Samsung SSD 870 QVO im Test: Testergebnisse und Fazit

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Michael Günsch et al. 177 Kommentare

Benchmarks

Testsystem

Die nachfolgenden Benchmarks wurden auf einem System mit AMD Ryzen 7 3800X (Test) durchgeführt. M.2-SSDs werden im unteren M.2-Slot des Gigabyte Aorus X570 Master betrieben. Für Belüftung sorgt der 140-mm-Lüfter in der Front des Gehäuses Phanteks Eclipse P400S. Windows 10 Version 1909 mit allen aktuellen Updates ist installiert. Der Schreib-Cache ist aktiviert.

Als Ausnahme von dieser Regel wurde die Samsung Portable X5 SSD an einem Razer Blade 15 2018 mit Intel Core i7-8750H betrieben (Windows 10 1909), das im Gegensatz zum AMD-System über einen Thunderbolt-3-Anschluss verfügt. Der Schreib-Cache war auch hier aktiviert.

CrystalDiskMark

In diesem häufig genutzten Benchmark zeigen sich gegenüber dem Vorgänger nahezu keine Unterschiede. Die 870 QVO ist lediglich beim wahlfreien Lesen (Q1T1) etwa 12 Prozent schneller, womit dieses Versprechen von Samsung auch im unabhängigen Test gehalten wird. Die zum Vergleich herangezogene populäre Crucial MX500 (Test) mit TLC-NAND ist fast überall, wenn auch oft unwesentlich, schneller unterwegs. Das restliche Testfeld mit NVMe (PCIe 4.0: dunkelblau; PCIe 3.0: hellblau) oder USB 3.2 Gen 2 (grün) läuft den drei SATA-SSDs (orange) dank schnellerer Schnittstelle davon.

Praxis: Steam-Ordner transferieren

Wichtiger als synthetische Benchmarks, die theoretische Bestwerte unter Idealbedingungen (im Cache) liefern, sind Messwerte im echten Praxiseinsatz. Beim Schreiben einer größeren Steam-Spielesammlung auf den Datenträger trennt sich oft die Spreu vom Weizen, wenn nämlich mancher SSD der SLC-Cache ausgeht. Bei einer Transfergröße von 38 GB agiert die 870 QVO noch flott und ist etwa so schnell wie die Crucial MX500, da diese Datenmenge vollständig in den SLC-Cache der QVO-SSDs von Samsung passt und entsprechend gepuffert wird. Doch bereits bei 185 GB, einer Größe, die einige große Spiele fast schon allein erreichen, wird die Achillesferse der QLC-SSDs deutlich: Mit rund 16 Minuten benötigt die 860 QVO doppelt so lange wie die TLC-basierte MX500 von Crucial, die auch ohne SLC-Cache Daten noch relativ zügig schreiben kann. Die neue 870 QVO braucht noch gut eine halbe Minute länger.

