OnePlus Nord im Test: Kamera und Akkulaufzeiten

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Nicolas La Rocco 327 Kommentare

Die Rückseite des OnePlus Nord schmückt eine im linken Bereich vertikal verlaufende Quad-Kamera, deren Hauptkamera in puncto Sensor und Auflösung mit dem Sony IMX586 und 48 Megapixeln dem OnePlus 8 entspricht. Rechts daneben sitzt ein Dual-LED-Blitz. Im OnePlus 8 Pro ist für die Hauptkamera hingegen Sonys neuer 12-Bit-Sensor IMX689 verbaut, auf den auch Oppo im Find X2 Pro (Test) setzt.

Ultraweitwinkel, Weitwinkel, Tiefensensor, Makrolinse
Ultraweitwinkel, Weitwinkel, Tiefensensor, Makrolinse

Mit Funktionen wie dem Nachtmodus, der f/1,8-Blende und einem optischen Bildstabilisator (OIS) für die Hauptkamera bietet das OnePlus Nord exakt die Features eines OnePlus 8. Die drei weiteren Linsen sind für Ultraweitwinkel-Aufnahmen mit 8 Megapixeln, Makroaufnahmen mit 2 Megapixeln und die Erfassung von Tiefeninformationen mit 5 Megapixeln für Porträtfotos zuständig. Videoaufnahmen sind in bis zu 4K30 oder 2K60 möglich, die vordere Kamera schafft derweil sogar 4K60. Dass die vordere Kamera bei 4K mehr FPS schafft, ist kein Schreibfehler im Datenblatt. HDR-Videoaufnahmen sind mit keiner der Kameras möglich, obwohl der Snapdragon 765G dies bis zu 4K-Auflösung auch mit dem dynamischen HDR10+ unterstützen würde.

Hauptkamera im Vergleich zum OnePlus 8 Pro

Auf die Hauptkamera bezogen muss sich das OnePlus Nord nicht hinter seinen teureren Konkurrenten verstecken. Das Smartphone schießt bei Tageslicht auch unter schwierigen Lichtverhältnissen wie Gegenlicht gute bis sehr gute Aufnahmen und überzeugt mit einer beinahe tadellos funktionierenden HDR-Automatik, wie bereits die erste Testaufnahme in der Galerie zeigt. Ob das Foto mit einem OnePlus Nord, OnePlus 8 Pro oder Apple iPhone 11 Pro Max geknipst wird, macht bei normalen Tageslichtaufnahmen häufig keinen Unterschied. Das OnePlus 8 Pro zeichnet sich bei genauerer Betrachtung am großen Desktop-Bildschirm aber durch eine bessere Detailabbildung über das gesamte Bild und im Speziellen in Schatten sowie eine leicht höheren Schärfe ohne Rauschen aus.

OnePlus Nord im Test – Kamera bei Tag im Vergleich

Der sehr große Sensor des OnePlus 8 Pro ist aber nicht immer von Vorteil. In Kombination mit den Smartphone-typisch sehr kleinen Linsen sorgen die großen Sensoren bei Nahaufnahmen für einen extrem starken Abfall der Bildschärfe abseits der Bildmitte. Das ist zum Beispiel bei der Aufnahme des Zahlenschlosses erkennbar, wo OnePlus Nord und iPhone 11 Pro Max klar die Nase vorne haben. Diese Problematik weisen übrigens auch das baugleiche Oppo Find X2 Pro und das Galaxy S20 Ultra auf.

Ultraweitwinkel sieht mehr etwas schlechter

Aufnahmen mit dem Ultraweitwinkel gehen aber klar an das OnePlus 8 Pro, da OnePlus Nord und iPhone 11 Pro Max im Direktvergleich nicht dessen Details erreichen. In der Bildmitte ist der Eindruck noch in Ordnung, abseits dessen mangelt es aber an Schärfe. Einen Pluspunkt erhält das Nord jedoch für das leicht breitere Sichtfeld, das vom iPhone 11 Pro Max allerdings nochmals geschlagen wird. Gerade beim sehr teuren iPhone ist jedoch immer wieder erschreckend festzustellen, wie matschig die Fotos sind.

Rein digitales Teleobjektiv

Der Wechsel zum Teleobjektiv ist zugegebenermaßen nicht fair für das OnePlus Nord, da es ein solches Objektiv hier gar nicht gibt. So tun als ob, kann OnePlus aber gut, denn in der Kamera-App suggeriert einer der drei Hauptmodi genau das. Der Zoom auf die oberen Stockwerte des Waldorf-Astoria-Hotels, das Marmorhaus am Kurfürstendamm oder den Berliner Dom sichern aber klar OnePlus 8 Pro und iPhone 11 Pro Max für sich, wobei das Apple-Smartphone hinter OnePlus landet, da die optische Vergrößerung schwächer ausfällt.

Bei Nacht fast ein High-End-Smartphone

Geht es in die Nacht, hissen günstige Smartphones häufig die weiße Fahne. Entwarnung allerdings beim OnePlus Nord, das sich vor allem im Nachtmodus gut schlägt. Mit der Automatik ist bei Nacht ausschließlich das Foto vor dem Neptunbrunnen mit Rotem Rathaus im Hintergrund geschossen worden. Alle Fotos sind frei oder maximal an einer Mauer angelehnt geschossen worden. Für das OnePlus Nord lässt sich wie beim OnePlus 8 Pro ein Stativmodus mit 8 bis 30 Sekunden Belichtungszeit aktivieren.

