Huawei MatePad Pro im Test: Multimedia-Eigenschaften, Laufzeiten und Stifteingabe

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Michael Schäfer 154 Kommentare

Multimedia

Weitere Einschnitte müssen Anwender bei der Unterstützung diverser Streaming-Angebote hinnehmen. Selbst wenn Netflix, Amazon oder Disney+ auf das Tablet gebracht werden können, werden Inhalte, wenn überhaupt, aufgrund der fehlenden Widevine-Level-1-Zertifizierung, die für das DRM-Management, also den Kopierschutz vor allem beim Streaming zuständig ist, nur in Standardauflösung wiedergegeben – also meist 480p oder 576p. Videos auf YouTube werden dagegen in hoher Qualität abgespielt. Dieser Umstand dürfte neben dem fehlenden Play Store für viele Interessierte das endgültige K.-o.-Kriterium darstellen.

Bei der Filmwiedergabe per Datei kann das MatePad Pro dagegen wieder auftrumpfen. Dass es alle Videos im H.264- und H.265-Standard in sämtlichen Profilen und Levels ruckelfrei abspielt, sollte niemanden überraschen – hierbei kann aber ebenso das Display mit seiner Helligkeit und vor allem knackigen Farbwiedergabe überzeugen.

Das MatePad Pro unterstützt lediglich NM-Speicherkarten
Das MatePad Pro unterstützt lediglich NM-Speicherkarten

Positiv wirken sich auch die vier Lautsprecher aus, für die sich die Klangspezialisten von Harman Kardon verantwortlich zeigen und die für die Baugröße gerade im unteren Frequenzbereich Beachtliches leisten – nur gilt hier ebenfalls: Wunder können auch diese nicht vollbringen. An dieser Stelle zeigt sich erneut der Nachteil des fehlenden nativen Kopfhöreranschlusses des Testgerätes, ein bequemes Handling mit dem Adapter ist einfach nicht möglich.

Bei Spielen macht das MatePad Pro ebenfalls eine gute Figur. Auch wenn die verbaute Grafikeinheit gegenüber den Pendants der Konkurrenz leistungsmäßig ein wenig das Nachsehen besitzt, reicht sie für gängige 3D-Spiele mit hohen Details und Bildwiederholungsfrequenzen von bis zu 60 Hz immer noch locker aus. Dennoch zeigt das Tablet, dass es im Android-Bereich aktuell zu den leistungsstärksten Vertretern seiner Zunft gehört.

Laufzeiten

Mit den Laufzeiten ist das beim MatePad Pro so eine Sache – es kommt immer auf den Verbraucher an. Auf ComputerBase wird die Kondition des Akkus einmal per Video mittels YouTube-App und über die Nutzungssimulation von PCMark geprüft. In den meisten Fällen ist es so, dass die Video-Wiedergabe den geringeren Energieverbrauch aufweist, einfach, weil die Hardware-Dekodierung in den Prozessoren in den letzten Jahren sehr effektiv geworden ist. Bei PCMark sieht es schon wieder anders aus, da der Prozessor deutlich mehr gefordert wird. Beim MatePad Pro war dies seltsamerweise andersherum: So strich der über eine Kapazität von 7.250 mAh verfügende Akku bei der Filmwiedergabe bei knapp unter 12 Stunden die Segel, bei der Nutzungssimulation konnte das Tablet deutlich über 13 Stunden für sich verbuchen. Um einen Verdacht zu bestätigen, wurde der YouTube-Test noch einmal im Browser wiederholt – und hier verlängerte sich die Laufzeit um ein Viertel auf knapp über 16 Stunden.

Dieses Ergebnis zeigt deutlich, dass selbst wenn es der Nutzer geschafft hat, die Play-Dienste auf das Tablet zu bekommen, dies noch lange nicht bedeutet, dass diese auch optimal auf dem System funktionieren. Dennoch zeigt das Gerät, dass es in der Arbeitswelt genügend Reserven für einen ganzen Tag besitzt.

Über das MatePad Pro lassen sich Qi-Geräte kabellos laden
Über das MatePad Pro lassen sich Qi-Geräte kabellos laden

Laden und geladen werden

Peinlich wird es jedoch für Huawei beim beigelegten Netzteil: Auch wenn das MatePad Pro ein Laden mit bis zu 40 Watt unterstützt, legt der Hersteller diesem lediglich ein bescheidenes 10-Watt-Exemplar bei, das nicht einmal an die 15 Watt beim kabellosen Laden heranreicht. Mit diesem kann ein kompletter Ladevorgang des Akkus schon einmal vier bis fünf Stunden in Anspruch nehmen. Darüber hinaus ermöglicht das Tablet Reverse-Wireless-Charging, dann jedoch lediglich mit 7,5 Watt. Die Funktion muss zunächst in den Einstellungen aktiviert werden, dann reicht für den Ladevorgang ein einfaches Auflegen des jeweiligen Gerätes auf die Rückseite des Tablets. Bei einem iPhone 11 sowie einem Fire HD 8 Plus funktionierte dies im Test einwandfrei. Wird die Funktion eine Zeit lang nicht benötigt, deaktiviert sie sich automatisch.

Die Stifteingabe

Huawei bietet für das MatePad Pro einen Stylus an, der jedoch trotz des hohen Preises nicht zum Paket gehört, sondern optional erstanden werden muss. Dieser besitzt die Länge eines normalen Bleistiftes, ist aber etwas dicker gefertigt und liegt beim Schreiben gut in der Hand.

Der M-Pencil wird seitlich am MatePad Pro geladen
Der M-Pencil wird seitlich am MatePad Pro geladen

Der als M-Pencil bezeichnete Stift bietet 4.096 Druckstufen, was gerade beim Zeichnen eine sehr genaue Stiftführung erlaubt. Darüber hinaus soll dieser bei normaler Nutzung eine Latenz von lediglich 20 ms besitzen. Ein leichter Versatz war im Test zwar zu erkennen, dieser fiel aber so gering aus, dass der Abstand zwischen Stiftspitze und Geschriebenem nicht für Irritationen sorgte. Somit liegt die Stift-Digitizer-Kombination auf ähnlichem Niveau wie das aktuelle iPad Air und der Apple Pencil der ersten Generation. Das iPad Pro hat hier mit seinem 120-Hz-Display jedoch klar die Nase vorne – ist dafür aber auch deutlich teurer.

Geladen wird der M-Pencil nicht wie das Pendant von Apple am USB-Anschluss, sondern induktiv per Magnethaftung am rechten Bildschirmrand. Verbunden wird er mit dem Tablet aber ebenso per Bluetooth. Im Gegensatz zum Stylus des Galaxy Tab S6 fehlen dem Huawei-Stift jegliche Zusatzfunktionen, trotz Bluetooth-Unterstützung kann dieser so zum Beispiel nicht als Fernbedienung genutzt werden. Auch stellt sich die Frage, warum die Hersteller immer noch nicht die bei verschiedenen Anbietern von Graphic-Tablet-Lösungen schon lange zum Ausstattungsstandard gehörende Funktion integrieren, den Stift zum Löschen von Eingaben (also dem Radiergummi) einfach umzudrehen. Das würde schneller gehen, als diesen in den teilweise verschachtelten Menüs der Skizzen-Programme auszuwählen.

Beim Schreiben oder Zeichnen sorgt die hervorstehende Hauptkamera bei dem auf einem Tisch liegenden Tablet für eine recht wackelige Nutzung. Huawei hat es schlicht versäumt, dies über die Gehäuserückseite entsprechend zu korrigieren.

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