Höhenwiedergabe
  • Mikrofon sehr anfällig für Störgeräusche
  • dürftiger Bass

ComputerBase wurde das ROG Theta Electret leihweise von Asus für den Test zur Verfügung gestellt. Eine Einflussnahme des Herstellers auf den Testbericht fand nicht statt, eine Verpflichtung zur Veröffentlichung bestand nicht. Es gab kein NDA.

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