Huawei MatePad Pro im Test: Display und technische Basis

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Michael Schäfer 154 Kommentare

Generell überzeugendes Display

In der von Huawei für das MatePad Pro aufgerufenen Preisklasse muss das Display einiges bieten – was es jedoch nicht ganz erfüllt. Das 10,8 Zoll große IPS-Panel löst mit 2.560 x 1.600 Pixeln auf und ist wie bei Android gewohnt im Format 16:10 gehalten. Die maximale Helligkeit fällt mit einem Durchschnitt von 454 cd/m² zwar ausreichend, für das Preissegment jedoch etwas zu niedrig aus. Bei hoher Umgebungshelligkeit und automatischer Regulierung erhöht sich der Maximalwert noch einmal auf 572 cd/m². So reicht der Bildschirm erst mit Boost an die von Huawei angegebene Helligkeit von 540 cd/m² heran. Die Ausleuchtung fällt mit einem Unterschied von bis zu 60 cd/m² jedoch etwas ungleichmäßig aus. Den geringsten Wert weisen die Messungen in dem Bereich aus, in dem sich auch die Frontkamera befindet.

Zumindest mit dem Leuchtkraftzusatz lässt sich das Display auch außerhalb der eigenen vier Wände gut verwenden. Direktem Sonnenlicht ausgesetzt, kommt es aber auch da an seine Grenzen. Der Kontrast liegt bei akzeptablen 1.261:1.

Kräftige Farben

Die Darstellung der einzelnen Inhalte fällt sehr gut aus. Schriften werden scharf dargestellt, Ausfransungen lassen sich mit bloßem Auge nicht erkennen. Die Farbdarstellung ist knackig, aber nicht sonderlich übertrieben, mit 8.800 K jedoch auch etwas unterkühlt. Dennoch soll das Display den kompletten DCI-P3-Farbraum abdecken. Unter der Bezeichnung „ClariVu“ integriert Huawei einen eigenen Bildverbesserer, der die Farben kräftiger und das Bild klarer erscheinen lassen soll. Wem es zu bunt wird, der kann das Farbbild in den Display-Einstellungen den eigenen Wünschen entsprechend anpassen und einen weniger kräftigen Farbmodus wählen. Gleichzeitig kann die Farbtemperatur in drei vorgegebenen Profilen ebenfalls angepasst werden. Ähnlich Apples True-Tone-Technologie ist es zudem möglich, die Farbwiedergabe anhand des Umgebungslichtes dynamisch zu justieren.

Huawei setzt bei dem Tablet auf eine Bildwiederholungsfrequenz von 60 Hz, was sich vor allem bei der Nutzung des Stylus in Sachen Latenzen bemerkbar macht. Hier bietet das Panel des iPad Pro von Apple mit seinen 120 Hz einen sichtbaren Vorteil. Die Blickwinkelabhängigkeit fällt dagegen sehr gut aus, selbst aus spitzen Winkeln sind Inhalte noch gut zu erkennen und die Helligkeit nimmt nur wenig ab. Farbliche Abweichungen konnten nicht beobachtet werden.

Schlagloch, die Zweite

Was dagegen sehr stört, ist das bereits erwähnte „Punch Hole“ (oftmals auch andersherum geschrieben). Obwohl diese Umsetzung bei vielen Nutzern kreative Lösungen bezüglich des Hintergrundbildes nach sich zieht, gab es im Test einige Apps, die an dieser Stelle Informationen darstellen, die dadurch nicht erkennbar waren. Gleichzeitig wird beim Herunterstreichen der Taskleiste nicht selten über die Kamera gewischt.

Technische Basis

Huawei setzt bei der technischen Grundausstattung auf einen Kirin 990, der von der Unternehmenstochter HiSilicon gefertigt wird. Dem SoC liegt ein Design von ARM zugrunde, das aus vier Cortex-A76- und vier Cortex-A55-Kernen besteht, die in 7 nm gefertigt sind. Die Kerne sind in insgesamt drei Cluster aufgeteilt, wobei zwei A76-Kerne laut Huawei mit 2,86 GHz und zwei weitere mit etwas geringeren 2,09 GHz takten. Die verbleibenden A55-Kerne besitzen dagegen lediglich einen Takt von 1,86 GHz und sollen dafür sorgen, dass das Tablet vor allem bei weniger anspruchsvollen Aufgaben sparsam arbeitet. Neben diesen hat der Hersteller noch eine Mali-G76-Grafikeinheit sowie einen neuronalen Prozessor für AI-Anwendungen in das SoC integriert.

Die daraus resultierende Leistung ist für ein Tablet auf einem sehr hohen Niveau, hat aber weder dem Branchenprimus Snapdragon 865 von Qualcomm noch dem Exynos 990 aus dem Hause Samsung etwas entgegenzusetzen – in den Leistungstests fehlen rund 20 bis 25 Prozent. Dennoch ist das Tablet mit seinem SoC für alle Alltagsaufgaben mehr als gut gerüstet.

In Sachen Grafikleistung kann die SoC-Kombination mit ihrer Mali-G76-Einheit in einigen Bereichen mit dem Galaxy Tab S6 mithalten, muss sich aber auch des Öfteren dem Topmodell von Samsung geschlagen geben. Das soll jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die Leistung selbst für aktuelle Topspiele in hohen Detailstufen als vollkommen ausreichend zeigt.

Dafür sorgt auch der mit 8 GByte üppig bemessene Arbeitsspeicher, mit dem sich das Tablet jederzeit mit einem hohen Schwuppdizitätsfaktor selbst bei Multi-Windows-Anwendungen flüssig bedienen lässt. Ebenfalls groß fällt mit 256 GByte der Speicherplatz für eigene Inhalte aus, von dem nach Abzug des Systems und der Huawei-eigenen Applikationen rund 236 GByte für den Nutzer zur eigenen Verwendung übrig bleiben.

Überraschend gut behauptet sich das MatePad Pro bei den Speichertests, wo es die Android-Konkurrenz größtenteils deutlich hinter sich lässt. Der Speicher des Tablets ist zwar erweiterbar, jedoch setzt Huawei beim MatePad Pro auf die bisher weniger verbreiteten und gegenüber dem gängigen microSD-Format deutlich teureren Nano-Memory-Karten.

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