6 Einträge
Steam-Ordner schreiben (38, 185 & 390 GB)
Einheit: Minuten, Sekunden
  • 38 GB von NVMe-SSD auf Testmuster:
    • WD Black SN750 1 TB
      0:26
    • WD Black SN750 1 TB (mit Kühler)
      0:26
    • Crucial X8 Portable 1 TB
      0:42
    • Samsung Portable X5 1 TB
      0:42
    • SanDisk Extreme Pro Portable 1 TB
      0:42
    • Samsung Portable T7 Touch 1 TB
      0:48
    • Samsung Portable T5 1 TB
      1:17
    • Samsung 860 QVO 4 TB
      1:24
    • Samsung 870 QVO 4 TB
      1:27
    • Crucial MX500 1 TB
      1:28
    • WD Black 6 TB HDD (WD6001FZWX)
      3:01
  • 185 GB von NVMe-SSD auf Testmuster:
    • WD Black SN750 1 TB (mit Kühler)
      2:30
    • Samsung Portable X5 1 TB
      3:57
    • SanDisk Extreme Pro Portable 1 TB
      4:00
    • WD Black SN750 1 TB
      4:19
    • Crucial X8 Portable 1 TB
      5:33
    • Samsung Portable T5 1 TB
      7:12
    • Crucial MX500 1 TB
      8:02
    • Samsung Portable T7 Touch 1 TB
      9:20
    • Samsung 860 QVO 4 TB
      15:59
    • WD Black 6 TB HDD (WD6001FZWX)
      16:30
    • Samsung 870 QVO 4 TB
      16:38
  • 390 GB von NVMe-SSD auf Testmuster:
    • WD Black SN750 1 TB (mit Kühler)
      5:31
    • Samsung Portable X5 1 TB
      7:41
    • SanDisk Extreme Pro Portable 1 TB
      8:09
    • WD Black SN750 1 TB
      11:26
    • Crucial MX500 1 TB
      15:47
    • Samsung Portable T5 1 TB
      17:24
    • Samsung Portable T7 Touch 1 TB
      20:02
    • WD Black 6 TB HDD (WD6001FZWX)
      33:12
    • Samsung 870 QVO 4 TB
      36:56
    • Samsung 860 QVO 4 TB
      37:50
    • Crucial X8 Portable 1 TB
      41:00

Beim Schreiben der kompletten Sammlung mit 390 GB wird der Abstand noch ein Stück größer. Während die MX500 gut eine Viertelstunde benötigt, sind es 37 Minuten bei der 870 QVO mit QLC-NAND. Eine schnelle NVMe-SSD wie die WD Black SN750 schafft diese Aufgabe bei ausreichender Kühlung in 5,5 Minuten.

Wird der 390 GB große Ordner hingegen von der 870 QVO gelesen, besteht praktisch kein Unterschied zur Leistung von MX500 und 860 QVO.

2 Einträge
Steam-Ordner lesen (390 GB)
Einheit: Minuten, Sekunden
  • 390 GB von Testmuster auf NVMe-SSD:
    • WD Black SN750 1 TB
      7:35
    • WD Black SN750 1 TB (mit Kühler)
      7:35
    • Samsung Portable X5 1 TB
      10:39
    • Crucial X8 Portable 1 TB
      10:51
    • SanDisk Extreme Pro Portable 1 TB
      11:27
    • Samsung Portable T7 Touch 1 TB
      11:32
    • Crucial MX500 1 TB
      14:37
    • Samsung 860 QVO 4 TB
      14:45
    • Samsung 870 QVO 4 TB
      14:51
    • Samsung Portable T5 1 TB
      16:18
    • WD Black 6 TB HDD (WD6001FZWX)
      32:45

Leistungsverlauf

Auf sehr ähnlichem Leistungsniveau wie ihr Vorgänger agiert die 870 QVO auch beim sequenziellen Lesen im fünfminütigen Verlauf. Doch zeigen sich insbesondere zum Ende größere Schwankungen, während die 860 QVO die Leistung durchweg konstant abliefert. Denkbar wäre, dass es an der Feinabstimmung zwischen Controller und Firmware noch hapert, doch ist dies vorerst rein spekulativ. Auch beim sequenziellen Schreiben zeigen sich mehr Einbrüche, doch sind diese sehr selten. Das Verhalten ist reproduzierbar.

Temperaturverlauf

Dass die obigen Leistungseinbrüche keineswegs temperaturbedingt sind, zeigt die parallel aufgezeichnete Betriebstemperatur (laut SMART-Wert): Erwartungsgemäß wird die 870 QVO weder beim Lesen noch beim Schreiben sonderlich warm, was generell für SATA-SSDs im 2,5-Zoll-Format gilt. Schnelle NVMe-SSDs als M.2-Modul werden hingegen oft sehr heiß, sodass ohne zusätzliche Kühlung eine Leistungsdrosselung zum Schutz vor Überhitzung greift.

