OnePlus Nord im Test: Leistung und Konnektivität

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Nicolas La Rocco 324 Kommentare

Wenn es zu Sparmaßnahmen in einem Smartphone kommt, ist davon meistens das System-on-a-Chip betroffen, und das ist auch beim OnePlus Nord nicht anders. Statt des Snapdragon 865 steckt der Snapdragon 765G im Nord. Der spielt mindestens eine Liga unterhalb des Top-Chips, ist aber immerhin Qualcomms drittstärkster Prozessor, wenn der jüngst vorgestellte Snapdragon 768G mit mehr Takt nicht mitgerechnet wird.

Snapdragon 765G im Überblick

Der Snapdragon 765G stammt wie das Topmodell aus der 7-nm-Fertigung, allerdings nicht von TSMC, sondern von Samsung. 7LPP von Samsung nutzt ebenso wie das N7P-Verfahren von TSMC eine Mischung aus EUV-Lithografie und klassischer Immersionslithografie und zählt zu den modernsten und effizientesten Fertigungstechniken am Markt.

CPU mit 1+1+6-Aufbau

Im Unterschied zum Snapdragon 865 hat der 765G einen 1+1+6- statt 1+3+4-Aufbau. Im Detail bedeutet das, dass ein Kryo 475 Gold (Cortex-A76) als Prime-Core bis zu 2,30 GHz liefert, ein weiter Kryo 475 Gold bis zu 2,20 GHz und die sechs Kryo 475 Silver (Cortex-A55) bis zu 1,80 GHz wie beim Snapdragon 865. ARMs schnellste Cortex-A77-Cores waren bisher dem Flaggschiff vorbehalten, ziehen demnächst aber auch beim Snapdragon 690 ein. Mit den Prozessoren der nächsten Generation dürfte das auch in der 7xx-Familie der Fall sein.

Während die CPU zwar einen Respektabstand zum Topmodell hält, aber nicht meilenweit hinterher hinkt, fällt die Differenz im GPU-Segment größer aus. Bei Qualcomm klafft zwischen Adreno 620 und 650 eine Lücke, die beim Snapdragon 768G mit mehr GPU-Takt gefüllt werden soll. Das Minus an Shader-Clustern, wenngleich es dazu keine offiziellen Angaben von Qualcomm gibt, gleicht das aber nicht aus.

Die Adreno 620 hält größeren Abstand

Wo bei der CPU rund 50 Prozent (Single-Core) bis 70 Prozent (Multi-Core) auf den Snapdragon 865 fehlen, sind es bei der GPU je nach Benchmark zwischen 130 Prozent und 150 Prozent. Wer bei fordernden Spielen den 90 Hz des Displays mit 90 FPS entsprechen will, sollte zu einer stärkeren GPU greifen, die auch aus einem Smartphone des Vorjahres stecken kann. Snapdragon 855 oder 845 liefern mehr GPU-Leistung.

Weitere Sparmaßnahmen gibt es beim Festspeicher, der OnePlus-typisch auch beim Nord nicht erweitert werden kann. 128 GB im Basismodell sind aber eine bereits gute Ausstattung, die vielen Anwendern reichen dürfe. Mit 8 GB LPDDR4X ist das Basismodell zudem mit mehr als ausreichend Arbeitsspeicher bestückt.

UFS 2.1 der schnelleren Sorte

Der Festspeicher entspricht mit UFS 2.1 einer etwas älteren Generation, die beim sequentiellen Lesen und Schreiben auf rund 940 MB/s respektive 475 MB/s kommt. Das ist zwar weniger als bei den UFS-3.x-Smartphones, setzt sich aber von anderen Geräten derselben Liga, die ebenfalls mit UFS 2.1 ausgestattet sind. Hier hat sich OnePlus somit in jedem Fall für eine schnelle Variante des etwas älteren Speichers entschieden. Zu beachten ist, dass die Messwerte auf einem Testgerät mit potenziell schnelleren 256 GB ermittelt wurden. Wie schnell das 128-GB-Modell ist, konnte nicht verifiziert werden.

Der Snapdragon 765G mag zwar nicht die Benchmark-Ergebnisse eines Snapdragon 865 erzielen, er macht sich im Alltag aber nicht negativ bemerkbar, da hier primär das flotte Bediengefühl dank des 90-Hz-Panels beim Anwender hängen bleibt. Ein eine Stufe tiefer positioniertes SoC ist einem schlechteren Display vorzuziehen und hier hat OnePlus genau richtig gehandelt und einen sinnvolleren Kompromiss gewählt.

5G über integriertes Modem

In puncto Konnektivität hat der Snapdragon 765G dem 865 sogar etwas voraus, da das Modem nicht auf einen zweiten Chip ausgelagert werden muss, sondern mit im SoC steckt, so wie es bis zum Snapdragon 855 auch in der 1. Liga der Fall war. Das Snapdragon-X52-Modem unterstützt zwar weniger Bandbreite im Sub-6-GHz-Bereich und bei mmWave als das X55, in Deutschland werden aber alle derzeitigen Spitzengeschwindigkeiten abgedeckt. Bei den 5G-Bändern sind mit n1, n3, n7, n28 und n78 alle hierzulande wichtigen Frequenzen auch mit Hinblick auf DSS von Deutscher Telekom und von Vodafone dabei. Das OnePlus Nord unterstützt zudem Dual-SIM, allerdings funktioniert 5G nur auf der ersten von zwei Nano-SIM-Karten. Eine insbesondere im Ausland praktische eSIM-Unterstützung gibt es grundsätzlich nicht bei OnePlus.

Das integrierte Modem sorgt für weniger Bauteile im Smartphone und aufgrund der dadurch besseren Energieeffizienz für lange Laufzeiten trotz des kleineren Akkus.

OxygenOS mit Update-Garantie

Als Betriebssystem kommt Android 10 mit OxygenOS zum Einsatz. Auch auf dem Nord punktet das System durch seine Nähe zu Stock-Android und die doch gleichzeitige Integration zahlreicher Optionen zur Individualisierung. Wer Veränderungen nicht nur am Hintergrundbild vornehmen möchte, sondern auch die Form von App-Icons, Akzentfarben, Schriftart und viel mehr beeinflussen will, ist bei OxygenOS genau richtig.

Unverändert von den Flaggschiffen übernommen wurde die Update-Garantie von drei Jahren, wobei zwischen zwei Jahren Updates für Android-Hauptversionen und insgesamt drei Jahren Support für Sicherheitsupdates unterschieden werden muss. Für Android 11 und 12 hat der Hersteller bereits Zusagen im offiziellen Forum ausgesprochen. OnePlus ist einer der weniger Anbieter neben Google, die sich zu einem Update-Zeitraum verpflichten. Google bietet mit drei Jahren auch für die Hauptversion den derzeit längsten Support im Android-Segment. An Apple kommt allerdings kein Mitbewerber heran, wie das im September fünf Jahre alte und mit iOS 9 auf den Markt gebrachte iPhone 6s mit dann iOS 14 beweist. Hier haben Google und die Android-Partner trotz Zusagen noch viel Nachholbedarf.

Update bisher nicht für Testgerät verfügbar

Das OnePlus Nord wurde noch mit OxygenOS 10.5.1 und Juli-Sicherheitsupdates getestet, da das am 23. Juli veröffentlichte Update auf OxygenOS 10.5.2 bis Sonntagabend nicht für das Smartphone zum Download angeboten wurde.

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