OnePlus Nord im Test – Kamera bei Nacht im Vergleich

Die feine Abstimmung sehr heller Bildbereiche im Kontrast zur gewünschten längeren Belichtung für insgesamt mehr Details gelingt dem Nord nicht ganz so gut wie den viel teureren Smartphones, aber was auf dem Speicher landet, ist durchaus beachtenswert. Dieser Vorgang des Speichers samt Postprocessing dauert auf dem Nord übrigens ein bis zwei Sekunde länger als auf dem OnePlus 8 Pro. Es sind diese Momente, in denen sich der schwächere Snapdragon 765G im Alltag dann doch bemerkbar macht.

Geschlagen geben muss sich das OnePlus Nord aber beim Wechsel zum Ultraweitwinkel bei Nacht. Das Foto des Alten Museums würde man in dieser Qualität eigentlich sofort wieder vom Smartphone löschen, selbiges gilt aber auch für Besitzer eines iPhone 11 Pro Max. Einzig das OnePlus 8 Pro produziert in diesem Modus noch halbwegs brauchbare, wenngleich ebenfalls nicht mehr besonders gute Aufnahmen.

Selfies mit zwei Linsen

Als dritte nutzbare Linse gibt es eine für Makroaufnahmen mit 2 Megapixeln. Kaufentscheidend für das Nord ist diese Beigabe allerdings eher weniger, da OnePlus damit primär die Anzahl der Kameras auf unbedingt vier steigern wollte. Immer wieder kommt bei chinesischen Smartphones die immer gleiche 2-Megapixel-Knipse für Makroaufnahmen hinzu. So extrem nah, wie man es vielleicht erwartet, kommt man damit in der Praxis nicht an das Objekt heran. Die Aufnahmen in der Galerie stellen jeweils das Maximum für den Fokus dar.

OnePlus Nord im Test – Makro- und Selfie-Aufnahmen

Zu guter Letzt gilt es bei den Fotos einen Blick auf die Frontkameras zu werfen, da OnePlus erstmals zwei Linsen verbaut, um Weitwinkel und Ultraweitwinkel abzudecken. Für Selfies einer einzelnen Person bedarf es dieses Aufbaus nicht, wenn nicht gerade etwas besonders großes im Hintergrund mit eingefangen werden soll. Für „Groufies“, also Gruppen-Selfies, kann das zweite Objektiv aber durchaus nützlich sein.

Dennoch hätte OnePlus alternativ einfach die etwas weitere Linse verbauen und für eine nähere Ansicht einen Zuschnitt durchführen können. Das iPhone 11 Pro Max macht es zum Beispiel genau so, wenngleich mit einem nicht ganz so breiten Sichtfeld.

Videoaufnahmen in 4K mit 30 FPS und SDR

Im Videomodus beherrscht das OnePlus Nord maximal 4K-Auflösung mit 30 FPS auf der Hauptkamera, während Selfie-Videos gar mit 60 FPS aufgenommen werden können. Auf HDR10(+) verzichtet OnePlus, wenngleich der Snapdragon 765G dies unterstützen würde. Das Nord stabilisiert Videoaufnahmen optisch (OIS) und elektronisch (EIS), sodass auch beim Laufen oder Treppensteigen ruhig gefilmt werden kann.

In 4K30 SDR steht das OnePlus Nord dem OnePlus 8 Pro beinahe in nichts nach. Wie bei den Fotoaufnahmen sind es erneut die Schatten, aus denen das Nord etwas weniger Details zieht. Im Direktvergleich ist es mehr die Tonspur, die beim OnePlus Nord schneller übersteuert und insgesamt etwas dumpfer klingt. Eine klare Stereo-Separierung bieten hingegen beide Smartphones.

Beide OnePlus-Smartphones bieten für Videoaufnahmen einen Super-Steady-Modus, der aber bewusst nicht für den Test gewählt wurde, da dieser mit dem Ultraweitwinkel und dessen schlechterem Sensor arbeitet. Der größere Bildausschnitt des Ultraweitwinkels wird als Puffer für den Zuschnitt der Bildstabilisierung verwendet.

Akkulaufzeiten mit YouTube und PCMark

Auf 4.115 mAh bringt es der Akku des OnePlus Nord, der damit dem OnePlus 8 exakt 185 mAh und dem OnePlus 8 Pro 395 mAh hinterher hinkt. Obwohl der Akku etwas kleiner ausfällt, trifft das Gegenteilige auf die Akkulaufzeiten zu. Reduzierte Auflösung und Bildwiederholrate sowie der bessere SoC-Aufbau mit nur einem Chip sorgen dafür, dass im YouTube-Test bei kalibrierten 200 cd/m² eine Akkulaufzeit von mehr als 19 Stunden erzielt wurden. Das OnePlus 8 Pro kam im gleichen Test auf 17 Stunden.

Ebenfalls sehr gut sieht es für das vermeintlich schlechtere OnePlus Nord im PCMark 2.0 aus, der auf über elfeinhalb Stunden kommt. Der Benchmark führt das Surfen im Browser, die Foto- und Videobearbeitung sowie Textverarbeitung auf dem Smartphone durch. Auch die Datenverarbeitung in Fitness- und Finanz-Apps wird simuliert.

Laden mit Warp Charge 30T

Am kabelgebundenen Laden gibt es keine Veränderungen gegenüber den Flaggschiffen. Dem Smartphone liegt ein starkes Netzteil für Warp Charge 30T mit bis zu 30 Watt bei. OnePlus sagt, der Akku lasse sich damit innerhalb einer halben Stunden auf 70 Prozent laden. Im Test konnte dieser Wert mit einer Minute Abweichung bestätigt werden.

Kabelloses Laden nur für das OnePlus 8 Pro

Auf kabelloses Laden hat OnePlus für das günstigere Smartphone allerdings verzichtet. Das war aber nicht anders zu erwarten, nachdem das Feature schon beim OnePlus 8 nicht mehr anzutreffen ist. Einzig das OnePlus 8 Pro unterstützt dies bisher.

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