Fazit

Wer häufig große Datenmengen schreibt, sollte um QLC-SSDs wie die 870 QVO einen großen Bogen machen oder genügend Sitzfleisch mitbringen, denn dann ist die Leistung nicht höher als bei einer HDD. Sind die Daten aber erstmal geschrieben und werden nur noch abgerufen, also gelesen, dann ist eine QLC-SSD praktisch genauso schnell wie ein Pendant mit TLC-Speicher. Für die stetig wachsende Spielesammlung, bei der in der Regel die Internetleitung beim Installieren der limitierende Faktor ist, sind aufgrund ähnlicher Leseleistung wie bei TLC-SSDs keine großen Nachteile zu erwarten.

Samsung 870 QVO mit 4 TB im Test
Samsung 870 QVO mit 4 TB im Test

Ob jedoch der potenziell bestehende Leistungsnachteil in Kauf genommen werden sollte, ist nicht nur eine Frage des Anwendungsgebiets, sondern auch eine des Preises. Bisher sind QLC-SSDs nämlich nur unwesentlich günstiger als TLC-Pendants, die daher aus Sicht der Redaktion für alle Lebenslagen die bessere Wahl darstellen und etwa in Form einer WD Blue 3D oder der baugleichen SanDisk Ultra 3D für rund 460 Euro bei 4 TB Speichervolumen keine Schwachstelle haben. Für die 860 QVO mit 4 TB QLC-Speicher werden im Handel aktuell 430 Euro fällig. Die hier getestete 870 QVO mit 4 TB besitzt eine unverbindliche Preisempfehlung von knapp 468 Euro, dürfte aber bei breiter Verfügbarkeit zumindest ähnlich günstig wie die 860 QVO ausfallen.

Nur wer wirklich erschwingliche 8 TB SSD-Speicher benötigt, muss derzeit auf QLC-Technik setzen. Die Samsung 870 QVO mit 8 TB soll aber erst Ende August für 848 Euro (UVP) erhältlich sein. Auch hier gibt es allerdings eine Alternative: Die eingangs erwähnte Micron 5210 ION aus dem Enterprise-Segment liefert mit 7,68 TB geringfügig weniger Nutzspeicher zum Preis von aktuell rund 870 Euro. Diese dürfte in Benchmarks mangels SLC-Cache hinter einer 870 QVO zurückfallen, doch verspricht Micron eine kontinuierliche Schreibrate (im „Steady State“) von 360 MB/s, womit sie große Datenmengen mehr als doppelt so schnell schreibt wie die 160 MB/s der 870 QVO, wenn dieser der SLC-Cache ausgeht.

Die Samsung 870 QVO startet heute zunächst nur mit dem 1-TB-Modell. Die Varianten mit 2 TB und 4 TB sollen Ende Juli folgen und die 8-TB-Version ist auf Ende August datiert.

Preise der Samsung 870 QVO
Kapazität 1 TB 2 TB 4 TB 8 TB
Samsung 860 QVO (Handel*) ab 98,90 € ab 208,90 € ab 429,44 €
Samsung 870 QVO (UVP) 116,96 €* 233,94 €* 467,89 €* 848,06 €*
*Mindestpreis im Preisvergleich, Stand 30.06.2020

ComputerBase hat die 870 QVO von Samsung leihweise zum Testen erhalten. Das Muster wurde nach Unterzeichnung eines NDAs zur Verfügung gestellt. Die einzige Vorgabe war der frühestmögliche Veröffentlichungszeitpunkt. Eine Einflussnahme des Herstellers auf den Testbericht fand nicht statt, eine Verpflichtung zur Veröffentlichung bestand nicht.

(*) Bei den mit Sternchen markierten Links handelt es sich um Affiliate-Links. Im Fall einer Bestellung über einen solchen Link wird ComputerBase am Verkaufserlös beteiligt, ohne dass der Preis für den Kunden steigt.

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